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Vegane Ernährung bei Kindern

Einleitung

Mit einem steigenden Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung geht in der heutigen Zeit auch eine erhöhte Aufmerksamkeit auf die richtige Ernährung einher. Immer mehr Leute folgen einer vegetarischen oder veganen Lebensweise und geben diese an ihre Kinder weiter. Eine vegane Ernährung bei Kindern, also eine Aufnahme von ausschließlich pflanzlichen Nahrungsbestandteilen, führt immer wieder zu weitreichenden Diskussionen unter Fachleuten. Wenn Kinder sich vegan ernähren, besteht die Gefahr, dass sich ein schwerwiegender Mangel an Vitaminen und Nährstoffen manifestiert. Dieser kann mit einem Risiko für Entwicklungs -, Reifungs – und Wachstumsstörungen einhergehen.

Zu welchem Entschluss kommen weltweite Studien?

Im Rahmen des immer stärker wachsenden Verständnisses von Gesundheit und Ernährung wurden weltweit mehrere Studien durchgeführt, die sich mit dem Thema der veganen Ernährung im Kindesalter beschäftigen. Ein Konsens wurde laut aktueller Lage nicht gefunden. Neben vielen Gegnern der veganen Ernährung gibt es immer wieder Befürworter, die mit Studien belegen können, dass eine vegane Ernährung bei Kindern nicht schädlich sein muss. Laut einer Studie von Young und Pellett kann die auf ausschließlich pflanzlichen Produkten basierende Ernährung zu einer normalen körperlichen und geistigen Entwicklung führen, wenn man die wichtigen Nährstoffe, die über die pflanzliche Nahrung nicht aufgenommen werden können, zusätzlich zuführt. Sie berichten auch, dass vegan lebende Menschen viel bewusster und gesünder leben und weniger Allergien oder chronische Erkrankungen entwickeln.

In den meisten Studien steht man der veganen Ernährungsweise allerdings ablehnend gegenüber. Laut der European Society of Paediatric sollten Kleinkinder nicht vegan ernährt werden, da aufgrund der entstehenden Unterversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen ausgeprägte Mangelzustände entstehen. Diese stellen ein großes Risiko für Entwicklungs – und Wachstumsverzögerungen und vor allem auch eine Gefahr für das Auftreten von weitreichenden neurologischen Schäden dar. Neben Vitamin B12, Eisen und Folsäure sind auch die anderen fettlöslichen Vitamine, Mineralien und Iod von besonderer Bedeutung. In Folge eines Iodmangels besteht die Gefahr einen Kretinismus zu entwickeln, der mit einer ausgeprägten geistigen Retardierung einhergeht.

Ist eine vegane Ernährung bei Kindern tatsächlich schädlich?

Eine vegane Ernährung bei Kindern wird von den meisten Fachleuten abgelehnt. Prinzipiell ist sie jedoch nicht primär schädlich, solange auf eine ausreichende Substitution der fehlenden Vitamine, Nährstoffe, Spurenelemente und Energielieferanten geachtet wird. Dennoch sollte eine komplett vegane Ernährung im Säuglings – und Kleinkindalter weitestgehend vermieden werden, da diese zu einer verzögerten oder auch fehlerhaften kindlichen Entwicklung und Reifung führen kann. Man muss außerdem bedenken, dass die möglichen Folgen nicht bei allen Kindern eintreten müssen. In den meisten Fällen kommt es zu ernährungsbedingten Problemen, die allerdings keine schwerwiegenden Einschränkungen mit sich bringen.

Schädlich kann die Ernährung ohne Zufuhr von tierischen Produkten dann werden, wenn dem kindlichen Organismus nicht ausreichend Nährstoffe, Vitamine und Proteine zugefügt werden, damit sich die kindlichen Energiespeicher auffüllen können. Viele vegan ernährte Kinder fallen in Folge dessen durch eine Unterernährung und ein verzögertes Längenwachstum auf. Pflanzliche Nahrungsmittel haben eine niedrigere biologische Wertigkeit als tierische. Dadurch besteht die Gefahr, dass der hohe Energiebedarf während der Wachstumsphase nicht ausreichend gedeckt wird. Um ein Wachstumsdefizit auszugleichen, sollte darauf geachtet werden, dass viele verschiedene pflanzliche Stoffe miteinander kombiniert werden.

Welche Risiken birgt die vegane Ernährung von Kleinkindern?

Viele Eltern sehen in der veganen Ernährungsweise eine gesunde und vor allem umweltfreundliche sowie nachhaltige Alternative. Die rein vegane Ernährung eines Kindes ist prinzipiell möglich. Dennoch sind sich die Eltern in den meisten Fällen den schwerwiegenden Risiken, die mit diesem Ernährungsverhalten einhergehen können, nicht bewusst. Für Säuglinge und Kleinkinder besteht ein großes Risiko für eine  dem Bedarf nicht entsprechende oder unzureichende Zufuhr von lebenswichtigen Stoffen wie

  • Energielieferanten,
  • Proteinen,
  • Calcium,
  • Iod,
  • Eisen,
  • Zink,
  • Magnesium,
  • Vitamin B2, Vitamin B12
  • und Vitamin D.

Außerdem besteht das Risiko, dass nicht genügend langkettige Fettsäuren aufgenommen werden, die für den kindlichen Entwicklungs – und Reifungsprozess eine bedeutende Rolle spielen. Mit steigendem Nährstoffbedarf und einem voranschreitenden Wachstumsprozess steigt das Risiko für eine ausgeprägte Mangelernährung.

Neben dem Risiko einen ausgeprägten Nährstoffmangel zu entwickeln, können die Kinder ebenfalls eine Anfälligkeit für leichte Infekte oder auch Allergien entwickeln, da aufgrund des Nährstoffmangels das körpereigene Immunsystem der Kinder nicht stark genug ausgebildet ist. Hinzu kommt, dass bei den betroffenen Kindern ein erhöhtes Risiko für eine verlangsamte oder fehlerhafte körperliche und geistige Entwicklung (siehe auchEntwicklung des Kindes) besteht. Viele Kinder, die schon früh vegan ernährt werden, sind der Gefahr ausgesetzt, anderen Kindern in der Entwicklung unterlegen zu sein.

Gefährdet eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft das Kind?

Eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft ist ohne die Gefahr eines neu auftretenden Nährstoffmangels nicht möglich. Dennoch ist das Weiterführen einer veganen Ernährung während der Schwangerschaft prinzipiell möglich, ohne dass dem ungeborenen Kind schwerwiegende Schäden zugefügt werden. Zunächst einmal sollte man anmerken, dass Schwangere, die sich vegan ernähren möchten, eine Ernährungsberatung hinzuziehen sollten. Zum einen benötigt der weibliche Körper während der Schwangerschaft deutlich mehr Nährstoffe und vor allem auch eine erhöhte Energiezufuhr. Eine professionelle Beratung kann eine große Unterstützung bieten, indem erläutert wird, welche Nährstoffe für die Mutter und das ungeborene Kind besonders wichtig sind und in welcher Form von Nahrung sie am besten aufgenommen werden können. Zudem werden Tipps für eine ausreichende, gesunde Ernährung gegeben und ein großes Augenmerk auf die zusätzliche Zufuhr von Vitaminen und Mineralien gelegt, die über die vegane Nahrung nicht aufgenommen werden.

Besonders wichtig ist eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin B12, sowie eine ausreichende Menge an Eiweiß. Zusätzlich sollten Veganerinnen immer die Einnahme von

  • Eisen,
  • Folsäure,
  • Kalzium,
  • Iod
  • und Vitamin B2

im Auge behalten, da diese Nährstoffe in der Entwicklung des kindlichen Nervensystems eine große Rolle spielen. Um einen drohenden Nährstoffmangel frühzeitig zu erkennen, wird Veganerinnen geraten regelmäßig relevante Blutwerte wie Eisen, Ferritin und Vitamin B 12 bestimmen zu lassen.

Was sollten vegan lebende, stillende Mütter beachten?

Für Mütter, die ihr Kind stillen, sollte eine vegane Ernährung in der Regel keine Probleme darstellen. Da die Säuglinge all ihre lebenswichtigen Nährstoffe und Energielieferanten über die Muttermilch aufnehmen, sollten stillende Mütter lediglich darauf achten, dass sie sich trotz des Verzichts auf tierische Produkte so gut es geht ausgewogen ernähren und auf die Zufuhr oder zusätzliche Einnahme von lebenswichtigen Vitaminen und Nährstoffen achten. In den meisten Fällen haben Mütter, die sich vegan ernähren, ohnehin ein gutes und umfangreiches Verständnis von Ernährung und ihrer Zusammensetzung. Studien haben zudem gezeigt, dass vegan lebende Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit automatisch größere Mengen an Nährstoffen zu sich nehmen, weil sie gezielter darauf achten.

Genauso wie in der Schwangerschaft sollten die stillenden Mütter vor allem ausreichend Vitamin B12 und Folsäure aunehmen, da dieses nicht nur in der Embryonalzeit, sondern auch noch im Wachstumsprozess des Säuglings eine große Rolle spielt. Es hat eine herausragende Bedeutung für die Blutbildung, die Zellteilung und die Reifung des Nervensystems. Bei ausgeprägtem Mangel kann es zu schwerwiegenden Entwicklungsstörungen kommen. Dennoch wurde in Studien belegt, dass ein Mangel an Vitamin B12 auch bei schwangeren oder stillenden Frauen auftreten kann, die weder vegan leben noch an einer Magen–Darm–Erkrankung mit einhergehender Vitamin B12 Resorptionsstörung leiden. Die Gründe dafür sind bisher noch unbekannt.

Eine vegane Ernährung der Mutter kann für das Kind auch Vorteile bringen, zum Beispiel die Senkung des Allergierisikos: Eines der häufigsten Allergene, die Kuhmilchproteine, werden gar nicht erst aufgenommen und dadurch wird die Allergiegefahr für das Kind reduziert.

Was sind mögliche Folgen für Kinder?

Die Folgen einer rein veganen Ernährung können sehr vielfältig und individuell ausgeprägt sein. Dennoch müssen sie sich nicht bei jedem Kind, das vegan ernährt wird, manifestieren. Als Folge einer einseitigen Ernährung kann sich zum einen die Reife des körpereigenen Immunsystems der Kinder stark verzögern. Sie weisen eine erhöhte Infektbereitschaft auf und haben ein größeres Risiko eine Allergie zu entwickeln. Aufgrund einer mangelnden Energie – und Proteinzufuhr sind viele vegane Kinder oftmals sehr schlapp und müde. Sie haben keine Ausdauer, außerdem können sich Defizite in der Konzentration (siehe auchKonzentrationsschwächeund der Auffassungsgabe bemerkbar machen.

Da der Körperbau und vor allem das Wachstum eines Kindes stark von der Aufnahme lebenswichtiger Proteine, Eiweiße und Fette abhängt, die in tierischen Produkten vorhanden sind, entwickeln vegan lebende Kinder häufig ausgeprägte Wachstumsverzögerungen. Vor allem das Längenwachstum kann stark beeinträchtigt sein. Erfolgt bei veganen Kindern keine ausreichende Zufuhr von Vitamin D, so besteht die große Gefahr an einer Rachitis, einer Störung des Knochenstoffwechsels, zu erkranken.

Eine weitere schwerwiegende Folge einer veganen Ernährung kann sich aufgrund einer fehlenden Aufnahme von Vitamin B12 und Folsäure manifestieren. Diese Stoffe spielen eine besondere Rolle in der Entwicklung des kindlichen Nervensystems. Bei nicht ausreichend vorhandener Menge können bei den Kindern schwerwiegende Defekte in der Entwicklung des Nervensystems vorliegen und zu weitreichenden neurologischen Defiziten, einhergehend mit komplexen Entwicklungsverzögerungen oder körperlichen und geistigen Behinderungen, einhergehen.  Es kann zu Lethargien, Krampfanfällen, strukturellen Störungen oder geistiger Retardierung kommen. Zudem sind Vitamin B12 und Folsäure und vor allem Eisen wichtig für das blutbildende System. Bei einem Mangel treten Blutbildungsstörungen auf, die zu einer Blutarmut führen können.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 22.12.2018
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