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Die Entwicklung des Kindes

Synonyme im weiteren Sinne

  • Meilensteine der Entwicklung
  • somatische, motorische, sensorische, geistig-seelische Entwicklung

Englisch: child development

Definition

Die Entwicklung des Kindes beinhaltet zum Einen die Reifung von Körper und Geist des Kindes in einem bestimmten Zeitraum als auch das Erweitern von Fähigkeiten, welche bereits durch genetische Anlagen vorhanden sind und durch die Umwelt des Kindes beeinflusst werden können.

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Zusammenfassung

Obwohl die Entwicklung des Kindes ein individueller und kontinuierlich ablaufender Prozess ist, sind Normwerte (beispielsweise für Größe und Gewicht) und sogenannte „Meilensteine der Entwicklung“ für die jeweiligen Altersgruppen benannt.
Durch die Meilensteine bzw. eher Grenzsteine eines Altersbereichs in der kindlichen Entwicklung werden zeitliche Bereiche gekennzeichnet, in denen die meisten Kinder (>97%) eine bestimmte Fähigkeit erreichen.
Beispielsweise können die meisten Kinder mit 13-16 Monaten frei laufen. Inhaltlich kann man verschiedene (zeitlich parallel ablaufende) Ebenen der Entwicklung des Kindes beschreiben. Zum Einen betrachtet man die körperliche (somatische) Entwicklung, worunter u.a. die Entwicklung von Körpergröße und -gewicht und die Geschlechtsentwicklung fallen. Weiterhin betrachtet man die Entwicklung von Bewegungsmustern wie das Laufen und Greifen (grob- und feinmotorische Entwicklung) und die Entwicklung sozialer Kompetenzen, wie das Lachen oder Sprechen.
Entwicklungsverzögerungen / -beschleunigungen, Unterbrechungen oder gar Rückschritte können Hinweise auf körperliche oder geistige Entwicklungsstörungen sein, welche wiederum angeborener oder erworbener Natur sein können. Die Früherkennung solcher Entwicklungsstörungen ist von hoher Bedeutung, da so gezielt eingegriffen werden kann.
Unerlässlich sind in diesem Zusammenhang die Vorsorgeuntersuchungen im Kindesalter.


Körpergröße und Körpergewicht

Körpergröße und Körpergewicht nehmen während der Entwicklung des Kindes altersentsprechend zu. Dabei verschieben sich die Proportionen, da nicht alle Körperteile und Organe gleich schnell wachsen (man spricht vom sogenannten allometrischen Wachstum). Beispielsweise macht der Kopf beim Neugeborenen ein Viertel, hingegen beim Erwachsenen nur ein Achtel der Gesamtlänge aus.
Die Feststellung der Körpermaße ist Bestandteil jeder kinderärztlichen Untersuchung, da so der körperliche Entwicklungsstand des Kindes beurteilt und mögliche Wachstums- oder Ernährungsstörungen frühzeitig erkannt werden können. Die Werte werden vom Kinderarzt in Diagramme (Somatogramme) eingetragen und zu Kurven verbunden. Dabei wird mit Kurven verglichen, deren Werte für die „Norm“, d.h. 97% der Kinder, gelten (Perzentilenkurven). Auch andere körperliche Auffälligkeiten, wie z.B. O-Beine beim Baby, können bei diesen Untersuchungen abgeklärt werden.
Die Geschwindigkeit des Wachstums verläuft während der Entwicklung des Kindes unterschiedlich, sodass es zwei Wachstumsspitzen gibt. Anfangs wächst das Neugeborene sehr schnell (mit einer Geschwindigkeit von ca. 2cm/Jahr); diese hohe Wachstumsgeschwindigkeit lässt im ersten Lebensjahr nach. In der Pubertät kommt es dann erneut zu einem „Wachstumsschub“.

Eckdaten für durchschnittliche Größe und Gewicht

Zur Geburt | 50cm | 3-3,5kg

6 Monate | 60cm | 7kg (ca.2xGeburtsgewicht)

1. Lebensjahr | 75cm | 9-10,5kg (ca.3xGeburtsgewicht)

4. Lebensjahr | 100cm (2xGeburtsgröße) | 15-17,5kg (ca.5xGeburtsgewicht)

6. Lebensjahr | 120cm | 18-21kg (ca.6xGeburtsgewicht)

Störungen in der Entwicklung des Kindes

Störungen wie Klein- oder Hochwuchs, abfallende oder beschleunigte Wachstumsgeschwindigkeit und mangelnde Gewichtszunahme bedürfen einer näheren Untersuchung. Sie können familiär bedingt (familiärer Klein-/Großwuchs), als Folge genetischer Defekte (z.B. beim Down-Syndrom) oder aufgrund von Störungen im Stoffwechsel und Hormonhaushalt auftreten; weiterhin können sie durch Schädigung des Feten im Mutterleib durch Schadstoffe wie Drogen oder Alkohol oder durch mangelnde oder falsche Ernährung des Kindes auftreten.

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Das Kopfwachstum bzw. der Kopfumfang ist ein weiterer Wert, der vom Kinderarzt ermittelt und mit Normwerten verglichen wird. Das Kopfwachstum entspricht normalerweise der Massenzunahme des Gehirns. Die Schädelknochen wachsen im Bereich noch nicht verknöcherter Stellen (Schädelnähte); ausgesparte Bereiche zwischen den Schädelknochen (kleine und große Fontanelle) verschließen sich erst kurz nach der Geburt (kleine Fontanelle) bzw. mit 6-24 Monaten (große Fontanelle).
Abweichungen von der Norm lassen auch hier auf Wachstums- und Entwicklungsstörungen schließen.
Die ersten Zähne erscheinen mit etwa 6 Monaten bis das Milchgebiss im Alter von etwa 3 Jahren mit 20 Zähnen vollständig ist. Der Zahnwechsel beginnt im Alter von 6 Jahren und ist mit ca. 12 Jahren abgeschlossen.

Geschlechtsentwicklung

Bei der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle wird das menschliche Geschlecht genetisch festgelegt. Dadurch entsteht beim Embryo ein weibliches oder männliches Geschlecht.
Während der Pubertät kommt es dann aufgrund hormoneller Veränderungen zur Ausbildung sogenannter sekundärer Geschlechtsmerkmale: Bei den Mädchen wächst die Brust und Scham- und Achselbehaarung setzen ein. Der Körperbau wird in Form von breiterer Hüfte und schmaler Taille und Schultern weiblicher. Bei den Jungen tritt die Körperbehaarung nun vermehrt auf, der Stimmbruch setzt ein und durch vermehrte Muskulatur wird ein männlicheres Erscheinungsbild mit breiten Schultern und schmaler Hüfte aufgebaut.

Außerdem kommt es zu Veränderungen an den Genitalien (u.a. Wachstum von Schamlippen bzw. Hoden). Die Pubertät setzt bei Mädchen mit etwa elf, bei Jungen mit ca. 13 Jahren ein. Kurz nach der Vergrößerung der Brust bzw. des Hodens setzt der zweite Wachstumsschub ein. Die erste Regelblutung (Menarche) findet bei den Mädchen im Alter zwischen 12 und 13 statt; die endgültige Geschlechtsreife wird schließlich mit 15-19 Jahren erreicht.
Störungen der geschlechtlichen Entwicklung können genetisch oder hormonell bedingt sein, aber auch die Ernährung spielt eine Rolle; beispielsweise kann eine Essstörung zur verzögerten Pubertät führen.

Entwicklung und Verfeinerung von Bewegungsmustern (grob- und feinmotorische Entwicklung)

Viele Bewegungen des Babys basieren zunächst auf Reflexen, den sogenannten Primitivreflexen. Diese sollten bei der Untersuchung des Neugeborenen nachgewiesen werden, verlieren sich jedoch in den nächsten Lebensmonaten während der weiteren Entwicklung. Beim „Schreitreflex“ kommt es beispielsweise zu einer schreitenden Bewegung des Neugeborenen, wenn man es so hält, dass seine Füße eine Unterlage berühren. Ein weiteres Bespiel ist der Greifreflex. Hierbei schließt das Kind die Finger, sobald man seine Handfläche berührt. Dieser Reflex ist nach dem 4. Monat, oben genannter Schreitreflex bereits ab dem 2.Lebensmonat nicht mehr auslösbar.
Ein wesentlicher Schritt in der grobmotorischen Entwicklung des Kindes ist das Erlernen des Laufens. In seinen ersten Lebensmonaten lernt der Säugling zunächst seinen Kopf aus dem Liegen heraus anzuheben, sodass er sich mit ca.4-6 Monaten selbständig drehen und mit Unterstützung sitzen kann. Mit ca.9 Monaten beginnt er, sich an Gegenständen hochzuziehen und mit Unterstützung zu stehen. Vor Vollendung des ersten Lebensjahres sollte das Kleinkind das Krabbeln bereits beherrschen (siehe auch: Ab wann krabbelt ein Baby? - das sollten Sie dazu wissen!). Das Laufen wird schließlich im Alter von etwa einem Jahr erlernt, wobei das Kind mit 1,5 Jahren schließlich selbständig und relativ sicher läuft.

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Um genauere Bewegungen durchführen zu können, entwickelt sich das Kind feinmotorisch. Dabei spielt die Hand eine große Rolle. Bevor das Kind lernt, richtig zu greifen, entwickelt es eine Koordination zwischen Auge und Hand. Das anfängliche „Patschen“ nach Gegenständen, wie Spielzeug, entwickelt sich nach ca. 3-4 Monaten zu gezielterem Greifen („Zangengriff“). Diese feinmotorischen Fähigkeiten werden im Verlauf der weiteren Entwicklung ständig weiterentwickelt: Über den richtigen Umgang mit der Schere bis zum Schreiben mit Füllfederhalter etc.

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Sprachentwicklung und Entwicklung sozialer Kontakte (sensomotorische Entwicklung)

Die Entwicklung der Sprache ist eng mit der sozialen Entwicklung verbunden. Voraussetzung ist ein intaktes Hörvermögen. Während der Säugling anfangs lallt, versteht und spricht das Kind mit einem Jahr die ersten Worte, hat mit 2 Jahren einen Wortschatz von ca. 200 Wörtern und beherrscht mit etwa 4 Jahren eine im wesentlichen grammatikalisch richtige Sprache.
Die ersten sozialen Entwicklungen vollziehen sich bereits in den ersten Lebenswochen mit dem ersten gezielten Lächeln. Im Alter von einem halben Jahr reagiert der Säugling auf Mimik, woraufhin im 8./9. Lebensmonat zwischen Fremden und bekannten Gesichtern / Personen unterschieden und entsprechend reagiert wird („Fremdeln“). Mit dem Spracherwerb entwickelt sich auch die Art und Weise der Kommunikation weiter.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.08.2018
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