Hoden

Synonyme

Lat. = Testis (Pl. Testes)

Englisch: testicles

Definition

Die paarigen Hoden (Testis) zählen zu den männlichen Geschlechtsorganen. Sie dienen als Keimdrüsen der Produktion von Spermien und Hormonen, welche durch Hypothalamus und Hypophyse geregelt wird.

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Entwicklung

Im Laufe der Embryonalentwicklung wandert der Hoden (Testis) aus der Bauchhöhle durch den Leistenkanal an seinen definitiven Platz im Hodensack. Der Grund für die ausgelagerte Position der Hoden ist die dort niedrigere Temperatur, welche für die Entwicklung des Hodens sowie die Spermienentstehung nötig ist.

Verantwortlich für die Entstehung der Hoden ist der Testis-determinierende-Faktor (TDF) auf dem Y-Chromosom, welches nur Männer besitzen. Dieser bewirkt, dass sich die Vorstufen, die noch indifferente Gonaden, zum definitiven Hoden entwickeln.

Die Anlagen der weiblichen Geschlechtsorgane werden durch das Anti-Müller-Hormon (AMH) zurückgebildet. Hergestellt wird dieses Hormon durch spezielle Zellen des Hodens, die Sertoli-Zellen.

In der Hodenanlage befindliche Zellen, die Leydig-Zellen, beginnen in der 8. Embryonalwoche mit der Bildung des Hormons Testosteron, welches die Ausbildung der männlichen Geschlechtsteile bewirkt.

Anatomie Hoden

Abbildung männliche Geschlechtsorgane

Die Hoden (Testis) befinden sich außerhalb der Bauchhöhle im Hodensack, dem Scrotum. Hinten aufgelagert, innerhalb des Hodensacks, sitzt jeweils ein Nebenhoden (lat. Epididymis).

Die Hoden weisen eine längliche, ovale Form mit einem Durchmesser von 3cm und einer Länge von 4cm auf.

Im Hoden beginnt ein System aus verschiedenen Kanälchen (lat. = Tubuli) und Gängen (lat. = Ductus), welche das Organ am Mediastinum, einem mittigen gelegenen Pol, verlassen und im Nebenhodengang, dem Ductus epididymidis, münden. Dieser setzt sich als Ductus deferens fort, zieht dann durch den Leistenkanal in die Bauchhöhle und findet über den kurzen Ductus ejaculatoius Anschluss an die Harnröhre.

Histologie

Hoden

Mikroskopisch gliedert sich der Hoden (Testis) in etwa 370 Hodenläppchen (Lobuli testis), welche durch bindegewebige Septen voneinander getrennt werden. Jedes Hodenläppchen wiederum besteht aus 1 bis 4 Hodenkanälchen (Tubuli seminiferi), die durch Aufknäuelung stark komprimiert werden.

Gebildet werden die Hodenkanälchen von zwei Zellarten, den Sertoli-Zellen und den Keimzellen der Spermienentwicklung. Die Sertoli-Zellen bilden ein stützendes Umfeld für die Keimzellen, aus denen Spermien entstehen.

Die Hodenkanälchen setzen sich dann über kurze gerade Kanälchen (Tubuli recti) in netzförmige Kanälchen (Rete testis) im Mediastinum fort. Diese münden in weitere Gangsysteme, die Ductuli efferentes, welche am oberen Pol des Hodens liegen. Daran schließen sich dann Ductus epididymidis sowie Ductus deferens an.

In seiner Gesamtheit ist das Gangsystem des Hodens von einer derben bindegewebigen Kapsel, der Tunica albuginea, umschlossen. Mit dieser verwachsen ist eine zweischichtige seröse Hülle (Tunica vaginalis). Das innere, der Tunica albuginea anliegende Blatt heißt Epiorchium, das äußere wird als Periorchium bezeichnet. Dazwischen findet sich ein wenig Flüssigkeit enthaltender Spalt (Cavitas serosa scroti). Darauf liegen zwei Faszien (Fascia spermatica interna und externa), die aus glatten Muskeln bestehende Tunica dartos, die Lederhaut und schließlich die Skrotalhaut des Hodensacks.

Das zwischen dem Gangsystem befindliche Gewebe setzt sich aus lockerem Bindegewebe, Blut- sowie Lymphgefäßen und Zwischenzellen zusammen. Diese Zwischenzellen des Hodens nennt man Leydig-Zellen. Sie dienen der Produktion von Geschlechtshormonen, den Androgenen.

Funktion

Die Hoden dienen einerseits der Produktion von Hormonen, den Androgenen, und andererseits der Bildung von Spermien zur Fortpflanzung.

Verantwortlich für die Hormonsynthese sind die Leydig-Zellen, die überwiegend Testosteron bilden. Testosteron ist zum einen wichtig für die Anregung der Spemienbildung, zum anderen für die Entwicklung und den Funktionserhalt der übrigen Geschlechtsorgane.

Die Entwicklung der Spermien wird im Wesentlichen von den Sertoli-Zellen ermöglicht und unterstützt. Sie bilden ein stützendes Gerüst von Zellen, in welchem die Spermien ausgehend von den Keimzellen reifen.

Die Nebenhoden fungieren als Speicher der Spermien. Weiterhin dienen sie der Ausreifung ihrer Funktion.

Den Hoden Abtasten

Jeder Mann sollte seine Hoden in regelmäßigen Abständen selbst abtasten.

Dies ist nicht nur wichtig, um bei schmerzenden Hoden eine Hodentorsion auszuschließen, sondern gerade auch um mögliche Veränderungen innerhalb der Hoden zu erkennen. Bei Schmerzen in den Hoden, wie sie bei verdrehten Hoden vorkommen können, wird das Abtasten oft sehr unangenehm.
Daher reicht es aus, den Hoden ein Stück anzuheben. Verstärkt sich dabei der Schmerz, kann man von einer Hodenverdrehung ausgehen. In diesem Fall ist schnellstmöglich ein Arzt aufzusuchen.

Doch auch wenn keine akuten Schmerzen bestehen, sollte der Mann sich selbst abtasten. Jeder kann hierbei seinen eigenen Zeitraum festlegen, zum Beispiel einmal im Monat. Folgt man bei der Selbstuntersuchung einem festen Schema, so wird es noch einfacher, mögliche Veränderungen zu erkennen. Der Hoden sollte zuerst auf äußere Veränderungen wie Schwellungen oder Verfärbungen untersucht werden.
Danach sollte jeder Hoden abwechselnd in die Hand genommen werden und auf Struktur und Größe mit dem anderen verglichen werden. Viele Männer haben aber von Natur aus zwei unterschiedlich große Hoden. Ein Größenunterschied muss also nicht krankheitsbedingt sein. Anschließend wird jeder Hoden mit Daumen und den anderen vier Fingern abgetastet und leicht gedrückt.
Das männliche Glied wird dabei mit einer Hand zur Seite geschoben, während man mit der anderen Hand den Hoden tastet. Beim Abtasten ist besonders auf strukturelle Veränderungen wie Knoten oder Schwellungen zu achten. Tastet man eine Unregelmäßigkeit in einem oder gar beiden Hoden oder ist sich nicht sicher, dann ist es ratsam einen Arzt aufzusuchen, damit man ernsthafte Erkrankungen ausschließen kann.

Erkrankungen des Hodens

Hoden verdreht

Die Hoden zählen beim Mann zusammen mit den Nebenhoden, dem Samenleiter und den männlichen Geschlechtsdrüsen (Bläschendrüse und Prostata) zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen.

Sie dienen der Produktion der Samenzellen (Spermien) und befinden sich unterhalb des männlichen Glieds. Jeder Hoden ist am Samenstrang ,,aufgehängt“ und liegt locker im dem ihn umgebenden Hodensack.
Aufgrund der anatomischen Struktur und ihrer Lage sind die Hoden sehr anfällig für äußere Einflüsse wie Wärme oder Verletzungen. Die häufigste Verletzung ist die Verdrehung eines Hodens (Hodentorsion).

Ursachen für einen verdrehten Hoden sind meist traumatische Ereignisse (zum Beispiel ein Tritt in den Hoden). Es gibt aber auch angeborene, verdrehte Hoden. Dies geschieht schon im Mutterleib. Verdreht sich ein Hoden, so wickelt er sich mit dem Nebenhoden um den Hodenstiel (Samenstrang). Problematisch hierbei ist hauptsächlich die nun fehlende Blutversorgung.
Die Gefäße, die den Hoden versorgen, verlaufen parallel mit dem Samenstrang. Eine Hodendrehung ist ein medizinischer Notfall und sollte schnellstmöglich von einem Arzt behandelt werden, da es durch die fehlende Blutversorgung zum Absterben des Hodens und somit zur Unfruchtbarkeit kommen kann.

Lesen Sie mehr zum Thema: Hodentorsion

Hodenkrebs

Hodenkrebs (Hodenkarzinom) ist die bei Männern am häufigsten vorkommende Art von Krebs.

Mittlerweile existieren gute Therapiemöglichkeiten, so dass Patienten oft geheilt werden können. Wichtig bei Hodenkrebs ist vor allem die Früherkennung.
Denn gerade im Anfangsstadium kann vielen Patienten gut geholfen werden. Symptome einer Hodenkrebserkrankung sind vor allem knotige Veränderungen oder eine Größenzunahme des Hodens. Fühlt sich der Hoden schwer an oder schmerzt, so kann auch dies ein Hinweis auf Hodenkrebs sein.
Doch vor allem Schmerzen sind, gerade im Anfangsstadium, sehr selten. Bei einem schmerzenden Hoden sollte man also auch andere Erkrankungen oder Verletzungen wie beispielsweise die Hodendrehung ausschließen.

Besteht der Verdacht auf Hodenkrebs, so kann dieser vom Arzt schnell durch abtasten und eine Ultraschalluntersuchung bestätigt werden, so dass im günstigsten Fall die Therapie sofort beginnen kann. Dies erhöht die Heilungschancen deutlich. Durch regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden kann jeder Mann selbst dazu beitragen Hodenkrebs frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls die eigenen Heilungschancen zu erhöhen.

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Schmerzen am Hoden

Ein verdrehter Hoden ist für den Mann eine sehr schmerzhafte Erfahrung.
Die Schmerzen bei Hodenverdrehungen sind oft recht unterschiedlich und hängen stark von der jeweiligen Ursache beziehungsweise dem Alter des Patienten ab.
Bei einem verdrehten Hoden, der bereits im Mutterleib entstanden ist, treten kaum Schmerzen auf, das Neugeborene verhält sich völlig normal. Schreit ein Säugling jedoch ununterbrochen und scheinbar ohne Grund, sollte ein Kinderarzt eine Hodentorsion ausschließen.
Sollte der Säugling tatsächlich unter einem verdrehten Hoden leiden, so kann man dies durch Abtasten des Hodens herausfinden, da ein verdrehter Hoden oft hart ist. Ein Tastbefund kann somit erste Hinweise auf eine angeborene Hodentorsion geben.

Bei Kleinkindern treten bei einer Hodenverdrehung Bauchschmerzen auf. Diese sind von diffusem Charakter und können nicht genau lokalisiert werden. Nicht selten treten hierbei auch Begleiterscheinungen auf. Die Kinder verweigern das Essen oder müssen erbrechen. Bei älteren Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen sind meist Unfälle oder andere Traumata Ursache für einen verdrehten Hoden.

Die Schmerzen sind dann vor allem direkt im Hoden am stärksten, jedoch können auch hier Begleitschmerzen auftreten. Der Schmerz setzt meist plötzlich und sehr heftig ein. Mitunter klagen die Patienten zusätzlich über Bauchschmerzen, vor allem im Unterbauch und der Leistengegend.
Gerade diese Bauchschmerzen führen manchmal dazu, dass den Patienten übel wird oder sie sich erbrechen. Weiterhin können auch Schmerzen im Bereich der Nieren auftreten.
Durch die Stärke der Schmerzen sind die Patienten sehr blass und leiden unter Herzrasen und Schweißausbrüchen. Nicht wenige Patienten werden aufgrund der Schmerzen auch ohnmächtig. Neben dem Schmerzcharakter können auch Farbe und Größe des Hodens Aufschluss über eine mögliche Hodenverdrehung geben. Ist der Hoden rot oder bläulich verfärbt, geschwollen und schmerzt, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Es handelt sich hierbei höchstwahrscheinlich um einen verdrehten Hoden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Hodenschmerzen

Weitere Informationen zum Thema Hoden

Weitere Informationen zum Thema Hoden finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen der Anatomie finden Sie unter Anatomie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Gerret Hochholz      |     Letzte Änderung: 01.03.2017
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