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Hodenentzündung

Einleitung

Als Hodenentzündung, oder auch Orchitis, bezeichnet man die Entzündung der männlichen, paarig angelegten Keimdrüsen (auch Gonaden).

Die Hoden befinden sich beidseits in unmittelbarer Nähe zum Glied im sogenannten Skrotum, oder auch Hodensack. Ihnen aufgelagert sind die Nebenhoden, in welchen die Spermien heranreifen, und lagern. Die Hoden haben indes zwei für den männlichen Körper wichtige Aufgaben: Sie produzieren einerseits das Sperma, und andererseits das Testosteron, ein Hormon, welches auch als „Männlichkeitshormon“ bezeichnet wird. Testosteron ist für das männliche Muskelwachstum, die Behaarung, und Libido, sowie die Potenz verantwortlich.

Ein Hoden ist ca. 15-20 Gramm schwer, und ca. 20 ml groß. Er ist sehr druck- und schmerzempfindlich, weswegen er in vielen Sportarten gesondert, durch einen Hodenschutz geschützt wird. Er ist von einer Vielzahl von Haut- und Bindegewebsschichten umgeben, und ist zudem sehr stark durchblutet.

Da Spermien ab einer Temperatur von über 35 Grad nicht überlebensfähig sind, muss das Temperaturniveau im Hoden stets unter der eigentlichen Körpertemperatur von 37 Grad gehalten werden. Dazu bedient sich der Hoden verschiedener Mechanismen. Einerseits kann er die Muskulatur im Hodensack entspannen, sodass dieser mit samt der Hoden weiter vom Körper wegrutscht, und weniger stark durch den Körper gewärmt wird. Andererseits ist durch die starke Durchblutung eine Erwärmung, oder auch Abkühlung des Hodens möglich, gleich wie bei einer Heizung.

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Eine Hodenentzündung geht deswegen fast immer auch mit intensiven Schmerzen einher, weil der Hoden von einem starken Nervengeflecht versorgt wird. Dieses leitet bei Schwellung, oder Erhitzung sofort Schmerzimpulse an den Körper weiter. Auf diese Weise signalisiert der Körper, dass etwas nicht in Ordnung ist, und bei ausbleibender Behandlung ein irreversibler Funktionsverlust droht.

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Ursachen

Die Ursachen für eine Hodenentzündung liegen meist in einer Entzündung umliegender Strukturen begründet, da eine alleinige Hodenentzündung relativ selten ist. Meist ist sie Folge einer Nebenhodenentzündung, oder einer systemischen Infektion. Infektionen, die zu einer Hodenentzündung führen können durch Viren und Bakterien bedingt sein. Während Bakterien meist über die aufsteigenden Harnwege in den Hoden gelangen, breiten sich Viren in diesem Fall eher hämatogen – also über die Blutbahn – aus.

Typische virale Erreger, die eine Hodenentzündung bedingen können, sind die Paramyxoviren, welche bei einer Mumpserkrankung auftreten. Mumps kann also eine Hodenentzündung (Hodenmumps) bedingen, aber auch die Impfung dagegen (die MMR-Impfung) kann in Einzelfällen Hodenentzündungen auslösen. Der Hintergrund ist, dass mit jeder Impfung eine kleine „Probe“ des Virus in den Körper injiziert wird, um das Immunsystem vorzubereiten, und mit dem Erreger vertraut zu machen. In seltenen Fällen ist das Immunsystem aber bereits mit dieser kleinen Erregerdosis überfordert, oder schlicht gerade mit etwas anderem beschäftigt, zum Beispiel einer Erkältung. Daher wird bei Impfungen auch stets darauf geachtet, dass der Patient gesund ist, und das Immunsystem nicht ohnehin schon belastet ist. Neben den Paramyxoviren, können auch Varizellen eine Hodenentzündung auslösen. Varizellen sind besser als die Erreger der Windpocken bekannt. Es handelt sich hierbei ebenfalls um eine für das Kindesalter typischer Erkrankung, die an sich relativ komplikationslos ablaufen. Weitere Viren, die für eine Hodenentzündung verantwortlich sein können, sind Echoviren, und Coxsackieviren.

Während virale Infektionen tendenziell eher im Kindesalter typisch sind, treten bakterielle Infektionen gehäuft bei sexuell aktiven Männern auf. So wird durch das häufige Wechseln der Geschlechtspartner, oder häufigen Geschlechtsverkehr an sich, die Chance erhöht, sich mit Bakterien zu infizieren. Dementsprechend gleicht das Erregerspektrum auch dem von Harnwegsinfekten: Neben Neisserien (Neisseria gonorrhoeae), dem Erreger der Gonorrhö, zählen auch Chlamydien, und E.coli Bakterien zum typischen bakteriellen Erregerspektrum einer Hodenentzündung. Diese Erreger sind typisch für Harnwegsinfekte, liegen allerdings nicht zwangsläufig in mangelnder Hygiene begründet, sondern eher in einem sexuell-aktivem Verhalten. Allerdings muss dies nicht der Fall sein, einige weitere Erreger, die eine Hodenentzündung auslösen sind relativ unspezifisch: Staphylokokken und Streptokokken gehören genauso zum Erregerspektrum, wie Pseudomonaden und Brucellen. Dabei handelt es sich um sehr weit verbreitete Erreger, die beispielsweise auch Infektionen der Atemwege, oder der Haut auslösen können. Fast immer tritt eine Hodenentzündung als Begleiterkrankung einer Nebenhodenentzündung, oder einer Entzündung der Harnwege auf. Auf Grund der anatomischen Nähe, und der engen Verbindungen untereinander, greifen Infektionen schnell vom einen auf das andere Organ über.

In der Prostata münden die beiden Samenleiter in die Harnröhre. Diese führen direkt zum Nebenhoden, und schlussendlich zum Hoden. Aufsteigende Harnwegsinfekte sind daher für einen Großteil der Hodenentzündungen verantwortlich.

Lesen Sie mehr dazu in unserem Hauptartikel: Was sind die Ursachen einer Hodenentzündung?

Symptome einer Hodenentzündung

Auf Grund der anatomischen Nähe von Hoden, Nebenhoden, und ableitenden Harnwegen zueinander, breiten sich Infekte meist über mehrere Organe hinweg aus. Der Hoden ist dabei gewissermaßen das Endstück, in einer Kette aus Harnröhre, Samenleiter, Nebenhoden, und Hoden. Erst wenn etwaige Bakterien die vorhergeschalteten Strukturen passiert haben, gelangen sie zum Hoden. Dementsprechend gehen Hodenentzündung meist auch mit Nebenhodenentzündungen, oder Harnwegsinfekten einher. Eine singuläre Hodenentzündung ist relativ selten.

Die Symptome einer Entzündung sind klassischerweise: Schwellung, Rötung, Schmerzen und Funktionsverlust. Die Schmerzen können von einem leichten Ziehen im Hoden, bis hin zu einer sehr heftigen Intensität variieren. Meist korrelieren sie mit der Stärke der Entzündung, und der Anzahl mitbetroffener Organe. Zudem können allgemeine Symptome wie Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Fieber, und Kopfschmerzen hinzukommen. Bei einer Mumps-Infektion kommt es primär zu einer Entzündung der Ohrspeicheldrüse, und wenige Tage später zu einer Entzündung des Hodens. Dieser Hergang ist so spezifisch, dass er automatisch an eine Mumps-Infektion denken lässt. Bei viralen Infektionen sind in nur 30 Prozent der Fälle beide Hoden betroffen. Generell ist während der Infektion Geschlechtsverkehr relativ schmerzhaft, und sollte unterlassen werden: Es besteht neben einem Funktionsverlust der Hoden auch die Gefahr, den Partner anzustecken, so dass dieser dann ebenfalls mit einem Harnwegsinfekt, bzw. einer Entzündung des Urogenitaltraktes zu kämpfen hat.

Es gibt aber auch noch andere Ursachen für einen geschwollenen Hoden. Lesen Sie dazu doch auch unsere Seite zu: Hoden ist vergrößert und geschwollen

Diagnose

Zur Diagnose der Hodenentzündung stehen verschiedene Mittel zur Verfügung: Zunächst einmal ist ein Arzt-Patienten Gespräch – auch Anamese genannt – wichtig, um die genaue Beschwerden, und den Hergang zu eruieren. Oftmals ergibt sich bereits aus diesem Gespräch eine relativ klare Diagnose. An das Gespräch schließt sich in der Regel eine Begutachtung des/der Hoden, so wie ein Abtasten an. Reagiert der Patient über die Maße schmerzhaft auf Druck, oder ist der Hoden schon äußerlich sichtbar geschwollen, und gerötet, so können dies Indikatoren für eine Hodenentzündung sein. Ferner steht dem Arzt apparative Diagnostik mittels Ultraschall des Hodens (auch Sonographie, oder kurz „Sono“ genannt) zur Verfügung. Im Sono lassen sich Flüssigkeitsansammlungen, also Ödeme, sowie Schwellungen, oder Torsionen darstellen. Der Ultraschall ist eine sehr günstige, schnelle, und vor allem ungefährliche Möglichkeit, den Patienten zu untersuchen. Sollte sich der Verdacht auf eine bakterielle Infektion erhärten, ist es von Bedeutung, den genauen Erreger zu ermitteln.

Eine antibiotische Therapie sollte immer gezielt gegen einen Erreger erfolgen, und nicht als „Rundumschlag“ mit einem Breitbandantibiotikum. Zwar ist dies in einigen Fällen nicht anders möglich, oder auch sinnvoll, jedoch versucht man stets gezielt den Erreger zu bekämpfen, um breiter wirkende Antibiotika noch für etwaige spätere Erkrankungen in der Hinterhand zu behalten. Bakterien entwickeln mit der Zeit nämlich eine Resistenz gegen häufig eingesetzte Antibiotika, weswegen die Pharmaindustrie seit der Erfindung des Antibiotikums mehrere verschiedene Antibiotikagenerationen, mit verschiedensten Wirkmechanismen auf den Markt gebracht hat. Vor allem in Italien, und den USA ist beispielsweise die Antibiotikaresistenz sehr hoch, was unter anderem auf den großzügigen Umgang mit Antibiotika zurückzuführen ist.

Zur genauen Erregerdiagnose wird der Urin gesammelt, und daraus im Labor eine Kultur gezüchtet. Unter optimalen Bedingungen vermehren sich die Erreger im Labor dann schlagartig, und können meist nach wenigen Tagen mittels verschiedener Tests identifiziert werden. Im Falle einer Mumps-Infektion erfolgt kein klassischer Erregernachweis mittels Kultur, sondern ein immunologischer Tests, der bestimmte Stoffe in Körperflüssigkeiten (wie beispielsweise Blut, Sperma, Urin) nachweist. Einer dieser Tests wird ELISA genannt, und wird zum Beispiel auch zum Nachweis von HIV eingesetzt. Ein ELISA-Tests kostet in der Regel um die 20€, wobei die Kosten von der Krankenkasse getragen werden.

Therapie

Die Therapie der Hodenentzündung richtet sich nach der genauen Ursache. Virale Infektionen werden anders behandelt, als bakterielle. Bei bakteriellen Infektionen stehen Antibiotika zur Verfügung. Diese sollten allerdings erst nach genauer Erregerbestimmung eingesetzt werden. Ein Breitbandantibiotikum hilft oftmals genau so gut, wie ein speziell auf den Erreger abgestimmtes Antibiotikum. Allerdings behält man sich die Option, ein Breitbandantibiotikum einzusetzen gerne für die Fälle vor, in denen sich der Erreger partout nicht finden lässt. Eine Antibiose ohne vorherige Erregerbestimmung gilt nicht unbedingt als Kunstfehler, aber doch als „ungeschickt“, sofern der Patient nicht akut gefährdet ist (zum Beispiel bei drohendem Verlust des Hodens).

Virale Infektionen können bis dato nicht kausal behandelt werden. Zwar gibt es als Pendant zu Antibiotika auch Virustatika, diese zeigen bei einer Hodenentzündung allerdings derzeit keinen nachgewiesenen Effekt. Die Therapie erfolgt daher symptomatisch mit Bettruhe, Kühlung, und Hochlagern des Hodens, um den Flüssigkeitsabfluss zu begünstigen. In jedem Fall können Schmerzmittel, wie beispielsweise Ibuprofen, oder Paracetamol eingenommen werden, da sie entzündungshemmend, und schmerzlindernd wirken. Bei dauerhafter Einnahme, und hoher Dosierung sollte jedoch auch bedacht werden, dass obige Schmerzmittel auf den Magen schlagen können, und somit Beschwerden des Magen-Darmtraktes hervorrufen können.

Prognose

Im günstigsten Fall heilt die Hodenentzündung binnen weniger Wochen wieder vollständig ab. In diesem Fall sind keine Spätfolgen zu befürchten. Kommt es allerdings zu schweren Verläufen, so besteht die Gefahr einer Hodenatrophie . So wird ein Niedergang des Hodengewebes bezeichnet. Eine Hodenatrophie geht stets mit einem mehr oder weniger starken Funktionsverlust des Hodens einher, und ist äußerlich, als Verkleinerung des entsprechenden Hodens tastbar. Die Fruchtbarkeit muss nicht unbedingt eingeschränkt sein, da über den zweiten Hoden nach wie vor Sperma produziert werden kann. Sind allerdings beide Hoden betroffen, so kann es zur Infertilität kommen. Dies ist in rund 10% der Hodenentzündungen der Fall. Da das Sperma nur 0,5 % des Ejakulats beträgt, während die restlichen 99,5% reine Samenflüssigkeit enthalten, ist eine etwaige Infertilität ( Unfruchtbarkeit) äußerlich nicht feststellbar. Ohnehin schwankt die Menge an Ejakulat von Mann zu Mann zwischen 2 und 6 Milliliter.

Hodenkrebs

Eine wichtige Differentialdiagnose neben der Hodenentzündung, ist der Hodenkrebs, oder auch „Hodenkarzinom“. Während bei einer Hodenentzündung die Schwellung meist binnen weniger Tage stark zunimmt, und sich schmerzhaft bemerkbar macht, dauert dieser Prozess beim Hodenkrebs mehrere Monate bis Jahre. Die Schwellung imponiert beim Hodenkrebs meist als kleine, knötchenartige Veränderung im Hodensack. Anders als bei anderen Krebsarten, erreicht der Hodenkrebs zwischen dem 20 und 45 Lebensjahr seinen Höhepunkt. Besonders junge Männer sind betroffen, die Inzidenz liegt bei 1 zu 10.000. Hodenkrebs ist in den Anfangsstadien mit einer Heilungschance von über 90% sehr gut behandelbar. Die knotigen Veränderungen im Hoden werden interessanterweise meist nicht von den betroffenen Männern selbst, sondern sehr häufig von ihren Lebenspartnerinnen bemerkt. Therapeutisch schließt sich eine Chemotherapie, oder eine Bestrahlung an die Diagnose an.

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Qualitätssicherung durch: Dr.Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 21.11.2018
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