Prostatakrebs

Synonyme im weitesten Sinne

Prostatakarzinom, Prostata-CA, Prostatatumor

Definition

Es handelt sich um eine bösartige Geschwulst der Vorsteherdrüse (Prostata). Der häufigste Entstehungsort sind die Schleimhautzellen (Epithel), welche die Ausführungsgänge auskleiden. Das Prostatakarzinom ist insgesamt der häufigste Tumor und die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache beim Mann. Die Wahrscheinlichkeit an einem Prostatakarzinom zu erkranken steigt mit zunehmendem Lebensalter. Ein Auftreten vor dem 40. Lebensjahr ist selten. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung unterscheidet man

Folgende Formen sind zu unterscheiden:

  • Klinisch manifestes Prostatakarzinom: Hier ist der Tumor mit den Möglichkeiten der klinischen Untersuchung, insbesondere der rektalen Tastung zu diagnostizieren.
  • Inzidentelles Prostatakarzinom: Es wird zufällig in einer Gewebeprobe gefunden, welche man bei der Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie; BPH) entnommen hatte.
  • Latentes Prostatakarzinom: Mehr als 40% der über 50 – jährigen und 60% der über 80 – jährigen haben einen Prostatakrebs, sterben jedoch an anderen Leiden, ohne das ihnen die Prostata je Probleme bereitet hätte.
  • Okkultes Prostatakarzinom: Es gibt keinen auffälligen Befund. Der Tumor macht sich erst durch seine Tochtergeschwulste (Metastasen) bemerkbar.

Ursachen

Die genaue Entstehung ist noch ungeklärt. Der Prostatakrebs scheint jedoch eine Stimulation durch männliche Geschlechtshormone (Androgene) zu benötigen. Dies wird daraus ersichtlich, dass eine Unterdrückung dieser Hormone zu einer Schrumpfung der Prostata und in ca. 80% der Fälle auch zu einer Verkleinerung des Tumors führt.

Früherkennung

Leider macht das Prostatakarzinom in frühen Stadien selten Beschwerden, da es an der Außenseite der Drüse (also weit entfernt von der Harnröhre) entsteht und somit Probleme beim Wasserlassen erst dann auftreten, wenn der Tumor schon sehr groß ist.

Hinweis: Früherkennung

Da man den Proststakrebs aber nur im Frühstadium vollständig heilen kann, ist eine Teilnahme an Früherkennungsmaßnahmen („Screening“) ungemein wichtig.

Dazu zählen folgende Verfahren:

  • Digital rektale Untersuchung: Der Arzt fühlt mit seinem Finger über den Anus nach typischen Auffälligkeiten der Prostata. Normalerweise gleicht deren Konsistenz der des Daumenballens (elastisch). Verdächtig wäre ein derber, harter Knoten.
  • Transrektale Sonographie: Es handelt sich um eine Ultraschalluntersuchung der Prostata zur Beurteilung des Prostatagewebes. Eine Ultraschallsonde wird hierfür über den After in den Darm eingeführt. Die unmittelbare Nähe zur Prostata bedingt eine bessere Bildqualität als bei einer Untersuchung über die Bauchhaut.
  • Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut. Es handelt sich beim PSA um ein im Blut nachweisbares Protein, das von den Drüsenzellen der Prostata gebildetet wird.Eine Erhöhung auf kann einen Prostatakrebs hinweisen. Es gibt aber auch andere Erkrankungen der Prostata, die eine PSA-Wert Erhöhung herbeiführen können (z.B. Prostataentzündung).

    Lesen Sie mehr zum Thema: Entzündung Prostata

Jedem Patienten mit auffälligem Tastbefund oder einem sonst nicht erklärbaren erhöhten PSA – Wert (>4 ng/ml) sollte eine Gewebeprobe zur weiteren Abklärung entnommen werden. Wird hierbei frühzeitig ein Prostatakrebs festgestellt, besteht eine gute Chance auf Heilung.

Abbildung Prostatakrebs

Prostatakrebs (Prostatakarzinom, PCa)
Krebs der Vorsteherdrüse
(Bösartige Tumorerkrankung)

  1. Vorsteherdrüse - Prostata
  2. Bauchfellhöhle -
    Cavitas peritonealis
  3. Harnleiter - Ureter
  4. Harnblase - Vesica urinaria
  5. Männliche Harnröhre -
    Urethra masculina
  6. Männliches Glied - Penis
  7. Hoden - Testis
  8. Mastdarm - Rectum
  9. Bläschendrüse (Samenblase) -
    Glandula vesiculosa
  10. Knotiges Tumorgewebe
  11. Bösartige Geschwulst
  12. Urin (Harn) - Urina
  13. Drüsengewebe der Prostata

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Symptome

Beschwerden im Frühstadium sind, wie bereits oben erwähnt, sehr selten. Erst wenn sich der Prostatakrebs auf benachbarte Strukturen (v.a. Harnröhre) ausbreitet, kommt es zu Beschwerden. Diese ähneln denen der gutartigen Prostatavergrößerung:

Abschwächung des Harnstrahls, häufigeres Wasserlassen (auch nachts).

Desweiteren können tiefe Kreuzschmerzen, ziehende Schmerzen im Beckenbereich und auch ischiasähnliche Beschwerden (Lumboischialgie) auftreten. Derartige Beschwerden können auf Tochtergeschwulste (Metastasen) in der Lendenwirbelsäule hinweisend sein .

Diagnose von Prostatakrebs

Für die Diagnose des Prostatakrebs am bedeutsamsten sind die Tastuntersuchung sowie die PSA – Bestimmung im Blut, welche als Vorsorgeuntersuchungen ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig wahrgenommen werden sollten.

Ergibt sich aus den obengenannten Untersuchungen ein Verdachtsmoment, sollte eine Gewebeentnahme in Form einer sog. Stanzbiopsie erfolgen. Es werden hierbei 6 – 12 Proben aus verschiedenen Arealen der Prostata entnommen. Die Prozedur erfolgt über den Enddarm (Rektum) und ist aufgrund der Schnelligkeit des Eingriffes schmerzlos. Nachblutungen sind möglich, daher sollten blutverdünnende Medikamente in Absprache mit dem behandelnden Arzt vorher abgesetzt werden (z.B. Aspirin).

Zur genauen Größenabschätzung eines evtl. vorhandenen Tumors sind folgende Untersuchungen notwendig:

  • digital – rektale Untersuchung (Tastbefund)
  • transrektaler Ultraschall
  • PSA – Konzentration im Blut

Zur weiteren Therapieplanung kann eine CT (Computertomographie) oder MRT der Prostata (Magnetresonanztomographie) notwendig werden.
Das MRT der Prostata ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gekommen, da durch speziell ausgebildete Radiologen inzwischen gute Aussagen über Lage und Ausbreitung des Tumors gemacht werden können. Auch Probeentnahmen können inzwischen unter dem MRT der Prostata durchgeführt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: MRT der Prostata

Um Tochtergeschwulste (Metastasen) zu entdecken ist die Durchführung einer Szintigraphie des Skeletts nötig, da dort für gewöhnlich die ersten Fernmetastasen zu finden sind (v. a. in Beckenknochen und der Lendenwirbelsäule).

Ist der PSA – Wert niedriger 10 ng/ml sind Metastasen höchst unwahrscheinlich und eine Skelettszintigraphie daher nicht durchzuführen.

Bei der anschließenden mikroskopischen Untersuchung des entnommenen Gewebes kann der Pathologe den Bösartigkeitsgrad (Malignitätsgrad) anhand existierender Tabellen (Gleason-Score, Klassifikation nach Dhom) bestimmen.

TNM-Klassifikation

Die TNM-Klassifikation beschreibt den Prostatakrebs bezüglich des lokalen Tumors selbst (Primärtumor), abgekürzt mit (T), sowie das Vorhandensein von Lypmphknotenmetastasen (N) oder Fernmetastasen (M). Die hierbei festgelegten Erkrankungsstadien haben unmittelbare Auswirkungen auf die Therapieplanung und die Prognose für den Patienten (Heilung / Überlebesrate)

  • T1: inzidentelles Karzinom (nicht tastbar oder sichtbar), d. h. zufällig im Rahmen einer Biopsie entdeckt
    • T1a - < 5% des entfernten Gewebes im Rahmen einer Ausschabung der Prostata bei BPH (gutartige Prostatavergrößerung)
    • T1b - > 5% des entfernten Gewebes im Rahmen einer Ausschabung der Prostata bei BPH (gutartige Prostatavergrößerung)
    • T1c – größerer Tumor durch Stamzbiopsie entdeckt (z. B. bei erhöhtem PSA)
  • T2: Tumor auf Prostata begrenzt
    • T2a - weniger als die Hälfte eines Lappens befallen
    • T2b - mehr als die Hälfte eines Lappens befallen
    • T2c- Beide Prostatalappen sind befallen
  • T3: Tumor überschreitet die Prostata
    • T3a – Prostatakapsel wird überschritten
    • T3b – Tumor befällt die Samenblasen
  • T4: Tumor befällt Nachbarorgane (Blasenhals, Schließmuskel, Enddarm u.a.)
  • N+/N- : Lymphknotenbefall im Becken ja / nein
  • M0/1: Fernmetastasen nein / ja

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Prostatakrebs finden Sie hier:

Allgemeine Informationen zum Thema Tumor finden Sie unter:

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 25.01.2017
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