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Untersuchung der Prostata

Einleitung

Die Prostata - auf deutsch die Vorsteherdrüse - ist ein Organ des Mannes, das ein Sekret produziert, welches beim Samenerguss in die Harnröhre sezerniert wird und sich dann mit dem Sperma vermischt.
Das Sekret der Prostata macht letztendlich ca. 30% des Ejakulats aus.

Die Prostata liegt unter der Harnblase und umgibt die Harnröhre. Direkt hinter ihr befindet sich der Mastdarm (das Rektum).

Eine einfache Untersuchungsmethode der Prostata ist die sogenannte digitale (aus dem Lateinischen: digitus - Finger) rektale (über das Rektum) Untersuchung (DRU). Dabei kann der Arzt die Prostata ertasten und ihre Größe und Konsistenz überprüfen.

Im Rahmen der Krebsvorsorge kann ab einem Alter von 45 Jahren regelmäßig eine Untersuchung der Prostata erfolgen.

Falls Bilder der Prostata benötigt werden, bietet sich die MRT der Prostata an.

Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema: Prostatakrebs-Vorsorge: Ab wann? Für wen? Ablauf!

Allgemeines

Wann und warum wird eine digitale rektale Untersuchung der Prostata durchgeführt?

Das Ziel dieser Untersuchung ist zum einen die Früherkennung von Prostatakrebs - der häufigsten Krebserkrankung des Mannes, sowie die Beurteilung einer Größenzunahme im Rahmen eines gutartigen Wachstums (benigne Prostatahyperplasie), zum anderen aber auch die Beurteilung der Rektumschleimhaut zur Erkennung eines Rektumkarzinoms.

Bei Frauen dient die rektale Untersuchung zur Beurteilung der Hinterseite der Gebärmutter und des Raumes zwischen Gebärmutter und Rektum, dem sogenannten Douglas-Raum.

Die Prostata ist ein Organ, das unter dem Einfluss von Testosteron arbeitet. Das Sexualhormon regt die 30 bis 50 Einzeldrüsen der Prostata dazu an, das Prostatasekret zu bilden. Dieses Sekret enthält unter anderem Enzyme, die wichtig für die Beweglichkeit und die Befruchtungsfähigkeit der Spermien sind.

Vor allem bei älteren Männern kommt es relativ häufig zu einem übermäßigen Wachstum der Prostata. Ist dieses Wachstum gutartig spricht man von einer benignen Prostatahyperplasie (BPH). Da die vergrößerte Drüse dann oft auf die Harnröhre drückt die sie umgibt, kann es zu Harnableitungsstörungen kommen. Die Prostatavergrößerung fällt dann oft durch Probleme beim Wasserlassen (Tröpfeln, häufiger Harndrang) auf.

Lesen Sie mehr zum Thema: Prostatavergrößerung

Bei einem Prostatakarzinom handelt es sich um ein bösartiges Wachstum. Das bedeutet, das Prostatagewebe kann in das umgebende Gewebe einwachsen und ist oft von harter und unregelmäßiger Konsistenz.
Die meisten Karzinome der Prostata entstehen in der Außenzone, wodurch sie ab einer gewissen Größe vom Mastdarm aus tastbar sind.
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung beim Mann mit einem mittleren Erkrankungsalter von 69 Jahren.

Lesen Sie mehr zum Thema: Prostatakrebs

Durchführung

Die rektale Untersuchung kann in drei verschiedenen Körperpositionen des Patienten durchgeführt werden.

Meistens liegt der Patient in Linksseitenlage mit leicht angezogenen Beinen auf der Untersuchungsliege, mit dem Gesäß möglichst nah am Rand der Liege.
Andere mögliche Positionen sind die Knie-Ellenbogen-Lage auf der Liege oder im Stehen (diese Lage wird allerdings häufig als sehr unangenehm empfunden) oder die Steinschnittlage auf dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl, wobei der Arzt mit der linken Hand gleichzeitig den Bauch tasten kann.

Nachdem der Arzt Handschuhe angezogen hat, inspiziert er zunächst die Dammregion. Dabei achtet er beispielsweise auf Rötungen, Risse oder Zeichen einer Infektion der Analschleimhaut und auf Hämorrhoiden (unter diesen leiden etwa 70% der über 30-Jährigen, davon sind die meisten allerdings beschwerdefrei).

Lesen Sie mehr zum Thema: Hämorrhoiden

Als nächstes führt der Arzt den mit Vaseline beschmierten Finger in den Anus ein, wobei er auf den Tonus, also die Muskelkraft der Schließmuskeln achtet.
Schmerzt der Druck des Fingers auf das Rektum, so kann das für einen entzündlichen Prozess im Bereich des Blinddarmfortsatzes (siehe: Blinddarmentzündung) oder - bei der Frau - der Eierstöcke, der Eileiter oder des Raumes zwischen Gebärmutter und Rektum (Douglas-Raum) sprechen.

In ca. 7-8 cm Tiefe kann der Arzt beim Mann die Prostata ertasten. Mit der Palpation kann er die Größe, Konsistenz, Verschieblichkeit der Schleimhaut und die Abgrenzbarkeit zum umgebenden Gewebe beurteilen.
Die Größe einer Kastanie, die Konsistenz eines angespannten Daumenballens und eine gut tastbare Furche in der Mitte entspräche dem Normalbefund.
Ist die Prostata druckschmerzhaft, spricht dies für eine akute oder chronische Entzündung.

Nach der Untersuchung achtet der Arzt auf Reste von Stuhl, Schleim, Blut oder Eiter am Fingerling. Anhand der Färbung des Blutes bzw. des Stuhls kann er gastrointestinale Blutungen von hämorrhoidalen Blutungen unterscheiden, denn bei Blutungen im Magen oder Darmtrakt ist das Blut bei der Ausscheidung bereits schwarz oder färbt den Stuhl dunkel.
Blutungen aus Hämorrhoiden zeigen sich durch frisches, helles Blut.
Stuhlreste können weiterhin für einen Haemoccult-Test verwendet werden, der zur Diagnose eines Kolonkarzinoms dient.

Schließlich werden dem Patienten Tücher zum Reinigen von der Vaseline angeboten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Entzündung Prostata

Eine sinnvolle Untersuchung?

Durch die digitale rektale Untersuchung können sowohl gutartige als auch bösartige Veränderungen der Prostata durch eine unkomplizierte und schnelle Untersuchung entdeckt werden.
Ebenso Dickdarmkarzinome, von denen 20-30% in dem mit dem palpierenden Finger zugänglichen Bereich entstehen.

Die Untersuchung birgt keine Risiken für den Patienten. Damit also die oben genannten Veränderungen der Prostata in einem möglichst frühen Stadium entdeckt werden, in dem die Prognose bei Behandlung deutlich besser ist als in späteren Stadien, wird empfohlen, dass Männer sich ab einem Alter von 45 Jahren regelmäßig ein mal im Jahr untersuchen lassen.
Männer, die zum Beispiel wegen familiärer Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko haben, auch an Prostatakrebs zu erkranken, können sich schon ab einem Alter von 40 Jahren untersuchen lassen.

Die Sensitivität der DRU - also die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kranker durch die Untersuchung auch wirklich als krank erkannt wird - beträgt etwa 60%.
Die Spezifität - die Wahrscheinlichkeit, dass Gesunde durch den Test auch als gesund erkannt werden - beträgt etwa 75%. Die Untersuchung ist also nicht absolut zuverlässig.

Über den Nutzen der Untersuchung gibt es kontroverse Einschätzungen.
Die Aussagekraft der Untersuchung ist eingeschränkt, denn mit ihr können nur oberflächliche Tumore ab einer gewissen Größe auf der dem Darm zugewandten Seite entdeckt werden. Außerdem ist das Ergebnis stark untersucherabhängig. Deshalb ist die rektale Untersuchung als alleinige Früherkennunsuntersuchung eher nicht ausreichend.

Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit ist die Bestimmung des PSA-Wertes im Blut.
Das prostataspezifische Antigen ist ein Enzym, das in der Prostata gebildet wird und das bei Vorliegen eines Karzinomes erhöht sein kann, weshalb der Wert als Tumormarker genutzt wird.

Die PSA-Bestimmung dient aber vor allem zur Verlaufskontrolle bei bestehendem Prostatakarzinom. 48 Stunden vor dem Test sollte der Patient Druck auf die Prostata durch Fahrradfahren, Reiten, Leistungssport, Geschlechtsverkehr, außerdem Aspirin oder andere blutverdünnende Medikamente vermeiden, um den Wert nicht zu beeinflussen.
Der PSA-Wert kann auch bei Entzündungen der Prostata oder bei gutartigen Prostataadenomen erhöht sein. Bei Werten über 4 ng/ml sollte eine Abklärung erfolgen.

Noch eine Untersuchung der Prostata ist die transrektale Ultraschalluntersuchung. Hierbei wird der Ultraschallkopf rektal eingeführt, wodurch verdächtige Bereiche der Prostata dargestellt werden können.

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm sieht bei Männern ab 45 Jahren ein mal jährlich eine Untersuchung der Prostata mittels rektaler Untersuchung und der Genitalien mittels Abtasten des Hodens und der Lymphknoten in der Leiste vor. Die PSA-Bestimmung ist jedoch nicht mit inbegriffen.
Dieser Test ist umstritten, denn es ist nicht klar, ob Männer durch die regelmäßige Bestimmung des PSA-Wertes wirklich besser oder länger leben.

Lässt die rektale Untersuchung auf Veränderungen der Prostata schließen, können weitere spezifischere Untersuchungen folgen, beispielsweise eine Probenentnahme des Gewebes (Prostatabiopsie), eine Darmspiegelung oder die PSA-Bestimmung, die nun auch wegen des Verdachts auf Veränderungen des Gewebes von der Krankenkasse übernommen werden würde.

Die Gewebeentnahme ist die einzige Möglichkeit ein Karzinom sicher festzustellen oder auszuschließen.
Hierbei werden mit einer feinen Nadel ultraschallgesteuert über den Mastdarm mehrere Gewebeproben entnommen, und anschließend unter dem Mikroskop auf Krebszellen überprüft.

Welcher Arzt?

Die Untersuchung der Prostata erfolgt meist beim betreuenden Hausarzt oder auch bei einem Urologen.

Die rektale Untersuchung kann als unangenehm oder peinlich empfunden werden, schmerzhaft ist sie jedoch normalerweise nicht.

Bestehen Einrisse an der Analschleimhaut oder ist die Prostata entzündet (Prostatitis) kann die rektale Untersuchung allerdings etwas reizend oder schmerzhaft sein.
Für den Hausarzt ist es eine Routineuntersuchung, die aber besonders vorsichtig durchgeführt wird.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Der Urologe

Kosten

Die reguläre Krebsvorsorgeuntersuchung für Männer, die das Abtasten der Lymphknoten in der Leiste und der Genitalien, das Überprüfen des Hautbildes und die rektale Untersuchung der Prostata und des Mastdarms beinhaltet, kostet ca. 30 Euro.
Diese Kosten übernimmt die Krankenkasse ab einem Alter von 45 Jahren einmal jährlich.

Die Kosten der PSA-Bestimmung liegen zwischen 15 und 45 Euro.
Sie werden im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung nicht von der Krankenversicherung übernommen.

Besteht jedoch Verdacht auf ein Prostatakarzinoms, dient der Test zur Verlaufskontrolle im Rahmen der Behandlung eines Prostatakarzinomoder einer benignen Prostatahyperplasie oder aber zur Nachsorge nach erfolgter Therapie, so werden die Kosten doch von der Krankenkasse erstattet.

Die Kosten der transrektalen Ultraschalluntersuchung belaufen sich auf ca. 40 Euro. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel auch nur, wenn Verdacht auf ein Karzinom besteht.

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Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 09.01.2019
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