Fruchtwasseruntersuchung

Einleitung

Eine Fruchtwasseruntersuchung kann Erkrankungen des Kindes frühzeitig aufzeigen, birgt jedoch auch Risiken.

Die Fruchtwasseruntersuchung wird in der Medizin Amniozentese genannt und ist eine Untersuchung der Flüssigkeit, die das Kind in der Gebärmutter umgibt.
Diese Untersuchung des Fruchtwassers gibt Frauen die Möglichkeit schon vor der Geburt zu erfahren, ob ihr Kind beispielsweise krank ist oder ob es eine Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind gibt.

Die Fruchtwasseruntersuchung wird ab dem 35. Lebensjahr von der Krankenkasse übernommen, da ab dem 35. Lebensjahr das Risiko einer Erkrankung des Kindes steigt.

Die Fruchtwasseruntersuchung kann ab der 10. Schwangerschaftswoche stattfinden, es wird jedoch geraten nur unter besonderen Umständen schon in der 10. Woche zu untersuchen. Das Risiko das Kind bei der Untersuchung zu verletzen ist ab der 13. Woche deutlich geringer und daher werden die meisten Fruchtwasseruntersuchungen zwischen der 13. und der 18. Woche durchgeführt. Die Blutgruppenunverträglichkeit zu untersuchen ist erst ab der 30. Woche möglich.

Indikationen

Meist raten Ärzte schwangeren Patienten über eine Fruchtwasseruntersuchung nachzudenken, wenn sie etwas im Schwangerschafts-Ultraschall entdecken, es im Ultraschall oder durch andere Untersuchungen jedoch nicht 100%ig festgestellt werden kann.
Auch wenn die schwangere Patientin schon ein oder mehrere Kinder mit Fehlbildungen oder Erbkrankheiten hat, kann dies ein Grund sein der Patientin eine Fruchtwasseruntersuchung anzuraten.


Falls der Arzt eine Rhesusunverträglichkeit findet, kann eine Fruchtwasseruntersuchung helfen festzustellen, ob das Kind möglicherweise an Blutarmut oder Gelbsucht leidet.

Lesen Sie zu diesem Thema auch unsere Seite Risikoschwangerschaft.


Durchführung

Die Fruchtwasseruntersuchung ist fast schmerzfrei und dauert nur ca. 10-15 Minuten.
Bis die Ergebnisse da sind, dauert es jedoch einige Tage bis Wochen.

Um das Verletzungsrisiko möglichst klein zu halten wird vor der Punktion erst einmal geschallt. So kann die Position des Kindes ermittelt werden und so weit wie möglich vom Kind weit weg punktiert werden.
Dies ist wichtig, da das Kind sonst verletzt werden kann bzw. im schlimmsten Fall eine Fehlgeburt ausgelöst werden kann. Es ist zu beachten, dass in jeder Woche der Schwangerschaft und unabhängig vom Arzt es jederzeit ein Risiko besteht das Kind zu verlieren bzw. zu verletzen.

Während das Kind geschallt wird, wird eine geeignete Stelle für die Punktion gefunden und eine dünne Nadel durch die Bauchdecke in die Gebärmutter eingeführt.
Diese Punktion wird oft als nicht besonders schmerzhaft empfunden und wird daher vorher nicht betäubt. Nach der Einführung werden einige Milliliter Fruchtwasser entnommen. Die Menge liegt bei ca. 10 ml und max. 20 ml.
Danach wird die Nadel wieder entfernt und die Stichwunde versorgt.

Im Anschluss an die Untersuchung muss von Seiten der Mutter eine ungefähr eintägige Bewegungskarrenz eingehalten werden. Durch diese Maßnahme wird das Komplikationsrisiko deutlich gesehnkt.

Da das Fruchtwasser über eine Vielzahl von Zellen des Kindes verfügt, die im Labor vermehrt werden können, dient die Fruchtwasseruntersuchung als deutlicher Hinweis für das vorliegen verschiedenster genetischer Defekte.

Je nach diagnostischem Verfahren und den zu untersuchenden Werten kann es 2 Tage bis 14 Tage dauern, bis erste Ergebnisse vorliegen.

Diagnostische Auswertung

Durch die Fruchtwasseruntersuchung können einige Erkrankungen schon vor der Geburt festgestellt werden.
Meistens wird eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt um Chromosomenanomalien, das heißt Chromosomenveränderungen zu untersuchen. Zu den bekanntesten Chromosomenanomalien gehört das Down-Syndrom, auch Trisomie 21 genannt.

Es können auch:

  • Das Pätau Syndrom (Trisomie 13)
  • Das Edwards – Syndrom (Trisomie 18)
  • Trisomie 8
  • Trisomie 9
  • Fehlbildungen, wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
  • Infektionen

Außerdem kann noch die Menge des Alpha-Fetoprotein festgestellt werden, was Hinweise auf einen offenen Rücken geben kann und dann kann noch der Säuregehalt des Fruchtwassers untersucht werden, so können Aussagen über den Sauerstoffgehalt gemacht werden.

Leider können nicht alle Erbkrankheiten und Chromosomenveränderungen durch die Fruchtwasseruntersuchung entdeckt werden. Viele Erkrankungen sind sogenannte Mosaik-Anomalien, das bedeutet, dass nicht alle Zellen erkrankt sind und somit kann es sein, dass in dem untersuchten Fruchtwasser nur gesunde Zellen sind und die Krankheit somit nicht festgestellt werden kann.

Risiken

Zu den wohl gefürchtesten Risiken zählt die Fehlgeburt.
Je nach Quelle beträgt die Komplikationsrate im Bezug auf Fehlgeburten 0,6% bis 1,5%.
Demzufolge ist das Risiko durch die Fruchtwasseruntersuchung eine Fehlgeburt zu erleiden sehr gering.

Zu den häufigeren Risiken zählen;

  • blaue Flecke an der Einstichstelle
  • Blutungen in die Gebärmutter
  • Verletzungen der Gebärmutter
  • Verletzungen des Kindes
  • Verletzungen des Mutterkuchens
  • Infektionen
  • Fruchtwasserverlust
  • Kontraktionen der Gebärmutter

Für weitere Informationen lesen Sie auch unsere Seite Schwangerschaftskomplikationen.

Alternative Untersuchungsmöglichkeiten

Abgesehen von der Fruchtwasseruntersuchung gibt es noch andere Möglichkeiten verschiedene Krankheiten zu untersuchen.

Dazu gehören folgende Möglichkeiten:

Chorionzottenbiopsie, Nabelschnurpunktion, Tripletest und dann noch ein neuer Bluttest, der erst seit 2012 in Deutschland zugelassen ist. Lassen Sie sich bitte von Ihrem Arzt beraten, welcher Test am besten für Sie ist. Alle Tests enthalten Risiken und mögliche Komplikationen.

Weitere Informationen finden Sie auch unter "Vorsorgeuntersuchung Schwangerschaft".

Weitere Informationen zu diesem Thema

Weitere interessante Informationen zum Thema Schwangerschaft:

Eine Übersicht aller Themen der Gynäkologie finden Sie unter: Gynäkologie A-Z

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 24.03.2017
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