Schwangerschaftsdepression

Epidemiologie

10-18% der Frauen zwischen 20 und 40 Jahren. Die Schwangerschaftsdepression (PPD) stellt die häufigste psychiatrsiche Erkrankung nach der Geburt dar und nimmt seit den 60er zu.

Definition

Die Schwangerschaft stellt für jede Frau eine anstrengende, aufregende aber auch wunderschöne Zeit dar. Doch leider gilt dies nicht für alle Frauen. Fast jede zehnte Schwangere entwickelt eine Schwangerschaftsdepression, wo Symptome wie Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Schuldgefühle und Lustlosigkeit im Vordergrund stehen. Besonders häufig tritt eine solche Schwangerschaftsdepression im ersten und dritten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) auf.

Ursachen für eine solche Schwangerschaftsdepression können vielzählig sein. Diese reichen über nicht verarbeitete Kindheitstraumata wie sexueller Missbrauch oder den Verlust naher Angehöriger, über eine genetische Veranlagung für Depressionen, bis hin zu allgemeinen Stresssituationen vor und während der Schwangerschaft (z.B. Umzüge, Hochzeiten, Todesfälle). Besonders wichtig in der Entstehung einer Schwangerschaftsdepression sind jedoch auch körperliche Beschwerden oder Komplikationen während der Schwangerschaft, sog. Risikoschwangerschaften.

Doch auch viele Nicht-Risikoschwangere leiden oft unter Ängsten und Sorgen rund um die Zukunft des Babys und ihrer Partnerschaft. Sorgen wie, ob man eine gute Mutter wird oder ob das eigene Kind gesund sein wird beschäftigen viele Frauen. Oft werden diese dann zu Auslösern einer Schwangerschaftsdepression.

Um von einer PPD (Postpartale Depression = Depression nach der Schwangerschaft) zu sprechen, muss es sich um eine lang andauernde, viele Monate bestehende Stimmungslabilität nach der Geburt eines Kindes handeln. Der Verlauf der Schwangerschaftsdepression entspricht der einer „Major Depression“ laut DSM IV (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen) und unterscheidet sich nur in der Besonderheit des Zeitpunkts des Eintretens, nämlich nach der Geburt.
Gerade das macht die PPD in ihren Auswikungen auf die Psyche viel gravierender als eine „Major Depression“ ohne Entbindung. Denn während die Gesellschaft erwartet, dass die frisch gewordene Mutter sich über ihr neues Glück freuen soll, fühlt die Betroffene gerade entgegengesetzt und darf dies nicht offensichtlich zeigen.
Die Gefühle der Mutter sind gegenüber dem Kind von Entfremdung und Distanz bestimmt. Die von außen unverstandenen Gefühle der Mutter werden von ihr mit Selbstvorwürfen beantwortet. Dies wiederum verstärkt die depressive Phase.
Differentialdiagnostisch ist die Schwangerschaftsdepression vom sogenannten „baby blues“zu unterscheiden. Der „baby blues“, die auch als „Heultage“ nach der Entbindung bekannt sind, dauert maximal eine Woche und tritt bei 80% der Gebärenden auf.
Diese Stimmungschwankung ist mit dem rapiden Hormonabfall nach der Geburt zu erklären. Zur Entstehung der Schwangerschaftsdepression müssen zusätzlich viele andere Faktoren vorliegen, damit man von einer ernsthaften Depression sprechen kann.
Darüber hinaus ist die postpartale Psychose (Psychose nach der Geburt) eine weitere psychiatrische Erkrankung nach der Entbindung. Sie ist eine affektiv-manische Krankheit, die sehr selten (2 von 1000 Entbindenden) vorkommt.


Wie erkennt man eine Schwangerschaftsdepression?

Eine Schwangerschaftsdepression ist auf den ersten Blick nicht immer leicht zu erkennen. Oft werden ihre Symptome (körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Müdigkeit und Lustlosigkeit) als Folge der Schwangerschaft, also als „normal“ gewertet. Treten jedoch Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Lustlosigkeit über einen Zeitraum von mehreren Wochen auf, so sollte eine Schwangerschaftsdepression in Erwägung gezogen werden.

Sollten zusätzlich noch Schuldgefühle, starkes Gedankenkreisen und permanente Sorgen, Insuffizienzerleben, sowie Selbstmordgedanken hinzukommen, so sollte schnellst möglich ein Arzt hinzugezogen werden. Denn Folgen einer Schwangerschaftsdepression können Risiken, sowohl für die Mutter als auch für das Ungeborene mit sich tragen. Entwicklungverzögerungen und Frühgeburten des Babys sind dabei typische Folgen. Andere Studien haben gezeigt, dass gerade geburtsspezifische Ängste (typisch für eine Schwangerschaftsdepression) mit einer erhöhten Schmerzwahrnehmung und einer verlängerten Geburtsdauer einhergehen, sowie im Nachhinein zu postpartalen Depressionen (sog. Wochenbettdepression) führen können.

Ursache

Frauen mit Schwangerschaftsdepression zeigten in einer Studie gegenüber gesunden Müttern keine Auffälligkeiten hinsichtlich sozioökonomischer oder hormoneller Natur. Daher bescheibt eine multifaktorielle Ansicht die Genese (Entstehung) der PPD am zutreffendsten. Das bedeutet viele verschiedene Ursachen kommen zum tragen.
Es sind weniger spezifische Ursachen, sondern die Summe an Faktoren, die letztlich den Ausschlag geben an Schwangerschaftsdepression zu erkranken.
Genetisch prädisponierte Frauen, deren Verwandten 1.Grades psychisch erkrankt waren, sind gefährdet PPD zu erleiden.
Auch Frauen, die bereits pränatal (vor der Geburt) eine Depression hatten, sind Risikopatientinnen.
Psychisch ist die kognitive (gedankliche) Einstellung der Frau zu der neuen Herausforderung als Mutter gefragt.

Die Schwangerschaft und Geburt wird nämlich als tiefgreifendes „life event“ von der Mutter erlebt, das viele Umstellungen mit sich bringt. Die Trennung zwischen Mutter und Kind muss zunächst von der Gebärenden verarbeitet werden.

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Dann steht ein Rollenwechsel von Frau zur Mutter, von Mann zu Vater an. Die Frau setzt sich gedanklich damit auseinander, ob sie und ihr Partner den neuen Ansprüchen gewachsen sind, die an verantwortliche Eltern gestellt werden. Außerdem kommt bei der Frau die Angst darüber auf, inwieweit das Kind die Beziehung zum Partner und die Stellung im beruflichen Leben verändert. Wenn die Frau kognitiv auf diese Fragen keine aufbauenden Antworten findet, erlebt sie die Phase nach der Geburt als Stress.

Psychosozial ist daher eine stabile Partnerbindung und der Rückhalt in der Familie und Umgebung entscheidend. Fallen diese Stützen weg, so wird die Frau schwerlich eine zuversichtliche und fürsorgliche Haltung zur ihrem Neugeborenen aufbauen können.
Hormonell ist der Abfall an Östrogen und Progesteron nur Auslöser der Schwangerschaftsdepression. Besonders der Verlust des während der Schwangerschaft 200fach höheren Wertes an Östrogen bringt große Veränderungen im zentralen Neurotransmittersystem mit sich. Beispielsweise ist der Serotoninhaushalt in großem Maße von der Menge an Östrogen abhängig. Wenn nun der Östrogenspiegel sich erniedrigt, so wird davon auch die Produktion des Glückshormons Serotonin berührt werden. Konzentration und Stimmung lassen nach.

Symptome

Typische Symptome einer Schwangerschaftsdepression können sein:

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Symptome Schwangerschaftsdepression

Am bedrückendsten für die Mutter sind die gleichgültigen Gefühle gegenüber ihrem Kind. Die Ohmacht über Unfreude und Antriebslosigkeit haben eine beängstigenden Wirkung auf die Mutter. Zwangsgedanken sich und dem Kind etwas anzutun kommen als zusätzliche Belastung für die Mutter hinzu. Sie reagiert darauf mit Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen eine schlechte Mutter zu sein, was ihr Insuffizienzgefühl / Unfähigkeitsgefühl vertieft.

Diagnose

Depression ist noch immer ein Tabuthema. Ganz besonders dann, wenn die PPD (Schwangerschaftsdepression) nicht im Einklang mit der gesellschaftlichen Vorstellung einer glücklichen, fürsorglichen Mutter steht.
Die ist ein Grund, warum die Diagnose der PPD schwierig ist und meist zu spät erfolgt. Die Mutter meidet jeglichen Versuch ihre Gefühle und Ängste jemandem mitzuteilen. Denn der Schritt zur Offenheit über die wahre, depressive Befindlichkeit geht mit Schamgefühlen und einer Stigmatisierung psychisch krank zu sein einher.
Spätestens die erste Kontrolluntersuchung nach 6 Wochen kann der Gynäkologe dazu nutzen, um mithilfe eines Screeningverfahrens nach EPDS (Edinburgh Postnatal Depression Scale) die emotionale Lage der Patientin einschätzen zu können. Das EPDS enthält 10 Fragestellungen, die sich auf die Befindlichkeit der Patientin beziehen. Erreicht die Patientin mehr als 9,5 Punkte (Schwellenwert) bei der Auswertung, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit an Schwangerschaftsdepression leiden zu können.
Das Screeningvefahren ist umso aussagekräftiger (valider), je besser die Compliance (Zusammenarbeit) der Patientin mit dem Arzt ist. Dies kann am besten mit einer patientenzentrierten Behandlung erreicht werden.

Was kann man tun?

Sollten sich Hinweise auf eine Schwangerschaftsdepression zeigen, so empfiehlt es sich auf jeden Fall einen Arzt zu konsultieren. Dieser kann klären, ob es sich bei den Symptomen nur um eine vorübergehende Stimmungsschwankung oder schon um eine wirkliche Schwangerschaftsdepression handelt. Für die Unterscheidung und Diagnosestellung stehen dem Arzt verschiedene Fragebögen (wie z.B. der BDI) zur Verfügung.

Je nach Schweregrad der Depression passt sich schließlich die Therapie an.

Handelt es sich nur um eine leichte depressive Verstimmung, so reicht meist eine Beratung durch einen Arzt oder auch eine Beratungsstelle (z.B. Pro Familia) aus. Schwangere erfahren mehr über ihre Krankheit und darüber, wie ein gutes soziales Umfeld helfen kann.

In schweren Fällen wäre eine Psychotherapie ratsam, die je nach Schweregrad mit Medikamenten, sogenannten Antidepressiva, kombiniert werden kann. Es gibt eine Reihe guter und zugelassener Medikamente, die in Absprache mit einem Psychiater, angewendet werden können.

Therapie

Therapie der Schwangerschaftsdepression

Aufklärung und Psychoedukation (hierunter versteht man die psychische Schulung hinsichtlich des Umgangs mit der Erkrankung) tragen enorm dazu bei Schuldgefühle und Scham bei der Mutter zu mildern. Das Wissen darum, dass ihre Antriebslosigkeit und ihre Gefühllosigkeit gegenüber dem Kind mit dem Krankheitsbild Schwangerschaftsdepression begründet werden kann , beruhigt die beruhigt die Mutter. Es besteht die Bereitschaft das Gespräch mit einem Psychotherapeuten zu suchen. Die betroffene Patientin kann ihren Zustand einer Krankheit zuordnen, die man auch behandeln und offen ansprechen kann.

Eine 100% Diagnose einer depressiven Erkrankung kann es bisher nicht geben. Sobald jedoch Anzeichen für eine PPD sprechen, sollte die Interaktion zwischen Familie, Sozialarbeitern und der Hebamme gesucht werden. All diese Glieder können die Anstrengung leisten die depressive Frau vorerst von ihren neuen Aufgaben als Mutter zu entlasten.
Ziel ist es, dass eine ruhige Atmosphäre um die Frau geschaffen werden kann, damit sie sich innerhalb einer psychotherapeutischen Behandlung ihrer neuen Mutterrolle bewusst wird und diese auch für sich annehmen kann. Dies tut sie umso eher, wenn sie einen anderen Umgang mit ihrem Baby erlernt. „Mutter-Kind-Spieltherapie“ und „Babymassage“ sind eines von vielen Programmen, die die Mutter-Kind-Beziehung unter einem anderen Licht stellen und damit festigen.
Der Versuch einer Trennung des Kindes von der Mutter sollte gemieden werden, weil das nur die Schuldgefühle und das Entfremdungsgefühl zum Kind verstärkt.
Damit die an PPD erkrankte Frau nicht den Eindruck bekommt als psychisch krank stigmatisiert zu werden, sollte sie nicht in die Psychiatrie eingewiesen werden. Besser ist eine Behandlungsmöglichkeit innerhalb eines Krankenhauses.

Schwangerschaftsdepression Medikamente

Medikamentöse Therapie

Medikamentös wird zur Zeit die Wirkung von Hormonen wie Östrogen auf die Schwangerschaftsdepression untersucht. Es gab bereits Hinweise, dass eine transdermale (über die Haut) Gabe von 200 Mikrogramm Östrogen täglich bei PPD Betroffenen zur Besserung der Stimmung führte. Um diese Annahme zu erhärten, müssen weitere Studien folgen.
Schwere Depressionen erfordern in den meisten Fällen eine medikamentöse Behandlung mit einem Antidepressivum. Diese werden jedoch seit dem Vorfall mit Contergan (Thalidomid,ein Beruhigungsmittel), welches während der Schwangerschaft eingenommen bei den Babys Missbildungen hervorrief, argwöhnisch betrachtet.
Selbst nach der Geburt bringt die Einnahme von Psychopharmaka / Antidepressivums den Nachteil mit sich, dass das Medikament in der Muttermilch nachzuweisen ist und somit beim Stillen in der Körper des Babys gelangt.
Wichtig ist, dass der Arzt die betroffene Patientin über Chancen und Risiken von Psychopharmaka / Antidepressiva informiert.
Die Psychopharmaka von heute (SSRI) weisen viel geringere Nebenwirkungen auf als klassische Benzodiazipine oder trizyklische Antidepressiva. Säuglinge vertragen die kleinen Mengen an Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) gut, weil das Medikament unterhalb der Nachweisgrenze im Serumspeigel oder in der Muttermilch liegt.
Sertralin und Paroxetin gehören zu den bekannten SSRI´s. Sertralin wird in einem Dosierungsbereich von 50-200mg verabreicht, während bei Paroxetin 20-60mg bereits genügen. Die initiale Einnahmephase kann von Nebenwirkungen wie Unruhe, Zittrigkeit und Kopfschmerzen bei der Mutter begleitet werden.
Die Patientin sollte sich im Klaren sein, dass immer ein geringe Menge des Medikaments über den Weg der Muttermilch Eingang in den Kreislauf des Kindes findet. Je kleiner das Baby,umso schlechter kann es die Wirkstoffe des Medikaments verstoffwechseln. Außerdem reichert sich der Wirkstoff im ZNS (zentrale Nervensystem) in höherem Maße als bei Kindern an,weil die Blut-Liquor Schranke beim Säugling noch nicht vollständig entwickelt ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wirksamkeit einer psychotherapeutischen Behandlung wesentlich ergiebiger sind als die einer medikamentösen Therapierung. In schwierigen Fällen, wo für die Sicherheit der Mutter und ihrem Kind keine Garantie besteht, kann auf Psychopharmaka / Antidepressivum nicht verzichtet werden.

Mehr zur medikamentösen Behandlung finden Sie auch unter unserem Thema: Antidepressivum.

Erlaubte Medikamente bei einer Schwangerschaftsdepression

Es gibt eine Reihe von sehr gut untersuchten Medikamenten, die bei einer Schwangerschaftsdepression eingesetzt werden können und die dem Kind nicht schaden. Aufgrund der vielen Erfahrungen gelten bei einer Schwangerschaftsdepression als Antidepressiva der ersten Wahl - Amitriptylin, Imipramin und Nortriptylin aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva; sowie Sertralin und Citalopram aus der Gruppe der selektiven Serotonin Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

Bei keinem der klassischen Antidepressiva (SSRI, Trizyklische Antidepressiva) haben sich fruchtschädigende (teratogene) Wirkungen gezeigt, weswegen eine medikamentöse Therapie in den meisten Fällen unproblematisch durchgeführt werden kann.

Allerdings können auch andere Antidepressiva wie Opipramol eingesetzt werden, v.a. wenn diese sich bei Patientinnen mit einer schwer einstellbaren Depression als besonders günstig erwiesen haben. Jedoch gibt es zu deren Wirkungen auf das Neugeborene nur wenige Studien, sodass ihre Anwendung zurückhaltend betrachtet werden muss.

Generell gilt jedoch, dass Frauen, die bereits auf ein Antidepressivum eingestellt sind, dieses auch weiterhin bis zur Geburt nehmen sollen. Das Absetzen oder Verändern von Medikamenten sollte möglichst vermieden werden, da dies verheerende Wirkungen für Mutter und Kind haben könnte.

Nur Fluoxetin sollte aufgrund seiner sehr langen Halbwertszeit und der damit schlechten Steuerungsfähigkeit vermieden werden.

Amitriptylin ist ein Antidepressivum.

Amitriptylin

Amitriptylin gehört zur Klasse der Trizyklischen Antidepressiva und ist damit eines der ältesten und am besten wirksamsten Psychopharmaka, die es gibt.

Bei Schwangeren und Stillenden gehört es zu einem der Medikamente der ersten Wahl.

Studien der 70er und 80er Jahre zeigten zwar eine erhöhte Rate für Herz- und Extremitäten- (Arm- und Bein-)- Fehlbildungen; aktuelle Studien konnten diese Nebenwirkungen jedoch nicht nachweisen.

Wird Amitriptylin bis zur Geburt des Kindes eingenommen, so kann dies beim Neugeborenen zu einer vorübergehenden Absetzsymptomatik mit Atemnot und vermehrtem Zittern führen. Um etwaige Komplikationen zu vermeiden, sollte das Neugeborene für einige Wochen zur Beobachtung in einer Klinik für Neonatologie aufgenommen werden.

Aufgrund seiner fehlenden Wirkungen auf das Kind ist Amitriptylin das beste Antidepressivum für die Stillzeit.

Citalopram und Sertralin (SSRI)

Citalopram und Sertralin gehören zu der Klasse der Selektiven Serotonin Wiederaufnahmehemmer und sind zwei der am besten untersuchten Medikamente in Bezug zur Schwangerschaft. Neben Amitriptylin bilden sie die beste Alternative in einer medikamentösen Therapie einer Schwangerschaftsdepression.

Es gibt über 100.000 Studien zu den Wirkungen von Citalopram und Sertralin während und nach der Schwangerschaft. In keiner konnten fruchtschädigende (teratogene) Nebenwirkungen festgestellt werden.

Werden Citalopram und Sertralin bis zum Ende der Schwangerschaft gegeben, so kann es auch hier zu vorübergehenden Absetzsymptomatik (Atemnot, vermehrtem Zittern und Unterzuckerungen (Hypoglykämien)) bei Neugeborenen kommen. Wieder sollte das Neugeborene für einige Wochen in einer Klinik für Neonatologie beobachtet werden, um etwaige Komplikationen zu verhindern.

Während des Stillens ist eine Therapie mit Sertralin der Therapie mit Citalopram vorzuziehen, da Sertralin keine bekannten Nebenwirkungen auf das Kind hat. Bei Citalopram kann es unter Umständen zu einer Trinkschwäche, Unruhe und geistigen Eintrübung des Neugeborenen kommen. In solchen Fällen sollte immer eine Vorstellung bei einem Kinderarzt erfolgen.

Schwangerschaftsdepression und Homöopathie

Auch eine Schwangerschaftsdepression kann durch alternative Methoden behandelt werden. Hierunter fallen auch die homöopathischen Therapieansätze.
Zu diesem Thema haben wir eine eigenständige Seite verfasst.
Lesen Sie mehr zu dem Thema: Homöopathie und Schwangerschaftsdepression

Dauer

Eine Schwangerschaftsdepression tritt vermehrt im ersten oder im letzten Schwangerschaftsdrittel auf und kann mehrere Wochen andauern. Im schlimmsten Fall kann eine Schwangerschaftsdepression in eine postpartale Depression, die sogenannte Wochenbettdepression übergehen.

Diese Wochenbettdepression ist vom sogenannten Babyblues („Heultage“) abzugrenzen, der meist 3-5 Tage nach der Geburt auftritt und nach wenigen Tagen wieder von selbst verschwindet. Dieser ist normal und kann aufgrund der plötzlichen Hormonumstellung entstehen. Halten Symptome wie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Traurigkeit und Schuldgefühle jedoch länger als 2 Wochen an, so spricht man von einer postpartalen Depression oder der Wochenbettdepression, die im schlimmsten Fall auch chronisch verlaufen kann.

Ein stabiles soziales Umfeld kann Depressionen verhindern.

Wie kann man einer Schwangerschaftsdepression vorbeugen?

Nicht immer kann man eine Schwangerschaftsdepression verhindern, besonders wenn man eine genetische Veranlagung hierfür trägt. Jedoch gibt es Dinge, die man tun kann, um dem Ausbruch einer Schwangerschaftsdepression vorzubeugen.

Besonders wichtig ist dabei ein stabiles soziales Umfeld, welches die Schwangere unterstützt, entlastet und wo die Schwangere Verständnis für ihre Ängste und Sorgen findet. Sollten Schwangere von zu Hause aus keine Unterstützung finden, so können sich diese an zahlreiche Beratungsstellen wenden.

Auch berufliche Schwierigkeiten oder stressige Situationen wie Umzüge sollten, wenn möglich, vermieden werden. Es gibt spezielle Gesetze für Mutterschutz am Arbeitsplatz.

Nach der Geburt

Gerade Frauen, die bereits während der Schwangerschaft an einer Depression litten, haben ein höheres Risiko auch nach der Geburt eine Depression zu entwickeln, eine sogenannte Wochenbettdepression. Diese beginnt meist schleichend mehrere Wochen nach der Geburt und ist, wie der bekannte Babyblues, zunächst durch Stimmungsschwankungen und erhöhte Reizbarkeit gekennzeichnet; später auch durch Antriebsmangel, Lustlosigkeit, Bindungsstörungen zum Kind und Schuldgefühle.
In schweren Fällen können sogar postpartale Psychosen (Wochenbettpsychosen) mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen auftreten.

Wochenbettdepressionen treten häufig nach Fehlgeburten, Totgeburten oder bei der Geburt eines kranken oder behinderten Kindes auf.

Auch hier ist es wichtig frühzeitig einen Arzt oder eine Beratungsstelle (Pro Familia) aufzusuchen und nicht versuchen allein mit der Erkrankung fertig zu werden. In leichten Fällen reichen Verständnis und Unterstützung seitens des Partners, der Familie und der Freunde aus. In schweren Fällen sind auch hier Medikamente, sowie Psychotherapie ratsam.

Schwangerschaftsdepression beim Mann

Neue Studien zeigen, dass ca 10% aller Väter nach Geburt ihres ersten Kindes in eine Schwangerschaftsdepression verfallen. Vor allem gefährdet sind dabei Männer, deren Frauen parallel ebenfalls an einer Wochenbettdepression leiden.

Eine Schwangerschaftsdepression beim Mann zeigt sich oft nur indirekt durch vermehrtes Arbeiten oder dem verstärkten Nachgehen von Hobbys. Nur wenige Männer zeigen klassische Symptome wie Antriebsmangel, Lustlosigkeit, Traurigkeit oder Grübeln. Oft sind es nur Schlafstörungen und Müdigkeit, die als „normal“ abgetan werden.

Ein wichtiger Grund für die Entwicklung einer Schwangerschaftsdepression beim Mann ist meist die Umstellung auf ein neues Leben mit Baby. Viele Männer fühlen sich durch die enge Bindung ihrer Frau mit dem Baby plötzlich ausgeschlossen und weniger geliebt. Dies führt zu Partnerschaftskonflikten und Frustration. Kommen schließlich noch Schlafentzug und der Druck, die Familie zu ernähren, hinzu, so kommt es meist zu einer Überforderung der Väter, was letztlich in einer Depression endet.

Sollten Symptome einer Depression bestehen, empfiehlt sich auch hier die Konsultation eines Arztes oder einer Beratungsstelle. In schweren Fällen helfen Psychotherapie und Medikamente, doch meistens braucht es nur Zeit mit der plötzlich veränderten Lebenssituation klar zu kommen.

Prophylaxe

Das Wiedererkrankungsrisiko einer Schwangerschaftsdepression ist gerade bei familiär vorbelasteten Frauen hoch. Eine aufmerksame Beobachtung dieser Patientinnen kann helfen, dass die PPD sich nicht umbemerkt und zum Schaden des Kindes entwickelt. Die Mutter-Kind-Beziehung leidet nämlich erheblich unter der Anteilnahmslosigkeit der Mutter. Die körperliche und emotionale Vernachlässigung des Babys in den ersten Monaten hat massive Konsequenzen auf die Entwicklung des Kindes.
Außerdem ist auch die Aufklärungsbereitschaft gefragt. Broschüren und ein offenes Ohr des Pflegepersonals oder des Arztes können die Hemmschwelle der Mutter nehmen über ihre Symptome zu sprechen.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.02.2017
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