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Muttermilch

Zusammensetzung

Die Muttermilch besteht zum größten Teil aus Wasser. Darin sind Stoffe wie Kohlehydrate, Eiweiße, Fette, Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, Hormone und Abwehrzellen enthalten.
Den Hauptenergielieferanten stellen Fette dar, die durch gleichzeitige Anwesenheit des spaltenden Enzyms Lipase optimal resorbiert (aufgenommen) werden können. Während dem Stillen verändert sich die Zusammensetzung, Menge und sogar der Geschmack der Milch.

In den ersten Tagen nach der Geburt enthalten die Brüste die Vormilch (Kolostrum). Diese wirkt leicht abführend, so dass der erste Stuhlgang bald erfolgen kann. In ihrer Zusammensetzung ist sie sehr gut an den untrainierten Magen Neugeborener angepasst. Sie enthält relativ wenig Fett und Kohlehydrate, dagegen sehr viel Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und vor allem Abwehrzellen.

Nach etwa vier Tagen wird aus der Vormilch die Übergangsmilch, die wiederum nach etwa vierzehn Tagen von der reifen Muttermilch abgelöst wird. Bei diesen Übergängen sinkt kontinuierlich der Gehalt an Eiweißen und Mineralien, während der Kohlehydrat- und Fettanteil kompensatorisch zunimmt, um dem höheren Energiebedarf des Säuglings gerecht zu werden. Die Konsistenz der Muttermilch wird flüssiger und die Farbe heller.

Beim Stillen tritt zunächst die dünnflüssige, durststillende Vordermilch aus der Brust (Siehe auch weibliche Brust) aus, die in den Milchseen hinter dem Brustwarzenvorhof gespeichert wird. Anschließend saugt das Kind die gehaltvollere und sättigende Hintermilch, aus den hinteren Anteilen der Brustdrüse.


Flüssigkeitsbedarf des Kindes

Der Flüssigkeitsbedarf wird bei einem gesunden Neugeborenen durch die Muttermilch ausreichend gedeckt. Auch an Sommertagen ist keine zusätzliche Flüssigkeit notwendig-das Kind wird seinen erhöhten Flüssigkeitsbedarf durch häufigeres Trinken decken.
Eine zusätzliche Flüssigkeitsgabe kann sogar den kleinen Magen überlasten und die Milchbildung - durch selteneres Anlegen - stören.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Ernährung beim Baby

Richtiges Saugen

Beim richtigen Saugen/ Stillen sind die Lippen des Kindes nach außen gestülpt und umschließen auch den Warzenvorhof. Sein Gesicht ist nah an der Brust und es hat dicke Backen. Ist dies nicht der Fall, also sind Lippen nach innen gestülpt, die Backen eher eingezogen oder nur die Brustwarze wird angesaugt, trinkt das Kind falsch. Auch Schmerzen an der Brustwarze sollten, wenn überhaupt, nur kurz zu Stillbeginn auftreten.

Da falsches Saugen leicht zu Milchmangel, Milchstau oder entzündeten Brustwarzen führen kann, sollte der Stillvorgang kurz unterbrochen werden. Dazu sollte sanft der kleine Finger in den Mundwinkel des Kindes geschoben werden, damit es von der Brust ablässt und ein erneuter Versuch gestartet werden kann.

Hinweis: Saugverwirrung

Das falsche Saugen an der Brust kann auch als eine sogenannte Saugverwirrung auftreten. Diese tritt auf, wenn mit einem Fläschchen zugefüttert wird sowie wenn Schnuller oder Stillhütchen eingesetzt werden. Da diese Gegenstände eine völlig andere Saugtechnik als das Saugen an der Brust benötigen, kann das Kind verwirrt werden und das korrekte Saugen beim Stillvorgang praktisch verlernen. Daher ist es, besonders in den ersten sechs Wochen nach der Geburt, wichtig, auf diese Saughilfen zu verzichten und stattdessen Becher, Spritze oder spezielle Brusternährungssets einzusetzen. Auch diese sollten aber möglichst nur eingesetzt werden, wenn eine Zufütterung wirklich notwendig ist, da alleiniges Stillen die beste Lernmethode zur richtigen Saugtechnik darstellt.

Muttermilch "abpumpen"

Das Entleeren der Brust ist manuell sowie mit einer Pumpe möglich.

Das Abpumpen eignet sich zum Überbrücken, wenn Stillen vorübergehend nicht möglich ist sowie zum Anlegen eines Vorrats an Muttermilch. Dabei sollte auf gute Hygiene geachtet werden. Vor dem Abpumpen der Muttermilch sollten die Hände gewaschen und die Pumpe hinterher in die Spülmaschine getan werden.

Handelt es sich um ein krankes oder frühgeborenes Kind, sollten die hygienischen Maßnahmen verschärft werden. Tägliches Duschen und täglicher BH-Wechsel sowie eine kurze Reinigung der Brüste direkt vor dem Abpumpen sind angeraten.
Die ersten abgepumpten Tropfen der Muttermilch sollten verworfen und die Pumpe abgekocht werden. Welche Pumpe geeignet ist, hängt vom Bedarf ab. Bei regelmäßiger Anwendung ist eine elektrische Pumpe zum Abpumpen der Muttermilch sinnvoll. Sobald eine Pumpe aus medizinischer Sicht notwendig ist, erhält man eine Pumpe auf Rezept.

Die Brust sollte vor dem Abpumpen leicht angewärmt und/oder massiert werden. Das gleichzeitige Abpumpen beider Brüste stimuliert die Milchbildung besonders gut, ist aber nur bei einer Doppelpumpe möglich. Bei einer Einzelpumpe muss nach wenigen Minuten ein Wechsel der Seite erfolgen und der Vorgang dauert etwa doppelt so lang wie mit der Doppelpumpe (30 min).

Die Entleerung von Hand ist besonders zur Entlastung der Brüste geeignet, wenn zu viel Muttermilch vorhanden ist. Dadurch lässt der Druck nach und im Gegensatz zur Pumpe wird die Milchbildung nicht noch zusätzlich angeregt. Zuvor sind wieder Wärme sowie eine leichte Massage sinnvoll. Beim anschließenden Entleeren sollten die Brustwarzen nie berührt werden - der Druck verteilt sich stets nur in der Umgebung der Brustwarzen.

Wie im C-Griff werden mit Daumen sowie Zeige- und Mittelfinger zunächst die Milchseen in unmittelbarer Umgebung der Brustwarzen ausgestrichen. Anschließend sollten die Finger in einem Radius von einigen Zentimetern um die Brustwarze erneut angelegt werden. Der Daumen liegt dabei wieder oberhalb, Zeige-und Mittelfinger unterhalb der Brustwarze. Nun wird rhythmisch nacheinander immer wieder die Brust angehoben, mit den Fingern gegen den Brustkorb gepresst und anschließend Daumen und Zeigefinger nach vorne gleitend gegeneinander gedrückt.

Richtige Aufbewahrung der Muttermilch

Muttermilch sollte in Gefäßen aus Kunststoff oder Glas mit Schraubverschluss aufbewahrt werden. Zur Kontrolle sollten diese noch mit Datum und Uhrzeit des Entleerens der Brust versehen werden.

Soll die gefrorene Milch von einer Tiefkühltruhe zur anderen gebracht werden, darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden (Kühltasche !). Für die Inhaltsstoffe ist es am Besten, die gefrorene Milch über 24 Stunden im Kühlschrank aufzutauen. Wurde sie allerdings schon geöffnet, hält sie auch im Kühlschrank nur noch 12 Stunden. Alternativ kann gefrorene Milch auch im heißen Wasserbad erhitzt werden, jedoch nie in einer Mikrowelle. Bereits aufgetaute Milch darf nicht wieder eingefroren und erwärmte Muttermilch sollte ganz weggeschüttet werden.

Info: Haltbarkeit der Muttermich

Bei Raumtemperatur ist die Muttermilch nur etwa sieben Stunden, im Kühlschrank (4° Celsius!) bis zu acht Tage haltbar. Im Tiefkühlfach eines Kühlschranks bleibt die Muttermilch ungefähr zwei Wochen und in einer Tiefkühltruhe (-18° Celsius) ein halbes Jahr lang genießbar.

Zufüttern

Sollte Zufüttern in den ersten vier bis sechs Wochen notwendig, aber kein Abstillen erwünscht sein, sollte eine Flaschenanwendung vermieden werden (Saugverwirrung, s.o.).
Am besten eignet sich in diesem Fall ein Brusternährungsset. Dabei trägt die Mutter eine Flasche mit Zusatznahrung um den Hals, von der aus zwei kleine Schläuche zur rechten bzw. linken Brust führen. Das Kind trinkt so gleichzeitig Muttermilch und Zusatznahrung und regt die Milchbildung an.
Auch das Einspritzen von etwas Milch in den kindlichen Mund mit einer kleinen Spritze (Finger-Feeder) direkt an der Brust ist möglich. Sollte beides nicht funktionieren, kann mit einem Becher oder Löffelchen zugefüttert werden. Dabei sollte das Kind die Milch selbst aus dem Becher schlecken. Diese Verfahren haben den Nachteil, dass die Milchbildung dabei nicht angeregt wird.

Wird ein Zufüttern von fester Nahrung notwendig (optimalerweise erst nach dem 6. Monat), sollte dies langsam und etappenweise erfolgen. Dabei sollte stets nach einem Monat eine weitere Milchmahlzeit durch eine Breimahlzeit ersetzt werden. Bei den Zutaten muss ausprobiert werden, welche dem Kind schmecken und bekommen. Sollte das Kind den Brei anfangs zurückweisen, kann wieder voll gestillt und einige Tage später von neuem ein Versuch gestartet werden. Wird der Brei selbst zubereitet, sollten die Zutaten aus biologischem Anbau stammen.

Begonnen werden sollte mit einem Gemüsebrei, dem später Kartoffeln und Fleisch oder alternativ Vollkorn und Obst zugefügt wird. Auf jede Art von Gewürz (auch Salz und Zucker!) sollte verzichtet werden. Als Gemüsesorten eignen sich besonders gut Kartoffeln und Pastinaken sowie Karotten und Kürbis. Die Menge pro Breimahlzeit sollte von anfangs etwa fünf Teelöffel auf ca. 200 Gramm gesteigert werden. Sollte im Anschluss an die Breimahlzeit nicht gestillt werden, sollte dem Brei etwa ein Esslöffel Sonnenblumenöl zugefügt werden.

Als zweite Mahlzeit eignet sich gut ein abendlicher Milch-Getreide-Brei. Dabei sollte das Getreide bis zum zehnten Monat glutenfrei sein (Buchweizen, Hirse, Maisgrieß), danach kann auch Weizen und Hafer und nach dem ersten Lebensjahr auch Roggen gefüttert werden.
Damit das Eisen aus dem Getreide gut resorbiert werden kann, sollte dem Brei etwas Obst zugefügt werden.
Als dritte Mahlzeit kommt eine reine Getreide-Obst-Mahlzeit in Frage.
Zwischendurch kann das Kind etwas feste Nahrung zum Üben bekommen, wie Obststücke oder Reiswaffeln, so dass es etwa im Alter von zwölf Monaten an den Mahlzeiten teilnehmen kann.

Hinweis: Kuhmilch

Auf unverarbeitete Kuhmilch sollte im ersten Lebensjahr wegen ihrer hohen Allergiepotenz verzichtet werden.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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