Das dritte Trimester

Synonym

3. Trimenon, 3. Schwangerschaftsdrittel

Definition

Unter dem Begriff „3. Trimester“ versteht man den dritten Abschnitt der Schwangerschaft. Das 3. Trimester beginnt mit der 29. Schwangerschaftswoche und dauert bis zur 40. beziehungsweise 42. Schwangerschaftswoche.

Einleitung

Die Schwangerschaft wird aus medizinischer Sicht in drei ungefähr gleich große Abschnitte, sogenannten Schwangerschaftsdrittel (Trimester), eingeteilt. Jedes dieser Schwangerschaftsdrittel zeichnet sich durch einen anderen Entwicklungsstand des ungeborenen Kindes aus. Darüber hinaus können auch bei der werdenden Mutter in jedem Trimester der Schwangerschaft spezifische Beschwerden auftreten. Während das 1. Trimester der Schwangerschaft noch vor dem Eintreten der eigentlichen Schwangerschaft, am ersten Tag der letzten Regelblutung, beginnt, zieht sich das 2. Schwangerschaftsdrittel von der 13. bis zur 28. Schwangerschaftswoche.

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Ab der 29. Woche der Schwangerschaft spricht man vom 3. Trimester. Dieses reicht, je nach Geburtstermin bis zur 40. beziehungsweise 42. Schwangerschaftswoche. Innerhalb des 3. Trimesters der Schwangerschaft nimmt das ungeborene Kind deutlich an Größe und Gewicht zu. Darüber hinaus sind die inneren Organe des Ungeborenen soweit ausgereift, dass es als lebensfähig gilt. Das bedeutet, dass die Überlebenschancen im Falle einer Frühgeburt mit dem Erreichen des 3. Schwangerschaftsdrittels sehr hoch sind. Dennoch ist davon auszugehen, dass jeder einzelne Tag innerhalb des Mutterleibes für die Entwicklung des ungeborenen Kindes wertvoll ist.

Neben dem Voranschreiten der Entwicklung des Kindes kommt es auch bei der werdenden Mutter im 3. Trimester der Schwangerschaft zu weitreichenden Veränderungen. Im Allgemeinen kann davon ausgegangen werden, dass sich der Organismus der werdenden Mutter bereits zu Beginn des 2. Schwangerschaftsdrittels an die Bedürfnisse des heranwachsenden Kindes angepasst hat. Aus diesem Grund lassen auch die hormonbedingten Schwangerschaftsbeschwerden bei den meisten Frauen bereits in der 13. Schwangerschaftswoche deutlich nach. In vielen Fällen verschwinden die Beschwerden bis zum 2. Trimester sogar vollständig. Die Beschwerden, die typischerweise im 3. Trimester der Schwangerschaft auftreten, stehen somit in der Regel in keinem Zusammenhang mit der hormonellen Umstellung der werdenden Mutter. Vielmehr können die steigende Größe und das zunehmende Gewicht des Kindes für die Mutter im 3. Trimester sehr beschwerlich werden.

Da sich der Körper innerhalb dieses Schwangerschaftsdrittels allmählich auf die bevorstehende Geburt vorbereitet, empfiehlt es sich für die werdende Mutter, alle Fragen bezüglich der Niederkunft zu klären. Frauen, die eine spontane Entbindung planen, sollten darüber hinaus daran denken, an einem entsprechenden Geburtsvorbereitungskurs, der ungefähr sechs bis acht Wochen vor dem Entbindungstermin endet, teilzunehmen.

Beschwerden im dritten Trimester

Die meisten Beschwerden, die typischerweise im 3. Trimester der Schwangerschaft auftreten, stehen in der Regel in keinem direkten Zusammenhang mit der anfänglichen hormonellen Umstellung. Dennoch kann es auch im 3. Trimester der Schwangerschaft bei der werdenden Mutter gelegentlich zu Hormon-induzierten Beschwerden kommen.

Vor allem Stimmungsschwankungen sind auch im 3. Trimester der Schwangerschaft keine Seltenheit. Bei einigen Frauen zeichnen sich diese Stimmungsschwankungen im 3. Trimester sogar durch plötzlich einsetzende Weinattacken, die keinen offensichtlichen Grund haben, aus.
Darüber hinaus kann bei der werdenden Mutter beobachtet werden, dass der Bauchumfang innerhalb dieses Schwangerschaftsdrittels binnen Tagen deutlich zunimmt. Grund dafür ist die rasante Zunahme der Größe und des Gewichtes des ungeborenen Kindes. Auf Grund des stetig steigenden Bauchumfangs wird es für die werdende Mutter immer schwieriger eine entspannte Position zum Schlafen zu finden. Dies hat nicht selten Ein- und Durchschlafprobleme zur Folge (siehe auch: Einschlafprobleme). Betroffene Frauen können sich häufig durch die Verwendung eines Seitenschläfer- oder Stillkissens Abhilfe schaffen. Dieses kann zwischen die angewinkelten Beine geschoben werden und somit zur Entlastung des Bauches und der Wirbelsäule beitragen.

Da das stetige Wachstum des Kindes auch die inneren Organe der Mutter zu verdrängen beginnt, kann es zu weiteren für das 3. Trimester der Schwangerschaft typischen Beschwerden kommen. Viele Frauen leiden während dieses Schwangerschaftsabschnitts häufig unter Sodbrennen, Magenschmerzen und/oder Verstopfungen (Obstipation). Im Zuge des Kindswachstums werden die Bauchorgane immer weiter in Richtung Brustkorb geschoben. In Folge dessen kommt es auch zu einer Einengung der Organe des Brustkorbes. Während die Herzspitze immer weiter in Richtung Kopf geschoben wird, nimmt die Lunge vorerst an Volumen ab. Aus diesem Grund gehören Kurzatmigkeit und belastungsabhängige Atemnot ebenfalls zu den typischen Beschwerden im 3. Trimester der Schwangerschaft.

Eine der weiteren klassischen Beschwerden dieses Schwangerschaftsdrittels kann bei vielen Frauen schon innerhalb des 1. Trimesters beobachtet werden. Sollte es schon frühzeitig zu vermehrtem Harndrang kommen, so wird dieser im Verlauf des 3. Trimesters deutlich zunehmen. Grund dafür ist die Tatsache, dass das heranwachsende Kind immer stärker auf die Blase drückt und diese zunehmend komprimiert. Darüber hinaus kommt es vor, dass Frauen den Urin bei plötzlichem Druckanstieg im Bauchraum, beispielsweise beim Husten, Lachen oder Niesen, nicht mehr halten können. Aus diesem Grund zählt auch ungewollter Urinverlust zu den typischen Beschwerden im 3. Trimester der Schwangerschaft.

Zudem entwickelt nahezu jede werdende Mutter während des 3. Schwangerschaftsdrittels starke Rückenschmerzen. Grund für das Auftreten dieser typischen Beschwerde ist eine Kombination aus Anstieg der Progesteron-Konzentration und Kindswachstum. Während das ungeborene Kind im 3. Trimester stetig an Größe und Gewicht zunimmt, induziert das Schwangerschaftshormon Progesteron die Lockerung der Bänder und Muskeln. Dieser Vorgang ist für die nahende Geburt unerlässlich, ruft jedoch eine zunehmende Belastung der Wirbelsäule hervor. Aus diesem Grund leiden die meisten Frauen im 3. Trimester der Schwangerschaft vor allem unter Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule.

Des Weiteren zählen sogenannte Übungswehen zu den typischen Beschwerden im 3. Trimester der Schwangerschaft (siehe: Vorzeitige Wehen). Übungswehen müssen dabei jedoch nicht unbedingt mit Schmerzen einhergehen. Bei einigen Frauen kommt es ungefähr ab der 28. bis 34. Schwangerschaftswoche lediglich zu schmerzlosen Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur. Werdende Mütter müssen sich bei gelegentlichem Auftreten von Übungswehen keinerlei Sorgen machen. Ein Arzt oder eine Hebamme sollte jedoch dringend kontaktiert werden, wenn es häufiger als dreimal stündlich beziehungsweise zehnmal am Tag zu solchen Übungswehen kommt. Frauen, die unter schmerzhaften Übungswehen leiden, können die Beschwerden in der Regel durch ein warmes Bad lindern. Sollten die Schmerzen auch unter Ruhe und/oder im warmen Wasser nicht nachlassen, sollte ebenfalls dringend ein Facharzt aufgesucht werden.

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Entwicklung des Kindes

Das Kind zum Beginn des 3. Schwangerschaftsdrittels ist in der Regel überlebensfähig.

Die Entwicklung der inneren Organe des Kindes ist in der Regel schon vor dem Beginn des dritten Schwangerschaftsdrittels vollständig abgeschlossen. Im Zuge des 3. Trimesters muss das ungeborene Kind lediglich weiter an Größe und Gewicht zunehmen. Aus diesem Grund geht man davon aus, dass ein Kind zum Beginn des 3. Schwangerschaftsdrittels überlebensfähig ist. Das bedeutet, dass die Überlebenschance bei einer Frühgeburt nun sehr hoch ist. Dennoch gilt jeder weitere Tag im Mutterleib als Gewinn für die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Grund dafür ist die Tatsache, dass es gerade im 3. Trimester der Schwangerschaft zu umfangreichen Reifungsprozessen des kindlichen Immunsystems kommt. Darüber hinaus kann ein neugeborenes Kind mit einem ausreichenden Körpergewicht seine Körpertemperatur nachweislich besser regulieren. Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, müssen aus diesem Grund oftmals über Tage in ein sogenanntes Wärmebett gelegt werden.

Mit dem Beginn des 3. Trimesters der Schwangerschaft werden die kindlichen Bewegungen immer deutlicher. In den meisten Fällen ist es zu diesem Zeitpunkt sogar möglich die Tritte des ungeborenen Kindes durch die Bauchdecke sehen zu können. Darüber hinaus neigen einige Kinder dazu, vor allem nachts Schluckauf zu entwickeln. Dieser Schluckauf kann bei der werdenden Mutter mitunter zu Schlafproblemen führen. Da das Kind im 3. Trimester jedoch sehr schnell an Größe und Gewicht zunimmt, wird der Platz in der Gebärmutter von Woche zu Woche weniger. Aus diesem Grund nehmen auch die kindlichen Bewegungen am Ende des dritten Schwangerschaftsdrittels deutlich ab. Darüber hinaus geht man davon aus, dass die Kinder in den letzten Wochen vor der Niederkunft sehr viel schlafen, um Kräfte für die Geburt mobilisieren zu können. Mit dem Erreichen der 40. Schwangerschaftswoche haben die ungeborenen Kinder eine durchschnittliche Größe von 50 bis 51 Zentimetern bei einem Gewicht von ungefähr 3.500 Gramm.

Screening im dritten Trimester

Auch im 3. Trimester der Schwangerschaft findet ein reguläres Screening, das sogenannte Dritttrimester-Screening, statt. Dieses Screening dient vor allem dazu, das kindliche Wachstum zu überwachen und mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen. Neben der vaginalen Untersuchung mit Beurteilung des äußeren Muttermundes, spielt auch die Ultraschalluntersuchung im Zuge des Dritttrimester-Screenings eine entscheidende Rolle. Bei Verdacht auf das Vorliegen einer frühzeitigen Verkürzung, beziehungsweise Eröffnung des Muttermundes, sollte beim Screening ein transvaginaler Ultraschall durchgeführt werden. Auf diesem Wege kann die tatsächliche Länge des inneren Muttermundes bestimmt und gegebenenfalls frühzeitig eine Behandlung eingeleitet werden.

Des Weiteren wird beim Screening im 3. Trimester der Schwangerschaft ein abdomineller Ultraschall (also eine Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke) durchgeführt. Bei diesem Teil des Screenings im 3. Trimester werden vor allem das Wachstum und die Entwicklung des ungeborenen Kindes beurteilt.

Darüber hinaus sollten die Plazentafunktion und die Lage des Mutterkuchens beim Screening im letzten Schwangerschaftsdrittel erneut ermittelt werden. Unter Umstände kann im Zuge der Untersuchung eine Testung des Blutflusses der mütterlichen (vor allem der Gebärmuttergefäße) und der kindlichen (vor allem der Nabelschnurgefäße) Gefäße sinnvoll sein. Die Untersuchung der Gefäße erfolgt in der Regel mittels Dopplerultraschall.

Darüber hinaus beinhaltet das Screening im 3. Trimester der Schwangerschaft die erneute Untersuchung der Organe des ungeborenen Kindes. Bei Auffälligkeiten zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft kann frühzeitig eine geeignete Entbindungsklinik gesucht werden. Das Screening im 3. Trimester der Schwangerschaft dient demnach als letzter Check-up vor der bevorstehenden Geburt.

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Übelkeit im dritten Trimester

Viele Frauen leiden im ersten Schwangerschaftsdrittel, beziehungsweise ab der 5. bis 7. Schwangerschaftswoche, unter ausgeprägter Übelkeit. Diese Übelkeit ist in der Regel auf den raschen Anstieg des Schwangerschaftshormons beta-hCG zurückzuführen. Entgegen der landläufigen Annahme, dass morgendliche Übelkeit eines der häufigsten frühen Anzeichen einer bestehenden Schwangerschaft sei, kann die Übelkeit im 1. Trimester während des gesamten Tages auftreten. Aus diesem Grund empfinden die betroffenen Frauen die anfängliche Übelkeit als besonders belastend. Glücklicherweise stagniert der Hormonanstieg ungefähr zu Beginn des 2. Schwangerschaftsdrittels. Für die werdenden Mütter bedeutet dies, dass die meisten frühen Schwangerschaftsbeschwerden, beispielsweise die Übelkeit, im 2. Trimester deutlich nachlassen oder sogar vollkommen verschwinden. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft kann es jedoch immer wieder zum Auftreten von starker Übelkeit kommen.

Tritt im 3. Trimester der Schwangerschaft häufig Übelkeit und/oder Erbrechen auf, so kann dies in der Regel mit dem stetigen Wachstum des ungeborenen Kindes in Zusammenhang gebracht werden. Da der Platz im Bauchraum trotz Zunahme des Bauchumfangs begrenzt ist, werden die inneren Organe zunehmend in Richtung Brustkorb verdrängt. Aus diesem Grund wird der Magen-Darm-Trakt der werdenden Mutter immer weiter komprimiert. Gerade nach dem Essen kann es deshalb zu starker Übelkeit und sogar zum Erbrechen kommen. Um der Übelkeit entgegenzuwirken, empfiehlt es sich über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Vor allem bei einer übermäßigen Füllung des Magens kann bei werdenden Müttern im 3. Trimester häufig Übelkeit beobachtet werden.

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Zusammenfassung

Das 3. Trimester der Schwangerschaft beginnt mit der 29. und endet mit der 40. Schwangerschaftswoche. Da einige Kinder deutlich länger im Mutterleib verbleiben, kann das 3. Trimester der Schwangerschaft durchaus bis zur 42. Schwangerschaftswoche reichen. Spätestens am Ende der 42. Schwangerschaftswoche sollte jedoch über die Einleitung der Geburt nachgedacht werden. Andernfalls kann es möglicherweise zu einer gefährlichen Situation für Mutter und/oder Kind kommen. Während die Organe des ungeborenen Kindes im 2. Schwangerschaftsdrittel weiter herangereift sind, bedarf es im 3. Trimester der Schwangerschaft bloß noch etwas Zeit um an Größe und Gewicht zuzunehmen.

Im Allgemeinen kann man also davon ausgehen, dass das ungeborene Kind mit dem Beginn des 3. Trimesters lebensfähig ist. Das bedeutet, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit zu diesem Zeitpunkt auch bei einer Frühgeburt sehr hoch ist. Dennoch bedürfen Kinder, die zwischen der 29. und 37. Woche der Schwangerschaft geboren werden, häufig medizinischer Hilfe. Vor allem das eigenständige Atmen und die Regulation der Körpertemperatur können bei Kindern, die vor der 37. Woche der Schwangerschaft geboren werden, noch problematisch sein.

Während das Wachstum des Kindes im 3. Trimester der Schwangerschaft im Vordergrund steht, kann es bei der werdenden Mutter zu starken Veränderungen kommen. Im Zuge des kindlichen Wachstums nimmt der Bauchumfang rasant zu. Aus diesem Grund entstehen bei vielen Frauen im 3. Trimester der Schwangerschaft Dehnungsstreifen an Bauch und/oder Brust.
Darüber hinaus gehören Rückenschmerzen und häufiger Harndrang zu den typischen Beschwerden im 3. Trimester der Schwangerschaft. Vor allem der steigende Druck auf die Harnblase kann für die werdende Mutter sehr belastend werden. Häufiger Harndrang macht sich bei den meisten Frauen sogar schon im 2. Schwangerschaftsdrittel bemerkbar. Im 3. Trimester der Schwangerschaft kann es bei plötzlichen Druckerhöhungen im Bauchraum, beispielsweise beim Husten, Niesen oder Lachen, sogar zu ungewolltem Urinabgang kommen.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 20.01.2017
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