Blasenentzündung

Synonyme

Medizinisch: Zystitis, Cystitis

Blaseninfekt, akute Zystitis, radiogene Zystits, Harnwegsinfektion, Harnblasenentzündung, HWI, Harnwegsinfekt

Definition

Es handelt sich um eine Entzündung der Harnblase, die in der Regel nur die oberen Schichten der Schleimhaut betrifft.
Etwa 10 – 15% der erwachsenen Frauen leiden mindestens einmal im Jahr unter einer Blasenentzündung (Zystitis), welche sich vor allem durch Schmerzen beim Wasserlassen auszeichnet.

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Bei Männern über 60 Jahre sind es ca. 20%, meistens in Kombination mit einer Vergrößerung der Prostata (Prostatahyperplasie; BPH).


Anatomie Blase

Querschnitt durch die Blase und darunter liegende Prostata:

  1. Harnblase
  2. Harnröhre
  3. Prostata
  4. Samenhügel mit den beiden Öffnungen der Spritzkanälchen
  5. Ausführungsgänge der Prostata

Ursachen

Als Erreger kommen in der überwiegenden Zahl der Fälle Keime wie Escherichia coli Bakterien (ca. 80%) in Frage, seltener auch Mykoplasmen, Staphylokokken oder Chlamydien.

Vor allem bei Frauen spielt die direkte „Nachbarschaft“ von Harnröhrenausgang und After eine bedeutende Rolle bei der Infektionsentstehung.
Durch diese Nähe können Keime, die normalerweise im Darm beheimatet sind, mittels Schmierinfektion (z. B. beim Gebrauch von Toilettenpapier) in die Harnröhre und von dort in die Blase gelangen.

Weitere Ursachen können sein:

  1. Erfolgte Bestrahlung des kleinen Beckens (sog. radiogene Zystitis), z.B. im Rahmen einer Krebstherapie:
    Es kommt zur Zerstörung der Schleimhaut und damit der Schutzschicht des Harntraktes. Daraufhin kommt es zu Blutungen, die eine reaktive Blasenentzündung auslösen.
  2. Zytostatikatherapie (medikamentöse Krebstherapie v. a. Cyclophosphamid):
    Es entstehen in der Leber giftige Abbauprodukte dieser Medikamente, welche die auskleidende Schleimhaut zerstören und zu Blutungen führen. Daraus entsteht letztendlich eine Zystitis. Vorbeugend kann hier Mercaptoethansulfonat verabreicht werden.
  3. sexuelle Kontakte (sog. „Flitterwochen – Zystitis“) der geschlechtsreifen Frau
  4. Fehlbildungen des Harntraktes:
    Durch Verengungen (Stenosen) oder Aussackungen (Divertikel) der Harnleiter kommt es zu einer längeren Verweildauer des Urins im ableitenden System. Je länger dieser „steht“, umso wahrscheinlicher ist eine bakterielle Besiedlung und Infektion.
  5. Gynäkologische Erkrankungen oder Schwangerschaft:
    Auch hier kann es durch die anatomische Nachbarschaft zu Abflussbehinderungen des Urins kommen.

Hinweis: Kälte

Die allgemein gern beschuldigte Kälte spielt bei der Entstehung einer Blasenentzündung keine Rolle.

Symptome

Typische Krankheitszeichen (Symptome) einer Blasenentzündung sind unangenehmes (Algurie) oder schmerzhaftes (meistens Brennen) Wasserlassen (Dysurie), Brennen nach dem Wasserlassen, starker und häufigerer Harndrang (Pollakisurie) sowie Druckschmerzen in der Blasenregion.
Die Tageszeit spielt bei der Intensität der Schmerzen keine Rolle. Fieber besteht meistens nicht.

Diagnose

Mittel der ersten Wahl ist die Urinuntersuchung (U-Status). Der schnellste Nachweis gelingt mit Hilfe eines Teststreifens, der für ca. 30 Sekunden in den Patientenurin eingetaucht wird.
Durch Farbveränderung der einzelnen Felder können der Säurewert, pH-Wert, Eiweiß, Zucker, weiße Blutgruppen und rote Blutkörperchen und über das Abbauprodukt Nitrit indirekt auch Bakterien nachgewiesen werden.

Eine zweite Methode ist das sog. „Urikult“-System. Ein Nährboden für Bakterien wird kurz in den Patientenurin getaucht. Eventuell dort vorhandene Bakterien siedeln sich auf dem Nährboden ab. Durch die Anzahl der gefundenen Kolonien lässt sich die Grenze zwischen bedeutsamer (signifikanter) und unbedeutender Belastung des Urins mit Bakterien ziehen (>105/ml Urin=bedeutsame Infektion).

Von großer Bedeutung ist außerdem, dass das gefundene Bakterium auf seine Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Antibiotika getestet wird. Anhand des Testergebnisses legt der Arzt die medikamentöse Therapie fest.

Die Blutwerte / Laborwerte sind in der Regel nicht verändert. Eine Ausnahme bilden die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und sog. Entzündungsparameter wie das C-reaktive Protein (CRP).

Bei immer wiederkehrender (rezidivierender) oder komplizierter Blasenentzündung sollte ein Ultraschall erfolgen, da diese auf noch unerkannte anatomische Fehlbildungen oder Abflussbehinderungen hinweisen können.

Ist der Ultraschall auffällig, kann ein Urogramm nötig werden, dass die Harnausscheidung beurteilt (v. a. bei jüngeren Patienten kann so ein Rückfluss des Harns aus der Blase sichtbar gemacht werden).
Hierbei wird ein jodhaltiges Kontrastmittel in die Vene eingebracht und dann von den Nieren ausgeschieden. Danach werden nach 7 und 15 Minuten Röntgenaufnahmen angefertigt, auf denen:

sichtbar werden.
Man kann Anomalien, Zysten, Aufstauungen, Tumoren und mehr erkennen. Bei Männern ist eine Harnabflussstörung auszuschließen.
Bei schwerer Schädigung:

darf kein Urogramm mehr durchgeführt werden.
Das Serumkreatinin ist ein Maß für der Funktion der Nieren. Der Normalwert beträgt ca. 0,8-1,2 mg/dl.

Eine endoskopische Untersuchung (Untersuchung der Blase mit einer Schlauchkamera) verbietet sich während der akuten Entzündung und kann erst nach Verschwinden der Symptome durchgeführt werden.
Hierbei wird ein Endoskop (ähnlich wie bei Magen- oder Darmspiegelungen) über die Harnröhre in die Blase geführt.
Diese wird dann mit Wasser gefüllt und durch das Endoskop ausgeleuchtet.
Man kann die Entleerung der Harnleiter in die Blase, Entzündungen der Schleimhaut, Tumoren, Fremdkörper sowie Steine erkennen und gegebenenfalls auch entfernen. Auch angeborene Veränderungen können genau lokalisiert werden. Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

Differentialdiagnosen

Bei Frauen können Beschwerden wie Unterbauchschmerzen oder Probleme beim Wasserlassen auch von Entzündungen des weiblichen Genitaltraktes (Adnexitis) herrühren. Bei Männern muss immer an die Prostata gedacht werden. Ferner kommen die chronische Nierenbeckenentzündung, Sonderformen (s. u.), Fremdkörper, Blasensteine, Harnröhrenentzündung oder Tumoren (Nierenkrebs) in Frage, die alle zunächst mit ähnlichen, unspezifischen Symptomen imponieren.

Sonderformen

Reizblase (auch Frequency – urgency – Syndrom)
Es fehlt ein organpathologischer Befund. Störungen in der Innervierung führen zu einem nicht aufeinander abgestimmten Arbeiten von Blasen- und Beckenbodenmuskulatur.
Es besteht ein häufigerer und schmerzhafter Harndrang, wobei die Beschwerden nachts typischerweise geringer sind. Im Urin findet sich nichts Auffälliges.
Eine psychosomatische Behandlung kann bei den meist weiblichen Betroffenen angezeigt sein. Unterstützend kommen krampflösende Medikamente und bei älteren Patientinnen auch lokal Östrogen zum Einsatz.

Interstitielle Zystitis
Sie tritt v. a. bei Frauen mittleren Alters auf. Die Ursachen sind noch unklar. Man geht von Schrankenstörungen der auskleidenden Schleimhaut aus, die den Übertritt giftiger Urinbestandteile in das Gewebe erlauben.
Aber auch Autoimmunerkrankungen oder eine Unterversorgung mit Sauerstoff werden diskutiert. Es kommt zu einer Umwandlung des Blasenmuskels in Bindegewebe, die Kapazität der Harnblase verringert sich.
Dranginkontinenz (Inkontinenz) mit möglicher Entwicklung einer Schrumpfblase ist die Folge.
Die Diagnose kann mittels Ausscheidungsprotokoll und Endoskopie gestellt werden. Bei letzterem sieht man typische, stecknadelkopf große Schleimhautblutungen nach Blasendehnung und auch Geschwüre.
Es werden verschiedene Medikamente zur Therapie eingesetzt, darunter Schmerzmitte (Analgetika), Antiallergika, Glucocorticoide oder Immunsuppressiva.
Teilweise werden Substanzen wie Heparin, BCG, oder Clorpactin direkt in die Blase eingebracht. Bei nicht besserbaren Beschwerden wird ein operativer Eingriff nötig (Blasenerweiterung).

Zystits follicularis / granularis:
Es handelt sich um eine chronische Entzündung mit stecknadelkopfgroßen Knoten in der Blasenschleimhaut.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.01.2017
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