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Chlamydieninfektion

Chlamydien werden zu den Bakterien gezählt und können, je nach Untergruppe, verschiedene Erkrankungen bewirken.

Untergruppen

  1. Chlamydia trachomatis
    Diese Chlamydien rufen Geschlechtskrankheiten und auch Entzündungen am Auge hervor.
    Bis heute zählen Chlamydien zu den häufigsten auftretenden Geschlechtskrankheiten. Etwa 10% der Bevölkerung sind mit Chlamydien (Chlamydia trachomatis) infiziert, jedoch weisen ca. 80% der weiblichen Betroffenen und ca. 50% der männlichen Betroffenen keinerlei Symptome der Infektion auf. Hierdurch wird die Infektion mit Chlamydien nicht erkannt und so durch ungeschützten Verkehr immer weiter verbreitet.
    Die Erreger Chlamydia trachomatis führen in tropischen und subtropischen Regionen zu einer Bindehautentzündung, dem sogenannten Trachom. Dies ist dort eine der häufigsten Erblindungsursachen, kann jedoch mit Antibiotika leicht verhindert werden.
  2. Chlamydia pneumoniae
  3. Diese Untergruppe der Chlamydien kann Entzündungen der Bronchien (Bronchitis) und Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) bewirken und sind weit verbreitet. Teilweise führen sie auch zu einer Lungenentzündung (atypische Pneumonie), die jedoch meist mild verläuft und gut ausheilt.
  4. Chlamydia psittaci
    Diese Chlamydienform ist der Erreger der sogenannten Papageienkrankheit (Ornithose), an der sich auch der Mensch anstecken kann (Zoonose). Die Erkrankung tritt jedoch äußerst selten auf und ist einer schweren Lungenentzündung von den Symptomen her sehr ähnlich.

Chlamydieninfektionen sollten aufgrund möglicher Folgen und Schwierigkeiten im Krankheitsverlauf gleich zu Anfang sehr ernst genommen und behandelt werden.

Ursachen

Chlamydien vermehren sich als Bakterien in den Zellen des menschlichen Körpers. Besonders Chlamydia trachomatis ist für den Menschen von großer Bedeutung, da dieses Bakterium nur von Menschen übertragen wird.

Vor allem beim Geschlechtsakt findet eine Übertragung von Chlamydien statt (oral oder als Schmierinfektion bei Intimkontakt). Daher gilt eine Chlamydieninfektion als Geschlechtskrankheiten.

Eine bis drei Wochen nach der Ansteckung macht sich die Chlamydieninfektion mit ersten Beschwerden bemerkbar. Es treten Entzündungen auf und bei Frauen kann die Chlamydien-Infektion unbehandelt zur Unfruchtbarkeit führen.

Leiden Schwangere an einer Chlamydien-Infektion, so kann steigt das Risiko für eine Frühgeburt oder einen verfrühten Fruchtblasensprung. Während der Geburt ist eine Ansteckung des Kindes mit den Chlamydien der Mutter möglich. Bei den Neugeborenen führen diese Bakterien dann zu Augenentzündungen und in seltenen Fällen auch zu Lungenentzündungen.

Das Trachom entsteht, wenn die Chlamydien die Bindehaut des Auges befallen und sie sich entzündet. Danach greift die Entzündung auch auf die Hornhaut des Auges über, durch Schmierinfektion sind in kürzester Zeit beide Augen betroffen. Diese verändern sich dann zunehmend: die Hornhaut trübt sich. Die Ansteckung ist auch über den Kontakt mit Fliegen möglich. In Entwicklungsländern sind Chlamydien die häufigste vermeidbare Ursache für Erblindungen bei Kindern.

Symptome

Etwa 80% der weiblichen Betroffenen und ca. 50% der männlichen Betroffenen keinerlei Symptome der Infektion auf. Hierdurch wird die Infektion mit Chlamydien nicht erkannt und so durch ungeschützten Verkehr immer weiter verbreitet.

Symptome bei Männern:

  • Entzündung der Harnröhre (Urethritis)
  • erschwertes Wasserlassen (Urinieren)
  • verstärkter Harndrang
  • ziehender Schmerz in der Harnröhre
  • schleimig-eitriger Ausfluss
  • Jucken und Brennen beim Urinieren
  • Entzündung der Nebenhoden
  • Entzündung der Prostata

Symptome bei Frauen:

Mögliche Symptome bei allen Betroffenen:

Symptome bei Säuglingen:

Von der mit Chlamydien infizierten Mutter können die Bakterien während der Geburt auf den Säugling übertragen werden. Dies kann es beim Neugeborenen zu einer eitrigen Bindehautentzündung oder einer Lungenentzündung führen.

Trachom

In Deutschland ist das sogenannte Trachom eher selten, führt in Entwicklungsländern jedoch sehr häufig zur Erblindung. Die Infektion des Auges mit Chlamydien äußert sich zuerst in einer Bindehautentzündung und zeigt folgende Symptome:

  • Tränenfluss
  • Lichtscheue
  • Druckgefühl im Auge

Wenn das Trachom nicht behandelt wird, so greift die Chlamydieninfektion meist auf die Hornhaut des Auges über und es kommt zu einer Verschlechterung der Sehkraft bis hin zur Erblindung.

Diagnose

Neueste Diagnosemethoden nutzen molekulargenetische Möglichkeiten. Hierfür wird im Morgenurin und im Sekret des Gebärmutterhalses (bei Männern Sekret der Harnröhre) auf das Erbgut der Chlamydien (DNS) hin untersucht. Zuvor wird diese DNS mittels Polymerase-Kettenreaktion im zu untersuchenden Präparat vermehrt, um eine sichere Diagnose zu ermöglichen.

Vor Entwicklung dieser neuen Methode musste die Diagnose anhand eines Zellabstrichs der Harnröhre und bei Frauen zusätzlich des Gebärmutterhalses gestellt werden. Die durch diese Abstriche gewonnenen Proben wurden angezüchtet und untersucht, ob sich darin Chlamydien vermehren.

Feststellen lässt sich eine Chlamydien-Infektion auch mittels Antikörper im Blut, jedoch kann bei positivem Testergebnis nicht sicher beurteilt werden, ob es sich um eine ausgeheilte oder akute (aktuelle) Ansteckung mit Chlamydien handelt.

Obwohl die Symptome einer Chlamydien-Infektion den Symptomen eines Trippers (Gonorrhoe) sehr ähnelt, müssen diese beiden Erkrankungen unterschiedlich behandelt werden. Aus diesem Grund ist eine sichere Diagnosestellung äußerst wichtig.

Therapie

Bei einer Infektion mit Chlamydien ist es wichtig, dass alle Geschlechtspartner mit untersucht und zur gleichen Zeit behandelt werden, da es sonst zum sogenannten „Ping-Pong-Effekt“ mit immer wiederholender gegenseitiger Ansteckung kommt.

Die Therapie der Chlamydien erfolgt mit Antibiotika, die über mindestens eine Woche eingenommen werden müssen. In einigen Fällen wird die Behandlungsdauer auf 14 Tage erweitert. Nur durch konsequente antibiotische Therapie ist eine Behandlung der Chlamydien effektiv, jedoch gibt es einen Ausnahme-Wirkstoff (Azithromycin), der nur einmalig eingenommen werden muss.

Wird eine Chlamydieninfektion in der Schwangerschaft festgestellt, so erfolgt die Behandlung mit Erythromycin, Amoxicillin oder Josamycin. Anschließend ist eine Untersuchung der Schwangeren notwendig, um sicher festzustellen, dass die Therapie erfolgreich war.

Lesen Sie zu auch zu diesem Thema: Infektionen in der Schwangerschaft

Tritt ein Trachom auf, so wird der Arzt im frühen Stadium eine Tetrazyklin-Augensalbe verschreiben, während im fortgeschrittenen Stadium jedoch eine Operation notwendig ist.

Prognose

Oftmals verläuft eine Infektion mit Chlamydien unbemerkt, was vor allem bei Frauen der Fall ist. Ohne Therapie breiten die Chlamydien sich aber aus und können bei Frauen zu einer Unterleibsentzündung führen, die die Eileiter verklebt, sodass eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg nicht mehr zu erreichen ist. Bei verklebtem Eileiter ist außerdem eine Eileiterschwangerschaft möglich, was eine Notfallsituation darstellt und operiert werden muss, wobei das ungeborene Kind verloren wird.

Bei Männern führt eine Chlamydieninfektion in einigen Fällen zur Entzündung der Nebenhoden oder der Prostata, wodurch es ebenfalls zur Unfruchtbarkeit kommen kann.
Liegt bei Frauen eine Chlamydieninfektion vor, so sind sie gefährdet, sich außerdem mit HIV zu infizieren.

Seltene Komplikation von Chlamydien-Infektionen ist die sogenannte Reiter-Krankheit. Bei dieser treten Gelenkschmerzen (v.a. geschwollene Knie- und Fußgelenke), Harnwegsentzündungen, Augenentzündungen und (Schleim-)Hautausschläge auf. Die Reiter-Krankheit tritt hauptsächlich bei jungen Männern auf und wird über eine Chlamydien-, aber auch über eine Darminfektion ausgelöst.

Unbehandelt führt ein Trachom (Augeninfektion mit Chlamydien) in den meisten Fällen zur Erblindung.

Wird eine Chlamydien-Infektion rechtzeitig behandelt, so werden Folgeschäden meist zuverlässig vermieden.

Prävention

Vor einer Chlamydien-Infektion kann man sich selbst schützen und im Falle der Ansteckung rasch Hilfe holen:

  • Verkehr nur mit Kondom
  • bestehen Zweifel über eine Infektion: zum Arzt!
  • PartnerIn muss bei Chlamydien-Infektion dringend mitbehandelt werden
  • in tropischen Ländern: keine gebrauchten Handtücher verwenden und auf Hygiene achten, um Trachom zu vermeiden

Vorsorgeuntersuchungen

Da Chlamydien-Infektionen teilweise symptomlos verlaufen, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in folgenden Risikogruppen empfehlenswert:

  • bei Frauen, die jünger als 25 Jahre sind
  • bei Schwangeren
  • bei Personen, die mit neuen oder mehreren Partnern ungeschützten Verkehr haben

Vor einem Eingriff an der Gebärmutter (Geburt, Verhütungsspirale-Einsetzen, künstliche Befruchtung) sollte auf Chlamydien hin untersucht werden. Seit 2008 wird von den gesetzlichen Krankenkassen ein Chlamydien-Screening bei Frauen unter 25 Jahren bezahlt. Der Chlamydien-Test bei Schwangeren gehört zur regulären Mutterschaftsvorsorge.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.11.2018
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