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Harnröhrenentzündung

Definition

Eine Harnröhrenentzündung wird im medizinischen Fachjargon auch als Urethritis bezeichnet. Es handelt sich um eine Entzündung der Schleimhaut im Bereich der Harnröhre. Diese geht von der Blase ab und führt den Urin nach außen. Die Harnröhrenentzündung zählt – wie auch die Blasenentzündung – zu der Gruppe der unteren Harnwegsinfekte. Die Entzündung entsteht meist durch eine Infektion mit bakteriellen Erregern. Meist wird die Erkrankung sexuell übertragen. Insbesondere bei Frauen besteht bei einer unbehandelten Erkrankung die Gefahr, dass sich die Erkrankung weiter ausbreitet, die Fortpflanzungsorgane befällt und in einer Sterilität (Unfruchtbarkeit) resultiert.

Ursachen

In den meisten Fällen wird eine Harnröhrenentzündung durch sexuellen Kontakt übertragen. Dies ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen der Fall. Mit Abstand am häufigsten sind Bakterien die Auslöser, die durch sexuellen Kontakt übertragen werden. Man unterscheidet hier die spezifische von der unspezifischen Urethritis:

  • Die spezifische Urethritis wird durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae ausgelöst und ist besser unter dem Namen Gonorrhoe oder Tripper bekannt.
  • Die unspezifische Urethritis wird in den meisten Fällen durch Bakterien ausgelöst die als Chlamydien bezeichnet werden. Auch diese Form der Harnröhrenentzündung wird sexuell übertragen.

In selteneren Fällen tritt eine Harnröhrenentzündung als Begleitsymptom im Rahmen anderer Erkrankungen auf. Beispielsweise beim Reiter-Syndrom, einer Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis. Hierbei kommt es zu einer Symptom-Trias bestehend aus Harnröhrenentzündung, Gelenkentzündung (Arthritis), insbesondere von Knie- und Sprunggelenk, und Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Auch mechanische Reizungen der Harnröhre können zu einer Entzündung führen. Beispielsweise durch einen Harnblasenkatheter. Auch allergische Reaktionen, beispielsweise auf Gleitmittel, können Ursache für eine Harnröhrenentzündung sein.

Diagnosestellung

Am Anfang der Diagnostik steht immer die Anamnese. Der Arzt wird fragen, welche Beschwerden bestehen, seit wann sie bestehen, ob es Vorerkrankungen gibt, ob die Erkrankung schon einmal aufgetreten ist und ob es aktuell wechselnde Sexualpartner gibt. Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung, hierbei wird insbesondere die Harnröhre untersucht. Es wird nach Zeichen wie Rötung des Harnröhreneingangs oder Ausfluss gesucht.

Beim Mann wird auch der Hoden und die Prostata mituntersucht da diese in einigen Fällen auch von der Entzündung betroffen sein können. Im Anschluss muss meist eine Urinprobe abgegeben werden damit ein Urinstatus gemacht werden kann. Hierbei wird geprüft, ob Entzündungszellen oder rote Blutkörperchen im Urin vorhanden sind. Auch ein Abstrich aus der Harnröhre kann genommen werden, um die Erreger genau zu bestimmen.

Begleitende Symptome

Das Hauptsymptom bei einer Harnröhrenentzündung ist das starke Brennen bei jedem Wasserlassen. Außerdem besteht häufig ein deutlicher Juckreiz im Bereich der Harnröhre. Der Eingang der Harnröhre ist meist stark gerötet. Begleitend kommt es oft zu trübem gelblichem Ausfluss aus der Harnröhre.

Eine Harnröhrenentzündung muss nicht immer Symptome verursachen, sie kann also auch asymptomatisch verlaufen. Doch auch wenn keine Symptome bestehen, ist die bakterielle Form der Urethritis ansteckend, also sexuell übertragbar. Bei symptomatischen Verläufen kommt es meist zu Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz und Ausfluss aus der Harnröhre.

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Begleitende Symptome beim Mann

Beim Mann können auch andere Organe befallen werden. So kann es beispielsweise begleitend zu einer Entzündung der Prostata (Prostatitis) oder der Hoden (Orchitis) oder Nebenhoden (Epididymitis) kommen. Diese Arten der Entzündung sind meist ausgeprägt schmerzhaft. Häufig kommt es begleitend zu Fieber und Schüttelfrost.

Begleitende Symptome bei der Frau

Bei Frauen verläuft eine Harnröhrenentzündung relativ häufig asymptomatisch. Ansteckend ist sie trotzdem. Bei Frauen besteht die Gefahr, dass sich die Bakterien aus der Harnröhre weiter ausbreiten und bis in die Gebärmutter aufsteigen. Von hier aus können sie die Eileiter und Eierstöcke erreichen und eine Infektion der Eierstöcke (Adnexitis) auslösen. In diesem Fall kommt es zu starken Unterbauchschmerzen, Fieber und deutlich reduziertem Allgemeinbefinden.

Eine Komplikation einer solchen Eileiterentzündung ist die Verklebung der Eileiter. Diese kann das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft erhöhen um im schlimmsten Fall zu einer Unfruchtbarkeit (Sterilität) der Frau führen.

Bei Männern wie auch bei Frauen besteht außerdem das Risiko, dass die Erreger sich bis zu den Nieren hin ausbreiten, also aufsteigen. Dies kann zu einer Nierenbeckenentzündung führen. Es kommt zu dumpfen Flankenschmerzen, hohem Fieber und Schüttelfrost, der Allgemeinzustand ist deutlich reduziert.

Auch können die Erreger in die Blutbahn gelangen und eine Urosepsis auslösen. Eine Urosepsis geht – wie auch die Nierenbeckenentzündung – meist mit Fieber und deutlichem Unwohlsein einher. Beide Erkrankungen müssen rasch behandelt werden da sie potentiell tödlich enden können.

Harnröhrenentzündung mit Ausfluss

Ausfluss ist ein typisches Symptom das im Rahmen einer Harnröhrenentzündung auftritt. Bei bakteriell bedingten Entzündungen ist der Ausfluss meist gelblich trüb und riecht unangenehm.

Harnröhrenentzündung mit Schmerzen

Die Schmerzen treten bei einer Harnröhrenentzündung vor allem in Form von starkem Brennen im Bereich der Harnröhre beim Wasserlassen auf. Handelt es sich um einen komplikativen Verlauf, so kann es beim Mann zusätzlich zu einer Entzündung der Prostata oder der Neben(hoden) kommen. Dies geht dann mit oftmals starken Schmerzen im Bereich der betroffenen Drüsen einher.
Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Brennen in der Harnröhre.

Bei der Frau können sich die Bakterien auf Gebärmutter und Eileiter ausweiten, es kommt dann zu meist einseitigen starken Unterbauchschmerzen. Steigt die Entzündung bis zu den Nieren auf, kommt es zu dumpfen Flankenschmerzen und einem starken Nierenlagerklopfschmerz auf der betroffenen Seite.

Ist eine Harnröhrenentzündung ein Hinweis auf HIV?

Nein. Eine Harnröhrenentzündung hat grundsätzlich erst einmal nichts mit HIV zu tun. Sie wird in den meisten Fällen durch Bakterien ausgelöst. Eine Harnröhrenentzündung gehört jedoch zu den sexuell übertragbaren Krankheiten, ebenso wie HIV. Ungeschützter Geschlechtsverkehr birgt also sowohl das Risiko an einer Harnröhrenentzündung, als auch an HIV zu erkranken.

Lesen Sie dazu auch unser Thema: Was sind die Anzeichen einer HIV - Erkrankung

Behandlung/ Therapie

Allgemeines zur Behandlung

Die Art der Behandlung ist abhängig vom auslösenden Faktor. Handelt es sich beispielsweise um eine Harnröhrenentzündung, die durch mechanische Reizung entstanden ist, wie es bei liegendem Harnblasenkatheter der Fall sein kann, so besteht die Therapie in der Entfernung des Auslösers (Harnblasenkatheter) und unterstützenden Maßnahmen wie der Anwendung pflegender oder kühlender Salben.

Ist – wie in den meisten Fällen – eine bakterielle Infektion der Auslöser, so sollte in der Regel eine antibiotische Therapie eingeleitet werden. Die Art der Antibiose hängt dabei vom Auslöser ab. Bei einer Infektion mit Chlamydien kommt meist das Antibiotikum Doxycyclin über 7 Tage zum Einsatz. Alternativ kann Azithromycin einmalig angewendet werden.

Ist nicht sicher, ob es sich um eine Infektion mit Chlamydien oder Neisseria gonorrhoeae handelt oder ist die Gonorrhoe gesichert, sollte Azithromycin bevorzugt werden. Außerdem sollte dann Ceftriaxon als Einmalgabe Anwendung finden. Entweder als intramuskuläre Injektion, also Spritze in den Muskel wie bei einer Impfung, oder als intravenöse Gabe, also über einen Zugang in der Vene.

Handelt es sich um eine sexuell übertragbare Erkrankung, sollte in den meisten Fällen auch der Sexualpartner mitbehandelt werden da die Erkrankung sonst immer wieder von einem zum anderen übertragen werden kann. Treten Komplikationen wie eine Entzündung von Prostata oder (Neben)hoden beim Mann oder Entzündung der Eileiter bei der Frau auf, so kann eine zusätzliche antibiotische Therapie notwendig werden. Ebenso bei einer sich aus der Harnröhrenentzündung entwickelnden Nierenbeckenentzündung oder Urosepsis.

An nicht medikamentösen Maßnahmen empfiehlt sich bei einer bakteriellen Infektion, viel zu trinken um die Erreger herauszuspülen und am Aufsteigen zu hindern.

Sexualkontakt sollte während einer Harnröhrenentzündung vermieden werden. Außerdem sollte bei weiterhin wechselnden Sexualpartnern unbedingt dem geschützten Verkehr der Vorzug gegeben werden da das Infektionsrisiko hierdurch deutlich sinkt.

Welche Medikamente werden eingesetzt?

Zur Behandlung einer Harnröhreninfektion oder deren Komplikationen kommen in erster Linie Antibiotika zum Einsatz. Bei einer Chlamydien-Infektion ist Doxycyclin das Mittel der Wahl.

Bei einer Infektion die durch Neisseria gonorrhoeae ausgelöst wurde (Tripper) sollte mit einer Kombination aus Azithromycin und Ceftriaxon behandelt werden.

Bei Komplikationen wie Prostataentzündung oder Nebenhodenentzündung beim Mann oder Eierstockentzündung bei der Frau sowie bei Nierenbeckenentzündung oder Urosepsis kommen gegebenenfalls zusätzlich andere Antibiotika zum Einsatz. Leiden die Patienten unter Schmerzen so kann die Verordnung eines Schmerzmittels wie beispielsweise Ibuprofen sinnvoll sein. Ist Fieber vorhanden, können fiebersenkende Mittel wie Metamizol oder Paracetamol angewendet werden.

Wann brauche ich ein Antibiotikum?

Bei einer Harnröhrenentzündung die durch bakterielle Erreger ausgelöst wurde, und das ist die weitaus häufigste Form, sollte in der Regel immer eine antibiotische Therapie erfolgen. Außerdem sollte der Sexualpartner antibiotisch mitbehandelt werden damit die beiden Partner sich nicht immer wieder gegenseitig anstecken.

Mechanisch ausgelöste Entzündungen bedürfen keiner antibiotischen Therapie, ebensowenig allergisch ausgelöste Infekte.

Welches Antibiotikum hilft am Besten?

Wie bereits oben beschrieben kommt bei einer Chlamydieninfektion in der Regel Clarithromycin zum Einsatz.

Bei einer Gonorrhoe wird mit Azithromycin und Ceftriaxon behandelt.

Welche Hausmittel helfen bei einer Harnröhrenentzündung?

Wichtig ist bei einer Harnröhrenentzündung vor allem das Meiden mechanischer Reizungen. Geschlechtsverkehr sollte also bis zum Abheilen der Erkrankung gemieden werden. Wichtig ist es, viel zu trinken um die Keime (falls Keime der Auslöser waren) herauszuspülen. Außerdem kann die Anwendung von Wärme, beispielsweise in Form einer Wärmflasche die auf den Unterbauch gelegt wird, die Beschwerden lindern.

Auch warme Sitzbäder, beispielsweise mit Kamille, können Linderung verschaffen.

Verschiedenen Tees wird eine positive Wirkung bei einer Harnröhrenentzündung nachgesagt. Hierzu zählen Tee aus Brunnenkresse, Bärentraubenblättern, Preiselbeerenblättern, Ackerschachtelhalm, Goldrute, Liebstöckl und Wacholderbeere. Cranberry soll – in Saft oder Tablettenform – der Besiedelung der Blasen- und Harnröhrenschleimhaut mit Bakterien vorbeugen.

Die Homöopathie bei einer Harnröhrenentzündung

Zur Behandlung der Harnblasenentzündung wird vor allem ein homöopathisches Mittel empfohlen: Cantharis vesicatoria (Spanische Fliege). Es soll schmerzlindernd wirken, insbesondere bei Schmerzen im Bereich des unteren Beckens.

Die Einnahme von Cantharis vesicatoria soll den Druck auf der Blase und den brennenden Schmerz beim Wasserlassen deutlich lindern. Auch der häufige Harndrang kann hiermit behandelt werden. Als Dosis werden 3 Globuli Cantharis D5 alle 30 Minuten empfohlen.

Schüssler Salze

Von der Anwendung von Schüssler Salzen zur Behandlung der Harnröhrenentzündung ist in der Literatur wenig die Rede. Am ehesten kann die Einnahme von Schüssler Salz Nummer 9, Natrium phosphoricum, empfohlen werden. Bei akuten Beschwerden kann hiervon alle 10 bis 15 Minuten 1 Tablette eingenommen werden.

Dauer der Harnröhrenentzündung

Eine Harnröhrenentzündung geht nicht immer mit Symptomen einher. Daher kann keine generelle Aussage dazu getroffen werden, wie viele Tage die Erkrankung anhält.

Bakterielle Urethritiden sollten in jedem Fall antibiotisch behandelt werden. Nach Beginn der Antibiose lassen die Beschwerden – sofern welche vorhanden sind – meist nach spätestens 2-3 Tagen deutlich nach. Das heißt jedoch noch nicht, dass die Erkrankung ausgeheilt ist. Gerade bei der bakteriellen Urethritis ist es wichtig dies zu wissen, da sie sehr ansteckend (sexuell übertragbar) ist. Generell sollte nach einer ausgeheilten Harnröhrenentzündung zunächst nur geschützter Geschlechtsverkehr erfolgen um eine erneute Infektion, oder eine Infektion des Sexualpartners, zu vermeiden.

Wer behandelt eine Harnröhrenentzündung

Eine Harnröhrenentzündung wird meist nicht einfach nur antibiotisch behandelt, oftmals wird zuvor ein Abstrich aus der Harnröhre genommen um die Erreger genau bestimmen zu können. Auch wenn der Hausarzt normaler Weise erster Ansprechpartner für diese Arten von Erkrankungen ist: Das Material um Abstriche zu entnehmen und zu untersuchen hat er in der Regel nicht.

Es kann daher der Gang zum Urologen (Mann) oder zum Urologen / Frauenarzt (Frau) sinnvoll sein. Zunächst kann jedoch die Vorstellung beim Hausarzt erfolgen, dieser kann dann entscheiden wie es weitergeht.

Ist eine Harnröhrenentzündung ansteckend?

Eine bakteriell ausgelöste Harnröhrenentzündung ist ansteckend. Der Übertragungsweg ist via Schmierinfektion im Rahmen des Sexualverkehrs. Die Ansteckungsrate ist hoch. Bei fremden und häufiger wechselnden Sexualpartnern sollte daher nur geschützter Geschlechtsverkehr erfolgen. Bei richtiger Handhabung schützt dieser in einem Großteil der Fälle vor einer Infektion.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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