Schmerzen beim Wasserlassen

Synonym

Algurie

Definition

Kommt es bei der Harnausscheidung (lat. Miktion) zum Brennen und/ oder zum Auftreten von Schmerzempfindungen, so spricht man umgangssprachlich von „Schmerzen beim Wasserlassen“.
In der Medizin wird dieses Phänomen mit dem Fachwort Algurie bezeichnet.
Dieser Fachterminus leitet sich von dem lateinischen Begriff algos (= Schmerz) ab.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Probleme beim Wasserlassen.

Im Allgemeinen unterscheidet man zwei Arten der Schmerzen beim Wasserlassen. 
Zum Einen können die unangenehmen Gefühle zu Beginn der Harnentleerung auftreten, zum Anderen beschreiben viele Patienten solche Schmerzempfindungen am Ende des Toilettengangs.

Des Weiteren sind aus medizinischer Sicht reine Schmerzen beim Wasserlassen von deren Auftreten in Zusammenhang mit anderen Vorkommnissen abzugrenzen.

Beobachtet der Patient zusätzlich zu der unangenehmen Harnentleerung beispielsweise blutige oder milchige Niederschläge im Urin, so ist besondere Vorsicht geboten. 
Auch das Absetzen eines flockigen und/ oder stark riechenden Harns muss dringend medizinisch abgeklärt werden, da Verletzungen der Harnblase, der Harnleiter oder andere Organdefekte ursächlich sein können.


In der medizinischen Fachsprache wurden spezielle Begriffe festgelegt, die jedwede Abweichung des gewöhnlichen Wasserlassens definieren:
Unter dem Terminus Dysurie versteht man das erschwerte Absetzen von Urin, bei dem es zusätzlich zum Auftreten eines Brennens kommen kann. Bei einer Vielzahl von Patienten tritt die Dysurie in Kombination mit einer sogenannten Pollakisurie auf.
Das bedeutet, dass es mehrmals am Tag zur Ausscheidung kleinster Mengen Urins kommt und dieser Vorgang beim Patienten als zunehmend erschwert und brennend beschrieben wird. Patienten die an einer Polyurie leiden, werden von dem häufigen Bedürfnis des Harnabsetzens geplagt (umgangssprachlich: schwache Blase). Außerdem kommt es neben einer Steigerung der Häufigkeit des Wasserlassens zu einer deutlichen Zunahme der ausgeschiedenen Urinmenge (bis zu zwei Liter pro Tag).
Der Terminus Nykturie beschreibt eine Vermehrte Häufigkeit der Blasenentleerung während der Nacht. Nykturische Patienten leiden, auf Grund der regelmäßigen Wachphasen zudem häufig unter Schlafentzug. Dies wiederum führt zu:

Der Begriff Paruresis hingegen beschreibt eine rein psychische Erkrankung, in deren Zusammenhang ein Unvermögen Urin abzusetzten (vor allem in Gegenwart anderer Personen) auftritt. Diese Erkrankung kann ernstzunehmende Folgen für den gesamten Harntrakt, einschließlich der Nieren, haben. Zusätzlich zu einem Brennen beim Wasserlassen, kann es auch zu einem allgemeinerem Brennen im Unterleib kommen.

Ursachen für Schmerzen beim Wasserlassen

Schmerzen bei der Harnausscheidung können eher zu Beginn oder am Ende der Harnentleerung auftreten.

Für das Auftreten von Brennen und/ oder Schmerzen beim Wasserlassen kann es verschiedene Ursachen geben. Im Allgemeinen lässt sich beobachten, dass Frauen deutlich häufiger an einem schmerzhaften Absetzen des Urins leiden als Männer. Diese Tatsache lässt sich darin begründen, dass die Harnröhre der Frau mit einer Länge von ungefähr 3- 5 cm deutlich kürzer als der des Mannes ist (20- 25 cm). Aus diesem Zusammenhang lässt sich ableiten, dass auch die häufigsten Ursachen für die Entstehung der Schmerzen beim Wasserlassen abhängig vom Geschlecht unterschiedlich sein müssen.

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Der mit Abstand häufigste Grund für eine schmerzhafte Miktion ist die typische Blasenentzündung, die vor allem bei Frauen schnell entstehen kann. Infektionen der Harnwege sind im Durchschnitt am wahrscheinlichsten jene Ursachen, die ein unangenehmes Gefühl während der Harnentleerung verursachen. Diese Art der Infektion kann sowohl durch bakterielle Erreger, als auch durch verschiedene Pilzstämme provoziert werden. Die Erreger werden in den meisten Fällen durch falsche Reinigung der Analregion nach dem Stuhlgang in die Harnröhre verschleppt. Von dort aus steigen sie bis in die Blase oder die oberen Anteile des Harntraktes auf. Virale oder etwa parasitäre Infektionen sind in diesem Zusammenhang eher eine Seltenheit. Auch sexuell übertragbare Erkrankungen wie Syphilis können zu Schmerzen beim Wasserlassen führen. Gerade in jenen Fällen, in denen die Erreger die Schleimhäute der unteren Harnwege (vor allem der Harnblase und der Harnröhre) angreifen, entstehen die typischen Schmerzen beim Wasserlassen. Da Infektionen des oberen Harntraktes (Nieren und Harnleiter) jedoch in der Regel auf die unteren Harnwege übergreifen, kann es auch in solchen Fällen zu unangenehmen Empfindungen kommen. Anhand des Symptoms „Schmerzen beim Wasserlassen“ kann demnach keinesfalls eine Erkrankung des oberen von einer Infektion des unteren Harntraktes abgegrenzt werden.

In manchen Fällen kann auch eine Entzündung der Eichel zu Schmerzen beim Wasserlassen beim Mann führen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schmerzen beim Wasserlassen beim Mann

Abbildung Schmerzen beim Wasserlassen

Abbildung Schmerzen beim Wasserlassen: Flachschnitt durch eine weibliche und männliche Harnblase von vorn, links entzündet, rechts gesund (A, B) und Medianschnitt weibliches und männliches Becken (C, D)

Schmerzen beim Wasserlassen
Harnblasenentzündung

  1. Harnblase - Vesica urinaria
  2. Harnleiter - Ureter
  3. Muskelwand,
    Harnblasenauspresser -
    Tunica muscularis,
    Musculus detrusor vesicae
  4. Schleimhaut -
    Tunica mucosa
  5. Harnleitermündung -
    Ostium ureteris
  6. Harnblasendreieck -
    Trigonum vesicae
  7. Harnblasenhals - Cervix vesicae
  8. Harnröhre - Urethra
  9. Escherichia coli-Bakterien,
    Proteus mirabilis, Pilze (Candida albicans)
  10. Eierstock - Ovarium
  11. Gebärmutter - Uterus
  12. Äußerer Harnröhrenmund - Ostium urethrae externum
  13. Scheidenmund - Ostium vaginae
  14. Afterkanal - Canalis analis
  15. Mastdarm - Rectum
  16. Männliches Glied - Penis
  17. Vorsteherdrüse - Prostata
  18. Bläschendrüse - Glandula vesiculosa
    A - Flachschnitt durch eine weibliche Harnblase von vorn, links entzündete und rechts gesunde Harnblase
    B - Flachschnitt durch eine männliche Harnblase von vorn
    C - Weibliches Becken: Umgebung der Harnblase, Medianschnitt
    D - Männliches Becken: Umgebung der Harnblase, Medianschnitt

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Auch entzündliche Prozesse im Bereich der Nieren, der Blase und/ oder der Harnröhre können zu starken Schmerzen und Brennen beim Absetzen von Urin führen. Diese Entzündungen sind in den meisten Fällen nicht durch Bakterien oder andere Infektionserreger ausgelöst, sondern vielmehr durch anderen Reize (sogenannte nicht- infektiöse Reize). Eine Nierenbeckenentzündung gehört ebenso zu den Gründen, die besonders häufig zu Schmerzen beim Wasserlassen führen und der dringenden Behandlung bedarf. Bestrahlungen der Beckenregion (beispielsweise bei der Anfertigung von Röntgenbildern) provozieren bei einigen Patienten die Entstehung solcher entzündlicher Prozesse (radiogene Zystitis; durch Strahlung ausgelöste Blasenentzündung).

Darüber hinaus kann es im Zusammenhang mit einer medikamentösen Behandlung zur Irritation des Gewebes im Bereich des Harntraktes kommen. Auch Blasensteine können durch Ausübung von Druck auf das empfindliche Gewebe zu Irritationen oder Verletzungen und dadurch zur Entstehung von Schmerzen beim Wasserlassen führen.

Unter dem Begriff Reizblase versteht man eine Erkrankung der Harnblase, die sich durch unterschiedliche Anzeichen zeigt. Bei vielen Betroffenen kommt es neben den Schmerzen beim Wasserlassen zu häufigem Harndrang mit geringer Urinmenge (Pollakisurie) und/ oder Inkontinenz.
Eine Reizblase kann, zum Einen auf Grund einer chronischen Blasenentzündung entstehen, zum Anderen ist nicht auszuschließen, dass eine solche Symptomatik ein erster Hinweis auf das Vorliegen eines Blasentumors ist. In diesen Fällen spricht man von einer sogenannten sekundären Reizblase. Im Gegensatz dazu kann bei einer primären Reizblase trotz modernster diagnostischer Verfahren keine Ursache gefunden werden.

Bei manchen Patienten, die an Schmerzen beim Wasserlassen leiden, lassen sich Tumore der Harnwege feststellen. Diese Möglichkeit sollte vor allem bei älteren Menschen oder bei Fehlen einer anderen Diagnose in Betracht gezogen werden. In den meisten Fällen lassen sich bei Vorliegen von Tumoren der Harnwege neben den unangenehmen Empfindungen während der Harnentleerung, blutige Ablagerungen im Urin nachweisen. Obwohl die typische Blasenentzündung als Grund des unangenehmen Harnabsetzens bei Frauen weitaus häufiger auftritt, gehört sie streng genommen nicht zu den sogenannten geschlechtsspezifischen Ursachen (solche Ursachen, die entweder nur bei Frauen oder nur bei Männern zu Grunde liegen). Bei Frauen treten die Schmerzen beim Wasserlassen oftmals im Zusammenhang mit einer Entzündung der Scheide (lat. Kolpitis) auf. Obwohl das Brennen und die schmerzhaften Empfindungen bei dieser Erkrankung eher direkt im Bereich der Scheide entstehen, kann es bei der Miktion durch direkten Kontakt des Urins mit den gereizte Stellen zu Schmerzen beim Wasserlassen kommen. Das zusätzliche Auftreten von vermehrtem Ausfluss in Kombination mit dem Grundsymptom kann zur Abgrenzung einer solchen Scheidenentzündung von einer krankhaften Veränderung des Harntraktes herangezogen werden. Entzündliche Prozesse an den Schamlippen und der Scheide (sogenannte Vulvovaginitis) verursachen in erster Linie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und einen zunehmenden Juckreiz, doch auch Missempfindungen beim Harnabsetzen können mögliche Symptome einer solchen Erkrankung sein.

Beim Mann können Schmerzen beim Wasserlassen durch das Vorliegen entzündlicher Prozesse im Bereich der Vorsteherdrüse (lat. Prostata) provoziert werden. Eine solche Entzündung der Prostata (Prostatitis) führt zudem zu teilweise starken Schmerzen im Genitalbereich und/ oder beim Samenerguss.

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Trotz der Tatsache, dass dem Auftreten von Schmerzen beim Wasserlassen eine Vielzahl von möglichen Ursachen zu Grunde liegen kann, sollte man die Gefahr dieses Symptoms nicht verkennen. Bei Wahrnehmung von Schmerzen beim Wasserlassen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht und eine genaue Ursache bestimmt werden.

Diagnose

Die Urinuntersuchung als erstes Mittel der Wahl bei Schmerzen beim Wasserlassen.

Wie bereits erwähnt, können Miktionsschmerzen durch eine Reihe von Ursachen ausgelöst werden. Die Qualität und die genaue Lage der Schmerzen kann nicht immer zur Abgrenzung der möglichen Erkrankungen herangezogen werden.

Aus diesem Grund helfen spezielle Untersuchungsmethoden bei der Ursachenfindung.
Die direkte Untersuchung des Urins ist die wohl wichtigste Maßnahme im diagnostischen Prozess bei Auftreten einer derartigen Symptomatik. Mithilfe dieser Methode können mögliche Krankheitserreger, beispielsweise Bakterien oder Pilze, im Urin ermittelt werden. Die Durchführung einer solchen Urinprobe ist einfach und nimmt nicht viel Zeit in Anspruch. Ein dünnes Messstäbchen mit verschiedenen Feldern wird für kurze Zeit in den Harn getaucht (sogenannter U-Stix). Nach einigen Sekunden lässt sich ein Farbumschlag der einzelnen Felder erkennen und mit einer Tabelle vergleichen. Auf diese Art kann beispielsweise der pH- Wert des Urins bestimmt werden. Auch Stoffwechselprodukte von typischen Darmbakterien (Nitrit) können so nachgewiesen werden. Außerdem ermöglicht der Urin-Stix den Nachweis kleinster Mengen an roten und/ oder weißen Blutkörperchen im Probenmaterial.

Bei Verdacht auf sexuell übertragbare Erreger reicht diese Untersuchungsmethode jedoch nicht aus. In diesen Fällen muss zusätzlich eine Blutprobe und ein Abstrich abgenommen und im Labor begutachtet werden. Aus der Blutprobe kann zur Anzucht der möglichen Erreger eine sogenannte Blutkultur hergestellt werden.

Neben den bereits beschriebenen Untersuchungsmaßnahmen kann die Anfertigung einer Ultraschalluntersuchung der Harnwege und der Blase beim Vorliegen von Schmerzen beim Wasserlassen Aufschluss über die Grunderkrankung geben. Darüber hinaus kann in einigen Fällen die Durchführung einer Blasenspiegelung (Zystoskopie) oder aber die Anfertigung einer Röntgenaufnahme nach Kontrastmittelgabe von Nöten sein. Bei Männern empfiehlt sich außerdem eine Abtastung der Prostata durch den behandelnden Arzt in Betracht zu ziehen. Bei dieser Untersuchung führt der Arzt einen Finger in die Analregion ein und versucht die Vorsteherdrüse ein Stück über dem Enddarm zu tasten.

Des Weiteren sollte das Blut des Patienten auf spezielle Eiweißwerte und sogenannte Prostata- spezifische Antigene (PSAs) untersucht werden.

Differentialdiagnosen und Begleitsymptome

Die mit Abstand häufigste Ursache für eine Dysurie ist der im Volksmund als Blasenentzündung bezeichnete Harnwegsinfekt (Urozystitis oder einfach Zystitis). Sie entsteht durch das Einwandern von Bakterien in die Harnröhre (Urethra) und die Harnblase.

Da Frauen mit einer Länge von 2-4 cm eine deutlich kürzere Harnröhre haben als Männer mit 20-25 cm, tritt ein solcher Harnwegsinfekt deutlich häufiger bei Frauen auf. Der häufigste Erreger der unkomplizierten Zystits ist Escherichia coli (E. coli).

Ein Harnwegsinfekt ist neben den meist brennenden Schmerzen beim Wasserlassen in der Regel auch von häufigem Harndrang mit Absetzen nur geringer Harnmengen (Pollakisurie) begleitet, gelegentlich kommt es auch zu einer Blutbeimengung zum Urin (Hämaturie). Diese kann mit dem bloßen Auge sichtbar (Makrohämaturie) oder nicht sichtbar aber mit einem Urinstreifentest detektierbar sein (Mikrohämaturie).

In der Regel sollte ein Harnwegsinfekt mit Antibiotika behandelt werden.
Je nach Art des Antibiotikums und Schwere des Infekts kann eine Einmal-Therapie ausreichen oder eine mehrtägige Therapie nötig sein.

Eine wichtige Komplikation der nicht ausbehandelten Harnwegsinfektion ist das Übergreifen der Entzündung auf das Nierengewebe bis hin zur Entstehung einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).
Diese geht in der Regel mit schwerem Krankheitsgefühl, Fieber und Schüttelfrost einher und ist dringend und zeitnah behandlungsbedürftig.

Weitere Ursache einer Dysurie kann eine isolierte Entzündung der Harnröhre ohne Beteiligung der Harnblase sein, dies bezeichnet man als Urethritis.
Man unterscheidet eine unspezifische Urethritis, die durch zahlreiche Bakterien ausgelöst werden kann und eine spezifische Urethritis die durch Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) ausgelöst wird (Gonorrhoe), sie ist im Volksmund besser bekannt als Tripper.

Neben den brennenden Schmerzen beim Wasserlassen klagen die Patienten mit Urethritis häufig über einen ständigen Juckreiz im Bereich der Harnröhre und Ausfluss aus der Harnröhre (Urethralfluor).

Die Therapie der Urethritis erfolgt mittels Antibiotika, entscheidend ist hierbei, welches Bakterium für die Entzündung verantwortlich ist.

Es darf nicht vergessen werden, dass auch der Sexualpartner untersucht und gegebenenfalls mitbehandelt werden sollte, da die Entzündung sonst auch unter einer Antibiotikatherapie des einen Partners eventuell nicht abheilen kann, weil eine erneute Ansteckung durch den nicht therapierten Partner möglich ist.

Als Komplikationen einer Urethritis gelten beim Mann eine Entzündung der Vorsteherdrüse (Prostatitis) die meist mit starkem Krankheitsgefühl, Fieber und Schüttelfrost einhergeht und eine Entzündung des Nebenhodens (Epididymitis).

Bei der Frau kann es zu einem Übergreifen der Entzündung auf Eileiter und Eierstöcke (Adnexitis) kommen die zu Verklebungen und somit im schlimmsten Fall zu einer Unfruchtbarkeit (Sterilität) führen kann.

Weiter mögliche Komplikationen sind ein Aufsteigen der Erreger bis zu den Nieren, sodass es zu einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) kommen kann und die Ausschwemmung der Erreger ins Blut die zu einer Urosepsis führen kann. Beides sind bedrohliche Krankheitsbilder die einer raschen Behandlung bedürfen.

Eine Urethritis während der Schwangerschaft kann je nach Erreger ein Risiko für das Kind darstellen. So kann eine unbehandelte Besiedelung der Harnröhre mit Chlamydien oder Gonokokken während der Geburt zu einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) beim Kind führen.

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Eine Sonderform der Urethritis ist das sogenannte Reiter-Syndrom, ein Symptomenkomplex bei dem die Patienten neben der Urethritis an einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und einer Gelenkentzündung (Arthritis) leiden. Sie zählt zu den Autoimmunerkrankungen.

Eine weitere sehr häufige Ursache für Beschwerden beim Wasserlassen bei Männer ab etwa 50 Jahren ist eine Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie = BPH).
Sie geht allerdings meist eher mit einer erhöhten Miktionsfrequenz (häufigeres Wasserlassen), Restharngefühl, abgeschwächtem Harnstrahl, Harnnachträufeln und nächtlichem Harndrang (Nykturie) einher.
Schmerzen treten erst bei Hinzukommen eines Harnwegsinfektes auf.

Bei Männern mit einer Prostatahyperplasie steigt die Inzidenz von Harnwegsinfekten deutlich an.

Eine weitere Ursache für einen schmerzhaften Miktionsvorgang können Engstellen im Bereich der Harnröhre (Urethrastrikturen oder -stenosen) sein, die zum Beispiel nach operativen Eingriffen oder aber von Geburt an als Fehlbildung bestehen.

Auch Steine im Bereich der Harnblase oder der Harnröhre können zu Schmerzen beim Wasserlassen führen. Zumeist finden die Steine sich jedoch etwas höher im Bereich zwischen Niere und Blase, im Harnleiter. Hier führen sie zu typischen kolikartigen Schmerzen und deutlichem Unwohlsein.

In eher seltenen Fällen können Tumoren der Harnblase oder der Prostata (beim Mann) zu Schmerzen beim Wasserlassen führen.

Doch nicht nur Erkrankungen im Urogenitaltrakt können Ursache einer schmerzhaften Miktion sein. Auch Erkrankungen im Bauchraum können in eher seltenen Fällen derlei Beschwerden verursachen.

Beispielsweise eine akute Blinddarmentzündung (Appendizitis), die zumeist mit Schmerzen im Bereich des Bauchnabels beginnt, die dann in den rechten Unterbauch wandern.

Auch eine Entzündung von Dickdarmausstülpungen, die Sigmadivertikulitis, kann Schmerzen beim Wasserlassen verursachen. Deutlich häufiger kommt es jedoch zu Schmerzen im linken Unterbauch. Beide Erkrankungen gehen häufig mit Fieber einher.

Therapie

Schmerzen beim Wasserlassen müssen, abhängig von der zugrunde liegenden Ursache, dringend behandelt werden, da bei unterlassen einer geeigneten Therapie weitere Komplikationen auftreten können.

Bakteriell ausgelöste entzündliche Prozesse im Bereich der Harnblase, der Harnröhre oder des Nierenbeckens werden in der Regel mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt. Um das wirksamste Antibiotikum auswählen zu können, ist die genaue Keimbestimmung unerlässlich. In den meisten Fällen werden Präparate wie Amoxicillin oder Cotrimoxazol verschrieben.
Die Behandlung umfasst zumeist einen Zeitraum von 5 - 7 Tagen und sollte unbedingt bis zu Ende beibehalten werden. Das selbstständige Absetzen des Antibiotikums durch den Patienten kann eine erneute Verschlimmerung der Symptomatik und eine mögliche Resistenzbildung der bakteriellen Erreger zur Folge haben.
Bei Auffälligkeiten oder Unverträglichkeiten sollte der behandelnde Arzt aus diesem Grund erneut zu Rate gezogen werden.

Um die Schmerzen beim Wasserlassen schnellstmöglich zu lindern, empfiehlt es sich die Behandlung durch ein gesteigertes Trinkverhalten zu unterstützen. Besonders geeignet ist Wasser und/ oder ungezuckerter Tee. Auf diese Weise werden die bakteriellen Erreger schneller aus dem Harntrakt ausgeschwemmt und eine rasche Besserung der Symptome erzielt.

Bei Ursachen wie Blasen- oder Harnröhrensteinen muss oftmals eine Endoskopie (Spiegelung) durchgeführt werden. Im Zuge dieser Maßnahme können Harnblase und Harnröhre ohne umfangreichen chirurgischen Eingriff untersucht und kleine Steine entfernt werden. Bei größeren Steinen müssen diese vor der Entfernung zertrümmert werden. Zu diesem Zeck wird eine spezielle Ultraschallsonde eingeführt.
Eine Operation ist nur in besonderen Fällen notwendig.

Bei Vorliegen einer sexuell übertragbaren Krankheit, die zu den Schmerzen beim Wasserlassen führt, muss eine gezielte Behandlung stattfinden. Um die Schmerzen beim Wasserlassen direkt zu lindern können Schmerzmittel eingenommen werden.

Schmerzen beim Wasserlassen bei der Frau

Häufigste Ursache für Schmerzen beim Wasserlassen ist bei Frauen die Blasenentzündung.
Dabei ist die Art des Schmerzes sehr charakteristisch: ein Brennen, das gegen Ende des Toilettengangs immer stärker wird und in den Unterleib hineinzieht, verknüpft mit anhaltendem Drang wasserzulassen, der auch danach nicht vorübergeht.

Die Blasenentzündung ist bei Frauen, durch die kurze Harnröhre von nur etwa 3cm Länge, und die Nähe zum Enddarm mit all den Bakterien, eine häufige Erkrankung.
Oft kann man sie mit reichlich Flüssigkeitszufuhr von etwa 3 Litern/Tag und pflanzlichen Mitteln, wie z.B. Blasen-Tee, Cranberrysaft oder Angocin aus der Apotheke, ohne Antibiotikum in den Griff bekommen.

Wärme lindert ebenfalls die Symptome. Sollten die Schmerzen nach einigen Tagen nicht vorübergegangen sein, ist eine Vorstellung beim Arzt nötig. Dort wird dann eine Urinprobe abgegeben und auf Anzeichen einer Entzündung und Anwesenheit von Bakterien untersucht.
Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen empfiehlt es sich vorbeugend spätestens 15 Minuten nach dem Geschlechtsverkehr auf Toilette zu gehen. Dadurch werden möglicherweise eingebrachte Bakterien direkt wieder ausgespült, bevor sie sich in der Blase einnisten können.

Sollten die Schmerzen weniger typisch für eine Blasenentzündung sein, sondern nur oberflächlich brennen, so sind auch andere Erkrankungen möglich.
Bei Entzündungen oder Verletzungen der Schamlippen und des Genitalbereiches wirkt der Urin möglicherweise reizend und brennt.

Typisch ist dies beispielsweise bei Pilzinfektionen des Genitals mit Candida albicans.
Dabei brennt und juckt es permanent, bei Kontakt mit Urin wird es noch schlimmer.
Auch Infektionen mit dem Herpesvirus oder andere Geschlechtskrankheiten können beim Wasserlassen zusätzlich noch brennen. Ausschlaggebend ist also die Schmerzcharakteristik, um zwischen einer herkömmlichen Blasenentzündung und einer anderen Infektion, die bei Urinkontakt brennt, zu unterscheiden.

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In der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft können Veränderungen der anatomische Lage der Organe Schmerzen beim Wasserlassen auslösen.

Auch während der Schwangerschaft sind Schmerzen beim Wasserlassen möglich. Ab dem zweiten bis dritten Trimenon ist das Kind groß genug, dass möglicherweise auch die Blase in Mitleidenschaft gezogen wird.
Aufgrund der Knappheit des Raumes im Bauch verspürt die Schwangere häufigen Harndrang. Es kann jedoch passieren, dass das Kind sich komplett auf die Blase legt und diese einquetscht. Dies merkt die Mutter durch stechende Schmerzen.
Auch die Dehnung der Mutterbänder, welche die Gebärmutter im Bauchraum halten, während der Schwangerschaft kann sich beim Wasserlassen zusätzlich schmerzhaft bemerkbar machen, da hierbei die Muskulatur des Beckenbodens arbeitet. Allerdings muss auch in der Schwangerschaft immer eine Blasenentzündung in Betracht gezogen werden. Schwangere gelten automatisch als komplizierte Blasenentzündung, weil hier der Aufstieg der Infektion ins Nierenbecken durch erweiterte Harnleiter leichter möglich ist. Es sollte in jedem Fall eine Urinkultur angelegt werden und trotz Schwangerschaft mit einem Antibiotikum behandelt werden, z.B. Nitrofurantoin oder Fosfomycin. Antibiotika aus der Klasse der Chinolone dürfen jedoch nicht angewendet werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schmerzen beim Wasserlassen in der Schwangerschaft

Als Schwangerschaftsanzeichen

Schmerzen beim Wasserlassen sind kein Anzeichen einer Schwangerschaft.
Sollte man den Verdacht haben schwanger zu sein und bemerkt Schmerzen beim Wasserlassen, so ist dies am wahrscheinlichsten auf eine Blasenentzündung oder Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit zurückzuführen.
Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist natürlich Grundlage sowohl einer Schwangerschaft als auch des Erwerbs einer solchen Infektion. Sollten die Schmerzen anhaltend sein und auch beim Wasserlassen auftreten, wenn eventuell sogar schon ein positiver Schwangerschaftstest vorliegt, so muss auch an den seltenen Fall einer extra-uterinen Schwangerschaft gedacht werden. Dies bedeutet, dass der Embryo sich nicht wie vorgesehen in der Gebärmutter, sondern woanders, z.B. in den Eileitern, dem Ovar oder sogar in der Bauchhöhle, eingenistet hat. Dies verursacht starke Schmerzen und kann in seltenen Fällen auch die Symptome einer Harnwegsinfektion nachahmen. In diesem Fall sind die Schmerzen jedoch permanent und mehr oder weniger unabhängig vom Wasserlassen. Hierbei handelt es sich um einen Notfall und sollte umgehend einem Arzt vorgestellt werden.

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Nach der Geburt

Schmerzhaftes Wasserlassen nach der Geburt eines Kindes ist ein relativ häufiges Phänomen. Bei der Geburt wirkt eine Menge rohe Kraft und Druck auf Harnleiter und Blase ein. Das Gewebe wird gequetscht und lagert als natürlichen Prozess, nach dieser Art Verletzung, Wasser ein.
Dieser Vorgang nennt sich Ödem-Bildung, und diese Ödeme können die Harnröhre einengen. Dadurch kommt es zum erschwerten Ablassen von Urin, was dazu führen kann, dass sich der Urin in der Blase sammelt und diese schmerzhaft gefüllt ist.
Bei solchen Störungen des Wasserlassens nach der Geburt muss auch zusätzlich immer eine Blasenentzündung ausgeschlossen werden. Diese stellt immer eine Möglichkeit dar, auch nach der Geburt. Erschwerend kommt hinzu, dass der weibliche Körper nach dem Kraftakt der Geburt empfindlich ist und der Unterleib sowieso schon schmerzt. Oft kann auch nicht mehr zwischen Schmerzen der Blase bei Stauung des Harns und körperlichen Schmerzen nach der Geburt unterschieden werden, weswegen hier besonders auf das Wasserlassen geachtet werden muss. Solche Phänomene werden häufig nach Geburten mit PDA (Periduralanästhesie) oder operativ-vaginaler Geburt beobachtet.

Beim Mann

Schmerzen beim Wasserlassen beim Mann sind in der Regel eine ernstere Angelegenheit. Grob eingeteilt kommen beim Mann drei Gründe infrage.
Der bei Frauen häufigste Grund für Schmerzen beim Wasserlassen, nämlich die Blasenentzündung, kann auch den Mann betreffen. Männer haben jedoch anatomisch betrachtet eine wesentlich längere Harnröhre als Frauen. Dabei müssen es Erreger, wie beispielsweise Bakterien oder Pilze, den langen Weg von der Außenwelt durch die Harnröhre im männlichen Glied, bis zur Mündung derselben in die Blase schaffen, um dort eine Entzündung hervorzurufen.
Deswegen gelten Blasenentzündungen bei Männern automatisch als komplizierte Verlaufsform und sollten immer einem Arzt vorgestellt werden. Sollte es sich dann bei den Schmerzen um eine Blasenentzündung handeln, wird diese mit einem Antibiotikum oder in selteneren Fällen Antimykotikum (gegen Pilze) behandelt. Wird diese Therapie versäumt, ist es möglich, dass die Infektion über die Harnleiter weiter bis in die Nieren aufsteigt und dort eine Nierenbeckenentzündung verursacht, die unbehandelt sogar tödlich enden kann.

Ein weiterer häufiger Grund für Schmerzen beim Wasserlassen können sexuell übertragbare Krankheiten sein. Hierbei kommen als häufigste Erreger beispielsweise Chlamydien oder Gonokokken (Tripper) in Betracht. Diese Bakterien verursachen anders als bei der Frau eine Entzündung der Harnröhre selbst, welche dann beim Wasserlassen schmerzt.
Als begleitendes Symptom fällt möglicherweise auch trüber Ausfluss aus der Mündung der Harnröhre am männlichen Glied auf. Gerade wenn man einige Tage bis Wochen vorher ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einer Partnerin hatte, sollte man diese Möglichkeit als Ursache der Schmerzen in Betracht ziehen.
Die Diagnose wird hierbei mittels Harnröhrenabstrich gesichert. Auch hier sollte man eine antibiotische Therapie nicht versäumen, da diese Erreger ebenfalls weiter aufsteigen können. Sie nisten sich dann jedoch nicht in den Nieren, sondern in den Hoden und Nebenhoden ein, wo sie Komplikationen wie Entzündungen und schlimmstenfalls Unfruchtbarkeit beim Mann auslösen können.

Als dritten, jedoch verhältnismäßig selteneren Grund für Schmerzen beim Wasserlassen sind kleine Nieren- oder Harnsteine zu nennen. Diese Abfallprodukte aus Calciumoxalat oder anderen Mineralien werden in der Niere gebildet und können in den Harnleiter hinabwandern. Wenn die Steine klein genug sind, rutschen sie bis zur Blase durch, die Passage durch die Harnröhre kann dann bei Männern jedoch durchaus schmerzhaft werden. Auch hier sollte die Entstehung der Nierensteine therapiert werden, da größere Steine auch im Harnleiter schon stecken bleiben können und furchtbare Schmerzen im Rahmen einer Nierenkolik auslösen können.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Eichel brennt

Zusammenfassung

Schmerzen beim Wasserlassen können verschiedene Ursachen haben, müssen jedoch dringend ärztlich abgeklärt werden. In den meisten Fällen gibt es für die Schmerzen beim Wasserlassen einen relativ harmlosen und gut zu behandelnden Grund.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.12.2016
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