Urosepsis

Synonyme

Harnvergiftung, Bakteriämie, Sepsis

Definition

Bei einer Urosepsis kommt zum Übertritt von Giftstoffe bildender Keime von der Niere in die Blutbahn (Blutvergiftung). Erreger sind hauptsächlich E. coli (>50%), sowie Klebsiella, Proteus oder Enterobacter.

Ursachen

Risikofaktoren für die Entwicklung einer Urosepsis sind Harnabflussstörungen, eine das Immunsystem unterdrückende medikamentöse Therapie (z.B. Chemotherapie), eine statt gehabte Operation (z. B. mit Verwendung von Dauerkathetern) mit Verschleppung von hoch antibiotikaresistenten Keimen, Diabetes mellitus, bösartige Tumoren oder die Leberzirrhose auf de, Boden einer Nierenbeckenentzündung.

Anatomie der Niere

  1. Nierenmark
  2. Nierenrinde
  3. Nierenarterie
  4. Nierenvene
  5. Harnleiter (Ureter)
  6. Nierenkapsel
  7. Nierenkelch
  8. Nierenbecken

Symptome

Sie sind denen des septischen Schocks (Schock durch Blutvergiftung) ähnlich. Im Anfangsstadium ist die Haut warm, erst später kommt es durch Verengung der Herz fernen Gefäße zu kalten Akren (Finger- und Zehenspitzen, Nase) und bläulicher (livider) Verfärbung.
Vorsicht ist geboten bei:

  1. Fieber mit Schüttelfrost
  2. Tachykardie (hohe Pulsfrequenz)
  3. Blutdruckabfall
  4. Tachypnoe (hohe Atemfrequenz)
  5. Bewusstseinstrübung
  6. sowie ausbleibender Harnausscheidung (Oligurie bis Anurie).

Bei Eintreten dieser Symptome besteht ein akut lebensbedrohlicher Zustand.

Diagnose

Höchste Priorität hat die Ursachensuche (Harnstauung?, Nierenabszess?) mittels Ultraschall. Die Erreger sollten durch Blut- und Urinkulturen schnellstmöglich identifiziert werden, auch um evtl. vorhandene Resistenzen gegen Antibiotika zu erkennen.

Im Blut ist nachzuweisen:

  • zunächst hohe Zahl weißer Blutkörperchen (Leukozytose), dann sehr geringe Zahl (Leukozytopenie)
  • Abfall der Gerinnungsparameter (Thrombozyten, Quick – Wert)
  • Blutarmut (Anämie)
  • Säure – Basen – Haushalt entgleist

Therapie

Liegt eine entzündete und gestaute Niere vor, muss diese sofort entlastet werden. Dies geschieht mittels Harnleiterschienung oder Nierenfistel (Nephrostomie). Bei der Nierenfistel wird der Harn über ein Schläuchen, welches im Nierenbecken zum liegen kommt, künstlich nach außen abgeleitet
Dann folgt eine breite Antibiotikatherapie, meist durch eine Kombination von Aminoglykosiden und Penicillinen bzw. Cephalosporinen.

Der Kreislauf wird stabilisiert, z. B. durch wasserbindende Infusionslösungen (Plasmaexpander), die das verloren gegangene Blutvolumen wieder auffüllen. Eine Infusionstherapie sollte eingeleitet werden um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen und die Harnausscheidung zu fördern.

Die Entgleisung des Säure – Basen – Haushaltes kann durch Gabe von Bikarbonat neutralisiert werden. Unter Umständen müssen Gerinnungsfaktoren ersetzt oder sogar eine Hämofiltration (Giftstoffe werden aus dem Blut gefiltert) durchgeführt werden.

Die wichtigste Maßnahme ist die Beseitigung des Ursprungs – Herdes. Hier kann im schlimmsten Fall eine Entfernung der Niere lebensrettend sein.

Prognose

Sie ist trotz intensivmedizinischer Behandlung oft sehr ernst, vor allem dann, wenn zu spät mit der Therapie begonnen wird. Die Letalität (Tödlichkeit) kann, wegen des folgenden Multiorganversagens, bis zu 50% betragen.

Weiterführende Informationen

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Mehr Informationen zur Urologie finden Sie unter Urologie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.10.2016
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