Thrombozyten

Definition

Die Thrombozyten verhindern einen übermäßigen Blutverlust.

Bei den Thrombozyten handelt es sich um Blutplättchen, von denen jeder Mensch circa 150.000 bis 350.000 pro ?l Blut in sich trägt.

Die Thrombozyten erfüllen eine wichtige Funktion bei der Blutgerinnung. Thrombozyten sorgen also dafür, dass wenn ein Patient sich schneidet, die Wunde möglichst schnell und mit möglichst wenig Blutverlust wieder verschlossen wird ohne dass zuvor allzu viel Blut verloren geht.

Ein Ungleichgewicht an Thrombozyten (zu viel oder zu wenig Thrombozyten) kann dementsprechend zu verschiedenen Krankheiten führen. Da die Thrombozyten aus den sogenannten Megakaryozyten entstehen, welche im Knochenmark gebildet werden, kann unter anderem eine Fehlfunktion im Knochenmark für die erniedrigte oder erhöhte Thrombozytenanzahl verantwortlich sein. Eine normale Anzahl an Thrombozyten ist außerdem wichtig, da Thrombozyten mit verantwortlich sein können für Herzerkrankungen und Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose).

Blutbild

Die Zählung der Thrombozyten erfolgt maschinell.

Im kleinen Blutbild wird immer die Anzahl der Thrombozyten bestimmt da sie eine wichtige Funktion in der Gerinnungskaskade erfüllen. Die Thrombozyten sind hier als kleine Blutplättchen ohne Zellkern erkennbar. Sie sehen im Vergleich zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) winzig aus und fallen deshalb besonders auf. Außerdem sind sie im Blutbild am häufigsten vertreten, sodass zwischen einzelnen größeren Erythrozyten und Leukozyten sehr viele kleine runde „Punkte“ erscheinen.

Allgemein sind Thrombozyten recht rund aber nicht immer kreisförmig, circa 1-4 µm groß und sehr flach. Sie überleben im Blut circa 5-12 Tage dann werden sie in der Milz, Leber oder in der Lunge abgebaut.


Da eine Blutprobe enorm viele Thrombozyten hat müssen diese mit einem voll automatisierten Messgerät abgezählt werden da ein Mensch zu lange brauchen würde. Damit die Thrombozyten in der Blutprobe nicht verklumpen wird immer ein Zusatz-Stoff hinzugegeben, welcher verhindert, dass die Thrombozyten sich zusammenlagern und dann als ein großes Klümpchen am Boden der Blutprobe liegen, denn so könnte man die einzelnen Thrombozyten nicht mehr zählen.Deshalb gibt man zu der Blutprobe Ethylendiamintetraazetat, kurz EDTA hinzu. Das Blut zusammen mit dem Anti-Gerinnungsstoff wird als EDTA-Blut bezeichnet. Normalerweise verklumpen die Thrombozyten in diesem EDTA-Blut nicht. Selten kommt es jedoch dazu, dass trotz des EDTAs einige Thrombozyten verklumpen und sich am Boden der Blutprobe absetzten. Die automatische Zählmaschine kann diese verklumpten Thrombozyten nicht erfassen da sie in der Masse zusammengelagert zu groß sind für einen normalen Thrombozyten. Infolgedessen zeigt das Messgerät an, dass der Patient zu wenig Thrombozyten habe obwohl dies nicht der Fall ist. Der Mediziner spricht von einer Pseudothrombozytopenie. Um diese falsche Diagnose zu verhindern kann deshalb statt EDTA auch Citrat zum Blut dazugegeben werden. In diesen Citratröhrchen verklumpen die Thrombozyten nicht und können dann auch richtig ausgewertet werden.

Funktion

Die Thrombozyten erfüllen eine entscheidende Funktion bei der Blutgerinnung. Schneidet ein Patient sich in den Finger, so fängt dieser kurz an zu bluten, dennoch kommt es nach wenigen Sekunden dazu, dass die Blutung stoppt und nicht über Minuten anhält. Der Grund hierfür ist die blutstillende Funktion der Thrombozyten. Diese kommen, sobald es zu einer Schädigung von Blutgefäßen kommt, mit dem sogenannten von Willebrandt-Faktor in Kontakt, welcher normalerweise aufgrund des intakten Gewebes keinen Kontakt zu den Thrombozyten hat. Der von Willebrandt-Faktor mit den Thrombozyten zusammen führen zu einer Thrombozytenaggregation, das bedeutet, dass die Thrombozyten durch den Willebrandt-Faktor zusammenkleben. Dadurch wird ein Pfropf gebildet welcher die defekte Stelle im Blutgefäß verschließt. Somit kommt es sehr schnell zu einer Blutstillung, ausgelöst durch die Thrombozyten.

Daher wird auch klar, dass die Thrombozyten immer in ausreichender Menge im Blut vorhanden sein sollten, da sonst eine adäquate Blutstillung nicht möglich ist. Gleichzeitig dürfen auch nicht zu viele Thrombozyten vorhanden sein damit es nicht zu einer vermehrten Blutklumpenbildung (Thrombus) kommt. Diese Thromben können sich verschleppen und dann zu einer Lungenembolie führen. Außerdem kann es zu tiefen Beinvenenthrombosen und anderen Erkrankungen, mitunter auch Herzproblemen, kommen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Patienten viele Risikofaktoren tragen. Frauen sind häufiger von Beinvenenthrombosen betroffen als Männer, weitere Risikofaktoren sind außerdem Übergewicht, Rauchen, orale Kontrazeptiva (siehe: Thromboserisiko der Pille) einnehmen, wenig Bewegung und wenig trinken und zu fettiges Essen. All diese Risikofaktoren begünstigen die Zusammenlagerung der Thrombozyten. Denn allgemein gilt: Je langsamer das Blut fließt umso mehr Zeit bleibt den darin enthaltenen Thrombozyten, sich zusammen zu lagern.
Trinkt eine Person wenig, so verlangsamt sich der Blutfluss, da das Blut zähflüssiger wird. Bewegt ein Patient sich zu wenig, staut sich das Blut in den Beinen und es kommt vermehrt zu einer Thrombozytenzusammenlagerung in den Beinvenen (tiefe Beinvenenthrombose). An diesen Beispielen erkennt man, dass es nicht die Thrombozyten selber sind, die bei einer Thrombose „versagen“ da sie sich zusammenlagern und einen Thrombus bilden. Vielmehr sind es die Umstände, in welchen sie sich befinden, also das Blut und die Gefäße durch die sie fließen. Natürlich gibt es auch eine familiäre Vorbelastung, die eine wichtige Komponente spielt bei der Bildung von Thromben, also der Zusammenlagerung von Thrombozyten. Allgemein gilt jedoch, dass Thrombozyten ihre Funktion sehr gut erfüllen, so lange sie nicht zu vielen Risikofaktoren ausgesetzt werden.

Thrombozytose

= zu viele Thrombozyten

Ein Patient hat zu viele Thrombozyten wenn die Anzahl der Thrombozyten im Blut auf über 360 Tausend/?l Blut ansteigt.

Dies kann verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise kommt eine vermehrte Thrombozytenanzahl (Thrombozytose) nach einer Entfernung der Milz vor, da die Milz ein Abbauorgan der Thrombozyten ist. Wenn die Milz nun die Thrombozyten nicht mehr abbauen kann, fallen automatisch mehr Thrombozyten an.
Kommt es zu einem größeren Blutverlust, beispielsweise bei einer Operation oder einem Unfall, so kommt es reflektorisch dazu, dass der Körper vermehrt Thrombozyten bildet um die Wunden verschließen zu können. Dementsprechend kommt es häufig nach größeren Eingriffen zu einer erhöhten Thrombozytenanzahl im Blut. Da dies ein Risiko für eine Thrombusbildung darstellt werden nach größeren Operationen oder Verletzungen häufig sogenannte Antikoagulantien gegeben, also Medikamente, die die Zusammenlagerung von Thrombozyten verhindern und somit das Blut flüssiger machen. Eine Verstopfung der Blutgefäße durch Thrombozyten wird somit sehr unwahrscheinlich, dafür steigt das Blutungsrisiko an.
Auch bei Entzündungsprozessen kann die Anzahl der Thrombozyten ansteigen, sowie bei Erkrankungen des Knochenmarks. Die Thrombozyten gehen aus den sogenannten Megakaryozyten hervor, welche wiederum über mehrere Zwischenstufen im Rückenmark aus Stammzellen entstehen. Kommt es nun in diesem Reifungsprozess zu einer Überstimulation, werden infolgedessen vermehrt Thrombozyten gebildet.

Thrombozytopenie

Dialysepatienten sind mehr gefährdet.

Thrombozytopenie = zu wenige Thrombozyten

Ein Patient hat zu wenige Thrombozyten, sobald die Anzahl der Thrombozyten im Blut auf unter 140 000 pro ?l Blut fällt. Dies kann verschiedene Ursachen haben.

Nach einer schwereren Infektion ist es beispielsweise normal, dass die Anzahl der Thrombozyten absinkt da viele Thrombozyten durch die Infektion „verbraucht“ wurden.
Außerdem kann es bei einem Vitamin B12- oder Folsäuremangel zu einer sogenannten megaloblastischen Anämie kommen, bei der die Anzahl aller zellulären Bestandteile des Blutes vermindert ist. Auch die Thrombozytenanzahl sinkt in sehr niedrige physiologische Bereiche oder ist pathologisch vermindert, dann handelt es sich um eine Thrombozytopenie. Diese beiden Ursachen sind wohl die häufigsten Ursachen für eine Thrombozytenverminderung, es gibt jedoch auch weitaus schlimmere, aber eben seltene Ursachen.

Hierzu zählt zum einen eine pathologisch niedrige Thrombozytenanzahl aufgrund von Blutkrebs (Leukämie). Hierbei wird das normale Knochenmark verdrängt und somit sinkt die Anzahl der normalerweise im Blut vorhandenen, reifen Blutzellen werden durch unreife Zellen teilweise ersetzt. Somit findet man nicht nur Thrombozyten im Blut sondern teilweise auch Megakaryozyten.
Doch nicht nur Blutkrebs kann verantwortlich sein für eine Thrombozytopenie, sondern auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten wie beispielsweise Chemotherapeutika nach oder während einer Krebsbehandlung. Hierbei ist es vor allem wichtig, das Blutbild regelmäßig zu überwachen.
Zusätzlich gibt es verschiedene Autoimmunerkrankungen bei denen Autoantikörper gegen die Thrombozyten gebildet werden. Diese Autoantikörper sorgen dafür, dass die Thrombozyten abgebaut werden und werden vom Körper selber produziert (deshalb auto-). Zu nennen sind die idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) und der Lupus erythematodes disseminatus. In sehr seltenen Fällen kann auch eine vermehrte Zufuhr von Blei (Bleiintoxikation) dafür sorgen, dass die Thrombozytenanzahl erniedrigt ist.
Vor allem bei älteren Patienten kann ein vorschneller Abbau der Thrombozyten häufiger vorkommen. Dies kann beispielsweise durch eine künstliche Herzklappe der Fall sein oder aufgrund von einer Dialyse mit extrakorporalem Kreislauf.

Eine verminderte Anzahl an Thrombozyten zeichnet sich vor allem durch eine höhere Blutungsneigung aus. Die Patienten bluten schneller und können die Blutungen teilweise nur schwer stoppen. Meist erkennt man eine Thrombozytopenie daran, dass die Patienten punktförmige Einblutungen in den Beinen und am restlichen Körper haben (Petechien).

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Thrombozytopenie

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 20.02.2017
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