Wundheilung

Wundheilung

Wunden können primär oder sekundär verheilen. Bei der primären Wundheilung adaptieren sich die Wundränder von selbst oder werden spannungsfrei durch Nähte adaptiert. Die Wunden heilen in der Regel sehr schnell und fast narbenlos. Zurück bleibt nur eine feine kaum sichtbare Narbe.
Voraussetzung für eine primäre Wundheilung sind glatte Wundränder, reizlose Wunden und es dürfen keine Infektionen auftreten. Typischerweise sind diese Voraussetzungen nach Operationen, bei Wunden die durch scharfe Gegenstände verursacht wurden oder auch nach größeren oberflächlichen Wunden (z.B. Schürfwunden) gegeben.

Eine sekundäre Wundheilung findet meist nicht so komplikationslos statt. Die Wundränder sind nicht glatt und die können sich nicht gut aneinander adaptieren, bzw. sind durch Nähte nicht spannungsfrei zu adaptieren. Die Wunde heilt dabei aus der Tiefe durch Granulation, Kontraktion und Epithelialisierung.
Die Wunde bleibt hierbei bis zum Schluss offen, sodass Eiter und Wundsekrete ablaufen können. Zu einer sekundären Wundheilung kommt es durch Infektionen oder eine schlechte Durchblutungssituation (z.B. gangränöser Fuß bei Diabetes mellitus). Der Heilungsverlauf dauert hierbei wesentlich länger als bei einer primären Wundheilung und es bleibt eine breitere Narbe zurück.


Stadien der Wundheilung

Der Verschluss eines Gewebedefektes kann entweder durch Regeneration oder Reparation des Gewebes erfolgen. Bei der physiologischen Regeneration oder bei oberflächlichen Verletzungen (z.B. Hautabschürfungen) wird das Gewebe wieder vollständig durch das ursprüngliche Gewebe ersetzt. Es bleiben keine Narben zurück und das Gewebe ist nach der Heilung wieder genauso funktionsfähig wie vor der Verletzung.

Diese Fähigkeit der Regeneration besitzen vor allem die Epidermis und Schleimhäute. Die überwiegende Zahl der Verletzungen, vor allem tiefere Verletzungen der Haut, heilen jedoch durch Reparation aus. Dabei entsteht ein minderwertiges Ersatzgewebe (Narbengewebe). Dieses ist weniger funktionsfähig. Es verschließt lediglich den Defekt, ist jedoch nicht zu allen zellulären Differenzierungsformen fähig. So können keine Hautanhangsgebilde wie Haare oder Schweißdrüsen neu gebildet werden.

Die Reparation wird in vier Hauptphasen unterteilt.

  • In der Exsudationsphase der Wundheilung (1. bis 8. Stunde nach Verletzung) kommt es zunächst zu einer Verengung der Kapillaren, um den Blutverlust so gering wie möglich zu halten, die Gerinnung setzt ein und es kommt zur Blutstillung. Daraufhin kommt es zur Erweiterung der Gefäße, wodurch weiße Blutkörperchen und Blutplättchen an die Verletzungsstelle transportiert werden. Die Wunde wird mit Wundsekret aufgefüllt, abgestorbene Kollagenteilchen werden abtransportiert und wachstumsfördernde Zytokine werden freigesetzt. Es kommt zur Fibrinbildung. Dieses verschließt den Wunddefekt mechanisch und macht ihn wiederstandsfähig gegen mechanische Belastung.
  • Am ersten bis vierten Tag nach der Verletzung tritt die Resorptionsphase der Wundheilungein. Dieses ist von der körpereigenen Abwehr geprägt. Es werden Bakterien abgewehrt, nekrotisches Gewebe wird abgeräumt und das Fibrin wird wieder aufgelöst. Die gesamte Resorptionsphase steht also im Zeichen der Säuberung und Abwehr von Fremdkörpern um so die Wunde vor Infektionen zu schützen und für das Einwachsen neuer Zellen vorzubereiten.
  • Im Anschluss an die Resorptionsphase schließt sich die Proliferatinsphase der Wundheilung(3. bis 10. Tag) an. In dieser Pahse kommt es vor allem zum Einsprossen neuer Kapillaren (Angiogenese). Zudem werden neue Epithelzellen und Fibroblasten aktiviert. Diese verschließen den Wunddefekt mechanisch. Das stark kapillarisierte Bindegewebe wächst vom Wundrand her in die Wunde vor, bis der Defekt vollständig ausgefüllt ist. Durch die starke Kapillarisierung wirkt die Wunde körnig (= granulum, lat- das Körnchen) und wird deswegen auch als Granulationsgewebe bezeichnet.
  • Ab ca. dem 7. Tag tritt die Differenzierungsphase der Wundheilung ein. Diese kann Monate andauern und besteht aus der eigentlichen Narbenbildung. Die Zahl der Bindegewebszellen im Bereich der Wunde sinkt, ebenso wie die Zahl der Kapillaren. Es kommt zu einer Zunahme faserreichen Bindegewebes.
  • Die Wundheilung schließt mit der Epithelisation ab. Hierbei wandern randständige Epithelzellen in das faserreiche Bindegewebe ein und die eigentliche Narbe entsteht. Das entstandene Narbengewebe ist dabei zunächst erhaben und imponiert mit einer rötlichen Farbe. Nach einigen Wochen gleicht sich das Narbengewebe an das Hautniveau an und die Farbe verblasst. Eine weiße Narbe entsteht. Da die Pigmentzellen (Melanozyten) nicht regenerierbar sind, belibt die Narbe heller als die übrige Hautoberfläche.

Insgesamt ist die Wunde im Zeitraum zwischen dem Abräumen der Nekrose und dem Aufbau des Granulationsgewebes am empfindlichsten. Mechanische Belastungen in dieser Phase können zu schwerwiegenden Komplikationen führen und die Wundheilung stark beeinträchtigen. Nachdem die Kollagensynthese eingesetzt hat nehmen die mechanische Belastbarkeit und die Reißfestigkeit der Wunde kontinuierlich zu. Als Orientierung können grobe Zeitangaben gegeben werden: Nach ca. 1 Woche der Wundheilung beträgt die Reißfestigkeit der Wunde ca. 3%, nach 3 Wochen ca. 20% des Maximums. Dieses Maximum der Reißfestigkeit einer Narbe liegt bei ca. 80% und ist nach etwa 3 Monaten erreicht.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wundheilungsphasen

Das könnte sie auch interessieren: Narbenpflege

Phasen der Wundheilung

Schon Minuten nach Entstehung einer Wunde beginnt der Körper diese Verletzung wieder zu verschließen. Je nach Autor werden drei bis fünf Phasen der Wundheilung unterschieden, welche zeitlich überlappend ablaufen. Der Ablauf gestaltet sich folgendermaßen:

  1. Ruhe- oder Latenzphase
  2. Exsudationsphase
  3. Granulations- oder Proliferationsphase
  4. Regenerationsphase
  5. Reifungsphase.

Spricht man nur von drei Phasen, so werden die erste und letzte Phase weggelassen.

Die Latenzphase beschreibt den Zeitraum zwischen Entstehung der Verletzung und dem Einsetzen der Wundheilung, diesen Zeitraum nennt man Latenzzeit. Direkt nach der Entstehung der Wunde kommt es zur Bildung eines Blutgerinnsels aus austretendem Blut verletzter Gefäße, sodass großer Blutverlust verhindert werden kann, indem die Gefäße schnellstmöglich wieder verschlossen werden.

Es folgt dann die Exsudationsphase. Exsudation bezeichnet in der Medizin einen Austritt von Flüssigkeit. In diesem Fall besteht das Exsudat aus einer Flüssigkeit, die aus dem vorbei schwimmenden Blut, genauer dem Blutserum, abgepresst und dann als Wundsekret bezeichnet wird. Aufgabe des Wundsekrets ist es Fremdkörper aus der Wunde herauszuspülen. Zusätzlich im Sekret enthalten sind Zellen unseres Immunsystems, hier vor allem Fresszellen (lat.:Makrophagen) und weißen Blutzellen (v.a. Granulozyten), die Bakterien abtöten und totes Material aufnehmen und von der Wunde entfernen. So werden zum Beispiel abgestorbene Hautteile und geronnenes Blut wieder aus der Wunde entfernt um Platz für das neu wachsende Gewebe zu machen. Die Immunzellen produzieren außerdem Signalstoffe, die die Zellen zum Wachstum anregen, welche später die Wunde wieder verschließen sollen. Wenn sich in einer Wunde zu viele Bakterien tummeln kann aus dem Wundsekret durch viele, viele Immunzellen Eiter entstehen und es kommt zur Entzündungsreaktion. Sind nur wenige Keime vorhanden fällt die Entzündung kaum merklich aus. Außerdem im Wundsekret enthalten ist Fibrin, eine Art körpereigener Kleber. Er ist zum einen Teil des Blutgerinnungssystems und zum anderen verschließt Fibrin die Wundränder so gut wie möglich durch verkleben. Das Wundsekret trocknet meist im Laufe weniger Tage ein, sodass an der Oberfläche der typische Wundschorf entsteht. Dieser wirkt wie ein körpereigenes Pflaster und darunter kann der Heilungsvorgang ungestört von statten gehen.

Sind die Wundverhältnisse entsprechend hergestellt kann neues Gewebe die Wunde wieder komplett verschließen. Dies erfolgt in der Granulations- oder Proliferationsphase. Proliferation bedeutet Zellwachstum. Dies geschieht durch intakte Zellen an den Rändern der Wunde. Diese beginnen sich stetig zu teilen und so neues Gewebe zu produzieren. Passen die Wundränder wie z.B. oberflächliche Schnitte optimal aufeinander kann das Gewebe fasst passend mit dem ursprünglichen Gewebe wieder zusammenwachsen. Größere Wunden müssen erst mit Granulationsgewebe ausgefüllt werden. Granulationsgewebe beschreibt ein Geflecht aus Bindegewebe und einwachsenden Blutgefäßen, das sich erst nach und nach zum gewünschten Gewebe stabilisieren und umbauen muss. Da dieses Gewebe gekörnt (lat= Granulum: Körnchen) aussieht, hat dies der Phase zu ihrem Namen verholfen. Kann das Ursprungsgewebe nicht mehr exakt wiederhergestellt werden, entsteht Narbengewebe. Dieses besitzt nicht die gleichen Eigenschaften wie das Ursprungsgewebe und ist dadurch weniger belastbar. Außerdem fehlen Haare, Schweißdrüsen, Pigmentzellen und Nervenbahnen für die Empfindlichkeit z.B. gegenüber Schmerzen. Zwingend notwendig für das neue Gewebe sind auch neue Blutgefäße zur Nährstoffversorgung. Diese sprießen während der Gewebsvermehrung in das Granulationsgewebe ein und versorgen das neue Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Auch die oberste Hautschicht wird wieder regeneriert. Dies geschieht in der Regenerations- oder Reparationsphase. Zum einen bildet sich neue Haut, zum anderen ziehen sich Wundränder zusammen und verkleinern so die Wundfläche.

Das endgültige Narbengewebe bildet sich erst über viele Monate bis hin zu zwei Jahren in der Maturationsphase (Maturation = Reifung) aus. Es passt sich den örtlichen Anforderungen an, bleibt jedoch immer weniger belastbar als Originalgewebe. Dies ist auch der Grund warum bei chirurgischen Behandlungen möglichst kleine Narben induziert werden sollten.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Phasen der Wundheilung

Wundheilung bei Diabetes

Leidet man unter Diabetes, so muss man sich neben den typischen Folgeerkrankungen an Nieren und Augen auch mit dem Thema Wundheilung auseinander setzen.

Chronische Wunden gehören bei schlechter Blutzuckereinstellung zu den häufigsten Folgeschäden durch Diabetes. Von einer chronischen Wunde spricht man, wenn eine Wunde nicht innerhalb von vier Wochen unter fachgerechter Versorgung verheilt ist. Doch damit nicht genug. Wunden heilen nicht nur nicht zu, sie können sich gar noch vergrößern. Die Ursachen warum eine Wunde chronisch wird sind vielfältig. Es beginnt schon mit der Haut, die durch den Diabetes an Wassergehalt verliert, spröder, schuppiger und verletzlicher wird. Die Haut selbst ist im Falle einer Wunde also schon geschwächt und kann die Aufbauarbeit für neues Gewebe nicht effektiv genug leisten und verzögert so die Wundheilung. Außerdem können sich schon kleinste Verletzungen und Kratzer zu ausgewachsenen chronischen Wunden entwickeln.

Es kommt auch zur Beeinträchtigung des Immunsystems durch den Diabetes. Das Immunsystem kann die Wunde nicht mehr ordnungsgemäß vor eindringenden Bakterien schützen und die Wunde infiziert sich leichter. Zudem infizieren sich auch schon kleinere Wunden, die für ein gesundes Immunsystem keine Herausforderungen darstellen. Theoretisch kann jede noch so unscheinbare Hautverletzung wie Kratzer zur Eintrittspforte für Keime werden und es entsteht eine Wunde.

Weiterhin schädigt Diabetes Nervenzellen, auch die für die Schmerzwahrnehmung zuständig sind. Dies führt dazu, dass Patienten Wunden nicht ernst nehmen oder diese an unzugänglichen Körperstellen wie Fußsohle und Ferse gar nicht erst entdecken. Um Vergrößerungen der Wunde zu vermeiden wird Diabetikern empfohlen täglich die Beine und Füße zu kontrollieren um keine kleinen Wunden zu übersehen, die später schwer in den Griff zu bekommen sind.

Wesentlich für die Wundheilung ist auch die Durchblutung, die Energie- und Nährstoffversorgung des neu wachsenden Gewebes sichert. Da die kleinen und kleinsten Blutgefäße durch hohe Blutzuckerwerte besonders stark in Mitleidenschaft gezogen werden, ist oftmals die Durchblutung im Wundgebiet gestört und die Wundheilung kommt durch den Energiemangel nur langsam in Gang. Klassisches Beispiel ist der „Diabetische Fuß“. Diese Spätkomplikation ist zwar sehr gefürchtet, trotzdem wird ihn jeder vierte im Laufe seiner Erkrankung entwickeln. Hier kommt es durch Durchblutungsstörungen in den Beinen zu offenen Stellen, die einfach nicht mehr zuheilen wollen und die sich sogar noch drastisch vergrößern können und es im äußerten Fall sogar zur Amputation kommen kann um eine Ausbreitung der Keime in den ganzen Körper zu verhindern.

Es sind jedoch nicht nur Beine bzw. Füße von Wundheilungsstörungen betroffen. Jede andere Wunde an anderen Körperstellen wird auch schlechter heilen als bei gesunden Menschen. Die Wunden sind ein ernst zu nehmendes Risiko, da sie Eintrittspforten für eine enorme Menge an Keimen darstellen die im Extremfall eine Blutvergiftung im ganzen Körper auslösen können, welche nicht selten tödlich enden.

Diese Wunden sind so gefährlich, dass ab einer gewissen Größe und einem gewissen Infektionsrisiko nur noch die Beinamputation schützen kann. Pro Jahr kommt es zu annähernd 60.000 Beinamputationen durch chronische Wunden bei Diabetikern. Je länger der Diabetes besteht desto häufiger ist die Entwicklung eines diabetischen Fußes und einer chronischen Wunde durch eine Wundheilungsstörung.

Eine optimale Blutzuckereinstellung kann dieses Risiko deutliche senken und ermöglicht dem Körper eine bessere und schnellere Wundheilung, während er auch in der Lage ist Keime effektiv zu bekämpfen.

Dauer der Wundheilung

Die Dauer der Wundheilung kann nicht unbedingt strikt festgelegt werden, da sie von vielen verschiedenen Faktoren abhängt.

Eine gut durchblutete, keimarme Wunde, die primär verheilen kann, benötigt in etwa 10 Tage, bis dass sie vollständig abgeheilt ist und entweder durch Narbengewebe oder neugebildete Haut verschlossen wurde. In diesen 10 Tagen durchläuft die klassische, primäre Wundheilung verschiedene Stadien, die in Reinigungs-, Granulations- und Differenzierungsphase unterteilt werden.

Im Allgemeinen ist die Dauer der Wundheilung jedoch von verschiedensten Einflussfaktoren abhängig: einen guten und schnellen Heilungsverlauf ermöglichen zum Beispiel:

  • gut durchblutete, keimarme Wundverhältnisse
  • glatt begrenzte, eng anliegende Wundränder
  • das Vorhandensein von Sauerstoff, Zink, Wärme und Vitaminen.

Negativ beeinflusst wird die Wundheilung immer dann, wenn die Wundränder nicht aneinander liegen oder sogar nekrotisch sind, die Wunde mit Bakterien infiziert, sich übermäßig stark Blutergüsse oder Bindegewebswucherungen bilden oder Grunderkrankungen vorliegen, die mit einer gestörten Wundheilung einhergehen können (z. B. Diabetes mellitus).

Wundheilung bei Rauchern

Wie eine Diabetes-Erkrankung auch führt Rauchen zu Schäden an den Blutgefäßen. Ursache hierfür ist die Arteriosklerose (= Arterienverkalkung). Die Verkalkung führt über Jahre hinweg zur Verengung der Blutgefäße und zur Abnahme ihrer Elastizität. Diesen Prozess erfahren alle Menschen im Laufe ihres Lebens. Rauchen beschleunigt diesen Prozess jedoch enorm.

Zusätzlich führen Stoffe im Zigarettenrauch noch zu einem Zusammenziehen der Gefäßmuskulatur, sodass die Gefäße sich noch zusätzlich verengen. Diese Gefäßverengungen führen zur zunehmenden Mangeldurchblutung verschiedenster Organe wie Herz, Gehirn, Haut und eben auch der Arme und Beine. Diesen Prozess bemerkt man vor allem an den oft kalten Händen von Rauchern. Alleine dieser Prozess der Gefäßverengung lässt einen verstehen, warum Wunden bei Rauchern schlechter heilen, denn durch die Mangeldurchblutung fehlt einfach die unentbehrliche Versorgung der Zellen mit ihrem Lebenselixier, dem Sauerstoff, sowie wichtigen Blutbestandteilen und Nährstoffen, die zur Heilung einer Wunde notwendig sind.

Doch damit nicht genug. Mit jeder Zigarette atmen Raucher auch Kohlenmonoxid ein. Kohlenmonoxid wird von den Sauerstoffträgern im Blut genauso aufgenommen wie Sauerstoff. Genau genommen wird es von eben diesen sogar viel lieber aufgenommen. Im Blut von Rauchern sind die wichtigen Sauerstoffträger, die Erythrozyten (=rote Blutkörperchen) also zu einem nicht unbeachtlichen Teil, nämlich bis zu 15% mit Kohlenmonoxid gesättigt und können so keinen lebenswichtigen Sauerstoff transportieren. Bei Nicht-Rauchern beträgt der Anteil in etwa nur 0,5% der roten Blutköperchen, die mit Kohlendioxid statt Sauerstoff gesättigt sind. Die sowieso durch die Arteriosklerose schon verengten Blutgefäße liefern also auch noch mit weniger Sauerstoff angereichertes Blut, was die Versorgung von Gewebe noch schlechter werden lässt.

Beide Prozesse zusammen machen die kritische Situation der Raucher deutlich und zeigen, warum sich die allermeisten Raucher im Laufe ihres Lebens mit Wundheilungsstörungen auseinander setzen müssen. Bei Fortschreitender Mangeldurchblutung können neben Wundheilungsstörungen auch drastischere Situationen auftreten. Bekanntestes Beispiel ist das Raucherbein, das ähnlich wie der Diabetikerfuß nicht selten zur Amputation führt. Da das Problem der Raucher auch OP-Wunden betrifft, wird Rauchern zum Wohle der Wundheilung dringend nahegelegt das Rauchen vor der OP einzustellen.

Wundheilungsstörungen

Störungen der Wundheilung können durch Infektionen (bakteriell) oder durch Hämatombildung entstehen. Beides sollte möglichst schnell durch Reinigung und Antibiose (Infektion) oder durch Punktion, bzw. eröffnen der Hautnaht (Hämatom) behandelt werden.
Die Narbe selbst kann komplikationslos verheilen, oder aber vermehrt Kelloid bilden. Dabei wird vermehrt Bindegewebe gebildet, dies führt zu unschönen Narbenwucherungen im Bereich der Narbe und darüber hinaus. Bei der Narbenhypertrophie kommt es zu Narbenwucherungen nur im Bereich der Narbe. Eine weitere Komplikation ist die Narbenruptur durch Infektionen oder Nahtinsuffizienz. Dabei platzt die Narbe auf und muss dann erneut geschlossen werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wundheilungsstörung

Wundheilung fördern

Um eine optimale Wundheilung zu gewährleisten, können neben einer guten Wundversorgung auch verschiedene, unterstützende Maßnahmen selbstständig vorgenommen werden.

Zu einer fehlerfreien Wundversorgung gehört in erster Linie die Anwendung bzw. Durchführung von geeigneten Hygienemaßnahmen (Händedesinfektion, Wundreinigung mit Ringerlösungen, Wunddesinfektion) bei der Behandlung des Wundgebietes, um das Eindringen von Keimen und eine daraus resultierende Infektion der Wunde zu vermeiden.

Zudem sollte das Wundgebiet durch geeignete Wundauflagen verschlossen werden, wobei in den meisten Fällen feuchte Wundumgebungen geschaffen werden sollten (z.B. durch hydroaktive Wundauflagen in Form von Pflastern oder Gelen). Dadurch wird gewährleistet, dass der Heilungsprozess optimiert, eine Barriere gegen Mikroorganismen gebildet und die Austrocknung des Wundgebiets und die Schorfbildung verhindert wird, sodass die Narbenbildung und der Juckreiz während der Wundheilung reduziert wird.

Um eine die Wundheilung zusätzlich zu fördern, sollte auch eine ausreichende, ausgewogene Ernährung geachtet werden, dass jeder Heilungsprozess einen erhöhten Bedarf an Energie und Nährstoffen benötigt. Neben einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, um die Durchblutung des Wundgebietes und das Anschwemmen von Abwehrzellen und Nährstoffen zu fördern, ist auch ein ausreichendes Angebot an Proteinen, Kohlenhydraten, Fetten, Vitaminen (A,B,C), Spurenelementen (Zink, Kupfer, Mangan, Eisen) notwendig. Über- oder Untergewichtszustände sowie Mangelzustände können demnach zu Wundheilungsstörungen führen.

Desweiteren sollte die von der Wunde betroffene Körperpartie – insbesondere Wunden über Gelenken – während des Heilungsprozesses ruhig gehalten werden und das Kratzen oder Entfernen von sich bildenden Schorf bzw. Krusten vermieden werden. Auch eine direkte Sonneneinstrahlung auf frische Wunden sollte umgangen werden.

Förderlich für die Wundheilung ist zudem der Verzicht auf das Rauchen, da das im Zigarettenrauch befindliche Nikotin den Heilungsprozess nachweislich stört bzw. verlangsamt (durch verminderte Durchblutung, herabgesetzten Sauerstoffangebot und verzögerter Zellneubildung).

Auch Wärme kann die Wundheilung positiv beeinflussen, da es hierdurch zu einer Erweiterung der Gefäße und einer verbesserten Durchblutungssituation im Wundgebiet kommt (z. B. durch das Anwenden von Infrarot-Wärmelampen).

Sollte es trotz allem doch zu einer Infektion durch eine bakteriellen Besiedelung der Wunde kommen, sodass der Heilungsprozess erschwert und verzögert wird, kann die lokale oder systemische Gabe eines Antibiotikums durch den behandelnden Arzt den Verlauf wieder in die Richtigen Bahnen lenken.

Ernährung

Der Wundheilungsprozess benötigt für einen reibungslosen Ablauf – wie alle Prozesse der Erneuerung – ausreichend Nährstoffe und Energie.

Ein Mangel an Kohlenhydraten, Fetten, Proteinen, Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen kann die Wundheilung verlangsamen oder sogar im Extremfall zu (chronischen) Wundheilungsstörungen führen.

Die Proteine dienen dabei in erster Linie der Energiegewinnung für die Wundheilungsarbeit und als wesentliches Substrat für den Neuaufbau. Kohlenhydrate sind hingegen wichtig für die Enzym- und Abwehrfunktion. Fette sind darüber hinaus wesentlich an der Bildung und dem Aufbau neuer Zellen beteiligt, daneben sind Vitamine und Spurenelemente für die Abwehr- und Bindegewebszellen essentiell. Besonders wichtig scheinen hierbei die Vitamine A, B und C zu sein, die, genauso wie die Spurenelemente Selen, Zink, Kupfer und Mangan in ausreichender Menge vorhanden sein müssen.

Wichtig ist auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um die gewünschte Durchblutung und das Anschwemmen der Nährstoffe in das Wundgebiet zu ermöglichen.

Eine ausgewogene Ernährung kann somit die Wundheilung positiv beeinflussen und einen chronischen Verlauf von Wundheilungsstörungen verhindern.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 18.09.2017
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Seiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: