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Erste Hilfe bei Wunden

Einleitung

Wunden können durch direkte Krafteinwirkung (Unfall, Schnittverletzung, Sturz), extreme Temperaturen (Verbrennungen oder Verkühlungen) sowie chemische Stoffe (Verätzungen) entstehen. Je nach Ursache und Ausmaß der Wunde sind unterschiedliche Maßnahmen zur Versorgung im Rahmen der ersten Hilfe angezeigt.

Bei kleineren Verletzungen stellen diese Maßnahmen häufig schon eine ausreichende Form der Behandlung dar. Oftmals ist aber eine weitergehende professionelle Versorgung durch einen Arzt erforderlich.

Wie versorge ich eine Wunde?

Beim Versorgen einer Wunde jeglicher Art gelten einige generelle Empfehlungen, die man als helfende Person beherzigen sollte. Die betroffene Person sollte man auffordern, sich hinzulegen oder zu setzen. Als Helfer sollte man sich möglichst so positionieren, dass man die Möglichkeit hat, den Betroffenen beobachten zu können. Auch bei kleinen Wunden kann es aufgrund von Schmerzen oder dem Anblick von Blut zu einer reflexartigen Ohnmacht kommen. Ein unkontrolliert fallender Mensch kann sich dabei schwere weitere Verletzungen zuziehen.

Wichtig ist vorab zudem die Einschätzung, ob weitere Hilfe gebraucht wird (bei großen Verletzungen gegebenenfalls sogar ein Rettungsdienst) und ob die Gefahr einer weiteren Verletzung besteht (Unfallstelle nach einem Verkehrsunfall als erstes sichern!).

Zur eigentlichen Wundversorgung sollte der Ersthelfer nach Möglichkeit Einmalhandschuhe, wie sie zum Beispiel in einem Verbandskasten zu finden sind, tragen. Bei der Versorgung gilt es, folgende Regeln einzuhalten:

  • Die Wunde sollte nicht direkt berührt werden.
  • Die Wunde soll in der Regel nicht ausgewaschen werden (Ausnahme: Verbrennungen und Verätzungen mit lauwarmem fließendem Wasser spülen)
  • Mögliche Fremdkörper sollen NICHT entfernt werden.
  • Auch der Einsatz von Desinfektionsmitteln, Puder, Salben oder Sprays sollte nicht erfolgen (Empfehlung des deutschen roten Kreuzes zur ersten Hilfe bei Wunden).
  • Die eigentliche Wundversorung richtet sich danach, wo die Verletzung ist, wodurch sie entstanden ist und ob sie noch blutet oder nicht.
  • Grundprinzip ist immer die Auflage einer keimfreien Wundbedeckung und deren Fixierung mit einem Wickel oder Pflastern. Dabei ist nicht das Aussehen des Verbandes, sondern die vollständige und gegen Verrutschen gesicherte Bedeckung der Wunde wichtig.
  • Blutende Wunden sollten durch einen Druckverband versorgt werden. Alle benötigten Utensilien sowie bebilderte Anleitungen finden sich in den meisten Verbandskästen.

Jede größere sowie offene Wunde sollte anschließend durch einen Arzt beurteilt werden. Meist eignet sich der Hausarzt oder der hausärztliche Notdienst als erste Anlaufstelle. Eine Überprüfung des Tetanusimpfschutzes ist unbedingt erforderlich.

Soll man eine Wunde desinfizieren?

Ein wichtige Komplikation, die es bei Wunden zu verhindern gilt, ist das Eindringen von Keimen, die zu einer Entzündung führen können. Daher liegt es nahe, jede Wunde zunächst mit einem geeigneten Desinfektionsmittel zu versorgen. Daher findet man diese Maßgabe auch in vielen Handlungsanweisungen zur Erstversorgung von Wunden.

Das Deutsche Rote Kreuz dagegen rät in seinem Empfehlungen zur ersten Hilfe bei Wunden nicht zum desinfizieren, sondern führt dies sogar bei den Verboten bei der Versorgung von Wunden auf.

Trotz dieser widersprüchlichen Empfehlungen bezüglich des Aspektes Desinfizieren sollten die wesentlichen und einheitlich empfohlenen Elemente der ersten Hilfe bei Wunden nicht aus den Augen verloren werden. Dazu zählt:

  • die Eigensicherung (Handschuhe tragen, Unfallstelle sichern, etc.),
  • Hilfe verständigen (Personen in der Nähe, gegebenenfalls Rettungsdienst),
  • dem Verletzten beistehen und ihn beobachten
  • und die Wunde mit einer keimfreien Auflage abdecken und diese fixieren.

Wie reinige / säubere ich eine Wunde?

Zunächst einmal muss nicht jede Wunde im Rahmen der ersten Hilfe gereinigt werden. Bei manchen Verletzungen wie zum Beispiel offenen Wunden wie tiefen Schnitt- oder Stichverletzungen sollte eine Säuberung sogar unterlassen werden, da ansonsten nur die Gefahr besteht, dass Keime tiefer in das Gewebe eindringen. Stattdessen sollte die Wunde mit einer keimfreien Wundauflage von ausreichender Größe (gegebenenfalls mehrere Auflagen überlappend verwenden) abgedeckt und diese mit einem Verband fixiert werden.

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Grobe Schmutzpartikel, die sich ohne großen Aufwand entfernen lassen, dürfen und sollten dennoch vorab beseitigt werden (dabei möglichst Handschuhe tragen). Niemals dürfen durch den Ersthelfer jedoch tiefer liegende oder schwer erreichbare Verschmutzungen oder Fremdkörper entfernt werden. Diese sollten einfach vorsichtig mit verbunden und bei größeren Fremdkörpern gegen ein Verrutschen fixiert werden.

Eine Ausnahme bei der Wundversorgung bezüglich der Säuberung stellen Verletzungen durch Hitze oder ätzende Substanzen dar. Bei Verbrennungen sollte die Wunde durch fließendes lauwarmes Wasser (KEIN eiskaltes Wasser) gereinigt und gekühlt werden. Bei einer Verätzung zum Beispiel durch eine Säure oder Lauge sollte ebenfalls mit fließendem lauwarmen Wasser die Wunde vorsichtig ausgewaschen und anschließend wie zuvor beschrieben verbunden werden.

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Wie verbinde ich eine Wunde?

Das Verbinden einer Wunde im Rahmen der ersten Hilfe besteht im wesentlichen aus zwei Elementen.

  1. Zum einen sollte die Wunde vollständig durch eine keimfreie Auflage (am besten sterile Kompressen aus einem Verbandskasten) abgedeckt werden. Nach Möglichkeit sollte man diese nur an den Ecken greifen und nicht die Fläche berühren, die der Wunde anliegen soll.
  2. Der zweite Schritt besteht darin, die Auflage in ihrer Position zu fixieren und den eigentlichen Verband anzulegen. Dazu wickelt man eine oder mehrere Mullbinden mehrmals um die abgedeckte Wunde. Dabei sollte man fest genug wickeln, damit der Verband nicht verrutscht aber nicht so fest, dass kein Blut mehr fließen kann (daran zu erkennen, dass die Finger oder Zehen blau werden). Eine Alternative zum Wickelverband stellt eine Fixierung der Wundauflage mit Pflastern dar.

Die nötigen Utensilien sowie entsprechende Erklärungen finden sich in der Regel in einem Verbandskasten.

Bei blutenden Wunden ist die Anlage eines Druckverbandes angezeigt. Nach Fixierung der Wundauflage mit einer oder zwei Lagen der Mullbinde wird ein Druckpolster aufgelegt und dieses mit straffem Zug mit in den Verband eingewickelt. Als Druckpolster kann zum Beispiel eine weitere Mullbindenpackung oder im Zweifel auch jeder andere passende Gegenstand gewählt werden. Verletzungen an Armen oder Beinen sollte der Betroffene anschließend hochlagern.

Es empfiehlt sich, regelmäßig einen Erste Hilfe Kurs zum Erlernen oder Auffrischen der genannten Maßnahmen durchzuführen, um im Ernstfall sicher und richtig handeln zu können.

Erste Hilfe bei wunden Brustwarzen

Von wunden Brustwarzen sind vor allem stillende Mütter, insbesondere zu Beginn der Stillzeit, betroffen. Bei akut wunden Brustwarzen helfen Warmwasserkompressen, die direkt aufgelegt werden. Zudem kann man nach dem Stillen etwas Muttermilch auf den Brustwarzen ausstreichen und trocknen lassen. Bei starker Reizung oder gar offenen Wunden kann vorsichtig etwas Wollfett aufgetragen werden.

Bei der Wahl der Kleidung sollte auf luftdurchlässige Oberteile geachtet werden. Auf einen BH sollte sollte zum Beispiel zuhause nach Möglichkeit verzichtet werden, um Stauungswärme, Druck und Reibung zu vermeiden.

Besonders wichtig bei wunden Brustwarzen ist es, die Ursache auszumachen um einer Verschlechterung bzw, einem erneuten Auftreten vorzubeugen. Die häufigste Ursachen besteht darin, dass das Baby nicht richtig angelegt wurde. Viele Mütter denken, dass Schmerzen beim Stillen normal seien und nehmen diese hin. Stattdessen sollte bei Schmerzen das Stillen unterbrochen werden und das Kind neu angelegt werden. Durch diese Maßnahme lässt sich dem Auftreten von wunden Brustwarzen am besten vorbeugen.

Erfahren Sie mehr zum Thema: Schmerzen beim Stillen

Sollten Schmerzen trotz korrekter Anlagetechnik auftreten, gibt es noch eine Vielzahl anderer, seltener Ursachen. Diese sollten am besten durch eine Vorstellung und Untersuchung beim Frauenarzt oder bei einer Hilfsstelle für stillende Mütter erkannt und entsprechend behoben werden.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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