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Quetschwunde

Bei einer Quetschwunde kommt es aufgrund der Kraftwirkung von äußerer Gewalt zu einer Quetschung der Haut, Muskeln und des umliegenden Gewebes, sowie zum Zerreißen der Blutgefäße. Durch die zerstörten Blutgefäße kommt es zu einer starken Blutung, die innerhalb der Wunde zu einem Bluterguss und starker Schwellung führen kann. In der Regel ist sie Folge einer stumpfen Gewalteinwirkung, zum Beispiel bei Unfällen im Straßenverkehr oder bei Einklemmungen im Haushalt oder beim Sport. Im Vergleich zu einer Schnittwunde sind keine scharfen Wundränder erkennbar und es treten vermehrt Schürfungen auf. Zudem ist die Infektionsgefahr bei Quetschwunden sehr hoch.

Ursachen

Quetschwunden treten am häufigsten bei Unfällen auf, bei denen hohe Geschwindigkeiten oder viel Kraft herrschen, wie zum Beispiel im Straßenverkehr, im Haushalt oder beim Sport. Beim Autounfall beispielsweise kommt es durch den Aufprall zu einer hohen äußerlichen Krafteinwirkungen und dies führt zu einer massiven Einklemmung im Gewebe.

Auch bei Einklemmungen beim Schließen von Türen oder Fenstern kann es zu Quetschwunden an Fingern oder Händen kommen. Beim Sport können das Fallenlassen von Sportgeräten auf den Fuß oder Körpertreffer durch Schläger zu Quetschwunden führen. Oftmals gehen Quetschwunden bei Verkehrsunfällen oder schweren Stürzen mit anderen Verletzungen, wie Schnittwunden und Knochenbrüchen einher.

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Wie unterscheidet sich eine Quetschwunde von einer Risswunde?

Die Risswunde entsteht ähnlich wie die Quetschwunde durch eine stumpfe Gewalteinwirkung. Die Risswunde ist jedoch Folge einer indirekten Zugwirkung wodurch das Gewebe und die Gefäße aufgerissen werden. Durch das Aufreißen kommt es zu einer starken Blutung.

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Im Gegensatz zur Quetschwunde kommt es allerdings nicht zu Schürfungen an den Wundrändern, sie sind jedoch ebenfalls unregelmäßig und es finden sich bei beiden Gewebebrücken.Oftmals treten Quetsch- und Risswunden zeitgleich auf (Quetsch-Risswunde). Dabei gilt, dass es im zeitlichen Verlauf immer erst zu einer Quetschwunde und bei weiterer Krafteinwirkung zu einer Risswunde kommt. 

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Diagnose

Die Diagnose kann in der Regel direkt durch den behandelnden Arzt anhand einer ausführlichen Anamnese des Patienten über den Unfallhergang und anhand des Aussehens der Wunde gestellt werden. Das typische Bild einer Quetschwunde mit Ausbildung eines großen, blauen Blutergusses, Schürfungen und Schwellung kann die Diagnose einer Quetschwunde schnell bestätigten.
Um mögliche Komplikationen oder weitere Verletzungen, wie Knochenbrüche oder Organschäden, ausschließen zu können, sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden wie zum Beispiel Röntgen, Ultraschall oder eine Computertomographie (CT).

Begleitende Symptome

Durch die äußere Gewalteinwirkung und Quetschung des Gewebes kommt es zu einem Platzen der umliegenden Blutgefäße. Durch die zerstörten Blutgefäße kommt es zu einer massiven Blutung, die sich auch in das Gewebe ausbreiten kann und es bildet sich ein Hämatom. Dieser Bluterguss macht sich in der Regel als bläulicher Fleck unter der Haut bemerkbar.

Wird beispielsweise der Finger im Fenster eingeklemmt kann es zu einer Schwellung und einem Bluterguss unter dem Nagelbett kommen, einem sogenannten subungalen Hämatom (unterhalb des Nagels). Die Patienten klagen zudem häufig über starke Schmerzen und eine hohe Berührungsempfindlichkeit. Da die Haut viele Nerven beinhaltet können auch Gefühlsstörungen auftreten. Je nach Ort der Wunde kann es zudem zu Bewegungseinschränkungen kommen. 

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Komplikationen einer Quetschwunde

Je nach Größe der Quetschwunde besteht eine hohe Infektionsgefahr. Bei Verletzungen mit Geräten, Werkzeugen oder bei Verkehrsunfällen können Bakterien in die Wunde gelangen und diese infizieren. Zudem stellt der Bluterguss einen guten Nährboden für Bakterien dar. Daher sind eine ausgiebige Säuberung und Desinfektion bei der Behandlung von Quetschwunden sehr wichtig. Des Weiteren können benachbarte Strukturen wie Sehnen und Muskeln verletzt werden und zu Bewegungseinschränkungen und Gefühlsstörungen führen.

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Bei einer Quetschwunde am Finger, bei der es zur Ausbildung eines subungalen Hämatoms kommt, kann sich im Verlauf der Nagel vom Nagelbett lösen. Bei sehr großen und schweren Quetschwunden können Teile des Gewebes absterben und sogenannte Nekrosen ausbilden. Im schlimmsten Fall kann eine Amputation von Nöten sein. Auch eine Infektion mit dem Wundstarrkrampf (Tetanus) stellt eine Komplikation dar, weshalb immer ein ausreichender Impfschutz bestehen sollte. Bei größeren Quetschwunden am Unterschenkel kann es zu einem Kompartmentsyndrom kommen. Eine Infektion mit Bakterien wie dem Clostridium perfringens kann es zum lebensbedrohlichen Gasbrand führen. 

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Behandlung/ Therapie

Bei kleineren Quetschwunden, die bei der Hausarbeit oder beim Sport passieren, kann eine akute Behandlung schnell Linderung verschaffen. Wichtig ist das sofortige Kühlen der Wunde um Schmerzen zu lindern und einer Schwellung entgegenzuwirken. Zudem kann ein Salbenverband mit Betaisadonna oder Voltaren bei der Heilung helfen. Die Körperstelle sollte einige Tage geschont werden.

Bei größeren Wunden sollte in den meisten Fällen ein Arzt oder das Krankenhaus aufgesucht werden. Bei stark blutenden Wunden ist zu allererst die Blutstillung wichtig, um das Fortschreiten eines Blutergusses zu verhindern. Dies kann mittels starker Kompression behandelt werden. Im Krankenhaus wird die Wunde zuerst einmal gesäubert und desinfiziert um das Infektionsrisiko zu senken. Anschließend wird sie inspiziert. In den meisten Fällen sind Quetschwunden geschlossen, sodass die Wunde nicht genäht werden muss. Eine sterile Wundauflage reicht in der Regel aus.

Kommt es zu einer Infektion muss die Wunde regelmäßig gesäubert und kontrolliert werden. Bei schweren Infektionen müssen Antibiotika gegeben werden und manchmal ist eine Eröffnung und chirurgische Säuberung unter sterilen Bedingungen notwendig. Treten an den Wundflächen Nekrosen (abgestorbenes Gewebe) auf, müssen diese unverzüglich chirurgisch entfernt werden. 

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Heilungsdauer

Die Heilungsdauer von Quetschwunden hängt von deren Größe und Ausmaß ab. Kleinere Wunden heilen in der Regel bei guter Behandlung innerhalb weniger Tage bis 2 Wochen vollständig und ohne Narbenbildung ab.
Bei größeren Wunden kann es schnell zum Auftreten von Infektionen und Komplikationen kommen, die den Heilungsverlauf verlängern. Wird die Wunde nicht regelmäßig gesäubert und behandelt kann eine große infizierte Wunde mehrere Monate brauchen um vollständig auszuheilen.

Zudem bleiben häufig Narben zurück. Bei Patienten mit Diabetes oder Gefäßerkrankungen (pAVK) liegt häufig eine Wundheilungsstörung vor. Dadurch lassen sich große Quetschwunden nicht schließen und sie muss in mehreren Operationen gesäubert und geschlossen werden.

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Wann muss ich zum Arzt?

Kleinere Wunden heilen in der Regel innerhalb von 2 Wochen wieder aus und führen zu keinerlei Komplikationen. Daher muss kein Arzt aufgesucht werden.
Bei großen Wunden, die zu starken Schmerzen und Schwellungen führen ist das Aufsuchen eines Arztes sinnvoll. Auch wenn es nach wenigen Tagen trotz guter Kühlung und Salbenverband zu keiner Besserung gekommen ist kann ein Arzt helfen. Ebenso bei Bewegungseinschränkungen und Gefühlsstörungen.
Wenn um die Wunde eine Rötung auftritt oder der Patient Fieber bekommt kann das ein Anzeichen für eine Infektion der Wunde sein. In dem Fall sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. In der Regel reicht das Aufsuchen eines Hausarztes aus. Zudem kann ein Allgemeinchirurg helfen. Der Notarzt sollte nur in absoluten Notfällen gerufen werden. Quetschwunden heilen bei guter Behandlung in der Regel ohne Komplikationen aus und es kommt zu keiner Einschränkung der Lebenserwartung. 

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.08.2019
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