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Nekrose

Was ist eine Nekrose?

Nekrose bezeichnet den pathologischen, das heißt krankhaften, Untergang von Zellen, Zellgruppen oder von Gewebe. Es kommt dabei innerhalb einer Zelle zur Verklumpung der DNA und zur Zellschwellung. Die Zelle platzt und es werden zelluläre Bestandteile freigesetzt, welche im umliegenden Gewebe eine Entzündung hervorrufen. Nekrose kann durch viele verschiedene Einflussfaktoren, wie beispielsweise extreme Temperaturen, Gifte, Durchblutungsstörungen, Strahlung, Infektionen mit Krankheitserregern oder mechanische Einflüsse entstehen. Nekrotisches Gewebe wird entweder durch das ursprüngliche Gewebe ersetzt (heilt aus) oder es entsteht Narbengewebe.

Begleitende Symptome

Das Leitsymptom bei Nekrosen ist die äußerlich erkennbare gelblich-schwarze Verfärbung der Haut. Neben diesem meist sehr eindrücklichen Symptom können jedoch noch weitere Beschwerden auftreten, welche den Verdacht bestätigen.
Bei einer Nekrose kommt es durch das Absterben und Platzen der Zellen zu einer Ausschüttung von Entzündungsmediatoren, wie beispielsweise den Tumornekrosefaktor (TNF). Dies führt in der Folge zu einer Entzündungsreaktion des umliegenden Gewebes. Dadurch kann es um die Nekrose herum zu einer rötlichen Schwellung, Schmerzen, Spannungsgefühl und Wärmegefühl kommen. Durch das Eintreten von Krankheitserregern, zum Beispiel Bakterien, kann es zu einer Verflüssigung der Nekrose und zur Abgabe von Wundsekret und Eiter kommen. Breiten sich die Erreger in das Blutsystem aus und wirken systemisch auf den Körper, so kann es außerdem zu Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen kommen. Letztere Symptome sind insbesondere bei Nekrosen der inneren Organe, wie der Gallenblase, Bauchspeicheldrüse oder der Appendix (Blinddarm), zu beobachten.

Schmerzen

Ob und wie stark Schmerzen bei einer Nekrose auftreten hängt von der Ursache und dem jeweiligen Patienten ab. Bei akuten Nekrosen, beispielsweise durch einen plötzlichen Gefäßverschluss im Bein oder bei Nekrosen der Bauchorgane, kommt es meist zu starken Schmerzen im betroffenen Areal. Grund ist dabei vor allem der akute Sauerstoffmangel. Bei chronisch fortschreitenden Erkrankungen oder bei einem nekrotischen Dekubitus sind die Schmerzen oftmals so gering, dass die Nekrose gar nicht bemerkt wird. Das liegt vor allem daran, dass die Nekrose sehr langsam beginnt und die Patienten häufig eine herabgesetzte Empfindung in der Haut haben (zum Beispiel bei Diabetes).

Ursachen für Nekrosen

Nekrosen können durch aseptische und septische Einflüsse entstehen.
Zu den aseptischen gehören vor allem mechanische Ereignisse, Durchblutungsstörungen, Strahlenschäden, Gifte, und thermische Veränderungen (z.B. Erfrierungen). Durchblutungsstörungen entstehen beispielsweise durch Diabetes, Rauchen, Alkoholkonsum, genetische Faktoren oder die langfristige Einnahme von Medikamenten.
Septische Nekrosen sind durch Infektionen mit Krankheitserregern, wie Bakterien, Viren und Pilze bedingt. Durch jede der genannten Ursachen kommt es auf eine individuelle Weise zu einer Zellschädigung. Die Zelle reagiert auf den Einflussfaktor und schwillt an. Es kommt zu einem Platzen der Zelle und zu einer Freisetzung der zellulären Bestandteile. Diese lösen im umliegenden Gewebe eine Entzündung aus, was zur Ausschüttung von Entzündungsfaktoren führt. Dadurch schwillt das Gewebe an und schmerzt. Die Entzündungsfaktoren können zudem zum Absterben weiterer Zellen führen, was die Nekrose vergrößert.

Nekrose durch Dekubitus

Als Dekubitus wird eine schlecht heilende Wunde, welche durch Immobilität und unzureichende Lagerung entsteht, bezeichnet. Ein Dekubitus wird häufig bei bettlägrigen Patienten beobachtet. Diese liegen vor allem auf dem Rücken, wodurch ein erhöhter Druck, beispielsweise auf Höhe des Steißbeines, entsteht. Durch den anhaltenden Druck kommt es zu einer Unterversorgung des Areals mit Blut und somit mit Sauerstoff. Das Gewebe wird azidös (sauer) und entstehen Nekrosen. Häufig wird ein Dekubitus nicht rechtzeitig bemerkt und es kommt zu sogenannten Ulcera (tiefe Wunden). Je länger der Dekubitus druckbelastet wird, desto größer wird die Wunde in Durchmesser und Tiefe. Da ein Dekubitus nur sehr schlecht ausheilt ist es besonders wichtig bettlägrige Patienten alle paar Stunden im Bett zu drehen und so eine optimale Lagerung zu erreichen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Dekubitus

Nekrose durch Osteochrondrosis dissecans

Bei der Osteochondrosis dissecans kommt es zum Absterben von gelenkbildendem Knochengewebe, was in der Folge zu einer Ablösung des Knochenfragmentes und dem anliegenden Gelenkknorpel führen kann. Osteochondrosis tritt oft bei Kindern und Jugendlichen auf und entsteht wahrscheinlich durch traumatische Einflüsse beziehungsweise durch schlagartige Inanspruchnahme des jeweiligen Gelenkes (z.B. durch häufiges Springen). Am häufigsten ist dabei das Kniegelenk betroffen, da dieses in der Regel der größten Belastung ausgesetzt ist. Die Therapie der Osteochondrosis dissecans hängt vom Alter des Patienten, dem Stadium, dem Gelenk und der jeweiligen anatomischen Bedingungen ab.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Osteochondrosis dissecans

Nekrose nach Bestrahlung

Bei der iatrogenen (ärztlich bedingten) Bestrahlung, beispielsweise in der Tumortherapie, kann es durch die ionisierende Strahlung zu sogenannten Strahlennekrosen oder auch Radionekrosen kommen. Man spricht dabei jedoch vor allem dann von Strahlennekrosen, wenn diese gesundes Gewebe betreffen, da ein Absterben des Tumorgewebes gewollt war und somit keine Komplikation darstellt. Die ionisierende Strahlung kann Schäden in der DNA der Zellen bewirken, wodurch diese absterben und eine Nekrose entsteht. Wichtig ist, dass solche Radionekrose sehr verzögert, teilweise erst Jahre nach der Bestrahlung, auftreten können.

Diagnose

Der Ablauf der Diagnostik hängt von der Lokalisation der Nekrose ab. Handelt es sich um eine Äußerliche Nekrose, beispielsweise eine Hautnekrose, so kann ein Arzt bereits nach genauerer Betrachtung eine Diagnose stellen. Zusätzlich wird ein Abstrich der Wunde erfolgen, um festzustellen, ob sich Krankheitserreger in der Nekrose befinden. Handelt es sich jedoch um eine innere Nekrose, beispielsweise um eine Knochen- oder Organnekrose, so ist eine Bildgebung erforderlich. Dazu wird meist eine MRT (Magnetresonanztomographie) oder ein CT (Computertomographie) erfolgen. Erste Eindrücke und eine Verdachtsdiagnose können auch durch die Durchführung eines Ultraschalls der betroffenen Stelle entstehen. Spezifischer ist jedoch eine aufwendigere Bildgebung.

Stadien einer Nekrose

Bei Nekrosen erfolgt in der Medizin keine generelle Einteilung nach Stadien. Es wird meist nach Art und Lokalisation der Nekrose unterschieden. So wird ein Dekubitus beispielsweise in vier verschiedene Stadien (nach EPUAP) eingeteilt. Dabei spielt vor allem die tiefe der Wunde und die Mitbeteiligung bestimmter Strukturen eine Rolle. Auch Nekrosen im Rahmen einer diabetischen Makroangiopathie („diabetischer Fuß“) werden nach Wagner und Armstrong in verschiedene Stadien eingeteilt, wobei hier zum Beispiel auch eine bestehende Infektion eine Rolle spielt. Bei Knochennekrosen wird nach der ARCO Klassifikation in sieben Stadien unterteilt. Dabei werden insbesondere diagnostische Kriterien berücksichtigt.

Unterschiede zwischen Nekrose und Gangrän

Nekrose beschreibt den Zelluntergang als Reaktion auf schädigende Einflüsse, wie beispielsweise Gifte, Infektionen oder Unterversorgungen. Davon kann eine einzelne Zelle oder ganze Zellverbände betroffen sein. Nekrosen werden in die sogenannten „Koagulationsnekrosen“ (Gerinnungsnekrose) und die „Kolliquationsnekrosen“ (Verflüssigungsnekrose) unterteilt. Eine Koagulationsnekrose kann in eiweißreichen Geweben entstehen, wobei es zu einem Denaturieren (Zerstörung der Struktur) der Eiweiße kommt.
Eine Gangrän beschreibt eine Sonderform der Koagulationsnekrose. Das heißt Nekrose ist eine Art Überbegriff für verschiedene nekrotische Vorgänge. Eine Gangrän wird wiederum in eine trockene und eine feuchte Gangrän unterteilt. Während eine trockene Gangrän sehr eingefallen und ausgetrocknet erscheint und daher auch als „mumifiziert“ oder lederartig bezeichnet wird, äußert sich eine feuchte Gangrän leicht verflüssigt, glänzend, eitrig und übelriechend. Grund ist das Einwandern und die Vermehrung von Bakterien, welche die Gangrän durch ihre Stoffwechselprodukte verflüssigen. Eine weitere Sonderform ist der sogenannte Gasbrand, bei welchem es durch eine Infektion der Gangrän mit Clostridien (clostridium perfringens) zu einer Bildung von gasförmigem Bakteriengift kommt.

Behandlung/ Nekrosektomie

Nekrotisches Gewebe ist abgestorben, das heißt es kann unter keinen Umständen heilen. Es kann jedoch zu einem Umbau kommen, wobei die Nekrose abfällt oder abgetragen wird und neues Gewebe nachwächst. Dies ist besonders gut möglich, wenn es sich um ein sehr teilungsfähiges Organ, wie beispielsweise den Darm, handelt. Bei Hautnekrosen muss der Heilungsprozess meist von außen unterstützt werden.
Dazu wird die abgestorbene Haut (Nekrose) abgetragen, um eine Ausbreitung zu verhindern und Platz zu schaffen für nachwachsendes Gewebe. Man nennt diesen Vorgang auch Nekrosektomie oder Nekrektomie. Dies wird entweder chirurgisch durchgeführt oder durch die Anwendung von aufweichenden Gelen, saurem Wasser oder auch hautfressenden Maden. Neben der Nekrosektomie wird auch ein Abstrich der Nekrose gemacht um zu testen, ob diese durch Krankheitserreger infiziert ist. So kann eine auf die entsprechende Sorte Bakterien oder Pilze angepasste Therapie erfolgen. Auch die medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden Mitteln und durchblutungsfördernden Medikamenten ist möglich.
Neben der ärztlichen Behandlung ist es außerdem wichtig, den nekrotischen Bereich zu schonen und die Heilung dadurch zu unterstützen. So sollte der Patient sich beispielsweise nicht auf die betroffene Stelle legen, sondern diese entlasten. Auch ausreichend Bewegung kann den Prozess beschleunigen, da es zu einer verbesserten Durchblutung kommt.

Heilungsdauer/ Prognose

Ähnlich wie bei den Schmerzen hängt auch die Heilungsdauer und Prognose einer Nekrose sehr stark von der jeweiligen Situation und dem Patienten ab. Bei sehr oberflächlichen Nekrosen ist nach Beseitigung der entsprechenden Ursache eine eigenständige Heilung innerhalb weniger Wochen möglich. Sollte die Nekrose jedoch fortgeschritten sein, so muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden. Die Prognose hängt dann vor allem vom Gesundheitszustand des Patienten ab.
Ein Dekubitus kann durch ausreichende Schonung und konsequente Entlastung häufig wieder vollständig abheilen. Dies kann sich jedoch über mehrere Wochen bis zu Monaten ziehen, da die Wunden oft sehr tief reichen und schlecht heilen. Bei Nekrosen durch Durchblutungsstörungen, beispielsweise bei Rauchern und Diabetikern, hängt die Heilung vor allem davon ab, ob diese Patienten die jeweiligen Bedingungen, unter welchen die Nekrose entstanden ist, beseitigen können. Die Prognose und das Risiko eines erneuten Auftretens sind stark an den Risikofaktor gebunden. So ist es bei Rauchern entscheidend, ob diese mit dem Rauchen aufhören und bei Diabetikern wichtig, den Blutzucker regemäßig zu kontrollieren und der Erkrankung so gut wie möglich entgegen zu wirken.

Nekrose am Fuß/ Zeh

Füße und insbesondere Zehen sind sehr häufig von Nekrose betroffene Bereiche des Körpers. Der Grund dafür ist, dass sie sehr abgelegen vom Körperzentrum liegen und somit sehr anfällig für Durchblutungsstörungen sind.
Lesen Sie mehr unter: Durchblutungsstörungen in den Beinen
Besonders häufig treten Fuß- und Zehennekrosen im Zusammenhang mit dem sogenannten „Raucherbein“ und dem „Diabetischen Fuß“ auf. In beiden Fällen kommt es zu einer verminderten Durchblutung der Füße und somit zu einer Sauerstoffunterversorgung. Zunächst sind davon die Zehen betroffen. Schreitet die Nekrose weiter fort, so breitet sie sich über den Fuß bis hin zum Unterschenkel aus. Bei schlecht eingestelltem Diabetes kommt es häufig auch zu separaten Nekrosen am Unterschenkel.
Eine weitere häufige Ursache von nekrotischen Zehen sind Unterkühlungen, beziehungsweise Erfrierungen. Die Therapie von Nekrosen des Fußes und der Zehen erfolgt durch die Wiederherstellung einer ausreichenden Durchblutung. Ist dies nicht möglich oder ist die Nekrose bereits zu fortgeschritten, so muss das entsprechende Körperteil eventuell amputiert werden.

Nekrose an der Ferse

Nekrosen der Ferse entstehen durch sogenannte Drucknekrosen. Diese werden vor allem beim liegenden und nur gering mobilen Menschen festgestellt und werden auch Dekubitus genannt. Es kommt, beispielsweise beim auf dem Rücken liegen, zu einem dauerhaften Druck auf die hintere Ferse. Die versorgenden Blutgefäße werden abgedrückt und das Gewebe wird nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, was in der Folge zu einer Nekrose führt.
Auch unter anderen Umständen, beispielsweise durch ständiges Stehen oder bei Rollstuhlfahrern ist eine Drucknekrose der Ferse möglich. Behandelt wird diese durch Entlastung der betroffenen Stelle. Je nachdem, wie fortgeschritten die Nekrose war und ob sich bereits tief reichende Wunden (Ulcera) gebildet haben ist eventuell auch eine Hautdeckung notwendig.

Nekrose der Achillessehne

Im Rahmen von Achillessehnenentzündungen oder Durchblutungsstörungen der Achillessehne kann es zu einem Absterben von Teilen der Sehne kommen. Eine solche Nekrose äußert sich durch starke Schmerzen und einer Bewegungseinschränkung. Diagnostiziert wird eine Achillessehnennekrose in der Regel durch eine MRT, wo sich das abgestorbene Areal weiß darstellt. Die Behandlung erfolgt durch ein chirurgisches Debridement, sprich der Entfernung von nekrotischen Sehnenfasern. Je nach Ausmaß der Erkrankung und des chirurgisch entstandenen Substanzdefekts kann eine Verstärkung der Achillessehne durch andere Muskelsehnen des Körpers (z.B. Plantarissehne) notwendig sein.

Nekrose am Steißbein

Ähnlich wie bei den Nekrosen der Fersen ist die häufigste Ursache für untergehendes Gewebe am Steiß ebenfalls eine Drucknekrose. Da bettlägrige Patienten häufig wochenlang auf dem Rücken liegen und sich selbst dabei nur gering bewegen ist eine Lagerung oder Mobilisierung durch Angehörige, die Pflege oder den Pflegedienst unbedingt notwendig.
Der dauerhafte Druck auf das Steißbein führt zu einem nekrotischen Umbau durch Sauerstoffmangel. Langfristig führt dieser zu einer tiefen und schlecht heilenden Wunde (Ulcus). Gerade beim Steißbein kann eine solche Wunde extreme Maße annehmen und für den Patienten lebensgefährlich werden. Grund ist, dass der Ulcus eine hohe Infektionsgefahr hat und gleichzeitig kaum Gewebe zwischen Haut und Knochen liegt, sodass eine Mitbeteiligung dessen häufig beobachtet wird.

Nekrose durch Wunden

Verschiedene Mechanismen können bei Wunden zu einer Nekrose führen. Insgesamt passiert dies jedoch nur selten. Eine Möglichkeit ist, dass es durch die Verletzung der Haut zu einem Defekt in der Blutversorgung und somit zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff kommt.
Eine Nekrose, welche durch das Einwandern von Krankheitserregern, beispielsweise Bakterien, entsteht ist ebenfalls möglich. Es kommt, bakteriell bedingt, zu einer Thrombosierung (Ausbildung von Blutgerinnseln) der Blutgefäße und zu einer Minderdurchblutung.
Eine weitere Option ist, dass durch die mechanische Einwirkung, welche die Wunde verursacht hat, es bereits zu einer geringen Anzahl von Zellnekrosen gekommen ist. Dadurch werden Entzündungsmediatoren freigesetzt und es kommt zum Absterben weiterer Zellen, wodurch sich die Nekrose ausbreiten kann. Besonders gefährdet sind Personen mit einem abgeschwächten oder unterdrücktem Immunsystem.

Nekrose der Haut

Nekrosen der Haut sind deutlich häufiger als Knochen- oder Organnekrosen. Sie entstehen vor allem in Form eines Dekubitus, bei Durchblutungsstörungen oder durch Erfrierungen. All diesen Formen haben gemeinsam, dass es zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff kommt. Die Zellen werden sauer, sterben ab und platzen schließlich.
Für den Menschen sichtbar werden Nekrosen erst, wenn es zum Absterben von ganzen Zellverbänden innerhalb des Gewebes kommt. Äußerlich erscheinen Nekrosen gelblich-gräulich-schwarz verfärbt und meist sehr trocken und eingefallen (lederartig). Zudem kommt es häufig zu einer Entzündung des umliegenden Gewebes, welches daraufhin errötet, anschwillt, warm wird und schmerzt. Die Nekrose selbst schmerzt vor allem wegen der Unterversorgung mit Sauerstoff. Häufig wird dies jedoch vom Patienten nicht bemerkt, da die Nekrose sehr langsam fortschreitet oder eine herabgesetzte Empfindung besteht.
Therapiert wird eine Nekrose der Haut durch chirurgisches Abtragen dieser und einer klassischen Wundbehandlung. Ergänzend erfolgt meist eine antibiotische Therapie und die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten.
Eine Sonderform der Hautnekrose ist die nekrotisierende Fasziitis, die durch Bakterien hervorgerufen wird. Tritt diese in der Genitalregion auf, spricht man von einer Fournier Gangrän.

Hüftkopfnekrose

Bei der Hüftkopfnekrose, oder auch Femurkopfnekrose genannt, kommt es zum Absterben von Knochengewebe im Kopf des Oberschenkelknochens. Bei der Hüftkopfnekrose handelt es sich in der Regel um eine Durchblutungsstörung. Grund ist, dass der Hüftkopf sehr kompliziert und über verschiedene kleine Blutgefäße versorgt ist. Die Nekrose tritt meist sporadisch (zufällig) auf, kann jedoch auch durch traumatische Ereignisse (Unfälle) oder im Rahmen von durchblutungsmindernden Einflüssen, wie Diabetes, Alkoholismus oder Rauchen entstehen. Eine Hüftkopfnekrose äußert sich durch belastungsabhängige Schmerzen in der Leiste, welche jedoch auch in Ruhe auftreten.
Diagnostiziert wird eine Femurkopfnekrose meist durch eine MRT (Magnetresonanztomographie). Die Therapie hängt vor allem vom Alter und Alltagsanspruch des Patienten ab. Häufig wird das Hüftgelenk durch eine Prothese ersetzt, eine sogenannte Hüft-TEP, welche die Nekrose vollständig beseitig, jedoch nicht ganz so belastungsfähig wie eine ursprüngliche Hüfte ist und nach etwa 15 bis 20 Jahren erneut ersetzt werden muss. Bei jüngeren Patienten bestehen weitere Möglichkeiten, wie beispielsweise eine Anbohrung der Nekrose oder ein Ersatz der Nekrose durch Stammzellen des Oberschenkelknochens. Bei weniger fortgeschrittenen Hüftkopfnekrosen ist auch eine medikamentöse Therapie mit durchblutungsfördernden Medikamenten möglich.
Eine Femurkopfnekrose kann auch im Rahmen von Morbus Perthes entstehen, was nicht verwechselt werden sollte.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Hüftkopfnekrose

Nekrose am Finger

Ähnlich wie bei den Zehen und Füßen liegen auch die Finger des Menschen sehr abgelegen zum Körperzentrum. Daher sind auch diese von Nekrosen besonders gerne betroffen. Auch hier spielen Unterkühlungen und Erfrierungen eine bedeutende Rolle. Die Gefäße, welche die Finger mit Blut und Sauerstoff versorgen haben einen kleinen Durchmesser und sind somit besonders empfindlich.
Neben Diabetes, was insbesondere bei Beinen und Füßen eine große Rolle spielt, ist vor allem das Rauchen ein Risikofaktor für Nekrosen der Finger. Rauchen mindert auf verschiedenen Wegen die Durchblutung und führt langfristig zu Nekrosen der Extremitäten.
Seltener können auch andere Durchblutungsstörungen, wie beispielsweise das „Raynaud-Syndrom“, für nekrotische Finger verantwortlich sein.

Aseptische Nekrose

„Aseptisch“ bezeichnet die Abwesenheit von septischen Faktoren, wie Bakterien, Viren, Pilzen und Prionen. Aseptische Nekrosen können demnach an allen aseptischen Stellen des Körpers entstehen.
In der Medizin stellen aseptische Nekrosen jedoch eine Art Überbegriff für Knochennekrosen dar, welche meist durch eine Durchblutungsminderung entstanden sind. Mögliche Ursachen sind Langzeittherapien mit Kortison oder Bisphosphonaten, Chemotherapien, Bestrahlungen, Arbeiten in Druckluftgebieten, Sichelzellanämien, Morbus Gaucher oder auch systemischer Lupus erythematodes (SLE). Es kommt zu einer Einengung oder einem Verschluss der den Knochen versorgenden Blutgefäße und der Knochen stirbt ab. Typische Beschwerden sind Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Knochennekrosen werden dabei in verschiedene Schweregrade eingeteilt und die jeweilige medizinische Bezeichnung der Nekrose hängt stark von dem betroffenen Knochenabschnitt ab.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Knochennekrosen

Muskelnekrose

Man unterscheidet in ischämische und iatrogene Muskelnekrosen. Ischämie bezeichnet einen Zustand der Sauerstoffunterversorgung im Gewebe. Bei ischämischen Muskelnekrosen kommt es meist zu einem Verschluss oder zu einer Verletzung der Blutgefäße, welche die Muskulatur versorgen. Die Sauerstoffunterversorgung im Muskel kann es zu einem sogenannten Kompartmentsyndrom führen. Dabei kommt es durch das Anschwellen der Zellen zu einer Einengung der Muskulatur innerhalb der Faszien. Dadurch werden weitere Gefäße abgeklemmt und es entstehen starke Schmerzen. Iatrogene Muskelnekrosen können durch intramuskuläre Injektionen entstehen.

Pulpanekrose

Die Zahnpulpa befindet sich im inneren eines Zahnes und enthält die den Zahn versorgenden Nerven und Blutgefäße. Bei einer Pulpanekrose kommt es, beispielsweise durch das Einwandern von Bakterien, zu einer Entzündung der Zahnpulpa. Es kommt zu einem Anschwellen dieser, was zu einem Abdrücken der Blutgefäße und starken Schmerzen (Druck auf Nerven) führt. Durch die verminderte Durchblutung der Pulpa kommt es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und einem Absterben der Zellen (Nekrose). Therapiert wird eine Pulpanekrose durch das Aufbohren des Zahnes. Dadurch wird der entstandene Druck vermindert und die Durchblutung wiederhergestellt.

Nekrose am Zahnfleisch

Nekrosen des Zahnfleisches treten meist in Form der nekrotisierenden ulzerierenden Gingivitis (NUG) oder der nekrotisierenden ulzerierenden Paradontitis (NUP) auf und erfordern eine dringliche Behandlung, da sonst die Gefahr besteht, dass die Infektion sich in den Knochen ausbreitet.
Im Gegensatz zu der NUG, bei welcher lediglich das Zahnfleisch (gingiva) betroffen ist, ist die Infektion bei der NUP bereits auf den Zahnhalteapparat (paradontium) übergegangen und somit weiter fortgeschritten und bedrohlicher.
Beide Erkrankungen äußern sich durch plötzliche, starke Schmerzen, wunde Stellen, Blutungen und rötlich-gräuliche Verfärbungen. Vorgebeugt werden Zahnfleischnekrosen durch ausreichende Mundhygiene, den Verzicht auf Tabakkonsum und eine Stärkung des Immunsystems.

Nekrose im Kieferknochen

Kiefernekrosen entstehen durch das Absterben des Kieferknochens, wodurch dieser bei Betrachtung der Mundhöhle meist offen daliegt und sichtbar wird. Kiefernekrosen entstehen beispielsweise durch Entzündungen oder Verletzungen des Kieferknochens und heilen häufig nur sehr schlecht. Insbesondere in den letzten Jahren ist die iatrogene (ärztlich bedingte) Entstehung von Kiefernekrosen immer relevanter geworden. So führen beispielsweise Bestrahlungen und Chemotherapien in der Krebsbehandlung eine große Rolle für die Verursachung von Knochennekrosen. Auch Bisphosphonate, welche bei Osteoporose Anwendung finden, können Kiefernekrosen hervorrufen und werden daher vor allem in der Palliativmedizin verschrieben.
Lesen Sie hier mehr zum Thema unter: Biphosphonatassoziierte Knochennekrose

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.04.2018
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