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Fournier Gangrän

Definition - Was ist eine Fournier´sche Gangrän?

Die Fournier Gangrän ist eine Sonderform der nekrotisierenden Fasziitis und tritt in der Genital-, Damm- und Analregion auf. Es kommt dabei zu einer bakteriellen Infektion, welche in Folge eine vermehrte Durchblutungsstörung auslöst und zu einem Absterben der Haut führt.
Die Bakterien breiten sich dabei innerhalb der Faszien aus (Fasziitis) und können in das Blutsystem gelangen und dort eine systemische Reaktion auslösen. Eine Fournier Gangrän ist ein absoluter Notfall und sollte schnellstmöglich behandelt werden. Trotz Therapie geht eine Fournier Gangrän mit einer Mortalität (Sterblichkeit) von über 20-50% einher.
 

Ursachen

Ursache der Fournier‘schen Gangrän ist eine Infektion mit, meist anaeroben, Bakterien, wie Streptokokken, Escherichia Coli oder Clostridien. Anaerobe Bakterien vermehren sich in sauerstofffeien Arealen und reagieren sehr empfindlich auf das Vorkommen von Sauerstoff.
Mögliche Infektionsquellen sind dabei vor allem die Analregion, die Haut und der Harntrakt. Von dort aus breiten sich die Bakterien über die Faszien aus und gelangen ins Genitale. Männer sind deutlich häufiger von einer Fournier Gangrän betroffen als Frauen.
Durch die Infektion kommt es zu einer Thrombose (Verstopfung) der oberflächlichen Blutgefäße, was wiederum zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff führt.
Es kommt zu einer rasch fortschreitenden Gangrän, gefolgt von einem Absterben (Nekrotisieren) der Haut. Häufig bilden die Bakterien sogenannt Toxine (Gifte) und setzen diese frei.
Auch eine Verschleppung der Bakterien ins Blutsystem ist möglich, was zu einer Sepsis (systemische Blutvergiftung) führen kann. Risikofaktoren für eine Fournier Gangrän sind Diabetes, eine abgeschwächte Abwehrlage, chronischer Alkoholkonsum, Rauchen und Übergewicht.
 

Wie ansteckend ist eine Fournier Gangrän?

Eine Fournier’sche Gangrän ist zwar eine Erkrankung der Geschlechtsorgane, jedoch keine typische Geschlechtskrankheit. Im Gegensatz zu typischen Geschlechtskrankheiten, wie Chlamydien, Syphilis oder AIDS wird eine Fournier Gangrän nicht über Geschlechtsverkehr übertragen.
Die Infektion erfolgt meist aus körpereigenen Regionen oder beispielsweise durch Spritzen. Da eine Fournier Gangrän jedoch eine bakterielle Infektion ist, sollte sie in jedem Fall mit Vorsicht behandelt werden.
Meistens handelt es sich um harmlose Erreger, welche zur natürlichen Bakterienflora des Menschen gehören. Prinzipiell ist jedoch auch eine Infektion mit untypischen Erregern möglich und kann für Kontaktpersonen gefährlich werden.
 

Diagnose

Da es bei einer Fournier Gangrän zu einem schnellen Ausbreiten und Fortschreiten der Infektion kommt, ist meist eine sogenannte Blickdiagnose möglich. Das bedeutet, dass der entsprechende Arzt lediglich einen Blick darauf werfen muss, um eine Verdachtsdiagnose zu äußern.
Auch in zweifelhaften Fällen wird der Arzt eine sofortige Therapie einleiten. Grund ist die hohe Mortalität (Sterblichkeit) einer Fournier Gangrän, weshalb eine aufwendige Diagnostik wertvolle Zeit verbraucht.
Eine Blutentnahme ist in jedem Fall Teil der Diagnostik, um zu sehen wie weit fortgeschritten die Infektion ist oder ob bereits septische Parameter festzustellen sind. Auch ein Abstrich der Gangrän wird gemacht, um die entsprechenden Erreger einzuordnen und ein optimales Antibiotikum zu finden.

Wie ist der Übertragungsweg?

Die bakterielle Infektion bei einer Fournier Gangrän kann auf verschiedene Wege erfolgen. Eine Möglichkeit ist, dass die Bakterien über kleine Wunden in der Haut ins Gewebe gelangen und sich dort vermehren. Auch eine Übertragung der im Darm natürlicherweise vorkommenden Bakterien (z.B. Escherichia Coli) in die Damm- oder Genitalregion ist möglich.
Eine weitere Option ist eine Infektion des Harntrakts, beispielsweise in Form einer Blasenentzündung. Häufig kommt es zu einer Infektion der Anal- oder Harnröhrendrüsen. Dort vermehren sich die Bakterien und breiten sich anschließend entlang der Faszienlogen aus.
 

Begleitende Symptome

Eine Fournier Gangrän geht immer mit Hautveränderungen in Form von Rötung, Schwellung, livider Verfärbung, starken Schmerzen oder üblem Geruch einher.
Im Anfangsstadium kann es zudem zu Juckreiz im Genitalbereich kommen. Begleitend kommt es bei der Fournier Gangrän, besonders im späteren Stadium, auch zu starkem Fieber, erhöhter Herzfrequenz und einem schlechten Allgemeinzustand.
Grund ist die systemische Mitreaktion und das absondern von bakteriellen Toxinen (Giften). Dabei kann es auch zu einer Schocksymptomatik kommen. Das heißt, der Patient kompensiert einen viel zu geringen Blutdruck durch eine erhöhte Herzfrequenz.
Dies kann zu Bewusstlosigkeit, Blässe, Kältegefühl, Kribbeln in den Gliedmaßen, Organversagen oder dem Tod führen. Auch eine Übertragung der Infektion auf andere Organe ist möglich.
 

Behandlung und Therapie

Die Therapie einer Fournier Gangrän setzt sich aus mehreren Teilen zusammen. Wichtig ist eine möglichst schnelle Behandlung. Häufig wird zu viel Zeit durch ein Arzt-Patientengespräch verloren.
Wie früh eine Therapie erfolgt ist hängt stark mit dem Outcome (Ergebnis) der Erkrankung zusammen.
Behandelt wird eine Fournier Gangrän mit einem breit wirkenden Antibiotikum. Grund ist, dass man zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, welche Bakterien die Infektion ausgelöst haben. Daher wird zusätzlich ein Abstrich der Gangrän erfolgen.
Als nächster Schritt wird ein sofortiges chirurgisches „Debridement“ eingeleitet. Das heißt, die bereits nekrotischen (abgestorbenen) Areale werden großzügig abgetragen, sodass nur noch gesundes Gewebe verbleibt.
An diesem Punkt entscheidet sich meist der Therapieerfolg, da ein vollständiges Abtragen, aufgrund von anatomischen Gegebenheiten, häufig nicht mehr möglich ist. Sollte das Debridement erfolgreich gewesen sein, so kann eine Hauttransplantation im Intervall notwendig sein.
In jedem Fall sollten Patienten mit einer Fourner’schen Gangrän streng, intensivmedizinisch überwacht werden.
 

Wie ist der Verlauf?

Nachdem eine Therapie in Form von chirurgischem Debridement und Antibiotikagabe erfolgt ist, wird er Patient weiterhin streng überwacht. Der erste Schritt zu einer erfolgreichen Behandlung ist eine eventuell vorliegende systemische Entzündung (Sepsis) vorzubeugen oder zu behandeln. Dies kann bis zu mehreren Tagen dauern und eine intensivmedizinische Betreuung notwendig machen.
Auch das vollständige Abtragen der infektiösen und nekrotischen Areale ist für eine erfolgreiche Therapie essentiell. Kam es dabei zu einem großen Hautflächenverlust, so kann eine Hauttransplantation notwendig sein. Diese wird jedoch im Intervall durchgeführt. Das heißt eine Hautdeckung würde erst gemacht werden, wenn der Patient wieder stabil und körperlich fit für einen erneuten Eingriff ist und ein Erfolg der Transplantation wahrscheinlich ist.
Insgesamt kann der Verlauf bei einer Fournier Gangrän sehr variabel sein. Ob die Behandlung erfolgreich ist entscheidet sich vor allem durch eine rechtzeitige Therapie und komplikationslose chirurgische Eingriffe. Auch das Vorliegen von Risikofaktoren, wie Diabetes, ein abgeschwächtes Immunsystem, Alkohol, Rauchen und Übergewicht können sich negativ auf den Verlauf ausüben.
 

Heilungsdauer und Prognose

Trotz Therapie geht eine Fournier Gangrän mit einer Mortalität (Sterblichkeit) von 20-50% einher. Unbehandelt ist eine solche Gangrän eine absolut letale (tödliche) Erkrankung.
Für die Prognose wichtig ist vor allem der frühzeitige Beginn der ärztlichen Therapie. Gerade bei Veränderungen des Genitalbereichs gehen Patienten viel zu spät zum Arzt, weil ihnen die Situation unangenehm ist.
Weitere prognostisch wichtige Faktoren sind, ob ein vollständiges chirurgisches Debridement möglich ist und ob die jeweiligen Antibiotika wirksam sind. Ein abgeschwächtes Immunsystem, beispielsweise durch Suppression (Unterdrückung) mit Cortison, wirkt sich eher schlecht auf die Prognose aus.
Des Weiteren spielt das Vorhandensein einer systemische Mitreaktion und das Vorliegen von Risikofaktoren eine wichtige Rolle. Diese sind auch besonders entscheidend für das erfolgreiche Anwachsen eines Hauttransplantats.
Sollte eine Fournier Gangrän günstig verlaufen, so hängt die Heilungsdauer von der Notwendigkeit einer Hautdeckung ab, welche einen erneuten Eingriff im Intervall bedeutet. So kann es sein, dass eine Fournier Gangrän bereits nach wenigen Wochen wieder ausgeheilt ist oder nach Monaten immer noch Probleme macht.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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