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Raynaud - Syndrom

Synonyme im weiteren Sinne

  • Raynaud-Phänomen
  • Morbus Raynaud
  • vasomotorische Akroasphyxie
  • akrales Ischämiesyndrom
  • vasospastisches Syndrom
  • Ischämie- Syndrom

Englisch

  • Raynaud´s syndrome
  • Raynaud´s disease
  • secondary Raynaud´s disease

Definition Raynaud - Syndrom

Das Raynaud-Phänomen / Raynaud-Syndrom gehört zu den funktionellen Durchblutungsstörungen.
Man versteht darunter eine Verengung der Gefäße (Vasospasmus) der Akren. Zu Akren zählen unter anderem Nase, Kinn, Ohren, Lippen, Zunge, Finger und Füße. Diese Verengung kann durch Kälte oder Stress hervorgerufen werden und unter Wärmeeinfluss und Medikamenten wieder gelöst werden.

Einleitung

Das Raynaud-Syndrom oder auch „Weißfinger-Krankheit“ genannt ist eine Erkrankung, die mit einer Minderdurchblutung der Finger und Zehen einhergeht und die vor allem Frauen im gebährfähigen Alter betrifft.

Typisches Symptom des Raynaud-Syndroms ist das „Trikolore-Phänomen“ bei dem es aufgrund von Kälte oder Stress zu einem plötzlichen, krampfartigen Blass-Werden der Finger, anschließend zu einer bläulichen Verfärbung (Zyanose) und nach einiger Zeit, wenn die Durchblutung wieder einsetzt, zum Erröten der Finger kommt.
Wichtigste Ursache dieser Erkrankung sind Gefäßspasmen, die entweder primär (ohne genaue Ursache) oder sekundär aufgrund von speziellen Medikamenten, Erkrankungen oder durch Traumata entstehen, z.B. durch den langjährigen Gebrauch von vibrierenden Werkzeugen. Neue amerikanische Studien haben gezeigt, dass das Raynaud-Syndrom auch als Reaktion auf einen erhöhten Östrogenspiegel sein kann. In einigen Fällen können die Gefäßspasmen auch die Brustwarzen der Frauen betreffen, welches vor allem beim Stillen zu starken Schmerzen führt.

Historie

Der Begriff “Raynaud” geht auf den Erstbeschreiber dieser Krankheit zurück. Der französische Arzt Maurice Raynaud beschrieb 1862 zum ersten mal eine durch Kälte verursachte Durchblutungsstörung der Finger, die durch ihr Anlaufen in Phasen gekennzeichnet ist.

Häufigkeit (Epidemiologie)

Vorkommen in der Bevölkerung

Das Raynaud-Syndrom tritt bei ca. 4 – 17% der Bevölkerung auf und ist somit eine sehr häufiges aber teilweise noch unbekanntes Syndrom.
Eine erbliche Komponente scheint gegeben.
Das primäre Raynaud-Syndrom betrifft Frauen etwa doppelt so oft wie Männer. Sie tritt meist in der Pubertät auf und bessert sich erst wieder in der Menopause (Wechseljahre).
Das sekundäre Raynaud-Syndrom tritt unabhängig von Alter auf und ist abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung.

Formen des Raynaud-Syndrom

Man teilt das Raynaud-Syndrom in ein:

  • primäres Raynaud - Syndrom und ein
  • sekundäres Raynaud-´Syndrom

Das primäre Raynaud-Syndrom gilt als idiopathisch (die Mediziner verstehen hierunter, dasss die Ursache nicht bekannt ist), wobei das sekundäre Raynaud- Syndrom bei organischen Gefäßschädigungen im Rahmen von Systemerkrankungen (also Erkrankungen die den gesamten Organismus betreffen) auftritt.
Eine dieser Systemerkrankungen kann z. Bsp. die Kollagenose (Bindegewebsstörung), die zu den rheumatischen Erkrankungen zählt, sein und durch eine Veränderung der Wand der Blutgefäße zu einer Durchblutungsstörung führt.

Ursachen

Als Ursache des Raynaud-Syndrom kommen mehrere Punkte in Frage:

  • Verschluß der Arterien der Finger
    z. Bsp. durch Mikrothromben (kleine Gerinnsel), Verengungen der Gefäße (proximale Stenosen), Kompressionen, dauerhafte Vibration oder durch Erfrierungsschäden
  • Entzündliche Veränderungen der Gefäßwand, z. Bsp. bei Kollagenose (speziell bei Sklerodermie: Fibrosierung (Vermehrung des Bindegewebes) der Haut und Organe), Wegener-Granulomatose (seltene, schwere Gefäßentzündung), rheumatoide Arthritis
  • Hämatologische Erkrankungen:
    Kälteagglutinine (Antikörper, die den Abbau von Blut hervorrufen können), Polyzythämie (erhöhte Zahl von roten Blutkörperchen (erythrozyten)), Thrombozytose (erhöhte Zahl von Blutplättchen)
  • Toxische Substanzen und Medikamente:
    • Beta-Blocker (Medikament gegen Bluthochdruck -> beachten Sie auch unser Thema: Bluthochdruck)
    • hormonale Antikonzeptiva („Pille“)
    • Zytostatika (Chemotherapeutika)

Symptome

Zu den Symptomen des Raynaud-Syndrom zählen hauptsächlich zwei Merkmale.
Zum einen kommt es zu Schmerzen, die durch die eingetretene Minderdurchblutung zu erklären sind, zum anderen kommt es zu typischen Verfärbungen.

Die Verfärbungen sind dreifarbig und haben hintereinander folgende Reihenfolge:

  • Weißverfärbung (Verengung der Fingerarterien = Vasokonstriktion der Aa. Digitales)
  • Blauverfärbung der Haut (Zyanose = Sauerstoffmangel)
  • Rotverfärbung (gesteigerte Durchblutung (reaktive Hyperämie) als Folge der Mangeldurchblutung)

Wichtig ist hierbei, dass der Befall immer symmetrisch auftritt, also beide Hände, Füße etc. betrifft.
Typischerweise verschlechtert Rauchen die Symptomatik, da Nikotin die Gefäße verengt.

Diagnose

Die Diagnose des Raynaud-Syndroms wird klinisch anhand der oben genannten Symptome gestellt.
Ein symmetrischer Befall des 2.-5. Fingers (Zeigefinger bis kleiner Finger) deutet auf ein primäres Entstehen der Krankheit hin.
In der Regel tritt eine Besserung durch Wärmezufuhr oder die Einnahme von Nitrolingual (Nitroglycerin) auf.
Nitrolingual wirkt gefäßerweiternd, also vasodilatatorisch. Wenn einzelne Finger asymmetrisch betroffen sind und weder auf Wärme, noch Nitrolingual mit einer Besserung der Symptome reagieren, spricht das eher für ein sekundäres Raynaud-Syndrom.

Außer der klinischen Diagnostik gibt es noch die apparative Diagnostik (Messmethoden).
Mit dem sogenannten Oszillographen wird die Durchblutung der Akren gemessen und mit dem Doppler-Verfahren (Form der Ultraschalluntersuchung) werden segmentale Gefäßverschlüsse oder –verengungen lokalisiert.

Therapie primäres Raynaud-Syndrom

Beim primären Raynaud-Syndrom ist eine ursächliche Therapie nicht möglich, da die Ursache nicht festzustellen, also idiopathisch, ist.
Besserung kann wie oben genannt durch Wärme oder Nitroglycerin erreicht werden.

Therapie sekundäres Raynaud-Syndrom

Beim sekundären Raynaud-Phänomen jedoch ist die Grunderkrankung wegweisend.
Außerdem kann man auf jeden Fall versuchen dem Vasospasmus vorzubeugen.
Unter Vasospasmus versteht man eine krampfartige Verengung der Gefäße. Um diesem vorzubeugen empfiehlt sich ganz simpel der Schutz vor Kälte durch Handschuhe und das Arbeiten in warmer Umgebung.
Ebenso kann eine psychosomatische Therapie helfen. Hier können neben autogenem Training auch Yoga und Biofeedback bei der Therapie des Raynaud Syndrom angewendet werden. Auch zu empfehlen ist das Vermeiden von Arbeiten mit vibrierenden Werkzeugen, wie zum Beispiel Motorsägen oder Presslufthammer.

Auch eine medikamentöse Therapie des Raynaud Syndrom steht zur Verfügung. Hier helfen Nitrosalben und Nitrogel, welche beide eine Erweiterung der Gefäße herbeiführen, die sogenannte Vasodilatation.

Auch Calciumantagonisten (Antagonist = bewirkt das Gegenteil bzw. verhindert die eigentliche Wirkung fast gänzlich) und ACE-Hemmer (Medikament, das bei zu hohem Blutdruck (Hyertonie) eingesetzt wird) bringen ebenfalls eine deutliche Besserung.
Wegen den Nebenwirkungen ist allerdings bei Patienten mit niedrigem Blutdruck (Hypotonie) Vorsicht geboten.

Natürlich kann die Durchblutungsstörung auch durch homöopathische Medikamente behandelt werden. Lesen Sie hierzu weiter: Homöopathie bei Durchblutungsstörungen.

Raynaud-Syndrom und Stillen

Einer der häufigsten Gründe für ein frühzeitiges Abstillen bei Frauen sind starke Schmerzen beim Stillen.

Typische Ursachen hierfür können eine falsche Trinktechnik des Kindes, Allergien, Infektionen oder Ekzeme sein. In einigen Fällen kann jedoch auch ein Raynaud-Syndrom dahinterstecken, wie neue amerikanische Studien bewiesen haben. Diese zeigten, dass das Raynaud-Syndrom bei einem Viertel der Frauen mit Stillschmerz Ursache ihrer Beschwerden war. Eine Therapie mit Wärme und Kalziumkanalblockern (z.B. Nifedipin), welche auch Therapie der Wahl beim Raynaud-Syndrom darstellen, führte bei allen Frauen zu einer Beschwerdenreduktion, sodass sie ihre Kinder weiter stillen konnten.

Typische Symptome für ein Raynaud-Syndrom der Brustwarze sind u.a. vor allem auf Kälte extrem empfindlich reagierende Brustwarzen, ein starker, brennender Schmerz bei leichter Berührung oder Kälte; sowie kalkweiße, blasse Brustwarzen nach dem Stillen. Typischerweise kommt es nach Wärmeanlage zu einer Besserung der Beschwerden. Auch die regelmäßige Einnahme von Kalzium, Magnesium oder Kalziumkanalblockern, wie z.B. Nifedipin, kann zu Besserungen der Schmerzen führen.

Prophylaxe

Wie oben beschrieben sollte man versuchen Kälte zu meiden und die entsprechenden Vorkehrungen treffen.
Auch das Arbeiten mit vibrierenden Arbeitsgeräten sollte reduziert werden.
Außerdem sollte das Rauchen aufgegeben werden, da sich dadurch bekanntlich die Gefäße noch zusätzlich verengen, und regelmäßig Sport treiben.

Prognose

Die Prognose des primären Raynaud-Syndroms ist sehr günstig. Dies beruht darauf, da keine trophischen (auf die Versorgung mit Nährstoffen bezogene) Störungen auftreten, es kommt also nicht zum Absterben von Gewebe.

Beim sekundären Raynaud- Syndrom ist die Prognose an den Verlauf der Grunderkrankung gekoppelt.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.11.2018
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