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Vitamin D-Mangel

Definition

Von einem Vitamin-D-Mangel spricht man, wenn der physiologische Bedarf an Vitamin D nicht ausreichend gedeckt werden kann. Als Normwert wird ein Vitamin-D-Spiegel von 30 µg/l angenommen. Gerade in Deutschland liegen die Vitamin-D-Spiegel jedoch weit unter 20µg/l. Bei Werten zwischen 10-20µg/l spricht man von einem manifesten Vitamin-D-Mangel. Bei Werten <5µg/l von einem schwersten Vitamin-D-Mangel, der bei Kindern mit einer Rachitis, bei Erwachsenen mit einer Osteomalazie einhergeht.

Einleitung

Vitamin D ist das einzige Vitamin, welches der Körper selbst herstellen kann. Durch Sonnenstrahlen, v.a. durch UV-B-Strahlung, ist der menschliche Körper fähig eigenes Vitamin D zu produzieren. Da sich Vitamin D leider nur in sehr wenigen Nahrungsmitteln, wie z.B. in Lachs und Innereien findet, stellt das Sonnenlicht oft die einzige Möglichkeit dar, woher der Mensch sein Vitamin D erhalten kann. Daher ist es nicht verwunderlich, dass gerade in dunklen Wintermonaten bei vielen Menschen ein Vitamin D-Mangel vorliegt. Gerade bei Kindern kann dies zu verheerenden Störungen führen.
Auch Solariumbesuche, in denen vorwiegend UV-A-, statt UV-B-Strahlung verwendet wird, können den Vitamin-D-Bedarf nicht ausgleichen.

Es wird angenommen dass es weltweit ca 1 Milliarde Menschen gibt, die unter einem Vitamin-D-Mangel leiden. Nur Einwohner rund um die Äquatorgrenze weisen normale Vitamin-D-Spiegel auf. Dies liegt wahrscheinlich an der hohen Sonneneinstrahlung, die dort das ganze Jahr über herrscht. Durch einen starken Vitamin-D-Mangel kommt es zu einer Entmineralisierung der Knochen, wodurch es häufig zu Osteoporose kommt.
Folge einer Osteoporose sind brüchige, instabile Knochen, bei denen es folglich zu Knochenbrüchen (Frakturen) kommt. Vor allem Menschen in nördlichen Ländern wie Skandinavien und Kanada können, bedingt durch die weniger lange Sonneneinstrahlung, nur unzureichend viel Vitamin D bilden und leiden daher besonders häufig an Osteoporose und an den durch sie bedingten Knochenbrüchen. Eine Studie hat gezeigt, dass in Oslo und Stockholm auf 100.000 Frauen 3.500 Schenkelhalsfrakturen kamen. In Singapur waren es dagegen nur 300. Dies ist nur etwa ein Zehntel der Betroffenen in Skandinavien.

Ursachen

Häufigste Ursache für einen Vitamin-D-Mangel ist die zu geringe Aufnahme von Vitamin D aus der Nahrung, oder eine zu geringe Bildung von Vitamin D durch das Sonnenlicht. Dies tritt besonders in dunklen Herbst- und Wintermonaten auf.
Auch dunkelhäutige Menschen, die in Deutschland leben, sind besonders häufig von einem Vitamin-D-Mangel betroffen, da ihre dunkle Haut (viel Melatonin) die Bildung von Vitamin D verringert. Aus diesem Grund brauchen dunkelhäutige Menschen die 10-50-fache Menge mehr an UV-B-Strahlung als hellhäutige Menschen, um die selbe Menge an Vitamin D zu bilden. Ebenfalls von einem Vitamin-D-Mangel betroffen sind Menschen, die sich nur selten dem Sonnenlicht aussetzen (z.B. bettlägrige Patienten), oder Menschen, deren Haut aufgrund von verhüllender Kleidung (z.B. durch Burkas) nur wenig Sonnenlicht abbekommt.

Andere Ursachen für einen Vitamin-D-Mangel sind Verdauungs- und Aufnahmestörungen des Darms (Maldigestion, Malabsorption) im Rahmen verschiedener Erkrankungen wie Zöliakie und Sprue, Morbus Crohn oder Alkoholismus.
Nicht selten können auch Medikamente Ursache für einen Vitamin-D-Mangel sein. Typische Vertreter sind hierbei Schleifendiuretika (die u.a. eine vermehrte Ausscheidung von Calcium bewirken), Glukokortikoide oder Calcitonin.

Aber auch Nieren- oder Lebererkrankungen mit Nieren- und Leberversagen können, aufgrund einer unzulänglichen Vitamin-D-Bildung einen Vitamin-D-Mangel bewirken.

Auch während der Schwangerschaft ist ein Mehrbedarf an Vitamin D von Nöten, weswegen Mangelerscheinungen häufig sind. Diese müssen aber unbedingt ausgeglichen werden, um spätere Entwicklungsschäden des Ungeborenen zu vermeiden.

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Symptome

Symptome eines Vitamin-D-Mangels können vielzählig sein. Am häufigsten betreffen sie Knochen, Haare und Zähne. Aber auch das Nervensystem ist häufig von seinen Mangelerscheinungen betroffen.

Symptome bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen kann als Hauptsymptom eines Vitamin-D-Mangels die sogenannte Osteomalazie, eine Knochenerweichung mit anschließender Skelettverformung, entstehen oder eine Osteoporose (Knochenschwund), bei dem die Knochen langsam abgebaut und dadurch brüchig werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Osteoporose Symptome.

Zahlreiche Frakturen sind die Folge dieser Erkrankung. Andere Symptome für einen Vitamin-D-Mangel sind generelle Knochenschmerzen, psychische Auffälligkeiten wie Gereiztheit oder auch Antriebslosigkeit und Müdigkeit, verlangsamtes Denken und eine generell depressive Verstimmung.

Lesen Sie mehr zum Thema: Welche Rolle spielen Vitamine bei einer Depression?

Ferner sind auch Muskelschwächen, Muskelkrämpfe und eine Tetanie beschrieben. Die Tetanie beschreibt eine Übererregbarkeit von Nervenzellen, die durch einen Calcium-Mangel bedingt ist. Sie äußert sich in Form von Kribbelgefühlen, Parästhesien, wildem Grimassieren und plötzlichen, unwillkürlichen Muskelanspannungen. In schlimmen Fällen kann es sogar zu Herzrhythmusstörungen kommen. In Studien sind weiter auch eine erhöhte Anfälligkeit für bakterielle und virale Infekte (z.B. Erkältungen / Grippe) beschrieben, wie auch eine Zahnfleisch-Überentwicklung (auch Gingivahyperplasie genannt). Wichtige Warnsignale eines Vitamin-D-Mangels sind u.a. brüchige Nägel mit weißen Flecken im Nagelbett, sowie ein Haarausfall.

Symptome bei Kindern

Leitsymptom eines Vitamin-D-Mangels bei Kindern ist die weltweit bekannte Rachitis, eine Knochenmineralisierungsstörung, bei der es zur Bildung brüchiger, minderwertiger Knochen kommt, die sich mit zunehmendem Wachstum der Kinder anfangen zu verbiegen. Das vergleichbare Krankheitsbild bei Erwachsenen wird Osteomalazie genannt.

Typische Symptome einer Rachitis sind neben allgemeinen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Unruhe, Kopfschmerzen und einer erhöhten Reizbarkeit, v.a. Skelettveränderungen, die bereits ab dem 3. Lebensmonat auftreten können. Hierzu gehören u.a. eine Wirbelsäulenverkrümmung, die klassischen X- oder O-Beine (Genua valga oder vara), eine Eindellbarkeit des seitlichen Schädelknochens bei leichtem Fingerdruck (Kraniotabes), schlaffe Bauchmuskeln, die das klassische Bild eines „Froschbauchs“ generieren, sowie Muskelschwäche, Krampfanfälle und eine Neigung zur Tetanie (unwillkürliche starke Muskelanspannungen).

Andere typische Symptome eines Vitamin-D-Mangels sind eine verminderte Immunabwehr, wodurch es zu vermehrten Infekten kommt, verspäteter Zahndurchbruch mit Zahnschmelzdefekten und Karies, da gesunde Zähne, wie Knochen auch, von Vitamin-D abhängig sind.

  • Diagnose

Die Diagnose einer Rachitis bei Kindern wird meist durch eine gute Anamnese und eine klinische Untersuchung gestellt, der anschließend eine Röntgenaufnahme, sowie eine Blutabnahme folgt. Im Röntgenbild zeigen sich Rachitis-typische Veränderungen wie bspw. der „Rachitische Rosenkranz“, der für Knorpelauftreibungen an den Rippengrenzen steht. Bei einer Blutuntersuchung zeigen sich eine Erhöhung des Parathormons, eine Erniedrigung des 25-Hydroxyl-Calcitriols (aktive Form des Vitamin D) sowie eine Erhöhung der alkalischen Phosphatase, die signifikant für Störungen des Knochenstoffwechsels oder für Leber- und Gallengangserkrankungen ist.

  • Therapie

Therapie einer Rachitis bei Kindern wäre die hochdosierte Vitamin-D3-Gabe in Form von Tabletten für mehrere Wochen. Parallel sollte zur Prophylaxe eines plötzlichen Calcium-Mangels auch Calcium gegeben werden. Die Skelettveränderungen sind nach Vitamin D-Gabe in der Regel nach einigen Wochen rückläufig. Anschließend sollte aber auf eine ausreichende Sonnenlichtversorgung oder auf eine weitere Vitamin-D3-Gabe geachtet werden. Eine Rachitis ist in Deutschland heute zwar selten geworden, trotz allem gibt es jedoch immer wieder Kinder, die an einem starken Vitamin-D-Mangel erkranken. Dies betrifft häufig dunkelhäutige Kinder von Immigranten, die in ihrem Heimatland keine ausreichende Vitamin-D-Prophylaxe erhalten haben und die aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe unfähig sind in Deutschland genügend Vitamin D zu produzieren.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Rachitis.

Pathophysiologie - was geschieht bei Vitamin D-Mangel

Vitamin-D wird aus der Vorstufe Cholecalciferol gebildet, welches entweder über die Nahrung aufgenommen oder durch das Sonnenlicht gebildet wird. Dieses Cholecalciferol durchläuft anschließend mehrere Reaktionen in Leber und Niere bis es zum aktiven Vitamin D (oder auch Calcitriol genannt) geformt wird. In dieser Form bewirkt Vitamin D eine Erhöhung des Calciums im Blut, sowie eine Mineralisierung, also den Aufbau, der Knochen.
Fehlt aber Vitamin D, so kann Calcium (reaktionsbedingt) nur in geringen Mengen aus der Nahrung aufgenommen werden. Dies wiederum führt zu einem Calciummangel im Blut, der über verschiedene gegenregulatorische Mechanismen ausgeglichen werden muss. Hierfür schüttet der menschliche Körper in hohen Mengen das Parathormon aus, welches die Aufgabe besitzt „Calcium parat zu stellen“. Hierfür benutzt das Parathormon seine Fähigkeit Calcium aus dem Knochen heraus zu mobilisieren. Mit anderen Worten: der Knochen wird abgebaut, um das Gesamtcalcium im Blut aufrecht zu halten. Diese Erscheinung nennen Mediziner den sogenannten sekundären Hyperparathyreoidismus. Folge dieser Überregulation des Parathormons ist jedoch ein zunehmender Abbau des Knochens (Entmineralisierung), wodurch es zu dünnen, brüchigen Knochen und folglich Knochenbrüchen kommt. Um solch eine Wirkung zu verhindern, ist es wichtig genügend Vitamin D im Körper zu haben.

Folgen von Vitamin D-Mangel

Inzwischen gibt es viele Studien, die beweisen, dass ein Vitamin-D-Mangel zu verschiedenen Krankheiten führen kann.
Zu den typischen Folgen eines Vitamin-D-Mangels zählt man heute u.a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, diverse Krebserkrankungen und Immundefekte, die wiederum mit verschiedenen Autoimmunerkrankungen, wie Multipler Sklerose oder Diabetes Typ 1 einhergehen können.
Natürlich ist ein Vitamin-D-Mangel allein nicht Ursache dieser Erkrankungen, jedoch kann ein Mangel an Vitamin D an der Entstehung dieser Krankheiten mitbeteiligt sein. Studien haben gezeigt, dass Vitamin D einen entzündungshemmenden und gefäßschützenden Effekt hat, welcher Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert und auch vor Krebserkrankungen wie Darm-, Prostata- und Brustkrebs schützen kann.

Haarausfall durch Vitamin-D-Mangel

Ursachen für Haarausfall gibt es viele. Beispiele hierfür sind Schilddrüsenerkrankungen, Medikamentennebenwirkungen, Stress oder psychische Belastungen. Oft steckt jedoch auch ein Vitamin-D-Mangel dahinter. Um zu verstehen, wie ein Vitamin-D-Mangel das Wachstum der Haare beeinflusst, muss man den Haarwachstumszyklus verstehen.

Die drei Phasen dieses Zyklus' sind die: Anagen-, die Katagen- und die Telogenphase.
In der Katagenphase (oder auch Übergangsphase) stoppt das Haarwachstum, in der Telogenphase stirbt das Haar ab und fällt aus. Studien haben gezeigt, dass ein Vitamin-D-Mangel die einzelnen Phasen durcheinanderbringen kann. Folge ist, dass sich die einzelnen Phasen dabei nun variabel verlängern oder verkürzen können und die Telegonphase (Tod des Haars) beispielsweise eher einsetzt. Folge ist: Haarausfall.

Diagnostik

Um einen Vitamin-D-Mangel abzuklären, erfolgt eine Blutuntersuchung beim Arzt. Diese sollte unbedingt erfolgen, wenn bereits manifeste Anzeichen eines Vitamin-D-Mangels bestehen, oder wenn der Verdacht auf einen Vitamin-D-Mangel naheliegt. Dies ist beispielsweise bei Betroffenen notwendig, die eine verminderte Knochendichte aufweisen, einen erhöhten Verlust an Calcium und Vitamin D im Rahmen einer Dialyse haben, die Medikamente wie Barbiturate oder Schleifendiuretika einnehmen oder die aufgrund von Grunderkrankungen (Zöliakie, Sprue, M. Crohn) nur vermindert Calcium und Vitamin D über den Darm aufnehmen können.

Typische Befunde für einen Vitamin-D-Mangel wären hierbei: eine Erniedrigung des 25-Hydroxyl-Calcitriols (der aktiven Form des Vitamin D), eine Erhöhung des Parathormons (Gegenspieler zu Vitamin D) und eine Erhöhung der alkalischen Phosphatase, die in diesem Fall Störungen des Knochenstoffwechsels verdeutlicht. Besonders effektiv ist die Beurteilung eines Vitamin-D-Mangels in den Wintermonaten Januar bis April.

Therapie

Sollte letztlich ein Vitamin-D-Mangel festgestellt werden, so muss Vitamin D substituiert, d.h. dem Körper von außen (z.B. in Form von Tabletten) zugeführt werden. Nach den neuen Leitlinien sollten hierfür 8 Wochen lang 20.000 IE Vitamin D3 (z.B. Dekristol® Kapseln) 1 Mal wöchentlich eingenommen werden.

Wenn danach die Vitamin-D-Spiegel noch immer unter der Normgrenze liegen, so sollte die Therapie für weitere 8 Wochen fortgeführt werden. Falls danach noch immer keine Besserung eingetreten sein sollte, so sollte Vitamin D3 dauerhaft alle 2-3 Wochen eingenommen werden. Eine andere Möglichkeit wäre auf eine ausreichende Sonnenlichteinstrahlung zu achten und Vitamin D in niedriger Dosierung zusätzlich einzunehmen.

Prophylaxe

Von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (DGKJ) wird Kindern in den ersten zwölf Lebensmonaten, unabhängig von der Sonnenlichteinstrahlung und Vitamin-D-Zufuhr in der Muttermilch, die tägliche Gabe einer Vitamin-D-Tablette (10-12,5µg = 400-500 IE) ab dem Ende der ersten Lebenswoche bis zum Ende des ersten Lebensjahrs als Prophylaxe empfohlen. Diese Prophylaxe kann auch in den Wintermonaten im 2. Lebensjahr fortgeführt werden. Nach dem vollendeten 2. Lebensjahr ist keine weitere Prophylaxe notwendig.

Erwachsenen mit mangelnder Sonnenlichtexposition wird grundsätzlich (und besonders im Winter) eine Vitamin-D-Gabe von 800 bis 1000 IE alle 2-3 Wochen empfohlen.
Schwangeren und stillenden Frauen wird eine Vitamin-D-Gabe von 1000-2000 IE alle 2 Wochen empfohlen.

Allerdings muss hier angemerkt werden, dass sich die Wissenschaft immer noch schwer damit tut, sich auf die genauen Mengen bzw. Dosen zu einigen, die nötig sind, um gesundheitlich wirksam zu sein. So sprechen sich manche Forscher auf dem Gebiet von Vitamin D zu einer täglichen Dosierung von bis zu 5000 IE im Winter aus.

Für eine individuelle, richtige Dosierung sollte jedoch vor einer selbstständigen Vitamin-D-Einnahme stets Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden.

Weitere Informationen zum Thema "Vitamin D-Mangel"

Weitere allgemeine Informationen:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.01.2019
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