Folgen Sie uns auf:


Zöliakie

Synonyme im weiteren Sinne

Glutensensitive Enteropathie, einheimische Sprue, Glutenunverträglichkeit
Alternative Schreibweise: Zoeliakie

Epidemiologie / Häufigkeit

In Europa ist ca. 1 von 500 Einwohnern an Zöliakie erkrankt. Frauen sind häufiger als Männer betroffen.

Die Krankheit tritt zumeist erstmals im Kindesalter auf (=Erstmanifestation); erkranken Erwachsene an Zoeliakie, geschieht dies meist im 3. und 4. Lebensjahrzehnt.

Die Glutenunverträglichkeit bleibt lebenslang bestehen, nur die sogenannte transiente (=vorübergehende) Zoeliakie-Form des Kindesalters kann sich zurückbilden.

10-15% der Verwandten von Zöliakie-Betroffenen erkranken bzw. sind ebenfalls an einer Glutenunverträglichkeit erkrankt.

Einige Krankheiten treten gehäuft mit der Glutenunverträglichkeit auf, wie z.B. das Ulrich-Turner-Syndrom, die Trisomie 21, der Diabetes mellitus Typ I oder Autoimmunerkrankungen.

Definition

Die Zoeliakie ist eine Unverträglichkeitsreaktion des Körpers auf Gluten und äußert sich als Störung der Verdauung (=Digestion) und der Aufnahme (=Absorption) der Nahrungsbestandteile aus dem Dünndarm (=Duodenum). Die Störung der Digestion und Absorption wird zusammenfassend als Malassimilation bezeichnet.
Die Patienten mit Zoeliakie weisen eine Gluten-Unverträglichkeit bzw. –Überempfindlichkeit auf. Gluten ist ein Getreideprotein, ein Klebeprotein, das in:

  • Weizen
  • Gerste
  • Roggen
  • Hafer
  • Dinkel oder
  • Grünkern enthalten ist.

Nehmen die Erkrankten Gluten zu sich, leiden sie an Durchfällen, Malabsorption (=gestörte Aufnahme von Nahrungsbestandteilen) und Gewichtsverlust auf Grund einer Dünndarmschleimhautschädigung:
Die Schleimhaut des oberen Dünndarms wird umgeformt, die für die Aufnahme der Nahrungsbestandteile wichtigen Dünndarmzotten bilden sich zurück und die Tiefe der Krypten (=schlauchförmige Einsenkungen der Schleimhaut, zwischen den Zotten befindlich) nimmt zu.
Auf mikroskopischer Ebene gleicht der veränderte Dünndarm nun dem Bild des Dickdarms (=Kolon), weshalb man bei Zoeliakie von einer Kolonisation der Dünndarmschleimhaut spricht.

Ursache / Entstehung

Die Glutenunverträglichkeit ist eine Erkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper (Abwehrstoffe) gegen Bestandteile des eigenen Körper produziert (=Autoimmunantikörper).
Im Fall der Zöliakie liegen Antikörper gegen die Gewebsglutaminase vor, ein Enzym (Eiweiß), das Bestandteil vieler Körperzellen ist.

Die Reaktion der Autoantikörper mit Gliadin, einem Bestandteil von Gluten, bedingt die Aktivierung des Immunsystems, so dass Entzündungszellen in die Dünndarmschleimhaut einwandern und dort eine Entzündungsreaktion aufrechterhalten.

Die Dünndarmzotten, feine Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut, die der Nährstoffaufnahme aus dem Dünndarm dienen, gehen unter (=atrophieren).
Somit ist die Aufnahme der Nahrungsbestandteile aus dem Darm ins Blut ist nicht mehr möglich bzw. stark eingeschränkt.

Symptome der Zöliakie

Im Vordergrund der Symptome bei Glutenunverträglichkeit/ Zöliakie stehen Störungen des Allgemeinbefindens, ein verändertes Stuhlverhalten und eine (meist schmerzhafte) Blähung des Bauches (=Meteorismus).

Die Patienten fühlen sich krank, sind nur eingeschränkt leistungsfähig und zum Teil sehr übellaunig. Sie sind geschwächt und verlieren an Gewicht.
Der Stuhlgang hat eine breiige Konsistenz, riecht übel und fällt in großen Mengen an.
Der Bauch der Patienten ist gebläht, da die Verdauung von Zuckern (=Kohlenhydraten) beeinträchtigt ist.
Die Patienten mit einer Zöliakie haben oftmals Bauchschmerzen und Flatulenzen (Blähungen) sind häufig.

Kinder und Zöliakie

Die Erkrankung fällt im Kindesalter in der Regel im ersten Lebensjahr auf, wenn der Übergang von der Ernährung mit Muttermilch, welche glutenfrei ist, zur Formularnahrung erfolgt, die Gluten enthält.

Die kleinen Patienten sind oft übellaunig, haben eine verhärtete Miene und leiden an Durchfall, außerdem verlieren sie an Gewicht, was sich in einem sogenannten „Perzentilenknick“ deutlich macht:
Die Kinder entwickeln sich im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern schlechter, was sich in einem Rückstand ihres Gewichtes und eventuell auch der Körpergröße zu den Gleichaltrigen zeigt.

Diagnose Zöliakie

Zur Diagnose der Zoeliakie wird eine Blutprobe auf das Vorhandensein von verschiedenen Antikörpern überprüft.
Ein positiver Test auf Gliadin-IgA-Antikörper (=Antikörper gegen Gliadin), Endomysium-IgA-Antikörper (=Antikörper gegen Muskelbestandteile) und auf Gewebsglutaminase-IgA-Antikörper (=Antikörper gegen das Enzym Gewebsglutaminase der Körperzellen), welcher der für die Sprue typischste und daher spezifischste Antikörper ist, bedeutet, dass diese Antikörper vorliegen.
Außerdem muss zur Diagnosesicherung eine Gewebeprobe (=Biopsie) aus dem Dünndarm entnommen und untersucht werden.
Spezielle Zellveränderungen in der Gewebeprobe deuten auf eine Zoeliakie hin:
In der mikroskopischen Untersuchungen zeigen sich eine Reduzierung der Dünndarmzotten und eine Infiltration der Schleimhaut mit Entzündungszellen (Lymphozyten und Plasmazellen).
Ein weiteres diagnostisches Kriterium ist die Besserung der Symptome sowie der Abfall der Autoantikörper-Werte im Blut unter glutenfreier Diäten.

Hinweis Diagnosestellung

Treffen die diagnostischen Kriterien

  1. des positiven Antikörper-Tests,
  2. einer krankhaft veränderte Dünndarmschleimhaut sowie einer
  3. Besserung unter Diät

für den Patienten zu, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Glutenunverträglichkeit vor.


Symptome, die aus der gestörten Nähr- und Mineralstoffaufnahme resultieren, sind des Weiteren ein

Therapie

Für die Zöliakie existiert keine kausale (die Ursache beseitigende) Therapie.
Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber durch eine glutenfreie Diät, eine sogenannte Eliminationsdiät, gut therapierbar, so dass innerhalb von wenigen Wochen keine Beschwerden mehr auftreten. Diese Eliminationsdiät muss lebenslang eingehalten werden.

Zu den glutenfreien Nahrungsmitteln zählen:

  • Kartoffeln
  • Mais
  • Reis,
  • Hirse und
  • Soja.

Produkte, die aus Weizen, Hafer, Gerste, Roggen, Dinkel oder Grünkern hergestellt sind, sollten nicht konsumiert werden.

Liegt bei Kindern eine transiente, d.h. vorübergehende, Zöliakie vor, die sich wieder zurückbildet, ist nach einigen Jahren der Therapie die Wiederbelastung mit Gluten möglich. Dies kann erfolgen, wenn sich die Werte der Antikörper im Blut abgefallen sind, die als Parameter zur Betrachtung des Erkrankungsverlaufs dienen.

Komplikationen

Als Begleiterkrankung der Zöliakie, die auch auf die Veränderungen in der Dünndarmschleimhaut zurückzuführen sind, ist die Laktose-Intoleranz zu nennen. Sie bezeichnet einen Enzym-Mangel der Darmschleimhaut, welcher auf die Zoeliakie-typischen Veränderungen der Dünndarmschleimhaut zurückzuführen sind:
Das Enzym Laktase spaltet in den Dünndarmschleimhautzellen Zweifachzucker zu Einfachzuckern auf. Nur in Form der Einfachzucker können Kohlenhydrate vom Körper aufgenommen werden. Fehlt es der Schleimhaut an Laktase, so werden Kohlenhydrate nicht resorbiert. Die Patienten mit Zöliakie sollten deshalb bis zur Regeneration der Dünndarmschleimhaut auf den Konsum von Milchzucker verzichten.

Prognose und Verlauf

Patienten mit Zoeliakie sollten eine glutenfreie Diät einhalten, da sich ansonsten ihr Risiko für die Entwicklung eines bösartigen Lymphoms (=malignes Lymphom) erhöht. Dies ist eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems.

Prophylaxe

Da es sich bei der Zoeliakie um eine Autoimmunerkrankung handelt, ist keine Prophylaxe möglich.

--> Weiter zum Thema Ernährung bei Zöliakie

Weitergehende Informationen

Weitere interessante Informationen zu Darmerkrankungen erhalten Sie unter:

Alle Themen, die zum Bereich Innere Medizin veröffentlicht wurden, finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.10.2018
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Webseiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: