Morbus Crohn


Synonyme im weiteren Sinne

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung.

Medizinisch: Enteritis regionalis, Ileitis regionalis

Englisch: Crohn`s disease, regional enteritis

Häufige Tippfehler: Morbus Cron, Morbus Chron

Definition Morbus Crohn

Unter dem Begriff Morbus Crohn (Morbus = Krankheit, Crohn = war der Erstbeschreiber dieser Erkrankung) versteht man eine chronisch- entzündliche Darmerkrankung, die diskontinuierlich (das bedeutet Abschnitthaft) alle Teile des Magendarmtraktes (Gastrointestinaltraktes) betreffen kann.

Häufigkeit / Epidemiologie

Vorkommen in der Bevölkerung
Der Morbus Crohn ist auf der gesamten Welt und bei allen Rassen zu beobachten. Immer mehr Menschen erkranken jährlich daran. Menschen zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr sind am häufigsten betroffen.

Die Krankheit Morbus Crohn

Der Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt befallen - von der Speiseröhre (Ösophagus) bis zum Mastdarm (Rektum).
Die einzelnen Abschnitte sind jedoch unterschiedlich oft betroffen:

  • Speiseröhre ca. 0,5%
  • Magen ca. 6%,
  • Zwölffingerdarm (Duodenum) ca. 5%
  • Dünndarm (Ileum) ca. 3%
  • letzte Dünndarmschlinge ca. 88%
  • Dickdarm (Colon) ca. 70%
  • Mastdarm (Rektum) ca. 20%.

Die Entzündung durchsetzt alle Wandschichten des Verdauungstraktes und kommt meist in Schüben. Der akute Schub ist unter anderem gekennzeichnet durch verdickte Darmwände.
Die Ausbreitung des Krankheitsbildes in Dünn- und Dickdarm ist meist diskontinuierlich (sog. „skip lesions“). Endoskopisch (z. Bsp. bei der Darmspiegelung) lässt sich typischerweise ein sog. Pflastersteinrelief der Darmschleimhaut erkennen.


Ursachen Morbus Crohn

Die Ursache des Morbus Crohn ist noch nicht eindeutig geklärt. Mehrere Faktoren werden diskutiert:

  • familiäre Disposition
  • genetische Ursachen
  • infektiöse Ursachen oder
  • immunologische Ursachen.

Die eintretende Besserung unter Corticoiden (Cortison) spricht für eine immunologische, d.h. vom Abwehrsystem des Körpers ausgehende, Genese, wie man es bei allen Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis findet.
Corticoide unterdrücken das körpereigene Abwehrsystem (Immunsuppression). Bei manchen Patienten ist auch eine Besserung bei Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel zu beobachten. Möglicherweise spielen hier Allergien eine Rolle.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Diagnose eines Morbus Crohn

Beschwerden/ Symptome

Die Symptome des Morbus Crohn sind abhängig von den unterschiedlichen Stadien und Manifestationen. Sie werden durch die Lokalisation, die Ausdehnung und die Aktivität des Entzündungsprozesses bedingt. Auch die Auswirkungen auf die Nachbarorgane kann eine Rolle spielen. Typische Symptome sind Müdigkeit, Gewichtsverlust, Schmerzen im rechten Unterbauch und Durchfälle. Ebenso können Übelkeit, Erbrechen und Fieber bestehen.

Der Morbus Crohn kann hinsichtlich der Symptomatik oft nicht ganz klar von der Colitis ulcerosa unterschieden werden. Auch die Blinddarmentzündung (Appendizitis) kann damit verwechselt werden.

Außer den Symptomen, die sich direkt auf den Darm beziehen, gibt es auch noch sog. extraintestinale Manifestaionen – also eine Symptomatik unabhängig vom Verdauungstrakt. Auf der Haut kann es zu Ausschlägen kommen, es können sich Gallensteine bilden und es kann zu Leberveränderungen kommen.

--> Lesen Sie mehr zum Thema Morbus Crohn Symptome

Diagnose

Maßgebend sind vor allem der Ultraschall (Sonographie) und die Darmspiegelung (Kolo- Ileoskopie).
Im Ultraschall kann man Darmwandverdickungen, Darmerweiterungen vor der evtl. Verengung, sowie Fisteln erkennen.
Bei einer Darmspiegelung fällt das sogenannte Pflastersteinrelief der Darmschleimhaut auf. Komplikationen wie Fisteln (Erklärung siehe unten), Ulcera (Schleimhautgeschwüre) oder Stenosen (Engstellen durch Narbenbildung) sind auch darstellbar.
Die Laborwerte ergeben sich im Rahmen der Entzündungszeichen folgende Ergebnisse:

  • BSG - Beschleunigung (Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht)
  • Erhöhung des CRP (C- reaktives Protein; Entzündungsparameter: je höher der Wert, desto stärker die Entzündung; es lässt jedoch nicht auf die Art der Entzündung schließen.)
  • sowie eine erhöhte Anzahl von Leuko- und Thrombozyten (weiße Blutkörperchen und Blutplättchen).

Da die Darmfunktion beim Morbus Crohn gestört ist, können lebenswichtige Vitamine und Spurenelemente schlecht resorbiert werden.
Folgende Konstellationen wären denkbar:

  • Vitamin- B12 erniedrigt
  • Calcium erniedrigt
  • Magnesium erniedrigt
  • Eisen erniedrigt
  • Vitamin A und D erniedrigt

Zum Ausschluss einer erregerbedingten Darmentzündung werden auch Stuhlproben auf Keime untersucht.

Teilweise wird auch eine MRT nach Sellink Technik durchgeführt. Hierbei handelt es sich um ein MRT vom Bauch mit Kontrastmittel wodurch entzündliche Veränderungen an der Darmschleimhaut sichtbar gemacht werden können.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Untersuchungsmethode nach Sellink

Komplikationen

Folgende Komplikationen können bei einem Morbus Crohn auftreten:

  • mechanischer Darmverschluss (Ileus):
    Einengungen des Darmlumens (Darmröhre) sind im Anfangsstadium meist entzündlich, später fibrös (durch Bindegewebsverwachsungen) bedingt.
  • Fisteln:
    pathologische Verbindungen z. Bsp. zwischen zwei Darmschlingen (enteroenterisch), zwischen Darmschlingen und der Harnblase (enterovesikal) oder der Scheide (enterovaginal); Fisteln sind die häufigste Komplikation des Morbus Crohn.
    Lesen Sie mehr zum Thema: Fistel
  • Blutabgänge (Blut im Stuhl lässt sich an der Konsistenz und Farbe erkennen: sogenannter Teerstuhl):
    lassen an Dickdarm - oder Rektumbeteiligung (Enddarm) denken, da sie bei Dünndarmbefall sehr selten sind.
    Lesen Sie mehr zum Thema: Blut im Stuhl
  • Perforation (die Entzündung der Darmwand verursacht einen Durchbruch und sowohl Luft, als auch Stuhl kann in den Bauchraum gelangen):
    kann im Röntgenbild durch freie Luft in der Übersichtaufnahme des Bauches (Abdomenübersicht) nachgewiesen werden
  • Malignomrisiko:
    Das Risiko für Dünndarmkrebs (Dünndarmkarzinom) ist deutlich erhöht, während das Risiko für Dickdarmkrebs kaum erhöht ist.
    Lesen Sie mehr zum Thema: Dünndarmkrebs und Dickdarmkrebs

Prophylaxe

Für das Krankheitsbild des Morbus Crohn gibt es leider keine Prophylaxe, da die Ursache(n) noch nicht genügend erforscht bzw. noch nicht gesichert sind.
Es sollte allerdings versucht werden die Schübe zu minimieren, indem man auf die Ernährung achtet. Lebensmittel, die schlecht vertragen werden, sollten demnach vermieden werden.
Auch auf das Rauchen sollte verzichtet werden. Gänzlich vermeiden kann man die Schübe nicht.
Man kann sie nur versuchen einzudämmen, wenn sie einmal auftreten.

Prognose

Eine Heilung des Morbus Crohn ist bis heute nicht möglich.
Es wird versucht die Schübe medikamentös unter Kontrolle zu bringen. Es ist allerdings bewiesen, dass Morbus Crohn – Patienten, im Vergleich zur gesunden Normalbevölkerung, einen deutlich erhöhtes Risiko haben, an Dünndarmkrebs zu erkranken, daher sollten hier regelmäßige Kontrollen erfolgen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Dünndarmkrebs

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.02.2017
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