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Dünndarmkrebs

Einleitung

Der menschliche Darm ist etwa 5 Meter lang und wird in mehrere Abschnitte unterteilt.

Jeder Teil hat eine andere Aufgabe. Der Dünndarm, welcher auf lateinisch Intestinum tenue heißt, wird nochmals in 3 Abschnitte unterteilt, den Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum).
Er ist der längste Teil des menschlichen Darms und ist hauptsächliche für die Spaltung der Nahrung verantwortlich.

In allen von diesen drei Abschnitten kann sich aus dem Gewebe ein Tumor bilden.

Dünndarmkrebs gehört im Bereich des Magen-Darm Traktes zu den seltenen Tumorerkrankungen und betrifft fast immer das Drüsengewebe, also die Schleimhaut. Man nennt diese Art von Tumoren Adenokarzinome.

Häufigkeit

Grundsätzlich ist der Darmkrebs eine sehr häufige Krebsart.

Dennoch erkranken die meisten Menschen an Dickdarmkrebs und nicht an Dünndarmkrebs.
Man vermutet, dass der Dünndarmkrebs deshalb seltener vorkommt, da sich die Nahrung kürzer in diesem Darmabschnitt befindet.

Da die Vermutung besteht, dass schlechte Inhaltsstoffe in der Nahrung mitverantwortlich sein können für die Entstehung des Dünndarmkrebs, ist die Verweildauer der Speisen von großer Bedeutung.

Dünndarmkrebsarten

Beim Dünndarmkrebs muss allgemein zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren unterschieden werden.

Gutartiger Dünndarmkrebs kann sich in vielen verschiedenen Arten äußern. Hierzu gehören zum Beispiel das Adenom (aus der Schleimhaut entstehend), das Fibrom (aus dem Bindegewebe entstehend), das Lipom (aus dem Fettgewebe entstehend) oder das Leiomyom (aus der Muskulatur entstehend).

Bösartiger Dünndarmkrebs kann sich als Karzinom (aus dem Schleimhaut entstehend), als Sarkom (aus Muskel- oder Bindegewebe entstehend) oder als Lymphom (aus Lymphgewebe entstehend) äußern.

Ursache

Die genaue Ursache für das Dünndarmkarzinom ist nicht geklärt.
Es gibt aber einige Faktoren, die die Entstehung des Tumors begünstigen.

Es wird einerseits vermutet, dass schädliche Nahrungsmittel für die Krankheit verantwortlich sind, oder aber auch bestimmte Krankheiten ein Karzinom im Dünndarm begünstigen können.

Dazu zählen Morbus Crohn, Polypen und auch gutartige Wucherungen, die sich überall im Darmbereich befinden, können entarten.
Entarten bedeutet, dass die Zellen nicht mehr absterben, sondern sich immer weiter vermehren.

Ein Grund warum Dickdarmtumoren deutlich häufiger vorkommen als Dünndarmtumoren liegt darin, dass die Nahrung sich meist deutlich länger im Dick- als im Dünndarm befindet.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Was sind die Ursachen von Darmkrebs? oder Lynch-Syndrom

Symptome

Wie bei den meisten anderen Krebsarten im Darmbereich (Enterologischen Bereich), hat man kaum frühzeitige Symptome.
Dies bedeutet, dass die Erkrankung meist entweder im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung zufällig entdeckt wird, oder der Krebs schon sehr weit fortgeschritten ist, wenn man ihn entdeckt.

Die typischen Symptome sind ähnlich wie bei Tumorerkrankungen in den anderen Darmabschnitten. Meist sind die typischen Symptome Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, veränderter Stuhl und veränderte Stuhlgewohnheiten, die Patienten über einen längeren Zeitraum quälen.

Bei einer weiter fortgeschrittenen Erkrankung kommen oftmals Koliken und auch Blutungen dazu. Blutungen manifestieren sich oft im Stuhl.

Lesen Sie mehr zu: Blut im Stuhl - Das sind die Ursachen!

Falls eine Metastasierung in andere Organe besteht, können zu den Beschwerden im Darmbereich noch viele weitere Symptome dazukommen, welche andere Organe betreffen.

In sehr schlimmen Fällen, kann ein Tumor, der sich weit im Darm ausgebreitet hat und das gesamte Darmrohr einnimmt zu einem Darmverschluss führen.
Dieser muss sofort behandelt werden, da dies lebensbedrohlich ist.

Wie bei vielen Krebserkrankung, kommt es auch bei dieser oft zu einem enormen Gewichtsverlust in kurzer Zeit. Der Tumor selbst braucht enorme Mengen an Energie, vor allem in einem fortgeschrittenen Stadium und nimmt somit dem Körper die Reserven langsam weg.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Stadien von Darmkrebs und ihre Prognose

Zöliakie

Im Rahmen der Erkrankung an Dünndarmkrebs kann es zur Zöliakie, also der Unverträglichkeit von glutenhaltigen Nahrungsmitteln kommen.
Grund hierfür ist die durch den Tumor hervorgerufene Veränderung der Dünndarmschleimhaut. Dadurch verändert sich die Struktur der Oberfläche und der Transporter und Rezeptoren, die an der Aufnahme und Resorption bestimmter Nahrungsbestandteile beteiligt sind.

Umgekehrt sind vereinzelt auch Fälle aufgetreten bei denen eine Zöliakie Dünndarmkrebs verursacht hat. Dies ist jedoch sehr selten und nicht als typische Folge einer Glutenunverträglichkeit zu erwarten.

Therapie

Zur Behandlung des Dünndarmkrebses werden verschiedene Therapieoptionen genutzt.

Operation

Die wichtigste Therapieform beim Dünndarmkrebs ist wie bei allen anderen Darmkrebsarten die Operation. Diese Form der Therapie ist oft kurativ.
Dies bedeutet, dass die Therapie auf eine Heilung abzielt.

Leider ist eine Operation oft wegen der fortgeschrittenen Erkrankung nicht mehr möglich, oder nicht mehr kurativ. Es werden manchmal Metastasen entfernt oder der Tumor zumindest verkleinert.
Ob eine Operation möglich und zielführend ist, hängt auch davon ab, wo sich der Tumor befindet.

In manchen Fällen hat sich dieser nämlich an Stellen angesiedelt, an denen nicht operiert werden kann, da beispielsweise andere Organe durch den Eingriff gefährdet wären.
Diese Entscheidung treffen aber immer die behandelnden Ärzte.

Sind die Patienten schon sehr alt oder durch die Erkrankung stark geschwächt ist ebenso meist keine Operation möglich, da diese den Zustand des Patienten weiter negativ beeinflussen kann.

Chemotherapie

Ebenso wichtig ist die Chemotherapie. Diese wird bei den meisten Krebsarten eingesetzt.

Oft wird durch eine Chemotherapie der Tumor verkleinert, sodass er danach operabel ist, oder die Symptome gelindert werden können. Außerdem können durch die Therapie Metastasen entfernt oder verkleinert werden.
Die Chemotherapie ist eine Medikamententherapie, welche vorwiegend Zellen des Körpers angreift, die sich schnell teilen, da sich Krebszellen ebenso äußerst schnell vermehren.
Die Chemotherapie kann stationär oder auch ambulant verabreicht werden.

Da auch zahlreiche andere, gesunde Zellen im Körper sehr stark teilbar sind, haben die Patienten meist viele Nebenwirkungen, die das Leben oft schwer machen.
Meistens werden über Magen-Darmbeschwerden geklagt, sowie Müdigkeit, Haarausfall und brüchige Finger- und Fußnägel.
Die Zellen des Magen-Darm-Trakts und die roten Blutkörperchen teilen sich sehr oft und werden deshalb auch angegriffen. Auch, wenn vor allem die Übelkeit und die Verdauungsstörungen das Leben nicht einfach machen, so sind es auch die fehlenden Haare, die oft eine enorme psychische Belastung hervorrufen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Chemotherapie bei Darmkrebs

Strahlentherapie

Eine weitere sehr oft eingesetzte Therapie ist die Strahlentherapie.
Es wird hierbei ionisierende Strahlung verwendet, die gezielt jene Zellen eliminiert, welche bestrahlt werden. Auch durch die Strahlentherapie werden Tumore oft verkleinert oder kleinere Wuchse zerstört.

Lesen Sie mehr zum Thema: Strahlentherapie

Auch nach dieser Art der Therapie ist in manchen Fällen, nach Verkleinerung des Tumors, eine Operation möglich.

Diagnose

Die Diagnose von Dünndarmkrebs erfolgt in vielen Fällen erst sehr spät, also wenn der Krebs schon in einem fortgeschrittenen Stadium ist, da Symptome, beziehungsweise charakteristische Symptome meist erst spät auftreten und die gängigen Untersuchungsmethoden wie Endoskopie und Sonografie (Ultraschall) im Anfangsstadium oft keine veränderten Bereiche im Darm erkennen lassen.

Erst später greift man zu aufschlussreicheren Untersuchungsmethoden wie Magnetresonanztomographie und Computertomografie, sowie Röntgen.
Auch die anfangs genannten Untersuchungsmethoden können in einem fortgeschrittenen Stadium Tumore erkennbar machen.

Die sicherste Untersuchungsmethode ist aber die Computertomographie und eine Biopsie und Untersuchung des bösartigen Gewebes.
Nur so kann man auch auf die Art des Tumors schließen. Zu den genannten Untersuchungsmethoden kommen noch Blutuntersuchungen und Untersuchungen des Stuhls sowie Anamnese und weitere körperliche Untersuchungen hinzu.

Vor allem anfangs wird der komplette Körper untersucht, um den Krebs in das passende Stadium einzuteilen und die passende Therapie wählen zu können. Außerdem müssen Tochtergeschwülste ebenso behandelt werden wie die Primärtumore.

Früherkennung

Der Darmkrebs generell wird meist erst sehr spät erkannt, da die anfänglichen Symptome sehr diffus sind und nicht explizit auf eine schwere Erkrankung hinweisen.

Meist sind es typische Anzeichen einer Magen-Darm-Grippe, die anfänglich mit einem Tumor im Darmbereich einher gehen. Die wenigsten Patienten gehen nur aufgrund dieser Symptome direkt zu einer entsprechenden Untersuchung.

Meist wird der Krebs erst in einem späten Stadium erkannt und dadurch werden die Überlebenschancen zum Teil stark gemindert. Manche Erkrankungen werden auch durch Zufall entdeckt, da sich der Patient zum „richtigen“ Zeitpunkt einer Vorsorgeuntersuchung unterzieht.

MRT vom Bauch

Durch die Magnetresonanztomographie ist es möglich, Organe oder andere Weichteile des Körpers, wie auch Muskeln sichtbar zu machen.
Die Magnetresonanztomographie hat den Vorteil gegenüber Röntgen oder der Computertomographie, dass diese Untersuchungsmethode gänzlich ungefährlich für den Körper ist.

Beim MRT werden Magnetfelder und elektromagnetische Strahlung verwendet, die es möglich macht, Schnittbilder des Körpers anzufertigen. Da das Gerät für diese Untersuchung den Körper komplett umschließt (Röhrenform) und auch der Kopf rundum umschlossen werden kann, erhält man nach Wunsch Bilder von allen Ebenen des Körpers und auch von allen Seiten.

So ist es möglich, Bilder von nahezu allen inneren Strukturen zu erstellen. Lediglich Knochen und auch die Lungen lassen sich nicht so gut darstellen, da sie im Vergleich eher wenig Wasser beinhalten, was aufgrund der Technik weniger gute Auflösungen liefert.

Bei der Untersuchung selbst wird der Patient, je nach dem welcher Körperbereich untersucht werden muss, ganz oder nur teilweise in die Röhre geschoben.
Die Untersuchung dauert relativ lange und hängt ganz von der zu untersuchenden Struktur ab.

Der einzige Nachteil des MRT-Geräts ist die Lautstärke. Es macht zum Teil sehr laute Geräusche, welche einen Schutz der Ohren des Patienten mittels Kopfhörern nötig macht.

Außerdem gibt es die Möglichkeit auf einen Knopf zu drücken, sollte man Platzangst bekommen, oder andere Beschwerden entstehen.
Über diesen „Not“-Knopf ist man direkt mit einer medizinischen Fachperson verbunden, die direkt die Untersuchung abbrechen kann.

Da der Dünndarm ein Teil des Körpers ist, der über sehr viel Wasser enthält, kann er durch die Magnetresonanztomographie sehr gut dargestellt werden und auffällige Bereiche erkannt werden.

Die MRT-Untersuchung wird vorwiegend für die Erkennung von Metastasen herangezogen, außerdem wird sie oft verwendet, um einen Eingriff, also eine Operation möglichst präzise planen zu können.

Lesen Sie mehr zum Thema: MRT vom Bauch

Prognose

Die Prognose hängt, genau wie die Überlebenszeit von dem Zeitpunkt der Entdeckung der Erkrankung ab. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser ist die Prognose.

Metastasierug

In fortgeschritteneren Stadien kommt es bei Dünndarmkrebs zur Metastasierung, also Verschleppung des tumorösen Gewebes an andere Stellen im Körper.
Die Metastasen können sowohl im Dünndarm selbst als auch in anderen Organen auftreten. Der Prozess der Metastasierung kann prinzipiell sowohl über die Lymphwege (lymphogen) als auch über die Gefäße (hämatogen). Im Dünndarm ist abhängig von der Lokalisation beides möglich.

Ein häufiges Organ, in dem Metastasen bereits bei der Diagnose vorliegen, ist die Leber. Dies ist durch die räumliche Nähe erklärbar. Eine weitere häufig auftretende Lokalisation für Metastasen bei Dünndarmkrebs sind weitere Organe des gastrointestinalen Systems, wie z.B. der Magen. Die Bauchspeicheldrüse ist durch ihre räumliche Nähe ebenfalls gehäuft von Metastasen betroffen.

Wie sieht Dünndarmkrebs im Endstadium aus?

Im Endstadium bestehen beim Dünndarmkrebs meist sehr viele tumoröse Wucherungen im Bauchraum, die einen Großteil des Darms befallen. Dadurch kommt es zu vermehrt auftretenden Passagestörungen der Nahrung im Darm. Dies äußert sich bei einem fortschreitenden Verlauf oftmals auch in einem lebensbedrohlichen Darmveschluss (Ileus), der operativ schnellstmöglich behandelt werden muss, da sonst eine Darmruptur als Folge zu erwarten ist.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Darmkrebs im Endstadium

Überlebenschancen

Die Überlebenschancen hängen ganz vom Zeitpunkt der Entdeckung des Primärtumors im Dünndarm ab. Außerdem spielen weitere Faktoren wie das Alter und der allgemeine Zustand des Patienten eine große Rolle für den weiteren Verlauf der Erkrankung.

Auch die Lage des Tumors ist nicht unerheblich für die Chancen der Genesung.
Meist wird der Tumor sehr spät entdeckt, dies mindert die Überlebenschancen zum Teil gravierend.

Wird der Krebs sehr früh erkannt, können bis zu 90% der Erkrankungen wieder komplett geheilt werden. Haben sich aber Metastasen auf andere Organe und Lymphknoten ausgebreitet, so ist oftmals nur eine palliative Behandlung möglich – dies bedeutet, dass die Therapie auf keine Heilung mehr abzielt und abzielen kann, sondern die Beschwerden des Patienten gelindert werden und die Überlebenszeit möglicherweise verlängert werden kann.

Das Problem beim Dünndarmkrebs ist die niedrige Spezifität der Symptome.
Dadurch werden viele Dünndarmtumore leider erst in einem sehr späten Stadium erkannt und können nur noch eingeschränkt behandelt werden.
Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt daher lediglich bei ungefähr 20%, also leben 5 Jahre nach Diagnose des Dünndarmkrebses noch ca. 20% aller Patienten.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Lebenserwartung bei Darmkrebs

Prophylaxe

Niemand kann 100% sicher sein, niemals an Krebs zu erkranken.

Im Laufe des Lebens passieren viele „Fehler“ bei der Zellteilung, die später Wucherungen und unkontrolliertes Zellwachstum bedingen können.

Auch wenn der Körper über viele eigene Abwehrsysteme und Reparatursysteme verfügt, können nicht alle Fehler in der Zellteilung rückgängig gemacht werden.

Dennoch kann man zum Beispiel durch ausreichend Sport, Bewegung und auch durch eine ausgewogene und gesunde Ernährung, einer etwaigen Erkrankung vorbeugen oder zumindest das Risiko an einer solchen zu erkranken, mindern.

Man sollte auf übermäßigen Fleischkonsum verzichten, viel ballaststoffreiche Nahrung zu sich nehmen und auf Alkohol und Tabak möglichst verzichten.

Neben der richtigen und gesunden Lebensweise sind natürlich Vorsorgeuntersuchungen von großer Bedeutung. Es ist wichtig, den Körper regelmäßig durchchecken zu lassen, um Dünndarmkrebs in einem frühen Stadium zu entdecken.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Dünndarmkrebs

Eine Übersicht aller Informationen der inneren Medizin finden Sie unter Innere Medizin A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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