Durchblutungsstörungen am Finger

Unterscheidung

Oft verfärben sich die Finger bei kalten Temperaturen weiß, da es zu einer Gefäßengstellung kommt und die Finger schlecht mit Blut versorgt werden. Kommt es wieder zu einer Erwärmung der Finger, folgt eine Weitstellung der Gefäße und die Finger werden wieder rötlich.

Blaue Finger treten im Rahmen von mangelnder Sauerstoffversorgung auf. Kurzzeitig kann es im Rahmen des Raynaud-Syndroms zu einer Blaufärbung der Finger kommen. Zu einer langfristigen Blaufärbung kann es durch die sogenannte Akrozyanose kommen. Der im Wort enthaltene Begriff „Akren“ steht für „Körperenden“, was bedeutet, dass Finger, Zehen, Nasen und Ohren davon betroffen sein können. Im Gegensatz zum Raynaud-Syndrom, kommt es bei der Akrozyanose zu einem lang anhaltenden Gefäßkrampf (Vasospasmus). Die arteriellen Gefäße sind dabei verkrampft und die kleinen venösen Gefäße, die das Blut wieder zum Herzen zurückführen sind erweitert. Dadurch bleibt das sauerstoffarme Blut in den weiten venösen Gefäßen quasi stehen und es kommt zu einer Blaufärbung der Finger.

Häufig kommt es aufgrund von sehr kalten Außentemperaturen im Winter zu einem Taubheitsgefühl in den Fingern. Kommt man wieder ins Warme, legt sich die Symptomatik und die Finger fangen an zu pochen, und teilweise schmerzhaft an zu kribbeln. Das Taubheitsgefühl entsteht dadurch, dass sich bei Kälte die Gefäßmuskulatur zusammenzieht, und vor allem Körperregionen in der Peripherie wie Hände oder Füße, schlecht durchblutet werden. Dieser Prozess dient dazu, dass der Körperkern warm gehalten wird und nicht unnötig Wärme nach außen abgegeben wird.

Taubheitsgefühle können ebenfalls entstehen, wenn länger in einer meist unbequemen Position, häufig beim Schlafen, verharrt wird. Oft ist in diesen Positionen der Blutfluss eingeschränkt und ein Körperteil wird dadurch unterversorgt. Meist ist allerdings der Nerv Auslöser für das Taubheitsgefühl. Wenn durch die eingenommene Position ein erhöhter Druck auf den Nerven besteht. Durch Bewegungen der Gliedmaßen wird der Blutfluss wieder gefördert, beziehungsweise der Druck auf den Nerven entfernt und die Taubheitsgefühle verschwinden wieder.


Symptome

Ein typischer Symptomkomplex bei einer Durchblutungsstörung der Finger ist das sogenannte Raynaud-Syndrom. Bei diesem Syndrom kommt es ausgelöst durch Kälte, Stress oder auch Nässe zu einer Verkrampfung von kleinen Gefäßen und dadurch zu einer Durchblutungsstörung, die sich vor allem in den Fingern manifestiert. Daumen und Handfläche sind meist nicht davon betroffen. Die Finger werden zuerst kalt und blass beziehungsweise weiß. Anschließend verfärben sie sich aufgrund des mangelnden Sauerstoffbedarfs blau. Kommt es zu einer ausbleibenden Versorgung mit Sauerstoff fallen Stoffwechswelabbauprodukte an, wodurch sich vermutlich der Gefäßkrampf wieder löst und die Finger wieder durchblutet werden, es folgt eine Rotfärbung.

Kurzweilig kommt es zu einer übermäßigen Durchblutung, wodurch die Finger für eine Weile gerötet bleiben und teilweise auch jucken, brennen oder pochen. Diese Farbabfolge wird auch als Tricolore-Phänomen bezeichnet. Teilweise wird die Symptomatik von einem Kribbel- und Taubheitsgefühl und von Schmerzen begleitet. Typisch ist, dass beide Hände symmetrisch vom Raynaud-Syndrom betroffen sind. Ebenfalls charakteristisch ist die Anfallsartigkeit des Symptomkomplexes. Das Raynaud-Syndrom kann ohne erkennbare Ursache auftreten, dann wird es als primäres Raynaud-Syndrom bezeichnet. Kommt es im Rahmen von einer zu Grunde liegenden Erkrankungen wie Autoimmmunerkrankungen oder Kollagenosen, die zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zählen, vor, handelt es sich um ein sekundäres Raynaud-Syndrom.

Auch Medikamente können das Raynaud-Syndrom auslösen. Frauen sind von diesem Phänomen viermal häufiger betroffen als Männer. Häufig zeigen sich Durchblutungsstörungen auch durch kalte Hände, was vor allem vielen Frauen bekannt sein dürfte. Diese kalten Hände entstehen häufig durch einen zu niedrigen Blutdruck. Auch eine Herzschwäche kann der Auslöser für kalte Hände sein.

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Ursachen

Ursachen für eine Durchblutungsstörung der Finger sind vielfältig. Es kann sich dabei um eine Grunderkrankung wie einen zu niedrigen Blutdruck handeln oder um eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Auch eine zugrunde liegende Zuckererkrankung kann zu Gefäßablagerungen führen und somit die Durchblutung der Finger einschränken. Eine Arteriosklerose kann im Rahmen eines Nikotinkonsums auftreten, weshalb das Rauchen als Ursache für Durchblutungsstörungen auf jeden Fall zu nennen ist. Zusätzlich kommt es durch das Rauchen zu einer Entstellung der Gefäße und einer erhöhten Zähigkeit des Blutes, was die Durchblutung ebenfalls einschränkt. Ebenfalls die bereits aufgeführten Gefäßkrämpfe, wie beim Raynaud-Syndrom, führen kurzzeitig zu einer mangelnden Blutversorgung der Finger.

Regelmäßiger Nikotinkonsum stellt einen der wichtigsten Risikofaktoren für das Entstehen von Durchblutungsstörungen dar. Das im Zigarettenrauch enthaltende Kohlenstoffmonoxid besitzt eine höhere Affinität (Bindungsneigung) zum sauerstofftransportierenden Hämoglobin als Sauerstoff selbst, sodass weniger Sauerstoff in den roten Blutkörperchen vorkommt. Es folgt eine schlechte Sauerstoffversorgung des Gewebes. Das Gehirn sendet daraufhin ein Signal an das Knochenmark zur vermehrten Produktion von roten Blutkörperchen, wodurch es zu einer Blutverdickung kommt. Ebenfalls die Blutfettwerte erhöhen sich. Durch die schlechte Sauerstoffversorgung kann Cholesterin besser in die Gefäßwände eindringen und es kommt es zu Gefäßablagerungen (Entstehung von Arteriosklerose), die den Blutfluss behindern. Das Nervensystem stimuliert die Freisetzung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin, welche zu einer Verengung der Blutgefäße führen, woraufhin als Folge der Blutdruck ansteigt. In Folge all dieser Prozesse kommt es zu einer schlechteren Durchblutung, die sich auch auf die Finger auswirkt.

Behandlung

Vor allem sollte Kälte in Verbindung mit Feuchtigkeit gemieden werden. Auch ein Fingertraining verbessert die Durchblutung. Ebenfalls sollte der Nikotinkonsum eingestellt werden, da Nikotin zu Gefäßablagerungen führt. Auch Entspannungsübungen beugen eine Entstehung vor.

Bei einem sekundären Raynaud-Syndrom hingen muss die Grunderkrankung behandelt werden. Helfen beim primären Raynaud-Syndrom die vorbeugenden Maßnahmen nicht, können vom Arzt Medikamente verordnet werden. Dazu zählen unter anderem Gegenspieler des CalciumsKalzium. Calcium sorgt normalerweise für eine Erregbarkeit der Muskulatur und somit für eine Kontraktion der Muskulatur, wodurch sich unter anderem die Blutgefäße verengen. Gegenspieler des Calciums sorgen entsprechend für eine Entspannung, Weitstellung der Blutgefäße, sodass die Durchblutung gefördert wird. Aber auch indirekte Serotoninantagonisten wie das Naftidrofuryl können eingesetzt werden.

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Als Nebenwirkungen kann aus aufgrund der erweiterten Blutgefäße zu Kopfschmerzen, einem zu niedrigen Blutdruck und daraufhin zu einer erhöhten Herzfrequenz führen. Auch Nitroglycerin was gewöhnlich bei Vorboten des Herzinfarktes angewendet wird, kann zur Gefäßerweiterung lokal in Form einer Salbe auf die Finger aufgetragen werden. Allerdings ist diese Salbe in Deutschland nicht verfügbar und muss deshalb bei einer internationalen Apotheke mit Genehmigung der Krankenkasse bestellt werden.

Neben rezeptpflichtigen Medikamenten können auch homöopathische Mittel eingesetzt werden. Als Beispiel nun zwei häufig verwendete Präparate. Zum Einsatz kommt vor allemSecale cornutum, das Mutterkorn (= Dauerform des Mutterkornpilzes).
Es wird besonders beim Raynaud-Syndrom verwendet und dreimal täglich angewendet. Auch Bischofskraut (Ammi visnaga) kommt zum Einsatz. Es wird bei Arterienverkalkungen verwendet und führt zu einer Erweiterung der Gefäße. Des Weiteren besitzt es eine krampflösende Wirkung.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.01.2018
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