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Durchblutungsstörung im Arm

Definition

Von einer Durchblutungsstörung des Armes spricht man, wenn insgesamt gesehen weniger Blut und damit auch weniger Sauerstoff im Arm ankommt oder weniger Blut aus dem Arm abfließen kann als sonst.

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Symptome

Die Symptome der Durchblutungsstörung nehmen für gewöhnlich je nach deren Schwere zu. Ein erstes und eher harmloses Symptom sind kalte Hände. Viele Menschen, die kalte Hände haben, haben aber kein ernstzunehmendes Durchblutungsdefizit sondern stattdessen einen niedrigen Blutdruck. Vor allem Frauen sind davon betroffen. Falls aber wirklich erheblich weniger Blut in den Arm kommt, kann die ganze Extremität kühler und blasser sein, je nachdem wo das Problem, das der Störung zugrunde liegt, lokalisiert ist.

Ein weiteres Symptom der Störung sind Schmerzen. Sowohl zu viel Blut im Arm als auch zu wenig verursachen Schmerzen. Auch ein Taubheitsgefühl oder ein Kribbeln können auf ein Problem hindeuten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Kalte Hände


Schmerzen

Schmerzen sind ein durchaus häufiges Symptom bei Durchblutungsstörungen. Allerdings sind Schmerzen allein im umgekehrten kein Indikator für eine Durchblutungsstörungen. Orthopädische Probleme wie Überbelastungen, Unfälle oder Entzündungen sind viel häufigere Ursachen.

Wenn tatsächlich eine Durchblutungsstörung vorliegt, treten die Schmerzen für gewöhnlich in dem Areal auf, das weniger mit Sauerstoff versorgt wird.

Wenn zum Berispiel ein dauerhafter Verschluss eines Gefäßes besteht, sind auch die Schmerzen dauerhaft.

Wenn der Verschluss akut ist, beginnen die Schmerzen plötzlich. Wenn aber eine vorübergehende Blockade besteht, verschwindet der Schmerz zwischenzeitlich.

Ursachen

Grundsätzlich kann man unterscheiden, ob durch die Durchblutungsstörung zu viel oder zu wenig Blut im Arm ist. Bei einer Thrombose bildet sich ein Gerinnsel an der Gefäßwand, zum Beispiel wenn ein zentraler Venenkatheter liegt oder der Arm ungünstig gelagert ist. Dieses Gerinnsel verstopft das Venensystem, sodass weniger Blut abfließen kann. Dadurch kommt natürlich auch weniger frisches sauerstoffhaltiges Blut nach. Der Arm ist geschwollen, schmerzt und ist meistens kühler als der andere Arm.

Ähnlich ist es bei einer Embolie. Dabei bildet sich das Gerinnsel nicht direkt vor Ort sondern wird von einem anderen Ort eingeschwemmt und verschließt das Gefäß. Manchmal ist das bei Knochenbrüchen des Unterarms der Fall.

Die Arteriosklerose beschreibt die Arterienverkalkung. Das Innere der Arterie wird durch Ablagerungen in der Gefäßwand eingeengt. Risikofaktoren sind eine ungesunde Ernährung, mangelnde Bewegung, hohe Blutfettwerte, ein Diabetes mellitus und Nikotinkonsum.

Das Thoracic-Outlet-Syndrom beschreibt die Einengung von Gefäßen und Nerven, die den Arm versorgen im Bereich von Hals, Rippen und Schlüsselbein. Bei Über-Kopf-Arbeiten verschlimmern sich die Symptome. In diesen Situationen bildet sich ein Pulsdefizit (schwächerer bis fehlender Puls) aus, das von Schmerzen und Taubheit im Arm begleitet wird.

Beim Subclavian-Steal-Syndrom wird die Arteria brachialis, die den Arm versorgt, eingeklemmt oder ist verengt. Eine Möglichkeit ist die Kompression durch eine zusätzliche Rippe oder aber die häufigere Arteriosklerose. Durch die Einengung kommt zu wenig Blut im Arm an, sodass Schmerzen, Taubheit, Kribbeln, Kühle und Blässe entstehen. Zusätzlich entsteht ein Gradient aus den kopfversorgenden Arterien in Richtung der Arme, sodass eine Minderversorgung des Gehirns auftritt. Schwindel, Seh-oder Hörstörungen können einen Hinweis darauf geben.

Von einer Vaskulitis spricht man, wenn ein Gefäß entzündet ist. Das Problem einer Gefäßentzündung ist die Schädigung der Gefäßwand, an der sich Verschlüsse bilden können. Exemplarisch an den Armen gibt es eine Vaskulitis Winniwarter-Burger, bei der die kleineren Arterien junger, rauchender Männer entzündet sind. In der Folge treten Thrombosen und Nekrosen auf, die Finger werden schwarz und sterben ab. Nur ein sofortiger Rauchstopp und Medikamente, die die Gefäße wieder öffnen, können dies verhindern.

Zuletzt gibt es auch noch einen Gefäßspasmus als mögliche Ursache der Durchblutungsstörung. Dabei zieht sich die Gefäßmuskulatur auf externe Stimuli wie Kälte oder Stress zusammen. Eine häufige Krankheit, die auf Spasmen beruht, ist der Morbus Raynaud, der unter dem Unterpunkt „Hand“ näher besprochen wird.

Hand

Eine häufige Durchblutungsstörung, die nur die Hand betrifft, ist der Morbus Raynaud. Dabei handelt es sich um ein schmerzhaftes Zusammenziehen (Kontraktur) der Gefäßmuskulatur, wodurch es zu einer Minderversorgung der Hand kommt. Insgesamt sind circa 3-5% der Bevölkerung betroffen. Meistens sind es junge Frauen, deren Gefäße empfindlich auf Kälte oder Stresssituationen reagieren. Meistens gibt es keine auslösende Ursache. Nur selten liegen Autoimmunkrankheiten oder eine Vorschädigung der Arterien vor. Typischerweise beginnt der Raynaud mit dem Weißwerden der Finger. Durch eine anhaltende Unterversorgung mit Sauerstoff werden diese blau. Nachdem sich der Gefäßkrampf gelöst hat, färben sie sich feuerrot. Mit Nikotinverzicht, Kälteschutz und Stressreduktion lassen sich viele Raynaud-Anfälle aufhalten. In schweren Fällen können Medikamente wie Calciumhemmer verabreicht werden, die das Gefäß prophylaktisch offenhalten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Raynaud-Syndrom

Eine weitere Ursache für Durchblutungsstörungen der Hand ist das Karpaltunnelsyndrom. Dabei werden Nerven und Gefäße im Bereich der Handwurzel von einem bindegewebigen Strang (Retinaculum flexorum) eingeengt. Symptome sind Schmerzen, die zunächst vor allem nachts auftreten, Kribbel- und Taubheitsgefühle sowie ein Abblassen der Hand wenn die Arterie ebenfalls beengt wird. Durch eine Spaltung des Retinaculums wird die Enge aufgehoben und die Symptome bilden sich zurück.

Lesen Sie mehr zum Thema: Karpaltunnel Syndrom

Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist auch das Gefäßsystem mit umfassenden Änderungen vom Normalzustand konfrontiert. Das Blutvolumen und die Herzfrequenz steigen.

Auch die roten Blutkörperchen vermehren sich, aber nicht in dem Maße, in dem das Blutvolumen zunimmt. Dadurch sind relativ gesehen weniger rote Blutkörperchen vorhanden, die den Sauerstoff transportieren. Schlussendlich wird das Gerinnungssystem verstärkt, um den Blutverlust nach der Geburt möglichst niedrig zu halten.

Häufig sind in der Schwangerschaft die Hände vorwiegend nachts betroffen. Dies liegt am Karpaltunnelsyndrom, das im Unterkapitel „Hand“ näher beschrieben wird.

Rechts oder links

Für gewöhnlich gibt es keine Unterschiede zwischen Durchblutungsstörungen des rechten und linken Arms. Alle hier behandelten Ursachen können beide Arme betreffen.

Diagnostik

Zur Ursachenfindung wird erst eine genaue Anamnese erhoben, um zum Beispiel Risikofaktoren für eine Arteriosklerose zu erfragen. Auch der Zeitpunkt und die Dauer sowie Auslöser der Symptome können einen ersten Hinweis geben. Mit einem Ultraschall und einer Doppler-Untersuchung kann die Durchlässigkeit und das Flussverhalten von Venen und Arterien dargestellt werden. Hindernisse werden aufgedeckt. Falls nötig, kann auch eine Untersuchung im CT oder MRT mit Kontrastmittel in den Gefäßen durchgeführt werden. Um zum Beispiel eine zusätzliche Rippe als Grund der Durchblutungsstörung auszuschließen, kann ein Röntgenbild hilfreich sein.

Beim Raynaud-Syndrom kann eine Kälteprovokation erfolgen, um einen Anfall auszulösen und den Zusammenhang zu sichern.

Therapie

Die Therapie einer Durchblutungsstörung richtet sich nach deren Ursache.

Um eine schnelle kurzfristige Besserung bis zur endgültigen Therapie zu erreichen, können Schmerzmittel wie Ibuprofen eingenommen werden. Auch Kälte-oder Wärmeapplikation kann helfen. Wenn ein mechanisches Hindernis den Blutfluss stört, sollte dieses entfernt werden. Dazu gehören die Spaltung des bindegewebigen Stranges über dem Karpaltunnel oder die Entfernung von Rippen, die die Armarterien stark abdrücken.

Bei einigen Formen der Durchblutungsstörung können Medikamente eingesetzt werden. Wenn Arteriosklerose generell ein Problem des Patienten ist, kann prophylaktisch ASS eingenommen werden. Bei Gefäßspasmen wie dem Raynaud-Syndrom der Hand helfen Kalziumantagonisten, die schmerzhaften Gefäßkrämpfe zu verringern. Aber auch Medikamente wie z.B. Naftidrofuryl können den Zustand bessern. Bei Entzündungen werden über einen Zeitraum von einigen Tagen bis Wochen Steroide wie Cortison verabreicht, um die Entzündung schnell einzudämmen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Medikamente Durchblutungsstörung

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.07.2018
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