Zahnextraktion

Definition

Der Zahn ist nicht mehr zu retten, da ist jetzt leider eine Zahnextraktion nötig!“ Dieser Satz löst nicht gerade Freudenschreie aus wenn man auf dem sowieso schon unbequemen Zahnarztstuhl sitzt und sich ganz weit weg wünscht.

Aber was genau ist eigentlich damit gemeint?

Als Zahnextraktion bezeichnet man das nicht operative Entfernen eines Zahnes aus der Mundhöhle, das heißt der Zahnarzt muss keinen Schnitt mit dem Skalpell in die Schleimhaut machen.
Umgangssprachlich wird das Ganze auch als Zahn ziehen bezeichnet.

Sobald es nötig wird, ein Skalpell zu benutzen, spricht man von einer Osteotomie.

Osteotomie bedeutet, dass die Schleimhaut eingeschnitten wird und ein Lappen daraus gebildet wird um die Wunde, die der entfernte Zahn hinterlässt, wieder schließen zu können.

Zwischen Arzt und Assistent (der sogenannten Helferin) wird meist nur von einer „Ex“ gesprochen. Das ist nur die gebräuchliche Abkürzung für das doch sehr umständliche Wort Zahnextraktion.

Ursachen

Die Zahnwurzel hält den Zahn im Knochen. Ist diese geschädigt, kommt es zur Instabilität.

Zahnextraktionen sind das letzte Mittel der Wahl, wenn alles andere schon versucht wurde. Denn ein einmal entfernter Zahn lässt sich nur mithilfe teurer Implantate wieder ersetzten.
Der Zahnarzt wird also immer zuerst versuchen, den betreffenden Zahn zu retten und erst wenn alle anderen Mittel der Therapie ausgeschöpft sind zur Zange greifen.

Absolut nötig wird eine Zahnextraktion immer dann, wenn der Zahn zuvor durch Karies so stark zerstört wurde, dass weder Füllungen machbar sind noch eine Krone verankert werden kann.

Um eine Krone sicher auf einem Zahn befestigen zu können, braucht man nämlich genügend Restzahn und auch die Karies darf nicht zu tief in das Zahnfleisch hinunterreichen.
Bei tiefem Kariesbefall kann beim Befestigen der Krone nicht mehr sichergestellt werden, dass keine Bakterien unter der Krone eingeschlossen werden. Diese können den Zahn unbemerkt von außen nach innen zerstören.

Auch wenn die Zahnwurzel auseinander gebrochen ist, beziehungsweise einen Längsriss hat, kann man diesen Zahn nur noch entfernen.

Die Wurzel hält den Zahn im Kieferknochen fest und sorgt dafür, dass man ganz normal kauen kann.
Das ganze System wird sehr instabil, wenn die Wurzelwand einmal einen Schaden davongetragen hat.

Ein Riss ist nicht zu verwechseln mit einer Wurzelbehandlung. Dabei wird nur der Zahnnerv aus der Wurzel entfernt, die Wurzelwand selber bleibt unbeschädigt!

Vergleichbar ist das mit einem Stützbalken: wenn einmal ein Knick drin war, kann man ihn nicht mehr voll belasten, ganz egal wie sehr man versucht, ihn zu stabilisieren.
Nachdem die Wurzel längs frakturiert, ist normales Kauen unmöglich da der Zahn bricht.

Abgebrochene Zähne beziehungsweise abgebrochene Kronen kann man teilweise nicht wieder befestigen.
Der noch in der Mundhöhle verbleibende Wurzelrest wird häufig entfernt um eine Infektion zu vermeiden oder um Platz für ein Implantat zu schaffen.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Zahn abgebrochen - was tun?

Der Wurzelrest kann auch, wenn er keine Längsfraktur aufweist, wurzelbehandelt werden. Hierbei wird der noch verbleibende Nervenrest zusammen mit den Blutgefäßen und den eingedrungenen Bakterien entfernt und stattdessen ein antibakterielles Füllungsmaterial in den gesäuberten Kanal eingebracht.

Der so behandelte Wurzelrest kann jetzt als Verankerung für eine Krone mit Stiftaufbau verwendet werden.
Dabei wird ein Stift in die Wurzel zementiert und auf diesen Stift wird eine individuell angefertigte Krone gesetzt.

Nicht immer kann so vorgegangen werden.
Der Zahnarzt muss vor Ort entscheiden, ob diese Behandlung eine Möglichkeit darstellt oder nicht. Ausschlaggebende Faktoren sind dabei unter anderem Röntgenbild, Frakturort & Parodontalverhältnisse.

Kronen und auch eine Wurzelkanalbehandlung sind sehr teuer und die Kosten dafür werden sowohl von den gesetzlichen als auch den privaten Krankenkassen nur selten komplett übernommen.
Nicht jeder Patient ist in der Lage die erforderliche Krone oder die Wurzelkanalbehandlung zu bezahlen.
In diesem Fall wird der betreffende Zahn vom Zahnarzt entfernt.

Lässt man den Zahn einfach in der Mundhöhle entwickelt sich eine Entzündung und der daraus entstehende Eiter führt zur Blutvergiftung.

Es gibt selbstverständlich auch Patienten, die sich aus persönlichen Gründen, sei es aus der oben erwähnten finanziellen Belastung , Angst vor der erforderlichen Behandlung oder anderen, dafür entscheiden, den Zahn entfernen zu lassen statt eine notwendige Behandlung einzuleiten.
In diesen Fällen wird der Zahn ebenfalls extrahiert.

Hat sich ein Zahn schon so entzündet, dass sich eine sehr starke apikale Parodontitis entwickelt hat, die auch mit einer Wurzelkanalbehandlung nicht zu beseitigen ist, wird eine Zahnextraktion in Betracht gezogen.

Eine apikale Parodontitis ist eine Entzündung der Zahnwurzel an der Wurzelspitze. Es bildet sich meistens eine große Menge Eiter die dann Druck auf den Zahnnerv ausübt und so massive Schmerzen verursacht.

Ist die Entzündung noch im Anfangsstadium wird versucht den Entzündungsherd mit einer Wurzelkanalbehandlung zu beseitigen.

Hat sich die Parodontitis schon zu weit ausgebreitet wird manchmal versucht durch eine Wurzelspitzenresektion den Zahn zu retten.
Ein Oralchirurg entfernt ein kleines Knochenfenster über dem erkrankten Zahn und kappt die entzündete Wurzelspitze.
Manchmal sind die Erfolgsaussichten gering im Vergleich zum Risiko der Operation.

Patienten mit Herzproblemen können oft nicht ausreichend anästhesiert werden oder die Wundheilung ist bei manchen behindert. In diesen Fällen ist eine Zahnextraktion eher sinnvoll als eine Operation.

Die Abwägung der Risiken gegenüber der Erfolgswahrscheinlichkeit der Operation entscheidet über die weiterführende Therapie. Sollte die Entscheidung pro Wurzelspitzenresektion ausfallen wird diese vom Oralchirurgen in einer speziell dafür ausgestatteten Praxis durchgeführt.

Normalerweise werden nur erkrankte oder zerstörte Zähne entfernt.

Bei manchen Patienten, vor allem Kindern wird festgestellt, dass der Kiefer zu klein für alle 16 Zähne ist.
In diesem Fall ordnet der Kieferorthopäde die strategische Entfernung von einem Zahn an, um Platz für alle anderen Zähne zu schaffen.
Passiert das nämlich nicht, schieben sich die Zähne im Kiefer übereinander und das Ergebnis sind krumme und schiefe Zähne.

Natürlich ist auch in diesem Fall die Zahnextraktion das letzte Mittel der Wahl.
Der Kieferorthopäde muss zuerst sicherstellen, dass man auch mit einer Spange nicht genügend Platz für alle Zähne schaffen kann.
Erst wenn das feststeht, wird ein Zahn entfernt und die Spange dazu benutzt, die übrigen Zähne an die Richtige Stelle zu bewegen.

Im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung fällt manchmal der Begriff „Ausgleichsextraktion“. Damit ist gemeint, dass in der gegenüberliegenden Zahnreihe ebenfalls ein Zahn entfernt wird um sicherzustellen, dass der Patient vernünftig zubeißen kann.
Die Okklusion wird wiederhergestellt.

Das wird zum Beispiel nötig, wenn irgendwo ein Zahn nicht angelegt ist oder extrahiert werden musste, um Platz zu schaffen oder wenn sie die Mittellinie zwischen den Schneidezähnen von der Gesichtsmitte verschieben würde.
Diese Mittellinienverschiebung wird meistens versucht zu verhindern, weil sie das Gesicht unsymmetrischen erscheinen lässt.

Durchführung der Zahnextraktion

Die Entfernung erfolgt nach örtlicher Betäubung.

In einer normalen Zahnarztpraxis werden nur Zähne entfernt die schon durchgebrochen sind! Also nur Zähne, die schon in der Mundhöhle zu sehen sind.

Kurz vor der Extraktion wird der Zahn und die umgebende Schleimhaut anästhesiert.
Im Unterkiefer legt man eine Leitungsanästhesie, im Oberkiefer eine Infiltrationsanästhesie.
Je nach Anästhetikum tritt die Wirkung nach ca. 3-10 min ein.

Um einen Zahn zu extrahieren, wird zuallererst mithilfe eines Meißels die Alveole gedehnt. Ohne vorherige Lockerung braucht man als Zahnarzt wesentlich mehr Kraft um den Zahn aus seiner Verankerung zu reißen!

Der Meißel hat tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit dem aus dem Baumarkt, nur ist er sehr viel filigraner und feiner.

Die Alveole ist das Knochenfach in dem der Zahn fest verankert ist.
Erst wenn alle Sehnen und Fasern die den Zahn im Knochen festhalten gelockert sind, kommt eine spezielle Zange zum Einsatz, die den Zahn endgültig aus der Mundhöhle entnimmt.

Es gibt verschiedene Arten von Zangen. Da wären zum Beispiel:

  • die Frontzahnzangen,
  • die Prämolarenzangen,
  • die Molarenzangen,
  • Wurzelzangen,
  • Weißheitszahnzangen.

Jeder Zahn halt also seine eigene spezielle Zange.
Gleichzeitig wird auch noch unterschieden ob man im Oberkiefer oder im Unterkiefer den Zahn extrahieren will.

Die entsprechende Zange wird am gelockerten Zahn angesetzt und dann wird versucht den Zahn zu entfernen. Bei einwurzeligen Zähnen (Frontzähne und Prämolaren) wird versucht den Zahn zu drehen.

Durch die anatomische Lage der Haltefasern setzen die Kräften, die einfach nach oben ziehen, einen großen Widerstand entgegen, drehenden Kräften können sie jedoch kaum etwas entgegensetzen.

Mehrwurzlige Zähne (Molaren oder auch Backenzähne) können nicht gedreht werden.

Je stärker parodontal vorgeschädigt der Zahn war, desto leichter und mit weniger Kraftanstrengung kann er entfernt werden.

In der jetzt leeren Alveole bildet sich ein Blutkoagulum als natürlicher Wundverschluss. Bis zur Koagulumbildung wird circa zehn Minuten ein steriler Tupfer auf die leere Alveole gedrückt.

In den meisten Fällen ist ein Vernähen der Wunde nicht nötig und der Tupfer ist absolut ausreichend.
Bei sehr starken Blutungen oder Patienten die Blutverdünner einnehmen, kann eine Naht gelegt werden.

Bei Patienten, die sehr starke Blutverdünner nehmen und bei denen infolgedessen eine extrem starke Blutung zu befürchten ist, bekommen manchmal schon vorab individuell angepasste Verbandplatten, die sie auch noch bis zur Kontrolle einen Tag später nicht abnehmen dürfen.

Komplikationen/ Risiken

Schwere Komplikationen sind eine Ausnahme.

Wie bei jedem Eingriff können auch beim Extrahieren eines Zahnes Komplikationen auftreten. Außerdem besteht wie bei jedem Eingriff ein gewisses Risiko.
Die Wahrscheinlichkeit für schwere Komplikationen ist verschwindend gering!

Die Wurzel des Zahnes kann zum Beispiel frakturieren und muss dann mühsam Stück für Stück entfernt werden.
Werden nicht alle Teile erwischt, kann sich auch nach Jahren noch, um dieses eine Teil eine Zyste bilden, die dann chirurgisch eröffnet und behandelt werden muss.
Solche zurückgebliebenen Teile können auch völlig harmlos sein und niemals Symptome entwickeln.

Nach einer Zahnextraktion kann es auch zu einer Wundheilungsstörung kommen, wenn die Wunde nicht ausreichend durch einen "Blutpfropf" verschlossen werden kann, wie es bei der gesunden Wundheilung der Fall wäre.
Die Wundheilungsstörung kann verschiedene Ursachen haben kann, wie z.B. schlechte Mundhygiene oder Rauchen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wundheilungsstörung am Zahn

Zerfällt das gebildete Blutkoagulum zu schnell, entzündet sich der Kieferknochen, weil ihm eine Schutzschicht fehlt und er völlig den Bakterien der Mundhöhle ausgesetzt ist.
Harte Nahrung zum Beispiel kann das Blutkoagulum zerstören. Dieses Krankheitsbild nennt man trockene Alveole oder Alveolitis sicca.

Die Mundöffnung kann erschwert sein, wenn bei der Leitungsanästhesie im Unterkiefer ein Nerv ungünstig erwischt wurde. Meist gibt sich das aber von selbst nach zwei bis drei Tagen.

Es besteht auch die Gefahr einer Hämatombildung aufgrund einer Einblutung in das umliegende Gewebe.
Diese Hämatombildung geht oft mit einer unschönen Schwellung im Gesicht einher. Das sieht zwar nicht sehr ästhetisch aus, ist jedoch nur in den wenigsten Fällen gefährlich oder behandlungsbedürftig.

Schmerzen sind in Maßen völlig normal, nur bei tagelang anhaltenden Schmerzen oder wenn gar keine Besserung spürbar ist, sollte nochmals ein Zahnarzt aufgesucht werden.

Wird ein Molar im Oberkiefer (Backenzahn im Oberkiefer) entfernt, kann es passieren, dass die Kieferhöhle eröffnet wird.

Die Wand zwischen Wurzelspitze und Kieferhöhle ist sehr dünn und kann deshalb leicht brechen, das stellt keinen Fehler von Seiten des Zahnarztes dar.

Nach der Extraktion muss deshalb geprüft werden, ob eine Eröffnung stattgefunden hat. Ist dies der Fall, muss diese Öffnung vom Oralchirurgen wieder verschlossen werden, weil sonst Bakterien und Keime von der Mundhöhle in die Kieferhöhle gelangen und dort eine Sinusitis maxillaris auslösen.

Eine Eröffnung der Kieferhöhle ist immer eher eine Ausnahme!

Nach Zahnextraktionen gibt es einige Dinge, die man befolgen sollte, um eine rasche Wundheilung zu gewährleisten.

Verhalten nach dem Eingriff

Direkt nach dem Eingriff kann man das Gebiet kühlen, um eine Schwellung zu vermeiden. Häufig klagen Patienten über eine geschwollene Backe.

Harte Nahrung sollte man erst nach circa einem Tag zu sich nehmen um die Wunde selbst nicht immer wieder aufzureißen.

Milchprodukte enthalten Milchsäurebakterien, die das Blutkoagulum vorzeitig auflösen und zerstören können. Es besteht die Gefahr der schon besprochenen Alveolitis sicca.

Gegen möglicherweise auftretende Schmerzen bekommt man vom Zahnarzt in der Regel ein Rezept oder Tabletten mit nach Hause.
Häufig ist Ibuprofen das Mittel der Wahl.
Es kann eigentlich jedes Schmerzmittel genommen werden das nicht gleichzeitig als Blutverdünner wirkt .

Am Tag vor der Extraktion und ein bis zwei Tage danach sollte kein Aspirin eingenommen werden, weil es das Blut verdünnt und die Wundheilung stark beeinträchtigt.

Auch Koffein hat eine blutverdünnende Wirkung und sollte deshalb ein bis zwei Tage nach dem Eingriff nur in Maßen genossen werden.

Auf Rauchen sollte ebenfalls verzichtet werden, bis die Wunde verheilt ist, da der Rauch die Heilung extrem verlangsamt.

Nach circa einer Woche ist die Extraktionswunde verheilt.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Backenzahn ziehen

Weitere Informationen zu diesem Thema

Weitere allgemeine Informationen zu diesem Thema:

Eine Übersicht immer unter: Zahnmedizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.04.2017
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