Zahnwurzelentzündung

Synonyme im weiterem Sinne

Wurzelentzündung, Pulpitis, apicale Parodontitis

Einleitung

Eine Zahnwurzelentzündung kann unter Anderem durch Karies-Bakterien, einen Sturz oder durch das Beschleifen des Zahnes für z.B. eine Krone entstehen. 

Ist der Zahn von einem dieser Einflüsse zu stark betroffen, reagiert der Körper mit einer Entzündung der Zahnwurzel, genauer gesagt dem Innenleben des Zahnes, also dem Gewebe, das den Zahn mit Nährstoffen versorgt und ihm Gefühl verleiht.

Eine Wurzelbehandlung kann helfen, den geschädigten Zahn zu erhalten.

Abbildung Zahnwurzelentzündung

  1. Zahnschmelz -
    Enamelum
  2. Zahnbein (=Dentin) -
    Dentinum
  3. Zahnmark in der Zahnhöhle -
    Pulpa dentis in Cavitas dentis
  4. Zahnfleisch -
    Gingiva
  5. Zement -
    Cementum
  6. Wurzelhaut -
    Periodontium
  7. Alveolarknochen (zahntragender
    Teil der Kieferknochen) -
    Pars alveolaris
  8. Öffnung der Zahnwurzelspitze -
    Foramen apicale dentis
  9. Blutgefäße
  10. Nervenfasern
    Zahnwurzelentzündung - Pulpitis
    a - Zahnkaries - Caries dentium
    b - Zahnfleischentzündung - Gingivitis
    c - Entzündung des Zahnhalteapparates - Parodontitis
    d - Entzündung an der Wurzelspitze -
    Apicale ostitis

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Entzündung der Zahnwurzel

Es ist nicht die Zahnwurzel direkt, die entzündet ist, sondern das sie umgebende Gewebe, Parodontium genannt, das sich entzündet. Eine unbehandelte Parodontitis dringt mit ihrer Zerstörung des Zahnhalteapparates immer tiefer Richtung Zahnwurzelspitze vor und erzeugt eine Entzündung des umgebenden Gewebes. Ist die Wurzelhaut infolge der bakteriellen Einflüsse entzündet und der Zahnhalteapparat zerstört, so treten Zahnschmerzen auf, und der Zahn wird locker.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Parodontitis

Eine solche Entzündung kann sowohl beim lebenden als auch beim marktoten Zahn vorhanden sein. Jede Berührung und zwar sowohl in horizontaler als auch vertikaler Richtung erzeugt einen Schmerz. Bakterien können aus diesem Entzündungsherd auch in den gesamten Organismus gelangen und dort Infektionen erzeugen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Schmerzen an der Zahnwurzel

Eine Zahnwurzelentzündung allein an der Wurzelspitze (Apicale ostitis) kann lange Zeit schmerzlos sein. Sie entsteht nur bei einem Zahn, dessen Pulpa abgestorben ist, und der keine Wurzelbehandlung bekommen hat. Aber auch Zähne mit einer Wurzelfüllung können eine Entzündung an der Wurzelspitze bekommen. Leider ist der Wurzelkanal an seinem Ende wie ein Delta verzweigt und kann deshalb nicht bis in alle Verzweigungen mit der Wurzelfüllung erfasst werden.

Dies hat zur Folge, dass noch Reste der Bakterien sich in diesen Winkeln halten können. Antibakterielle Wurzelfüllungen geben einen gewissen Schutz, aber nicht in allen Fällen. Die Folge ist ein Austritt der Bakterien in den Knochen und einer Reaktion des Körpers. Es bildet sich ein chronischer Eiterherd, der von der körpereigenen Abwehr mit einem Bindegewebewall abgeschirmt wird. Die Bakterien vermehren sich immer weiter und der Herd weitet sich aus. Dadurch kommt es zu einer Zahnwurzelentzündung und Abbau des Knochens. Aus diesem Herd können Bakterien in die Blutbahn gelangen und so andere Organe, vorwiegend das Herz, befallen.

Anzeichen

Die infolge einer Parodontitis entstandene Wurzelentzündung zeigt sich durch Zahnfleischtaschen, gerötetes Zahnfleisch und eventuell austretenden Eiter. Es entstehen als Symptome Schmerzen besonders bei Berührung, die so genannte Klopfempfindlichkeit, sowohl in horizontaler als auch vertikaler Richtung
Je nach dem Ausmaß der Zerstörung des Zahnbettes tritt eine Lockerung ein.

Lesen Sie mehr zum Thema: Symptome bei einer Zahnwurzelentzündung

Diagnose

Bei der durch die Parodontitis erzeugten Entzündung des die Zahnwurzel umgebenden Gewebes erfolgt die Diagnose Zahnwurzelentzündung durch Sondierung der Taschentiefe mittels einer Parodontalsonde.
Zusätzlich gibt ein Röntgenbild den Nachweis, wieweit bereits der Knochen geschädigt ist.

Die Entzündung und der Eiterherd (Granulom) an der Wurzelspitze kann, solange er noch ohne Symptome ist, nur anhand der Röntgenaufnahme diagnostiziert werden. Der Abszess ist natürlich augenscheinlich und bedarf keiner weiteren diagnostischen Maßnahmen. Ein Abszess beschreibt ein mit Eiter gefüllter, umkapselter Hohlraum.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Abszess

Ursachen

Die Zahnwurzelentzündung betrifft im Grunde genommen lediglich die Zahnwurzelspitze (Apex), sie wird deshalb oftmals als Wurzelspitzenentzündung (apikale Parodontitis) bezeichnet.

Eine Zahnwurzelentzündung (Pulpitis) ist eine unangenehme, extrem schmerzhafte Erkrankung, für die es mehrere Ursachen gibt:

  1. In erster Linie wird diese Zahnerkrankung durch Bakterien, die ausgehend von einem kariösen Zahndefekt über die Wurzel abwandern, ausgelöst.
    In manchen Fällen gelangen die verantwortlichen Bakterien aber auch durch tiefe Zahnfleischtaschen zur Zahnwurzel. Diese tiefen Zahnfleischtaschen entstehen in der Regel durch eine langandauernde, unbehandelte Entzündung des Zahnfleisches (Gingiva) oder im Zuge einer Parodontose (eigentlich heißt die als Parodontose bekannte entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats Parodontitis).
  2. Eine unbehandelte, tiefe Karies ist jedoch immer noch die häufigste Ursache einer Zahnwurzelentzündung, denn der Kariesbefall „arbeitetsich mit der Zeit in die Tiefe des Zahnes vor und schädigt dort das Zahnmark (Pulpa) und die darin eingelagerten Nervenfasern.
    Die bakterielle Besiedlung in der Tiefe des Zahnes und die daraus resultierenden entzündlichen Prozesse führen zu heftigen Schmerzen und dem fortschreitenden Absterben des Zahnes.
    Aus welchen Gründen es genau zu diesen entzündungsbedingten Prozessen kommt, ist bis heute nicht im Detail geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass das eigene Immunsystem eine große Rolle bei der Entstehung spielt.
  3. Doch nicht bloß die schädlichen Einflüsse einer Bakterienbesiedlung stellen Ursachen, die die Entstehung einer Wurzelspitzenentzündung begünstigen, dar.
    Ein solches Krankheitsbild kann auch durch traumatische Einflüsse entstehen. Das bedeutet, dass in manchen Fällen auch durch „Gewalteinwirkungen“, zum Beispiel durch zu festes Zubeißen, einen heftigen Schlag auf den Kiefer oder starkes Zähneknirschen ein Zahn oder vielmehr dessen Wurzel durchbrechen kann.
    Siehe dazu auch: abgebrochener Eckzahn
  4. Das Zahntrauma selbst wird von den meisten Patienten nicht sofort als solches wahrgenommen, da es in der Regel erst einmal keinerlei Schmerzen verursacht und den Betroffenen nicht weiter beeinträchtigt. Erst im Laufe der Zeit entwickeln sich im Umfeld des „Zahnbruchs“ Entzündungsherde, welche Schmerzen auslösen und den Patienten in die Zahnarztpraxis treiben.
  5. Auch in diesem Zusammenhang kann es zu entzündlichen Prozessen innerhalb des Zahnmarks kommen, die Blutgefäße und Nerven des Zahnes werden gereizt und/oder geschädigt und es entsteht über kurz oder lang eine Zahnwurzelentzündung.
    Auch das Beschleifen und Vorbereiten eines Zahnes im Sinne der prothetischen Zahnmedizin (Versorgung mit Kronen, Brücken, Inlays...) kann den Zahn angreifen und die Entstehung einer Zahnwurzelentzündung begünstigen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Ursachen einer Zahnwurzelentzündung

Hinweis

Die Hauptursache der Zahnwurzelentzündung liegt aber, wie bei den meisten Zahnerkrankungen, in einer mangelnden und/oder falsch ausgeführten Mundhygiene.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Mundhygiene

Behandlung einer Zahnwurzelentzündung

Die einzige Möglichkeit einen wurzelentzündeten Zahn zu erhalten ist die Durchführung einer Wurzelkanalbehandlung und gegebenenfalls eine Wurzelspitzenresektion.

  • Die häufigste Behandlungsmethode ist die Wurzelkanalbehandlung mit anschließender Wurzelkanalfüllung.
    Im Vorhinein wird der Zahnarzt ein Röntgenbild des betroffenen Zahnes anfertigen und eine sogenannte Vitalitätsprüfung durchführen.
    Bei der Vitalitätsprüfung wird der Zahn einem Kältereiz ausgesetzt und überprüft, ob der Patient diese Kälte generell empfindet, ob Schmerzen entstehen oder ob der Reiz gar keine Reaktion mehr auslöst. Bei einem toten Zahn wird die Vitalitätsprüfung negativ ausfallen.
    Während der Wurzelkanalbehandlung wird der betroffene Zahn „aufgebohrt“ und das Zahnmark und die Nervenfasern mit Hilfe von unterschiedlich dicken Wurzelfeilen (Reamer, Hedström- oder K-Feilen) entfernt.
    Auf diese Weise entnimmt der Zahnarzt das entzündete Gewebe und versucht die Zahnwurzelentzündung zu beheben.
    Im Anschluss wird eine Wechselspülung mit verschiedenen Lösungen durchgeführt.
    Bei den verwendeten Lösungen handelt es sich um Wasserstoffperoxid (H2O2), entzündungshemmendes, antibakterielles Chlorhexidin (CHX) und Natriumhypochlorid.
    Bei einem Zahn, der bereits vor Behandlungsbeginn tot war, ist es in vielen Fällen möglich eine sofortige Wurzelkanalfüllung anzuschließen.
    Sollte die Entzündung jedoch sehr stark fortgeschritten sein, so wird der Zahnarzt vermutlich zuerst ein Medikament in die Wurzelkanäle einlegen und den Zahn einige Tage ruhen lassen.

    In einer gesonderten Sitzung (circa 3 – 5 Tage später) beginnt die Trockenlegung und Füllung der Zahnwurzeln.
    Sobald die Zahnwurzeln keimfrei und trocken sind, werden sie mit so genannten Guttaperchaspitzen und einem Dichtezement gefüllt. Bei den Guttaperchaspitzen handelt es sich um kautschukähnliches Material, welches die hohlen Zahnwurzeln ausfüllen und dicht verschließen soll.
    Im Regelfall wird dann mittels einer Röntgenkontrollaufnahme überprüft, ob die Wurzel bis zur Spitze (Apex) gefüllt ist und der Zahn danach verschlossen.
  • Manchmal reicht eine solche Wurzelkanalbehandlung jedoch nicht aus, um den erkrankten Zahn von den Entzündungen zu befreien. Der Zahnarzt hat dann die Möglichkeit eine Wurzelspitzenresektion vorzunehmen.
    Bei der Wurzelspitzenresektion (Apektomie) wird die Wurzelspitze eines entzündeten Zahnes entfernt.
    Die Aussicht den Zahn auf diese Weise noch zu retten, liegt bei 90 – 97%.
    Während der Operation wird zuerst das Zahnfleisch im Bereich des erkrankten Zahnes und danach mit Hilfe einer sogenannten Kugelfräse der Kieferknochen eröffnen (Osteotomie).
    Der Arzt erhält dadurch eine gute Übersicht des zu behandelnden Gewebes und kann die entzündete Zahnwurzelspitze abtrennen und entnehmen.
    Im Anschluss wird eine sogenannte retrograde Wurzelfüllung durchgeführt. Retrograd bedeutet, dass die Füllung der Wurzelkanäle nicht, wie üblich, ausgehend von der Zahnkrone erfolgt. Das Einbringen der Guttaperchaspitzen wird ausgehend von der abgetrennten Wurzelspitze vorgenommen. Dies bietet den Vorteil, dass die Wurzelfüllung genau am Ende der Zahnwurzeln beginnt.
    Danach wird das Zahnfleisch mit circa 2 – 3 Stichen vernäht.
    Während einer chirurgischen Wurzelspitzenresektion können die Nerven beschädigt werden, dies äußert sich beim Patienten im Auftreten von Sensibilitätsausfällen im Bereich der Lippe (Taubheitsgefühl). Darüber hinaus kann es, wie bei jeder Operation, zu Blutungen und/oder Wundheilungsstörungen kommen.
    Dem Patienten ist deshalb nach der Operation dringend zu raten, auf den Konsum von Alkohol und Nikotin zu verzichten, da Alkohol ebenfalls Zahnschmerzen auslösen kann.

Lesen Sie hierzu: Zahnschmerzen nach Alkoholkonsum

Bleibt eine Zahnwurzelentzündung unbehandelt oder wird das angegriffene Gewebe vom behandelnden Zahnarzt nicht vollständig entfernt, so zieht dies weitere Folgen nach sich:

  • In solchen Fällen wird die Entzündung höchstwahrscheinlich auf die den Zahn umgebenen Strukturen übergreifen und auch diese schädigen.
  • Häufig befallen die entzündlichen Prozesse nachdem sie die Zahnwurzel und Wurzelspitze angegriffen haben, die Zahnwurzelhaut und gehen anschließend auf den Kieferknochen über.
  • Eine weitere Ausdehnung kann dann in der Entstehung eines Abszess und/oder einer Zahnfleischfistel münden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Behandlung einer Zahnwurzelentzündung

Kühlen bei einer Zahnwurzelentzündung

Generell hilft Kühlen immer bei einer Schwellung, wenn einige Regeln befolgt werden. Ratsam ist es dabei eine Kühlkompresse zu verwenden, die in ein Handtuch eingewickelt wird. Diese Kühlkompresse kann dann an betroffene Stelle gehalten werden. Dabei ist es wichtig, dass dieser Kühlvorgang maximal 10 Minuten andauert und danach eine Zeitspanne von mindestens einer Stunde eingehalten wird, bis das nächste Mal gekühlt wird. Das ist besonders wichtig, da ein dauerhafter Kühlvorgang schädigend ist. Durch das dauerhafte Kühlen ziehen sich die Blutgefäße zusammen und das Areal wird schlecht durchblutet.

Der Körper empfindet an dieser Stelle den Zustand des Erfrierens und steuert dagegen. Der Blutdruck und die Herzfrequenz steigen und das betroffene Gebiet erwärmt sich dadurch wieder. Das stellt wiederum das perfekte Milieu für Bakterien dar, da sie sich bei Wärme besonders rasch und vielfältig vermehren und die Entzündung sich so noch schneller ausbreitet. Bei gezieltem Kühlen passiert das nicht und die Schwellung verbreitet sich langsamer, da die Bakterien Kälte nicht bevorzugen. Dabei kann allerdings nur Zeit verschafft werden, der Abszess bildet sich durch reines Kühlen nicht zurück.

Zahn entfernen

Der Abszess, der aus einer Zahnwurzelentzündung entstanden ist, geht in den meisten Fällen von einem Zahn aus. Sofern der in der Schwellung befindliche Eiter durch einen Entlastungsschnitt von einem Zahnarzt abgelassen worden ist, muss auch der Zahn entfernt werden. (Zahnextraktion)Der Nerv innerhalb des Zahnes ist abgestorben und durch die massive Entzündung meist nicht durch eine Wurzelkanalbehandlung zu retten. Die Bakterien haben den Nerven und das umliegende Knochengewebe begonnen zu verstoffwechseln und der Zahn ist in seinem ursprünglichen Knochenfach nicht mehr gut verankert.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Wurzelbehandlung

Er hat sich gelockert. Ist der Zahn erst einmal entfernt, kann nach vollständiger Abheilung der Wunde (etwa 2- 3 Wochen) geplant werden, wie und in welcher Form die entstandene Zahnlücke geschlossen wird. Bei Implantatplanung wird nach Extraktion oft 6 – 12 Wochen gewartet bis sich der Knochen vollständig regeneriert hat, bei einer Brückenversorgung kann dies schneller Erfolgen, da hier lediglich die vollständige Weichteilregeneration erforderlich ist.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Zahnextraktion

Antibiotikagabe bei einer Zahnwurzelentzündung mit Eiterbildung

Zusätzlich zu einer chirurgischen Therapie, in der ein Entlastungsschnitt des Abszesses vollzogen wird und der Zahn gezogen wird, verschreibt der Zahnarzt zusätzlich ein Antibiotikum. Das Antibiotikum wirkt so, dass es entweder die Bakterien selbst zerstört oder sie an der Vermehrung behindert und erreicht somit, dass der Körper wesentlich schneller von der bakteriellen Belastung befreit wird.

Nach diesem Wirkspektrum lassen sich Antibiotika in eine bakterizide oder eine bakteriostatische Gruppe einteilen. Die bakteriziden töten die Bakterien ab und zerstören sie, die bakteriostatischen verhindern die Vermehrung. Dabei ist es wichtig, dass der Patient die vom Zahnarzt angeordnete Medikation des Antibiotikums strikt einhält und das Präparat zu Ende nimmt, damit sich keine Resistenzen bilden können. Wird die Einnahme nicht in richtigen Zeitabständen befolgt oder nicht lange genug, so kann es möglich sein, dass Bakterien überleben und gegen sich gegen dieses Antibiotikum anpassen.

Sie bilden eine Resistenz und bei Folgeerkrankungen wirkt das Antibiotikum nicht mehr. In der Regel wird das Penicillinpräparat Amoxicillin verschrieben, bei Allergien wird Clindamycin verwendet.

Symptome der Zahnwurzelentzündung

Das mit Abstand wichtigste Symptom (Leitsymptom) einer Zahnwurzelentzündung ist der Schmerz am betroffenen Zahn.
Doch nicht jeder betroffene Patient verspürt diesen Schmerz als gleich intensiv, daraus resultiert, dass nicht jede apikale Parodontitis frühzeitig als solche diagnostiziert werden kann. Zudem gibt es Patienten, die über einen langen Zeitraum gar keine Schmerzempfindungen wahrnehmen.

Die Erkrankung der Zahnwurzelentzündung schreitet deshalb in diesen Fällen sehr weit fort bevor sie überhaupt erkannt werden kann. Aus den Ursachen einer Zahnwurzelentzündung lässt sich ableiten, dass eine solche Erkrankung des Zahnes in vielen Fällen mit einer Entzündung des Zahnfleischs einhergeht. Auch weitreichende kariöse Defekte der Zähne sind ein erstes Anzeichen für das Vorliegen einer apikalen Parodontitis.

Darüber hinaus bemerken viele Patienten im Zuge einer Zahnwurzelentzündung, dass der Zahn und das umliegende Zahnfleisch sehr empfindlich auf thermische Reize reagiert. Das bedeutet, dass es beim Verzehr von kalten und/ oder heißen Getränken und Speisen zu einer starken Zunahme der empfundenen Schmerzen kommt.
Diese Tatsache wird auch in der Diagnose der Zahnwurzelentzündung angewandt. Um einen von einer Zahnwurzelentzündung betroffenen Zahn zu identifizieren wird der behandelnde Zahnarzt im Regelfall eine sogenannte Vitalitätsprüfung durchführen:

Das bedeutet, dass ein mit Eisspray versehener Wattepad auf den verdächtigen Zahn aufgelegt wird. Äußert der Patient daraufhin eine deutliche Schmerzempfindung, so finden im Zahn mit großer Wahrscheinlichkeit entzündliche Prozesse statt. Eine negative Vitalitätsprüfung (keine Schmerzwahrnehmung) kann drauf hinweisen, dass der betroffene Zahn bereits abgestorben ist.
Da das Ergebnis einer solchen Probe jedoch sehr schwammig interpretiert werden kann, ist es durchaus mit Vorsicht zu genießen. Die Vitalitätsprüfung alleine kann keinen Aufschluss über die notwendigen Behandlungsmaßnahmen geben.

Auch süße Speisen oder Getränke können als unangenehm empfunden werden. Außerdem zeigt sich eine aus einer Parodontitis entstandene Zahnwurzelentzündung durch starke Rötungen des umliegenden Zahnfleischs. Auch der Austritt von Eiter in Bereich des betroffenen Zahnes gehört zu den häufigsten Symptomen einer Zahnwurzelentzündung. Zudem ist das Auftreten von Schwellungen im Bereich der Wangen („dicke Backe“) bei einer bestehenden Zahnwurzelbehandlung ein typisches Symptom.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Dicke Backe


Die Schwellungen entstehen durch Eiteransammlungen im umliegenden Gewebe und können einen immensen Umfang annehmen. Beim beklopfen des betroffenen Zahnes durch den behandelnden Zahnarzt entsteht in der Regel eine heftige Reaktion die als „Klopfschmerz“ bezeichnet wird. Der zahnwurzelentzündete Zahn ist auf Grund dieses Symptoms theoretisch recht einfach von den umgebenen gesunden Zähnen abzugrenzen.

In der Praxis gestaltet sich das Ganze jedoch schwieriger, denn die meisten Patienten verspüren in gleich zwei bis drei benachbarten Zähnen eine Klopfempfindlichkeit. Diese Tatsache ist darauf zurück zuführen, dass ein stark wurzelentzündeter Zahn auch zu enormen Reizungen des umliegenden Gewebes führt. Eine spezielle Röntgenaufnahme (sogenannter Zahnfilm) kann letztendlich Aufschluss über den zu behandelnden Zahn geben. In der Regel fertigt der behandelnde Zahnarzt eine Röntgenaufnahme an, sobald ein Patient die Praxis mit derart starken Zahnschmerzen aufsucht. Des Weiteren gilt ein ausgeprägter Schmerz beim Zubeißen der Zähne (Aufbissschmerz) als ein eindeutiges Zeichen für das Vorhandensein einer entzündeten Zahnwurzel.

Lesen Sie mehr zum Thema: Zahnwurzelentzündung Symptome

Schmerzen bei einer Zahnwurzelentzündung

Eine Zahnwurzelentzündung kann zu starken Beschwerden und unangenehmen Schmerzen führen. Dabei kann Sport und körperliche Ertüchtigung dieses unangenehme Gefühl verstärken. Bei der Mehrzahl der betroffenen baut sich ein Druck auf, da sich der Abszess ausbreiten will und das Gewebe verdrängt. Durch die stärkere Durchblutung beim Sport kann sich dieser Druck ausweiten und stärker werden. Weiterhin können sich auch Stresssituationen nachteilig auf den Schmerz auswirken, da das Stresshormon Cortisol zu einer stärkeren Schmerzwahrnehmung führt.

Die Schmerzen können von einem Druckgefühl zu einem pulsierenden, pochenden Schmerz führen. Sobald dieser Zustand erreicht ist, sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden um keine systemischen Erkrankungen entstehen zu lassen. Der Schmerz kann dabei durch die zentrale Lage in andere Gebiete ausstrahlen und auch zu starken Kopfschmerzen oder Schmerzen in den Nasennebenhöhlen führen. Weiterhin berichten Patienten auch von Schmerzen durch Bewegungseinschränkung bei Kopf- oder Nackenbewegungen. Dabei kann schon bloßes Drehen des Kopfes zu Beschwerden führen.

Toter Zahn

Sobald die kariesauslösenden Bakterien das Zahnmark (Pulpa) und die darin eingelagerten Nervenfasern erreicht haben, wird ein starker Entzündungsprozess ausgelöst.
Die Entzündung schädigt die Nervenfasern und sorgt dadurch für starke Schmerzen.
Die oben genannten Bakterien haben aber in manchen Fällen noch eine weitere Eintrittspforte:

  • Sie können auch ausgehend von tiefen Zahnfleischtaschen zur Zahnwurzel vordringen. Diese tiefen Zahnfleischtaschen entstehen im Zuge einer als Parodontose bekannten Erkrankung des Zahnhalteapparats. Durch Plaque- Ablagerungen (Biofilm bestehend aus Speiseresten und Abfallprodukten des bakteriellen Stoffwechsels), die vom Zahnhals ausgehend, an der Zahnwurzel entlang, in die Tiefe fortschreiten, wird das Zahnfleisch (Gingiva) gereizt. In Folge dessen kommt es zuerst zu einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die zum allgemein bekannten Zahnfleischbluten führt.
    Im weiteren Verlauf der Erkrankung entstehen Entzündungsherde um die Zahnwurzel herum, welche sich in Richtung Wurzelspitze ausbreiten und letztendlich auf den Kieferknochen übergehen.

Trotz dieser zweiten Eintrittspforte ist bis heute ein unbehandelter kariöser Zahndefekt die Hauptursache einer Zahnwurzelentzündung. Da als Hauptgrund für die Entstehung einer Karies und/oder Parodontose die mangelnde oder unzureichende Mundhygiene gilt, wird gewissermaßen auch eine Entzündung der Zahnwurzel durch fehlende Zahnpflege ausgelöst.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Toter Zahn

Hinweis

Letztendlich kommt es bei einer Zahnwurzelentzündung immer zu einer Schädigung der Nervenfasern und Blutgefäße innerhalb des Zahnmarks und der Zahnwurzel.
Da jeder Zahn jedoch von der Versorgung mit Blut und Nervenimpulsen angewiesen ist, wird ein Zahn, dessen Zahnmark durch entzündliche Prozesse angegriffen ist, „absterben“.

Es entsteht ein sogenannter „toter Zahn“. Das bedeutet, dass der Zahn zwar noch im Kiefer verbleibt und auch vorerst zum Kauen genutzt werden kann, jedoch weder mit Nährstoffen noch mit Sauerstoff oder ähnlichem versorgt wird.
Folge dessen ist, dass die Zahnhartsubstanz über kurz oder lang brüchig wird und der Zahn unter Belastung (zum Beispiel beim festen Zubeißen) zerbricht.

Ein toter Zahn muss auf jeden Fall behandelt werden, denn sonst besteht die Gefahr

  • des Zahnverlusts oder
  • der Entzündungsausbreitung auf andere Gewebe; besonders gefährlich ist der Übertritt der Entzündungsprozesse auf die Augenhöhle, das Auge und die Halsregion

Häufig befallen die entzündlichen Prozesse nachdem sie die Zahnwurzel und Wurzelspitze angegriffen haben (Zahnwurzelentzündung), die Zahnwurzelhaut und gehen danach auf den Kieferknochen über. Eine weitere Ausdehnung kann dann in der Entstehung eines Abszess und/oder einer Fistel münden.

Ein toter Zahn kann lange Zeit im Kiefer verbleiben. Das liegt daran, dass ein Zahn ohne vitale (funktionstüchtige) Nervenfasern keine Schmerzen mehr verursacht.
Des Weiteren können der Zahnschmelz und das Zahnbein auch über längere Zeit ohne die Versorgung mit Nährstoffen aus dem Blut überleben kann.
Einen abgestorbenen Zahn erkennt man an auffälligen dunklen Verfärbungen, außerdem können Teile der Zahnhartsubstanz abbrechen.

Zahnwurzelentzündung mit Eiterbildung

Ist durch die Zahnwurzelentzündung bereits ein eitriger Abszess mit Schwellung entstanden, ist von körperlicher Anstrengung abzuraten. Der Körper ist durch den Infekt bereits stark geschwächt und eine weitere sportliche Anstrengung mit zusätzlicher Schwächung des Körpers kann den Bakterien eine freie Pforte schaffen, um in den Blutkreislauf zu gelangen. Dabei können die Bakterien nicht nur zu langfristigen Herz- Kreislauf- Erkrankungen führen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Abszess

Akut können die Eiterzellen durch die Blutbahn gelangen und zu einer Sepsis führen, eine Blutvergiftung. Diese Erkrankung ist akut lebensgefährlich und nur 50% aller Sepsiserkrankungen überleben diesen akuten Zustand. Die Bakterien gelangen durch den Blutkreislauf zu allen Organen und fangen an diese systematisch und zeitgleich zu befallen. Daher ist bei einem eitrigen Abszess der Zahnarzt oder die Notfallambulanz aufzusuchen und danach körperliche Ruhe angeordnet, damit sich der Körper regenerieren kann.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Eitrige Zahnwurzelentzündung

Prophylaxe

Da die Ursachen für eine Zahnwurzelentzündung des die Zahnwurzel umgebenden Gewebes eine Parodontitis ist, liegt die Ursache in den bakteriellen Zahnbelägen. Eine Entfernung vom Zahnbelag ist die beste Prophylaxe.

Die Entzündung an der Zahnwurzelspitze ist die Folge der Karies und auch hier ist die Reinigung der Zähne eine prophylaktische Maßnahme. So ist die beste Prophylaxe für Entzündungen an der Zahnwurzel die gründliche tägliche Entfernung der Zahnbeläge.

Prognose Zahnwurzelentzündung

Ist die Entzündung des Zahnhalteapparates noch nicht so weit fortgeschritten, dass eine starke Lockerung besteht, ist die Prognose und Therapie der Zahnwurzelentzündung gut. Bei sehr großer Lockerung ist der Zahn verloren. Nach einer Wurzelspitzenresektion kann der Zahn erhalten werden und deshalb ist die Prognose sehr gut.

Zahnwurzelentzündung und Sport

Bei einer Zahnwurzelentzündung ist von körperlicher Anstrengung, die durch Sport erreicht wird, abzuraten. Durch Anstrengung des Körpers ziehen sich die Gefäße zusammen und der Blutdruck und die Herzfrequenz steigen an. Der Körper erwärmt sich. Dadurch haben die Bakterien, die die Entzündung auslösen die perfekte Umgebung um sich zu vermehren und den Abszess entstehen zu lassen oder diesen schnell zu vergrößern.

Durch die sportliche Ertüchtigung ist der Körper geschwächt und noch angreifbarer. Das Immunsystem hat kaum eine Chance gegen die Infektion durch die Bakterien anzukämpfen. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass die Bakterien so leichter in die Blutbahn gelangen und zu einem systemischen Problem werden. Die Bakterien erreichen dadurch schnell zentrale Organe wie das Herz und können durch die Schwächung des Immunsystems problemlos das Herz schädigen.

Dabei kann sich die Erkrankung Myokarditis bilden, bei der der Herzmuskel von den Bakterien befallen wird und die Muskelzellen schädigt. Dadurch wird der Herzmuskel geschwächt und es kommt zu einer Herzinsuffizienz. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich, da der Herzmuskel nicht mehr so belastbar ist wie zuvor und als Konsequenz ein erhöhtes Herzinfarktrisiko besteht und womöglich lebenslänglich Herzmedikamente eingenommen werden müssen. Daher sollte bei einer Zahnwurzelentzündung bis zum Abklingen von Sport Abstand gehalten werden, um keine schlimmen Konsequenzen zu riskieren.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Myokarditis

Zusammenfassung

Entzündungen an der Zahnwurzel betreffen entweder den Zahnhalteapparat oder den Kieferknochen an der Wurzelspitze. Sie sind Folgen einer Parodontitis oder einer Karies. Eine Therapie besteht entweder in der Säuberung der Zahnfleischtasche, einer Extraktion oder einer Wurzelspitzenresektion.

Qualitätssicherung durch: Dr. Wolfgang Weinert      |     Letzte Änderung: 04.09.2017
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