Karies

Synonyme im weiteren Sinne

Carie, Zahnfäule

Englisch: Decay

Einleitung

Karies ist die weltweit am meisten verbreitete Krankheit.
Besonders in Ländern, in denen Zuckerrohr angebaut wird wie Südamerika, Kuba oder Mauritius tritt sie besonders häufig auf, weil die Bevölkerung wegen der Süße gern das Zuckerrohr kaut.

Abbildung Karies

Abbildung Karies Symptome: Schnittbild gesunder Zahn (links) und Stadien der Erkrankung (A - F)

Karies (Zahnfäule)
chemischparasitärer Prozess

  1. Zahnschmelz - 
    Enamelum
  2. Zahnbein (=Dentin) - 
    Dentinum
  3. Zahnmark in der Zahnhöhle -
    Pulpa dentis in Cavitas dentis
  4. Zahnfleisch - 
    Gingiva
  5. Zement -
    Cementum
  6. Alveolarknochen (zahntragender Teil
    der Kieferknochen) - 
    Pars alveolaris
    (Processus alveolaris)
  7. Nervenfasern und Blutgefäße

    Stadium der Erkrankung:
    Entkalkungsvorgang (A + B + C)
    Mineralien lösen sich aus dem Zahnschmelz - (keine Zahnschmerzen)
    Fortschreitender Karies (D)
    Karies erreicht das Zahnbein - (zeitweise pochender Schmerz)
    Sehr tiefe Kariesdefekte (E + F)
    die das Zahnmark erreichen - (starke, stechende Zahnschmerzen)
    die zunehmende Zerstörung von Nervenfasern kann zu einer Blutvergiftung führen

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Was ist Karies

Karies am Zahn

Die Karies, auch Zahnfäule genannt, ist ein chemisch- parasitärer Prozess. Dabei wirken organische, durch Bakterien erzeugte Säuren und Bakterien direkt zusammen und führen zur Zerstörung der Zahnhartsubstanz. Die Karies zerstört den Zahnschmelz und das Zahnbein, Dentin genannt (siehe auch Anatomie Zahn), fortschreitend, ohne die Möglichkeit der körpereigenen Regeneration, da eine Blutversorgung in diesem Gebiet nicht vorhanden ist. Die für die Entstehung von Säuren verantwortlichen Bakterien sind solche, die Zucker aufnehmen und durch ihren Stoffwechsel Säure erzeugen. Der Hauptkeim ist Streptococcus mutans, der allerdings nicht von der Geburt an in der Mundhöhle vorhanden ist, sondern erst durch den innigen Kontakt mit der Mutter, zum Beispiel durch Küssen, übertragen wird. Die Karies ist also eine Infektionskrankheit.

Wie entsteht Karies?

Zucker ist die häufigste Ursache für die Entstehung der Karies

Durch die Aufnahme von Nahrungsmitteln (siehe auch Ernährung), die in den meisten Fällen auch Zucker enthalten, wenn auch vielfach versteckt, werden die Bakterien ständig angeregt, Säure zu erzeugen. Dabei wird aber nicht immer gleich Karies entstehen, da der Speichel mit seinem Gehalt an Calcium in der Lage ist, die ersten Anfänge der Entkalkung zu reparieren. Erst wenn der Säureangriff stärker als die Remineralisation ist, kommt es zur Ausbildung von Karies. Dabei wird zunächst der Schmelz entkalkt, was sich durch eine weiße Verfärbung bemerkbar macht. In diesem Stadium, bei dem die oberste Schmelzschicht noch intakt ist, können Fluoridgaben den Prozess noch aufhalten. Ist die oberste Schicht jedoch bereits durchbrochen, ist das Fortschreiten der Zerstörung nicht mehr aufzuhalten.

Die kariöse Auflösung des Zahnschmelzes setzt sich fort und erreicht das Dentin, also das im Vergleich zum Schmelz weichere Zahnbein. Dieser Prozess benötigt einige Zeit. Da das Dentin nicht so widerstandsfähig wie der Zahnschmelz ist, verläuft die Karies im Dentin schneller aber unaufhaltsam weiter und unterminiert dabei den Schmelz. Dies zeigt sich in einer dunklen Verfärbung. Der unterminierte Schmelz wird so dünn, dass er einbricht. Spätestens jetzt wird das Ausmaß der Zerstörung erkennbar. Röntgenaufnahmen können den Befund bestätigen. Als Karies profunda wird die noch tiefer gehende Karies bezeichnet. Durch das Dentin laufen feine Kanäle, in denen sich Nervenfasern befinden, die bis ins Zahnmark reichen. Das ist der Grund, weshalb jetzt Schmerzen auftreten, besonders auf süß, da die Bakterien Säure erzeugen, aber auch auf Temperaturreize. Wird nichts unternommen geht die Zerstörung des Zahnes weiter fort und erreicht die Pulpa, das Zahnmark mit seiner Blut- und Nervenversorgung. Nach heftigen Schmerzen geht die Pulpa zugrunde und letztendlich kann der Zahn verloren sein. Bei jüngeren Menschen ist die Karies der häufigste Grund für den Verlust von Zähnen, bei den Älteren die Erkrankungen des Zahnhalteapparates.

Karies erkennen

Das Problem bei einer Karies liegt zumeist darin, dass diese anfangs kaum zu erkennen ist. Betroffene Patienten suchen in der Regel erst dann einen Zahnarzt auf, wenn bereits Zahnschmerzen vorhanden sind. In diesen Fällen ist die Karies jedoch schon sehr weit fortgeschritten und bedarf einer umfangreicheren Therapie. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, zweimal im Jahr zur sogenannten Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

Die zahnärztliche Vorsorgeuntersuchung ist eine Kassenleistung und sämtliche Kosten werden sowohl von den privaten, als auch von den gesetzlichen Versicherungen vollständig getragen. Darüber hinaus können bei regelmäßiger Teilnahme an einem zahnärztlichen Vorsorgeprogramm Bonuspunkte gesammelt werden. Durch diese Bonuspunkte kann der Eigenanteil der von Patienten, die mit einem Zahnersatz (beispielsweise einer Krone oder Brücke) versorgt werden müssen, deutlich gesenkt werden. Zudem ist es für den Zahnarzt recht einfach, eine möglicherweise vorliegende Karies frühzeitig zu erkennen und auf einfache Weise zu behandeln. Besteht der Verdacht auf Karies, schließt sich an die Kontrolle üblicherweise eine Röntgenuntersuchung an. Das Röntgenbild hilft dabei zu erkennen, wie tief der kariöse Defekt bereits in die Zahnsubstanz eingedrungen ist. Darüber hinaus empfiehlt es sich auch bei bereits bestehenden Zahnfüllungen in regelmäßigen Abständen eine röntgenologische Kontrolle durchzuführen. Dies hilft dabei frühzeitig zu erkennen, ob sich unter dem Füllungsmaterial eine neue Karies gebildet hat oder ob entzündliche Prozesse im Bereich der Zahnwurzelspitze vorliegen. Des Weiteren werden in der zahnärztlichen Praxis häufig sogenannte Kariesdetektoren verwendet. Es handelt sich dabei um Substanzen, die auf den Zahn aufgebracht werden können und im Falle des Vorliegens einer Karies ihre Farbe ändern. Personen, die selbst in regelmäßigen Abständen den Zustand ihrer Zähne kontrollieren möchten, können auf folgende Merkmale einer Karies achten. Um eine Karies frühzeitig zu erkennen, sollte darauf geachtet werden, ob die Zähne:

  • weißliche Verfärbungen aufweisen

  • braune Stellen aufweisen

  • klebrige Stellen aufweisen

Auftreten

Die Häufigkeit des Auftretens von Karies kann von Mensch zu Mensch verschieden sein. Es gibt Personen, die selten oder nie Karies bekommen und andere, bei denen kariöse Defekte gehäuft auftreten. Warum das so ist, ist nicht ganz geklärt, man nimmt an , dass es sich um genetische Einflüsse handelt, die für diese Unterschiede verantwortlich sind. Besonders gehäuft tritt Karies auf, wenn der Speichelfluss zu gering ist. Dies ist zum Beispiel nach Röntgenbestrahlung im Kopfbereich der Fall. Bestimmte Areale der Zähne sind besonders anfällig für den Beginn eines kariösen Geschehens. Dies sind die Zahnzwischenräume, die Zahnoberflächen und die Zahnhälse. Hier kann sich Zahnbelag besonders gut ansammeln und ist schwieriger zu entfernen. Besonders in den Zahnzwischenräumen kann die Erkennung einer Karies erschwert sein, da die ersten Anzeichen durch Zahnfleisch verdeckt sein können. Auch Zahnfehlstellungen (Gebissanomalien) begünstigen das Auftreten von Karies.

Ist Karies ansteckend?

Es ist zwar allgemein bekannt, dass Erkrankungen, die durch virale oder bakterielle Erreger hervorgerufen werden, ansteckend sind. Das dies auch für Karies zutrifft ist den meisten Menschen jedoch nicht bewusst. Bei Karies handelt es sich um eine Zahnerkrankung, die durch bakterielle Erreger hervorgerufen wird. Laut Weltgesundheitsorganisation (kurz: WHO) handelt es sich bei Karies sogar um die weitest verbreitete Infektionskrankheit überhaupt. Man geht davon aus, dass ungefähr 95 Prozent der Weltbevölkerung davon betroffen sind. Alle Menschen kommen zunächst ohne die karies-verursachenden Bakterien auf die Welt. Da diese Erkrankung jedoch ansteckend ist, müssen die bakteriellen Erreger zunächst in die Mundhöhle gelangen. In der Regel findet die Übertragung der relevanten Erreger bereits in der frühen Kindheit statt. Vor allem die gemeinsame Nutzung von Besteck

oder das Säubern eines Schnullers mit Speichel der Mutter, gehört zu den häufigsten Übertragungswegen. Nach der Übertragung siedeln sich die karies-auslösenden Bakterien innerhalb der Mundhöhle des Kindes an, vermehren sich und persistieren dort über Jahre. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Kariesrate und Alter bei Ansteckung besteht. Je früher die ansteckenden Bakterien übertragen werden, desto höher kann die spätere Kariesrate sein. Studien zufolge bekamen von den Kindern, die in den frühen Lebensjahren infiziert wurden, ungefähr 89 Prozent noch vor dem fünften Lebensjahr Karies. Bei Karies handelt es sich demnach um eine weit verbreitete Infektionskrankheit, die hoch ansteckend ist.

Therapie

Eine effektive Kariestherapie kann nur dann gewährleistet werden, wenn der behandelnde Zahnarzt eine richtige Einschätzung bezüglich der Kariestiefe und des Zustandes des betroffenen Zahnes trifft. Zu diesem Zwecke stehen dem Zahnarzt verschiedene diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung. In einigen Fällen können spezielle Lösungen, sogenannte Kariesdetektoren, dabei helfen kariöse Defekte am Zahn darzustellen. Diese Lösungen färben den Defekt, nachdem sie auf den trockenen Zahn aufgetragen wurden.

Darüber hinaus kann noch vor dem Beginn der Karies-Therapie ein geeignetes bildgebendes Verfahren durchgeführt werden. In der Zahnmedizin werden dazu in der Regel zwei verschiedene Verfahren genutzt. Sollten mehrere Zähne in unterschiedlichen Quadranten kariöse Stellen aufweisen, so kann eine Röntgenübersichtsaufnahme (Orthopantomogramm; OPG) angefertigt werden. Liegt lediglich an einem Zahn Karies vor, so sollte ein sogenannter Zahnfilm aufgenommen werden. Dieser ermöglicht eine exakte Einschätzung der Kariestiefe. Da es bei der Anfertigung von Röntgenaufnahmen stets zu einer Strahlenbelastung des Patienten kommt, sollten bildgebende Verfahren jedoch nur in besonderen Fällen durchgeführt werden. Die Therapie von kleinen kariösen Defekten kann zumeist auch ohne Bildgebung problemlos durchgeführt werden.

Sobald eine Karies als solche identifiziert und das Ausmaß des Defektes ermittelt wurde, kann mit der eigentlichen Behandlung begonnen werden. Die Therapie bei Vorliegen einer Karies richtet sich vor allem nach der exakten Lokalisation und dem jeweiligen Kariesstadium. In diesem Zusammenhang müssen verschiedene Ausprägungen der Karies unterschieden werden.

Die sogenannte Initialkaries gilt als Vorstufe einer echten Karies. Es handelt sich dabei um Entkalkungsvorgänge im Bereich des Zahnschmelzes, die sich als kleine weiße Flecken auf der Zahnoberfläche zeigen. Die Therapie dieser Form der Karies erfolgt in der Regel durch das Auftragen einer Fluorid-haltigen Substanz. Auf diese Weise kann der angegriffene Zahnschmelz remineralisiert und gehärtet werden. Darüber hinaus können fluoridhaltige Zahncremes dabei helfen, den betroffenen Zahn vor weiteren Schäden zu schützen.
Bei der Anwendung von fluoridhaltigen Zahncremes müssen jedoch unbedingt die Anweisungen des behandelnden Zahnarztes befolgt werden. Eine Überdosierung kann nämlich innerhalb kürzester Zeit zu unschönen Fluoridablagerungen auf der Zahnoberfläche führen. Bei einer Karies, die nicht bloß auf den Zahnschmelz beschränkt ist, sondern auch das tiefere Zahnbein (Dentin) befällt, bedarf in der

Regel einer wesentlich umfangreicheren Therapie. Eine Fluoridierung der Zahnoberfläche kann die Ausbreitung der kariösen Defekte bei Vorliegen einer solchen Dentinkaries nicht länger aufhalten. Bei der Therapie dieser Form der Karies muss der behandelnde Zahnarzt die kariöse Zahnsubstanz mitsamt eines minimalen Anteils gesunden Zahnes entfernen. Nur auf diese Weise kann einer möglichen Kariesneubildung unter dem Füllungsmaterial (sogenannte Sekundärkaries) vorgebeugt werden. Im Anschluss muss der Zahn vollständig trockengelegt und mit einem Füllungsmaterial versehen werden. Die Wahl des am besten geeignetsten Füllungsmateriales richtet sich sowohl nach dem Zustand des Zahnes, als auch nach dem Wunsch des Patienten.

Bei der Therapie einer Karies unterscheidet man starre, von plastischen Füllungsmaterialien. Starre Füllungsmaterialien werden in der Regel nur bei umfangreicheren kariösen Defekten verwendet. Sie müssen außerhalb der Mundhöhle, in einem zahntechnischen Labor angefertigt und im Anschluss in den Zahn eingebracht werden. Aus diesem Grund sind die starren Füllungsmaterialien deutlich teurer als die Plastischen. Im Bezug auf die Stabilität liegt der Vorteil jedoch deutlich auf Seiten der starren Füllungsmaterialien. Zur Gruppe der plastischen Füllungsmaterialien zählen vor allem Komposite (Kunststoffe) und Amalgam. Diese Substanzen können nach Präparation und Trockenlegung des Zahnes direkt in die Kavität eingebracht, dort geformt und ausgehärtet werden. Im Gegensatz zu den starren Materialien eignen sie sich vor allem zur Versorgung kleiner Karies.

Mittlerweile finden hauptsächlich Kunststoffe in der Therapie der Karies Anwendung. Grund dafür ist die Tatsache, dass Amalgamfüllungen gesundheitsgefährdende Eigenschaften nachgesagt werden. Eine Zahnfüllung aus Amalgam scheint jedoch wesentlich langlebiger zu sein als eine Kunststofffüllung. Die Therapie einer Karies wird grundsätzlich sowohl von den gesetzlichen, als auch von den privaten Versicherungen getragen. Sowohl die Anfertigung einer Kunststofffüllung, als auch die Therapie mit einem starren Füllungsmaterial bedürfen jedoch einer Zuzahlung des Patienten. Einzige Ausnahmen bilden hier Frontzahnfüllungen und Zahnfüllungen bei Patienten, die nicht mit Amalgam versorgt werden dürfen (beispielsweise bei Unverträglichkeiten, Allergien oder Nierenfunktionsstörungen). In diesen Fällen werden zumindest die Kosten für eine Kunststofffüllung vollständig von den Krankenkassen getragen. Patienten mit einer sogenannten caries profunda (tiefe Karies), bei der mehr als 2/3 des Zahnbeins betroffen sind, bedürfen einer wesentlich umfangreicheren Therapie.

Bei den betroffenen Patienten gilt es neben dem Setzen der Füllung, auch den Zahnnerv (Pulpa) zu schützen. Aus diesem Grund muss der gewöhnlichen Zahnfüllung immer eine sogenannte Unterfüllung voraus gehen. Dabei wird ein calciumhydroxidhaltiges Medikament, welches die Zahnbein-Neubildung anregen soll, in die Tiefe der Kavität eingebracht. Eine sogenannte durchdringende Karies (caries penetrans) hingegen reicht bereits durch das Zahnbein bis in die Zahnmarkhöhle (Pulpa).

Kommt es bei dem betroffenen Zahn zur Ausbildung von entzündlichen Prozessen, muss das Zahnmark mitsamt der darin befindlichen Nervenfasern entfernt werden. Bei dieser umfangreichen Karies-Therapie werden die Wurzeln des Zahnes mit kleinen Handbohrern bearbeitet und anschließend gründlich desinfiziert (Wurzelkanalaufbereitung). Zudem muss in den meisten Fällen ein antibakterielles Medikament in den Zahn eingebracht und dort für einige Tage belassen werden. Im Anschluss kann diese Form der Karies-Therapie durch das Auffüllen der Wurzelkanäle abgeschlossen werden (Wurzelkanalfüllung). Je nach Ausprägung der entzündlichen Prozesse kann die Prognose deutlich variieren. Man kann davon ausgehen, dass die Vielzahl der behandelten Zähne nach einiger Zeit einer weiteren Therapie bedarf. Treten bei dem Patienten nach Abschluss der Wurzelkanalbehandlung erneut Schmerzen auf, muss in der Regel eine sogenannte Wurzelspitzenresektion durchgeführt werden. Bleibt auch dieser Therapie-Versuch erfolglos, muss der betroffene Zahn aus dem Kiefer entfernt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Karies entfernen und Kariesbehandlung

Prophylaxe

Regelmäßige Zahnpflege als Prophylaxe der Karies

Die für die Entstehung von Karies verantwortlichen Bakterien sammeln sich im Zahnbelag, der sich zwischen Zahn und Zahnfleischrand bildet, an. Deshalb ist es für die Prophylaxe wichtig, diesen Zahnbelag mittels Zahnbürste, Zahnpasta und Zahnseide zu entfernen. Denn es gilt der Spruch: „ Ein sauberer Zahn wird nicht krank „. Theoretisch könnte man auch durch tägliches Spülen mit Antibiotika oder Antiseptika eine Ausschaltung der gefährlichen Bakterien erreichen. Dies würde aber die gesamte Mundflora in Unordnung bringen und zusätzlich zu Resistenzen der Bakterien führen. Deshalb ist dieser Weg nicht gangbar. Da aber Fluoride die Widerstandskraft des Zahnschmelzes gegen Säureangriffe stärken, sollten in jedem Fall fluoridhaltige Zahnpasten oder Spüllösungen Verwendung finden. Fluoride verstärken auch den remineralisierenden Effekt des Speichels. Die einfachste und billigste Möglichkeit Fluorid zu verabreichen wäre die Fluoridgabe durch das Trinkwasser. Diese Art der Fluoridzufuhr ist jedoch in Deutschland vom Gesetzgeber her nicht erlaubt, da es sich dabei um eine Zwangsmedikation handelt. Ein anderer Weg wäre der gänzliche Verzicht auf Zucker, aber dies ist sicherlich auch nicht möglich. Eine vielversprechende Maßnahme ist die besonders in Skandinavien geübte Verwendung von Xylit anstelle von Zucker. Xylit kann vom Streptococcus mutans nicht aufgenommen und verarbeitet werden, und es kommt letztendlich zum „Verhungern „ dieses für die Karies verantwortlichen Keimes. Xylit ist aber teuer und deshalb nicht in allen Nahrungsmitteln zu verwenden. Zur Zeit ist es hauptsächlich ein Bestandteil von Kaugummis. Bei Jugendlichen, deren Seitenzähne noch nicht von Karies befallen sind, bietet sich eine Versiegelung der besonders gefährdeten Zahnoberflächen an. Dabei werden die Grübchen mit Kunststoff aufgefüllt und so gegen Säureangriffe geschützt. Diese prophylaktische Maßnahme hat sich bestens bewährt.

Der Zahnhalskaries

Bei Karies am Zahnhals sind die Zähne besonders schmerzempfindlich.

Zahnhalskaries befindet sich nun nicht wie die meiste Karies auf der okklusalen Fläche, sondern, wie der Name schon vermuten lässt, im Bereich des Zahnhalses. Dieser kann, wie physiologisch vorgesehen, eng vom Zahnfleisch bedeckt sein, oder aufgrund von äußeren Einflüssen, wie zu starkes Zähneputzen oder einer Zahnfleischerkrankung, freiliegen. Liegt dieser frei, kommen besonders leicht Bakterien an ihn heran.

Der Zahnhals stellt den Übergang von der Zahnkrone zur Zahnwurzel dar. Die Zahnkrone ist mit Zahnschmelz bedeckt und geht am Zahnhals in Zahnzement über, was im Bereich der Wurzel das Dentin bedeckt. Der Zahnschmelz ist sehr hart und der eigentliche Schutz vor Karies. Im Bereich des Zahnhalses ist dieser jedoch nicht mehr vorhanden, sodass das Dentin ungehindert von Bakterien befallen werden kann. Diese haben es in diesem Bereich sehr leicht, da sie direkt am weicheren Dentin ansetzen und relativ schnell die Zahnpulpa erreichen können, von dort aus ist es nur noch ein kleiner Sprung zum Wurzelkanal.

Symptome

Die Symptome für eine Zahnhalskaries lassen sich nicht eindeutig einem Muster zuordnen, sondern sind aufgrund ihrer langen Wirkdauer, je nach Stadium abhängig.
Zu Beginn einer Zahnhalskaries weiß der Patient noch nicht einmal, dass er darunter leidet, denn Schmerzen treten erst mal keine auf. Der Nahrungsaufnahme kann ganz gewohnt nachgegangen werden, ohne, dass man bei sehr kalten oder auch heißen Getränken etwas spürt. Oral sichtbar ist es hingegen schon, nämlich in Form von kleinen weißen Pünktchen im Bereich des Zahnhalses. Sollten diese zufällig, zum Beispiel bei der regelmäßigen Kontrolle von einem Zahnarzt entdeckt werden, hat man sehr gute Chancen, sie ohne weiteren Aufwand und sehr substanzschonend behandeln zu lassen, sodass der Eintritt ins nächste Stadium verhindert werden kann.
Mit der Zeit werden diese weißlichen Verfärbungen immer mehr sichtbar und auch der Patient verspürt die ersten Symptome. Schmerzen treten periodisch auf, verschwinden also für einen gewissen Zeitraum, kehren jedoch auch wieder. Die Phasen des Nichtauftretens werden seltener, bis der Schmerz dauerhaft zu Tage kommt.

Essen und Trinken gestaltet sich von Mal zu Mal als unangenehmer. Besonders heiße oder kalte Getränke, süße und klebrige Speisen oder auch säurehaltiges Obst treiben einem beim Verzehr den Schmerz ins Gesicht und von Genuss kann keine Rede mehr sein. Man greift sich mit der Hand an die Stelle von außen mit der Hand und ist froh, wenn nichts mehr diese Stelle berührt. Die Zahnhalskaries kann sich auf das umgebene Gewebe ausbreiten, sodass der Schmerz noch stärker wird. Ein weiteres Symptom ist ein fauler Geruch aus dem Mund. Sollte schon mal eine Füllung am Zahnhals durchgeführt worden sein und dieser aber wieder betroffen sein, wird sich die Füllung langsam lockern.

Ursachen

Oft sind freiliegende Zahnhälse die Ursache.

Die Hauptursache für das Aufkommen einer Karies im Zahnhalsbereich sind freiliegende Zahnhälse. Die Ursachen für freiliegende Zahnhälse sind unterschiedlich. Hauptgrund ist meist eine Parodontitis.
Aber auch der Konsum von Nikotin kann dazu beitragen.
Freiliegende Zahnhälse können auch Menschen erwischen, die regelmäßig ihre Zähne putzen, dabei jedoch zu großen Druck mit der Zahnbürste, die möglicherweise zu hart ist, ausüben und zusätzlich noch Zahnpasta mit starken Abrasionskörpern verwenden. Dadurch ist das Zahnfleisch einer großen Belastung ausgesetzt, sodass die kleinen Gewebsfasern reisen und sich das Zahnfleisch zurückzieht.
Der Weg für Bakterien am Zahnhals ist frei.

Behandlung

In der Regel wird wie bei Karies auf der Kaufläche verfahren.

Bei einer größeren Zerstörung am Zahnhals, die möglicherweise auch schon weiter fortgeschritten ist, wird entweder, sofern es noch möglich ist, eine Krone angebracht oder, möglicherweise auch in Kombination, eine Wurzelbehandlung durchgeführt. Bei dieser wird die Karies entfernt und auch alle Keime aus den Wurzelkanälen entfernt. Die Wurzelkanäle werden anschließend etwas verbreitert, damit ein Füllungsmaterial hineingegeben werden kann.

Prophylaxe

Die beste Vorsorge gegen Zahnhalskaries ist es, den Bakterien überhaupt nicht die Möglichkeit zu bieten, eine Karies auszulösen.
Da die Hauptursache freiliegende Zahnhälse sind, sollte man eine Parodontitis oder Gingivitis verhindern.
Das wichtigste ist beim allem eine gute und ausreichende Mundhygiene. Mindestens 2 mal am Tag die Zähne mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta putzen, mit einer nicht zu harten Zahnbürste und wenig Anpressdruck. Die Bewegungen kreisend vom Zahnfleisch weg zur Zahnkrone hin in einem Winkel von 45° ausführen.
Elektrische Zahnbürsten entfernen Plaque noch zuverlässiger und einfacher. Zungenschaber, Mundspülungen und Zahnseide, für die schwer zu erreichenden Zahnzwischenräume, sind ergänzend einzusetzen. Auch sehr wichtig ist die Einhaltung der Kontrolltermine, mindestens zweimal im Jahr, beim Zahnarzt.
Eine professionelle Zahnreinigung kann bei einem solchen Besuch auch durchgeführt werden.

Zusammenfassung

Die Karies ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit. Organische Säuren und Bakterien sind die auslösende Ursache für die Zerstörung der Zahnhartsubstanz. Die im Zahnbelag befindlichen Bakterien verarbeiten den Zucker zu aggressiven organischen Säuren. Die Therapie besteht in der totalen Entfernung des infizierten Gewebes und anschließender Füllung mit geeigneten Materialien. Die Prophylaxe umfasst die Entfernung der Zahnbeläge durch sorgfältig durchgeführter Mundhygiene, für die das notwendige Instrumentarium zur Verfügung steht.

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Autor: Dr. Wolfgang Weinert      |     Letzte Änderung: 10.11.2016
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