Schmerzen an der Zunge

Einleitung

Salzig, süß, sauer, bitter und herzhaft, die Geschmäcker unseres Lebens. Eine unzählige Menge an Nahrungsmitteln lassen uns jeden Tag aufs neue Gaumenfreuden erleben, die ohne unsere Zunge nicht möglich wären. Auf ihre sitzen die Rezeptoren, die diese Vielzahl an Geschmäckern unterscheiden und jedes Essen mal mehr oder weniger lecker erscheinen lassen. Doch was, wenn dieser große Muskel schmerzt und Probleme verursacht? Die Mundhöhle ist ein Ort vieler Krankheiten und häufig auch ein Spiegelbild für den Gesamtzustand des Organismus.

Aufbau der Zunge

Die Zunge (lat. lingua) ist aus verschiedenen Muskeln aufgebaut und gliedert sich in drei Abschnitte. Dies sind die Zungenwurzel (Radix linguae), der Zungenkörper (Corpus linguae) und die Zungenspitze (Apex linguae).
Die glatte Unterfläche des Zungenkörpers ist über ein Bändchen (Frenulum linguae) mit der Schleimhaut des Mundbodens verwachsen.
Durch eine Furche (Sulcus medianus) wird die Zunge in eine rechte und linke Hälfte geteilt. Diese verläuft nach hinten bis eine weitere Furche (Sulcus terminalis) den Körper von der Wurzel unterteilt. Der Muskelkörper besteht aus inneren (für die Eigenverformbarkeit) und äußeren Zungenmuskeln (für den Bewegungsspielraum).

Auf der Schleimhaut des Zungenrückens sitzen Zungenpapillen und Drüsen. Manche der unterschiedlichen Papillen sind für den Geschmackssinn zuständig, andere eher für das Wäremempfinden oder auch für einen Vergrößerungseffekt, wenn wir Strukturen mit der Zunge, wie beim Essen, abtasten. Versorgt wird sie von Ästen der Arteria lingualis und Ästen von Hirnnerven.

Die Aufgabe der Zunge ist neben den unterschiedlichen Empfindungen, auch die Beteiligung am Bilden von Lauten oder die Unterstützung der Immunabwehr.

Zungenschmerzen

Definition

Das Schmerzen der Zunge wird medizinisch unter dem Begriff „Glossalgie“ geführt.
Das Zungenbrennen bezeichnet man als „Glossodynie“ oder auch „Burning-Mouth-Syndrom“.
Eine Entzündung der Zunge nennt man „Glossitis“.
Schätzungsweise leiden ca. zwei bis drei Prozent der deutschen Bevölkerung im Jahr unter Zungenbrennen.

Ursachen

Die Ursachen für Schmerzen, Schwellungen oder Brennen der Zunge erstrecken sich über ein weitläufiges Gebiet.
Häufig wird die Zunge gereizt, vielleicht durch eine scharfe Kante oder einen nicht korrekt passenden Zahnersatz. Zahnkronen sind meist aus unterschiedlichen Metall-Legierungen gegossen worden, die eine Reizung verursachen, aber auch eine nicht gut passende Total- oder Teilprothese kann die Zunge dauerhaft reizen.
Ein Piercing kann auch die Zunge verletzen.
Bei der Nahrungsaufnahme verbrennt man sich schnell mit zu heißen Lebensmitteln oder wer hat sich noch nicht einmal beim Kauen auf die Zunge gebissen.
Psychische Ursachen schlagen sich häufig auf die Zunge nieder, besonders das Brennen ist dafür typisch. Wenn die Seele leidet, man übermäßig viel Stress im Alltagsleben hat, schwerwiegende Probleme unverarbeitet tief verborgen liegen oder Depressionen einen begleiten, kann das Brennen der Zunge ein Hinweis auf ein solches Problem sein.

Des Weiteren ist man möglicherweise allergisch auf bestimmte Lebensmittel, häufig Nüsse, spezielle Obstsorten, Käse etc.. Dem Körper kann es aber auch an Vitamin A, B, C oder Eisen mangeln. Besonders ist hier der Vitamin B12 Mangel zu erwähnen, der zu einer Blutarmut führen kann. Der Fachbegriff dafür lautet „Perniziöse Anämie“, was unbehandelt tödlich enden kann. Die Zunge ist dabei entzündlich gerötet, sehr glatt, besitzt feuerrote Flecken, die von hellen oder gräulichen Bezirken umgeben sind. Die Zungenpapillen können dabei komplett verloren gehen, dies nennt man dann Spiegelzunge.
Entzündliche Veränderungen der Zunge sind eine häufige Begleiterscheinung von anderen Krankheiten. Dazu zählen als Beispiele Syphilis, Diphtherie, AIDS oder Scharlach (Himbeerzunge).
Aber auch das Leiden an Diabetes, Herpes oder Lebererkrankungen (Leberzirrhose) fällt in diese Kategorie.
Auch bekannt ist die sogenannte Landkartenzunge, die, wie der Name schon erahnen lässt, durch gerötete Inseln mit weissem Randsaum, ihren Namen erhalten hat. Dies ist jedoch gutartig, der Auslöser dafür wahrscheinlich erblich bedingt, aber noch nicht bekannt.
Der Mundraum ist häufig ein Gebiet, in dem sich Pilze, Hefen oder Viren ausbreiten können und auch die Zunge ist oft von diesen befallen, was sich in Schmerzen widerspiegelt.
Auch durch einen Rückfluss von Mageninhalten in die Speiseröhre kann die Zunge brennen.

Werden dem Körper toxische Mittel in Form von Medikamenten, Drogen oder durch Tabakkonsum zugeführt, kann dies auch Probleme mit der Zunge auslösen. Antidepressiva oder ACE-Hemmer haben ein Zungenbrennen als Nebenwirkung.
Aufgrund einer Bestrahlung von Kopf-Hals-Tumoren kann die Zunge in Mitleidenschaft gezogen werden.

Neben der täglichen Zahnpflege, ist auch die Pflege der Zunge unabdingbar, denn Bakterien auf dieser, können auch zu einer Entzündung und somit zu Schmerzen führen. Ein Zungenschaber, spezielle Mundspülungen oder eine weiche Zahnbürste, mit denen man die Zunge reinigt, lassen dieses Risiko schnell sinken.

Eine schmerzende Zunge kann auch durch einen entzündeten Weisheitszahn entstehen. Ein Zeichen, dass dieser behandelt werden muss.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Rote Flecken auf der Zunge.

Symptome

Mit einem Zungenschaber lässt sich die Zunge schonend reinigen

Die Beschwerden können entweder nur kurzfristig auftauchen oder sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Sobald der Tag sich dem Abend zuneigt, nehmen die Schmerzen meist zu.
Frauen leiden häufiger an einem Problem mit der Zunge. Forschungen haben gezeigt, dass es besonders häufig während den Wechseljahren zu solchen Beschwerden kommt. Warum dies der Fall ist, ist bisher aber noch nicht genau erschlossen worden, möglicherweise hängt es mit dem Östrogenspiegel zusammen.

Nicht alle Symptome treten immer zusammen auf, sondern meist einzelne davon, die bezeichnend für eine gewisse Erkrankung sind. Die Zunge kann brennen, geschwollen und/oder entzündet sein, vielleicht auch Bläschen oder Pickel aufweisen.
Ein Brennen macht sich vor allem an der Spitze und an den Seiten der Zunge bemerkbar, die optisch aber keine Veränderung aufweisen muss. Das Brennen kann aber auch an anderen Bereichen des Mundraumes auftreten, wie am Gaumen oder an den Lippen. Das Schmerzgefühl selbst empfindet mal als sehr quälend und eher dumpf. Begleiterscheinungen, zusätzlich zum Brennen, sind keine Seltenheit. Der Mund kann trocken sein und auch das Wahrnehmen der Geschmäcker kann beeinträchtigt sein. Hinzu kommen meist eine Art Pelzigkeitsgefühl und ein unangenehmer Mundgeruch. Außerdem kann der Speichelfluss erhöht sein.
Die Empfindlichkeit gegenüber kalten oder heißen Speißen ist verstärkt, sowie bereiten das Schlucken und Sprechen Probleme.
Weise Beläge gehen eigentlich durch die tägliche Mundreinigung verloren. Bestehen sie aber weiterhin, weist ein Belag im hinteren Drittel auf Probleme mit dem Darm hin, in der Mitte eher auf eine Schleimhautentzündung und im vorderen Drittel auf eine mögliche Magenschleimhautentzündung.
Bei einer geschwollenen Zunge kann man als mögliche Option von einem Schilddrüsenproblem und damit verbundenen Hormonstörungen ausgehen.
Sind die Venen auf der Unterseite der Zunge besonders deutlich zu sehen und besitzen vielleicht sackähnliche Erweiterungen, kann dies auf ein Problem mit dem Herzen hindeuten. Das Herz leistet womöglich nicht mehr so seine Arbeit, wie es sollte und pumpt nicht kräftig genug. Nebenwirkungen von Medikamenten können sich dadurch bemerkbar machen, dass sich die Papillen am Sulcus medianus schwärzlich oder bräunlich verfärben.

In den meisten Fällen verschwinden auftretende Symptome meist wieder nach ein paar Tagen. Ist dies nicht der Fall, deutet dies auf eine ernsthaftere Erkrankung hin, die vom Arzt untersucht werden sollte.

Diagnostik

Bei Unsicherheit oder nicht abklingenden Symptomen ist der Arztbesuch auf jeden Fall ratsam.
Ein Hinauszögern kann die Situation verschlimmern und eine ernsthafte Erkrankung bleibt unentdeckt. Eine mögliche Infektion könnte sich ausbreiten, das Schlucken immer schwerer werden, der Schmerz chronisch werden oder Atemnot könnte auftreten.
Häufig ist die erste Anlaufstelle ein Zahnarzt, da viele ein Problem mit den Zähnen bzw. mit einem Zahnersatz vermuten. Die oben aufgeführten Ursachen zeigen aber, dass die Ursache durchaus eine ganz andere sein kann.
Der behandelnde Zahnarzt oder Hausarzt begutachtet den Mundraum und analysiert mögliche Vorerkrankungen und den allgemeinen Krankheitsverlauf. Eine breitgefächerte Anamnese (Krankengeschichte) ist eben dabei nötig, da von psychischen Faktoren bis hin zu einer Hautkrankheit sehr vieles in Betracht gezogen werden muss.
Ein Abstrich von der Zunge kann einen Pilzbefall aufzeigen, oder ein Allergietest mögliche Unverträglichkeiten. Eine Überweisung zu einem Facharzt ist in diesem Fall normal.

Therapie

Bei einer leichten Entzündung der Zunge gestaltet sich die Therapie nicht sehr schwer, wenn keine größere Erkrankung dahinter steckt. Die Schmerzen kann man lindern, indem man Salbeitee trinkt oder auch mit einer Salzlösung spült.
Ist ein Pilzbefall diagnostiziert worden, wird ein Antimykotikum verabreicht, bzw. zur Bekämpfung von Bakterien, das passende Antibiotikum.
Jogurt hat auch eine lindernde Wirkung auf eine schmerzende Zunge und Vitamin C sollte ausreichend zu sich genommen werden.

Bei einem psychischen Problem ist das Aufsuchen eines Therapeuten sicherlich ratsam, was aber der behandelnde Arzt ausführlich bespricht. Ist die Ursache für den Zungenschmerz gefunden, sollte dieser nach Beginn der entsprechenden Behandlung schnell verschwinden.

Zusammenfassung

Die Zunge verrät viel über den allgemeinen Gesundheitszustand eines Menschen und kann vielfältige Hinweise darauf geben, was vielleicht mit uns nicht in Ordnung ist. Der Körper muss immer als funktionelles Gesamtsystem betrachtet werden, in dem die Zunge ein gutes Warnsignal darstellt.

Weiter Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.04.2017
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