Medikamente gegen Pilzinfektion

Synonyme im weiteren Sinne

Pilze, Pilzerkrankungen, Candida, Hefe, Amphotericin B, Fusspilz

Einleitung

Antimykotika (Mittel gegen Pilzerkrankungen) sind Arzneimittel gegen Pilzinfektionen. Pilze sind vielzellige Organismen, die sich von organischem Material ernähren. Es sind etwa 100 000 Pilzarten bekannt, doch nur ca. 50 Arten können für den Menschen gefährlich werden. Man unterscheidet die Spross- oder Hefepilze (z.B. Candida- und Cryptococcusarten) von den Faden- oder Schimmelpilzen (z.B. Aspergillen). Wichtige Angriffspunkte der Antimykotika sind die Zellwand der Pilze aus Chitin, Glukanen und Zellulose. Antimykotika (Mittel gegen Pilzerkrankungen) können das Wachstum der Pilze stoppen (fungistatische Wirkung) oder die Pilze abtöten (fungizide Wirkung) (Mittel gegen Pilzerkrankungen).


Einteilung

Die Einteilung der Antimykotika (Mittel gegen Pilzerkrankungen) erfolgt anhand des Angriffspunktes:

  • Hemmung der Ergosterolsynthese durch Allylamine, Azole und Morpholine
  • Störung der Membranfunktion durch Polyene
  • Antimetabolite wie Flucytosin
  • Störung der Mikrotubuli durch Griseofulvin
  • Glukansynthesehemmer wie Echinocandine

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel zur Gattung Pilze.

Ergosterolsynthesehemmer

Ergosterol ist ein spezifischer Bestandteil der Pilzellmembran und essenziell für eine optimale Funktion der Zelle und für deren Wachstum. Da Ergosterol in mehreren Schritten hergestellt wird, greifen die Ergosterolsynthesehemmer an unterschiedlichen Stellen der Syntheseabfolge ein. Die wichtigsten Arzneistoffgruppen unter den Ergosterolsynthesehemmer sind Allylamine, Azole und Morpholine (Mittel gegen Pilzerkrankungen).

Allylamine

Wirkstoffe und Wirkmechanismus:
Zu den Allylaminen (Mittel gegen Pilzerkrankungen) gehören die Wirkstoffe Terbinafin (Lamisil ®) und das lokal eingesetzte Naftifin (Exoderil®). Diese Antimykotika (Mittel gegen Pilzerkrankungen) greifen in einen sehr frühen Schritt der Ergosterolsynthese ein und hemmen ein ganz bestimmtes Enzym (Squalenepoxidase). Das bewirkt bei den meisten Pilzarten eine Wachstumshemmung. Lediglich auf Hautpilze (Dermatophyten) wirkt es fungizid. Terbinafin wird oral eingenommen, gut aus dem Darm in den Kreislauf aufgenommen und reichert sich vor allem in der Haut, Nägel und Fettgewebe an (Mittel gegen Pilzerkrankungen).

Anwendung und Nebenwirkungen:
Terbinafin wird hauptsächlich bei Infektionen der Haut durch Dermatophyten eingesetzt. In der Leber wird der Arzneistoff abgebaut und die Abbauprodukte über die Nieren und den Darm wieder ausgeschieden. Deshalb sollte Terbinafin bei Leberfunktionsstörungen nicht verabreicht werden. Es wird eigentlich ganz gut vertragen. Unerwünschte Hauterscheinungen oder Störungen bei der Verdauung sind eher selten (Mittel gegen Pilzerkrankungen).

Azole

Azole (Mittel gegen Pilzerkrankungen) stören die Ergosterolsynthese in einem späteren Schritt als die Allylamine. Sie wirken hemmend auf das Pilzwachstum (fungistatisch).
Einteilung und Anwendung:
Bei den Azolen (Mittel gegen Pilzerkrankungen) unterscheidet man Wirkstoffe, die nur lokal, also örtlich aufgetragen (z.B. als Creme oder Salbe) angewandt werden können von Wirkstoffen, bei denen lokale und systemische Gaben möglich sind. Als lokaler Wirkstoff wird beispielsweise Clotrimazol (Canesten®) bei Pilzinfektionen der Haut, Mundschleimhaut, Genitalien und Hautfalten eingesetzt. Weitere lokal angewandte Wirkstoffe sind Ketoconazol (Nizoral®), Bifonazol (Mycospor®), Miconazol (Daktar®), Isoconazol (Travocort®), Oxiconazol (Myfungar®) und Fenticonazol (Fenizolan®).
Zu den Wirkstoffen, bei denen auch eine systemische Gabe möglich ist, gehören Fluconazol (Diflucan®), Itraconazol (Sempera®), Posaconazol (Noxafil®) sowie Voriconazol (Vfend®). Sie sind recht breit, d.h. gegen verschiedene Pilzarten wirksam (Mittel gegen Pilzerkrankungen).

Nebenwirkungen und Kontraindikationen:
Am ehesten sind als unerwünschte Wirkungen Störungen des Magen-Darm-Traktes wie Übelkeit oder Bauchschmerzen zu beobachten. Daneben kann es zu Kopfschmerzen, Schwindel oder Hautausschlägen kommen. Nur selten wird auch die Leber in Mitleidenschaft gezogen, was sich in einer Erhöhung der Leberwerte (Leberenzyme) zeigen, aber auch bis zu schweren Funktionsstörungen reichen kann. Patienten mit Lebererkrankungen und auch Kinder im Allgemeinen sollten nicht mit Azolen therapiert werden.
Arzneimittelinteraktionen durch Azole:
Azole (Medikamente gegen Pilzerkrankungen) beeinflussen in der Leber bestimmte Enzyme, die zum sog. Cytochrom- P450-System gehören (CYP450-Enyzme). Einerseits werden Azole durch CYP450-Enzyme verstoffwechselt, andererseits hemmen Azole auch manche dieser Enzyme. So beeinflussen diese Antiymkotika (Mittel gegen Pilzerkrankungen) die Aktivierung oder den Abbau mancher anderer Medikamente. Bei gleichzeitiger Gabe von anderen Wirkstoffen wie Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin oder Phenobarbital werden diese durch Azole schneller abgebaut, was zu einem Wirkverlust dieser Substanzen führt.
Auf der anderen Seite sollten Azole nicht mit Medikamenten gegeben werden, welche die Magensäure verändern. Dies führt zu einer herabgesetzten Aufnahme der Azole aus dem Magen-Darm-Trakt. Dazu zählen beispielsweise H2-Blocker wie Ranitidin oder Arzneimittel zur Neutralisierung des sauren Magensaftes (Antazida).
Die Wirkstoffe Itraconazol und Voriconazol können bei gleichzetiger Gabe von Terfenadin, ein Mittel gegen Allergien (Antihistaminikum), zur Herzrhythmusstörungen führen (QT-Verlängerung).

Amphotericin B

Eine weitere Gruppe unter den Antimykotika (Mittel gegen Pilzerkrankungen) sind die Polyene. Bei den Wirkstoffen Amphotericin B (Amphotericin B®), Nystatin (Moronal®) oder Natamycin (Pimafucin®) liegt der Angriffspunkt ebenfalls an der Zellmembran der Pilze. Die Zellmembran schützt u.a. davor, dass sich geladene Teilchen (Ionen, Elektrolyte) zwischen dem Zellinneren und der Umgebung austauschen. Durch Wechselwirkung mit der Membran kommt es zur Bildung von Kanälen. Die Folge ist ein unkontrollierter Austausch der Elektrolyte mit Störung der Zellfunktion, was im Falle von Amphotericin B ein Abtöten (fungizide Wirkung) und im Falle von Natamycin eine Wachstumshemmung (fungistatische Wirkung) der Pilze bewirkt (Mittel gegen Pilzerkrankungen).

Einsatz, Nebenwirkungen und Kontraindikationen:
Amphotericin B kann nur als Infusion verabreicht werden, da es bei oraler Gabe nicht vom Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn aufgenommen wird. Es wirkt gut gegen eine Vielzahl von verschiedenen Pilzen. Da es jedoch die Nieren schädigen kann (nephrotoxisch) und auch nur langsam von den Nieren ausgeschieden wird, wird es nur bei schweren, lebensgefährlichen Pilzinfektionen eingesetzt. Manchmal kommt es an der Einstichstelle der Infusionsnadel zu einer Entzündung der Vene (Thrombophlebitis). Weitere Nebenwirkungen können Fieber und weitere grippeähnliche Symptome sein. Neben Störungen im Magen-Darm-Trakt kann es auch zu einer veränderten Zusammensetzung der Blutbestandteile kommen, allen voran steht eine verminderte Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie), was Auswirkungen auf die Gerinnungsfähigkeit des Blutes hat. Deswegen sollte Amphotericin B nicht bei Leber und Nierenerkrankungen eingesetzt werden und während der Behandlung regelmäßig deren Funktion sowie die Blutwerte kontrolliert werden. Bei Unverträglichkeit besteht die Möglichkeit, liposomales Amphotericin B, sozusagen in Fette gepackter Wirkstoff, zu verwenden. Bei gleicher Wirksamkeit zeigt die Lipid-Formulierung deutlich weniger Nebenwirkungen (Mittel gegen Pilzerkrankungen).

Arzeimittelinteraktionen:
Auch bei Amphotericin B kommt es zu Wechselwirkungen, wenn gleichzeitig bestimmte anderen Medikamente verabreicht werden. So verstärkt Amphotericin B die Wirkung von bestimmten Herzmedikamenten (Herzglykoside), Muskelentspannungsmittel (Muskelrelaxanzien) und Medikamenten gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika). Des weiteren wird die nierenschädigende Wirkung anderer nierenschädigender Medikamente verstärkt.

Antimetabolite

Antimetabolite sind Bausteine, die in die DNS oder RNA eingebaut werden und aufgrund ihrer Struktur diese dann stören. Die DNA beschreibt das Erbgut und liegt als langer, doppelsträngiger Faden vor, bestehend aus Einzelbausteinen, die kettenförmig aneinander gefügt sind. In der Regel ist die Struktur so verändert, dass die Antimetabolite zwar eingebaut werden können, aber wegen Fehlen einer bestimmten chemischen Struktur dann nicht verlängert werden können. Man nennt dies auch Kettenabbruch. Unter RNA versteht man quasi Teile der DNA, die man braucht, um ein bestimmtes Eiweiß (Protein) oder Enzym herzustellen. RNA hat die gleichen Baubestandteile wie die DNA, liegt aber im Gegensatz zur DNA nur als Einzelstrang vor. Das führt dazu, dass Eiweiße und Enzyme, welche die Pilze zum Überleben brauchen, nicht oder nur fehlerhaft hergestellt werden können. Wegen Hemmung der Zellteilung können sich die Pilze nicht vermehren. Der Wirkstoff Flucytosin (Ancotil®) ist ein sog. Cytosin-Antimetabolit. Er gelangt in die Pilzzelle und wird dann durch ein bestimmtes Enzym (Cytosindesmainase) umgewandelt, bevor es in das Erbgut der Pilzzellen eingebaut wird. Es wirkt fungistatisch, hemmt also die Pilzvermehrung (Mittel gegen Pilzerkrankungen).

Flucytosin (Mittel gegen Pilzerkrankungen) wird als Infusion verabreicht und wirkt nur bei Pilzen, die ein bestimmtes Enzym (Cytosindesaminase) besitzen. So wird es bei Candida-, Cryptococcen- und Schwärzerpilzen, welche die Haut- und Unterhaut befallen, eingesetzt. In der Regel wird es mit dem Polyen Amphotericin B kombiniert.

Nebenwirkungen:
Die Nebenwirkungen sind reversibel und betreffen den Magen-Darm-Trakt, Erhöhung der Leberwerte (Leberenzyme) sowie Veränderungen der Blutzusammensetzung. Es sollte nicht bei Nieren-, Leberfunktions und Blutbildungsstörungen gegeben werden (Mittel gegen Pilzerkrankungen).

Griseofulvin

Ein weiterer Arzneistoff unter den Antimykotika (Mittel gegen Pilzerkrankungen) ist Griseofulvin. Es wird oral eingenommen und richtet sich gegen Mikrotubuli. Darunter versteht man Eiweißstrukuren in den Zellen. Sie sind röhrenförmig und dienen zum einen der Stabilisierung und dem Transport innerhalb der Zellen, zum anderen haben sie eine wichtige Aufgabe bei der Teilung von Zellen (Spindelapparat). Griseofulvin stört die Herstellung und Funktion dieser wichtigen Proteine. Es lagert sich in Haut, Nägel und Haare ein und wirkt so bei Pilzinfektionen, die diese Strukturen befallen (Dermatomykosen).
Als Nebenwirkungen wurden bisher vor allem Störungen des Magen-Darm-Traktes und Hautveränderungen beobachtet. Selten kommt es Störungen im Zentralen Nervensystem oder Blutbildveränderungen (Neutropenie).
Es sollte nicht bei Leberfunktionsstörungen, Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) oder bestimmten Bluterkrankungen (Porphyrie) verabreicht werden.
Zudem werden die Wirkung von gerinnungshemmenden Mitteln (Antikoagulanzien) und der Pille (Kontrazeptiva) vermindert. Bei Einnahme von Griseofulvin sollte auf Alkoholkonsum verzichtet werden.

Weiterführende Informationen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 09.02.2017
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