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Zahnfleischentzündung

Synonyme

med. Gingivitis, Ultis 
engl. gingivitis, 
gum infection

Einleitung

Unter dem Begriff „Zahnfleischentzündung“ (Gingivitis) versteht man eine Entzündung des Zahnfleischs (lat. Gingiva). Sie kann in verschiedene Schweregrade eingeteilt werden und chronisch oder akut auftren.

Unbehandelt führt sie häufig zu einer Entzündung des Zahnhalteapparates, der Parodontitis

Abbildung einer Zahnfleischentzündung

Zahnfleischentzündung

  1. Zahnschmelz -
    Enamelum
  2. Zahnfleisch -
    Gingiva
  3. Aufteilungsstelle
    der Zahnwurzeln
    (Gabel) - Bifurkation
  4. Alveolarknochen
    (zahntragender Teil der
    Kieferknochen) -
    Pars alveolaris
    (Processus alveolaris)
  5. Zement -
    Cementum
  6. Wurzelhaut - Periodontium
  7. Nervenfasern und Blutgefäße
  8. Zahnbelag (Plaque)
  9. Zahnstein (Konkrement)
  10. Entzündetes Zahnfleisch -
    Gingivitis
  11. Eiter - Pus

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Ursachen - Eine Übersicht

Eine Zahnfleischentzündung kann durch folgende Ursachen ausgelöst werden:

  • Mangelnde Mundhygiene (Zahnbelag bleibt auf den Zähnen haften)
  • Zahnstein
  • Falsche Zahnputztechnik ( zu viel Druck)
  • Falsche Zahnbürste (zu harte Borsten)
  • Tabakkonsum
  • vermehrte Mundatmung
  • unbehandelte kariöse Zähne
  • Lebenspartner mit entzündlichen Prozessen innerhalb der Mundhöhle
  • hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft
  • allgemeine Abwehrschwäche (Immunschwäche)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • Genetische Faktoren

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Ursachen einer Zahnfleischentzündung

Ursachen im Detail

Die Ursachen einer Zahnfleischentzündung können vielfältig sein. In den meisten Fällen wird sie jedoch durch bakteriell bedingten Zahnbelag (Plaque), der lange auf der Zahnoberfläche verbleibt, ausgelöst. Eine mangelnde oder schlicht fehlerhaft durchgeführte Mundhygiene bildet die Hauptursache. Plaque ist ein zäher Bio-Film, der sowohl aus Speiseresten, als auch aus Abfallprodukten des bakteriellen Stoffwechsels und Bakterien besteht. Die Ausbildung einer schädlichen Bakterienflora kann auch durch ungesunde Atemntechniken, wie die Mundatmung, begünstigt werden.

Da die Zahnoberfläche selbst bei gesundem Schmelz nicht vollkommen eben ist, kann Zahnbelag leicht haften bleiben. Bei unregelmäßiger Entfernung der Plaque- Ablagerungen können diese sogar bis unter den Zahnfleischrand vordringen. Mit der Zeit setzen sich diese Ablagerungen in die Tiefe um die Zahnwurzel und verursachen über einen relativ kurzen Zeitraum betrachtet bereits tiefe Zahnfleischtaschen.

Die Folge ist in aller Regel die Entstehung schwerer entzündlicher Prozesse, die das Zahnfleisch enorm schädigen. Bereits in einem frühen Krankheitsstadium bemerken die meisten Patienten kleine Blutungen im Bereich des Zahnfleischs

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Zahnfleischbluten

Seit langem steht jedoch fest, dass eine Reihe anderer Faktoren ebenfalls für die Entstehung entzündlicher Prozesse im Bereich des Zahnfleischs und des Zahnhalteapparates verantwortlich gemacht werden können. Zu diesen Risikofaktoren zählen:

Unter den Patienten ab einem Alter von circa 40 Jahren leidet schätzungsweise jeder dritte an entzündlichen Prozessen im Bereich des Zahnfleisches. Bei den meisten Betroffenen liegt jedoch keine über das komplette Zahnfleisch verteilte Gingivitis (generelle Zahnfleischentzündung) vor. In der Hauptzahl der beobachteten Fälle sind lediglich isolierte Bereiche betroffen. Besonders gefährdet sind jene Bereiche, die bei der Zahnpflege schwer zugänglich sind (Brücken, Kronen, Zahnzwischenräume, Verschachtelungen der Zähne).

Zahnfleischentzündung durch Stress

Die Zahnfleischentzündung ist gerade im europäischen Raum soweit verbreitet, dass man davon ausgehen kann, dass jeder Zweite innerhalb seines Lebens zumindest einmal eine Zahnfleischentzündung entwickelt.
Neben den bereits angeführten Gründen, scheint auch eine langanhaltende Stressbelastung des Organismus die Entstehung entzündlicher Prozesse des Zahnfleischs zu fördern. Bei vielen der Betroffenen entwickelt sich daraus nicht bloß eine Zahnfleischentzündung sondern auch eine Entzündung des Zahnhalteapparats mit Beteiligung des Kieferknochens (Parodontitis).

Lange Zeit galt der Zusammenhang zwischen Stress, einem psychischen Phänomen, und Karies oder Zahnfleischentzündungen als nicht bewiesen. Moderne Studien weisen jedoch darauf hin, dass Menschen mit viel Stress sehr viel häufiger von diesen Erkrankungen betroffen sind. Ursachen dafür können beispielsweise eine durch Zeitmangel vernachlässigte Mundhygiene darstellen. Darüber hinaus werden bei Stress Botenstoffe ausgeschüttet, welche das Immunsystem angreifen. Da dann nicht genug Abwehrstoffe vorhanden sind, können sich Erkrankungen schneller ausbreiten.

Für weitere Informationen siehe auch unter: Zahnfleischbluten wegen Stress?

Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft ist das Risiko einer Gingivitis deutlich erhöht. Grund hierfür ist die Hormonumstellung mit erhöhtem Östrogenspiegel in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft. Neben Zahnfleischblutungen, entstehen auch Zahnfleischwucherungen. Diese sind vor allem im Bereich des bezahnten Kiefers aufzufinden, also dort wo noch Zähne vorhanden sind. Diese Geschwulste können beispielsweise durch krümelige Nahrungsmittel leicht verletzt werden und sich dann entzünden, was zu starken Schmerzen führt.
Weiterhin bilden diese Wucherungen Taschen zu den angrenzenden Zähnen aus. Es handelt dich hierbei um sogenannte „Pseudotaschen“, da sie nach Abklingen der Erkrankung wieder verschwinden.

Dennoch besteht bei dieser Art Tasche die Gefahr, dass sich dort vermehrt Beläge ansammeln und Karies entsteht. Die Mundhygiene speilt bei Schwangeren daher eine große Rolle. Auch um Mundgeruch und Karies zu vermeiden, sollten die Zähne jeden Tag ordentlich gereinigt werden. Sind die Schmerzen zu stark, muss ein Arzt aufgesucht werden, um die Erkrankung zu bekämpfen.
Zwar handelt es sich hierbei um eine Sonderform der Gingivitis, trotzdem kann auch hier ohne Behandlung eine Erkrankung des Zahnhalteapparates (Parodontose) folgen. 

In der Regel beruhigt sich das Zahnfleisch nach der Schwangerschaft mit dem sich normalisierenden Hormonhaushalt wieder.

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Zahnfleischentzündung durch Rauchen

In Studien ist bewiesen worden, dass Rauchen das Risiko für das Entstehen einer Parodontitis erhöht. Dazu kommt, dass das Rauchen wichtige Warnsignale unterdrückt. Der ständige Kontakt mit nikotinhaltigem Rauch verengt die Blutgefäße im Zahnfleisch. Das Symptom des Zahnfleischblutens, welches bei einer Gingivitis häufig auftritt, wird dadurch unterdrückt. Der eigentlich kranke Raucher ist also augenscheinlich gesund, da ein wichtiges Symptom wegfällt.

Durch den Rauch wird die Wundheilung gestört, sodass es zu stark verlangsamten Regenerationreaktionen des Immunsystems kommt. Außerdem ist das Risiko, einen bösartigen Tumor der Mundschleimhaut zu bekommen, beim Raucher stark erhöht.

Raucher sollten daher eine gute Mundhygiene betreiben und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen, um eine Gingivitis oder eine Parodontose rechtzeitig zu erkennen.

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Zahnfleischentzündung durch Vitamin-D-Mangel

Mehrere Studien haben bewiesen, dass ein Vitamin D-Mangel die Gefahr an Parodontitis zu erkranken steigert.
Vitamin D ist ein Vitamin, welches mit Hilfe der Sonnenstrahlung im Körper gebildet wird, also nur dann in ausreichendem Maße vorhanden ist, wenn man eine gewisse Zeit im Sonnenlicht verbringt oder es von außen (über Tabletten oder ähnliches) zuführt.

Es ist für die Stärkung der Knochen und die Regulation des Zellwachstums zuständig. Fehlt das Vitamin D kann es zu einer Gingivitis kommen, welche in besonderem Maße mit Zahnfleischblutungen einhergeht. Ohne Behandlung tritt rasch Taschenbildung auf. Gerade hier und an den wunden Stellen können sich Bakterien festsetzen und beginnen dann den Knochen anzugreifen. Eine Parodontitis entwickelt sich, welche ohne Behandlung zum Zahnverlust führt.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Vitamin D - Mangel

Therapiemöglichkeiten bei einer Zahnfleischentzündung

Viele Hausmittel und in der Apotheke frei erhältliche Medikamente helfen in den meisten Fällen nicht sehr schnell. Oft dauert es eine gewisse Zeit, bis die Entzündung abheilt. Bestehen jedoch akute Schmerzen, hofft man immer auf schnelle Hilfe. Diese kann der Zahnarzt leisten. In der Praxis sind spezielle Salben vorrätig, welche oft schon durch einmaliges Auftragen Linderung bringen. 

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Was hilft bei einer Zahnfleischentzündung?

Was kann man gegen die Schmerzen bei einer Zahnfleischentzündung machen?

Gegen die Schmerzen bei der Zahnfleischentzündung hilft vor allem Kühlen der Backe. Dadurch verschwinden die Schmerzen und eine Schwellung geht zurück. Weiterhin kann man aber auch mit Medikamenten nachhelfen.

Lokale Präparate, welche man direkt auf die entzündete Stelle gibt, sind in der Apotheke zu erwerben. Dynexan®-Gel wird mehrmals täglich mit einem Wattestäbchen appliziert und lindert dabei die Schmerzen. In diesem Gel ist Lidocain enthalten, ein Wirkstoff, welcher auch bei zahnärztlichen Eingriffen gespritzt wird, um die Zähne zu betäuben.
 Auch Kamistad® wirkt auf der gleichen Basis. Jedoch sind hier noch Kamillenblüten enthalten, welche zusätzlich entzündungshemmend wirken.
Zuletzt kann man auch Tabletten verwenden, um eine Schmerzfreiheit zu erreichen. Hier eignen sich Ibuprophen® oder Paracetamol®.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Salben bei einer Zahnfleischentzündung sowie Lidocain-Gel

Welche Medikamente helfen am besten?

Vor allem das das Medikament Dontisolon® wirkt sehr schnell. Der Wirkstoff ist Prednisolon, ein Glucocorticoid. Dieser hindert weitere Entzündungszellen daran in das Gewebe einzudringen und wirkt somit entzündungshemmend.
Bei starkem Zahnfleischbluten kann die Wunde mit einem Medikament abgetupft werden, welches Wasserstoffperoxid enthält. Dieses wird zur Desinfektion benutzt und kann Blutungen schnell und effektiv beenden. 

Der wichtigste Faktor stellt jedoch die regelmäßige Mundhygiene dar. Schneller als Medikamente hilft die regelmäßige Prophylaxe (täglich 2x Zähneputzen!) oft sehr schnell Entzündungen einzudämmen und nachhaltig vorzubeugen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Medikamente gegen eine Zahnfleischentzündung

Salbe gegen Zahnfleischentzündungen

Eine mögliche Salbe ist Solcoseryl® akut. Am besten lässt man sich ausführlich beraten, welches Produkt am besten für einen geeignet ist. Viele sind mit Extrakten aus der Natur angereichert, deren Wirkung schon seit vielen Jahren bekannt ist. So finden sich häufig Salben mit Salbei, Rhababerwurzel, Kamille oder Myrrhe. Salbei und Kamille sind schon sehr lange dafür bekannt, dass sie bei Entzündungen im Mundraum beruhigend wirken, Schmerzen lindern und gegen eine Entzündung ankämpfen.

Lesen sie hierzu mehr im HauptthemaDynexan® Mundgel

Man kann sich unterstützend mit Hausmitteln bei Zahnfleischentzündung behelfen. So wird auch häufig der Mund mit Salbei- oder Kamillentee gespült, da dies ebenfalls eine positive Wirkung auf entzündete Stellen, wie nach einer Weisheitszahnentfernung, hat. Ihr größter Nutzen liegt in der Linderung der Schmerzen, da dies das erste ist, was man sich bei einer Therapie erhofft.
Manche Salben enthalten zusätzlich Oberflächenanästhetika, wie Lidocainhydrochlorid, was das Vermögen, äußere Einflüsse und Reize, die in der Mundschleimhat während eines Entzündungsrpozesses vorkommen, herabsetzt. Die Empfindung wird quasi zeitweise unterdrückt.

Angewendet werden die Salben nach der gründlichen Zahnreinigung, die vielleicht auch eine Mundspülung beinhaltet, um zusätzlich bei einer vorliegenden Entzündung vorhandene Bakterien zu bekämpfen. Die Salbe wird auf die betroffenen Stellen aufgetragen und leicht einmassiert.
Es empfiehlt sich nicht, direkt nach dem Auftragen der Salbe den Mund auszuspülen oder etwas zu trinken, da die Salbe Zeit benötigt, um in das Gewebe einzudringen und sonst direkt weggespült werden würde.
Der Besuch bei einem Zahnarzt ist dringend anzuraten, da nur dieser die Zahnfleischentzündung ausreichend therapieren kann. Als alleiniges Therapiemittel sind Salben meist nicht ausreichend.

Lesen Sie mehr  zu dem Thema: Salbe bei einer Zahnfleischentzündung

 

Welche Mundspülungen helfen?

Bei einer akuten Zahnfleischentzündung sollte auf eine gute Mundhygiene geachtet werden. Dazu gehören neben täglich 2x3 minütigem Zähneputzen auch die Verwendung von Zahnzwischenraumbürsten oder Zahnseide sowie das Spülen mit einer Mundspülung. Die Benutzung sollte jedoch nur in Kombination mit diesen anderen Hilfsmitteln erfolgen. Das alleinige Benutzen einer Spülung entfernt nämlich nicht den Bakterienfilm auf den Zähnen.

Es gibt hier verschiedene Varianten mit und ohne Alkohol, mit natürlichen Inhaltstoffen und/oder mit desinfizierenden Eigenschaften, welche in Drogeriemärkten käuflich zu erwerben sind. Fluoridhaltige Spüllösungen sind ebenfalls empfehlenswert.
In der Apotheke sind Präparate mit CHX (Chlorhexidin) erhältlich. Diese besitzen desinfizierende Eigenschaften und können alle Bakterien im Mundraum abtöten. Der Nachteil besteht hierbei in einer bräunlichen Verfärbung der Zähne, wenn die Spülung über einen längeren Zeitraum verwendet wird. Sie sollten daher nur auf Empfehlung des Zahnarztes benutzt werden und auf keinen Fall länger als notwendig.

Wem alle künstlich hergestellten Spülungen nicht gefallen, der kann auch auf eine selbstgemachte Spülung aus starkem Kamillentee zurückgreifen, da Kamille entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.

Hausmittel bei Zahnfleischentzündung

Hausmittel gegen die Zahnfleischentzündung gibt es sehr viele. Jedoch helfen nicht alle gleichermaßen. Im Folgenden soll eine kleine Liste mit nützlichen Mitteln aufgezeigt werden:

  • Häufig benutzt und sehr gut in seiner Wirkung ist Kamille. Als Tinktur, Kompresse oder Spülung entfaltet es seine desinfizierende Wirkung.
  • Lavendel kann als Öl auf die wunde Stelle geträufelt werden und besitzt eine entzündungshemmende Wirkung.
  • Ähnliches gilt für Knoblauch. Eine Zehe wird zerkaut oder eine Scheibe auf die Entzündung gelegt. Dadurch kann die volle Wirkung entfaltet werden.
  • Nelken wirken dazu sogar noch schmerzlindernd. Für diesen Effekt eine Nelke zerkauen oder Nelkenöl an die Entzündung geben.
  • Weiterhin gibt es viele Mittel, die sich als Spülung bewährt haben. Salzwasser beispielsweise tötet Keime ab und kann die Speichelproduktion anregen. Hiermit sollte etwa 3 x täglich gespült werden.
  • Schmerzen können gut durch Kühlen gelindert werden. Die Blutgefäße ziehen sich bei Kälte zusammen und auch die Schwellung geht zurück.
  • Am Wichtigsten ist bei der Zahnfleischentzündung allerdings die richtige Zahnhygiene. Nur wer seine Zähne und sein Zahnfleisch richtig pflegt, kann eine Gingivitis bekämpfen und auch nachhaltig vorbeugen.

Lesen Sie mehr  zu dem Thema: Hausmittel bei einer Zahnfleischentzündung

Teebaumöl bei Zahnfleischentzündung

Teebaumöl ist ein weit bekanntes Hausmittel, welches nicht nur im Mundraum Anwendung findet. Neben seiner entzündungshemmenden Wirkung, desinfiziert es gleichzeitig Wunden. Dadurch kann es vor einer weiteren Ausbreitung effektiv schützen. Auch kleine Entzündungen sollten bereits frühzeitig damit behandelt werden, um schlimmere Verläufe abzumildern. Weiterhin fördert es den Heilungsprozess.
Dafür einfach etwas Teebaumöl mit lauwarmem Wasser mischen und mehrmals täglich mit dieser Lösung spülen. Eine Intensivbehandlung ist auch möglich, indem man das Öl direkt mit einem Wattestäbchen an den Ort der Entzündung appliziert.

Kamille bei Zahnfleischentzündung

Bei der Kamille handelt es sich um eine Heilpflanze. Sie enthält ätherische Öle, welche verschiedene Effekte bewirken. Im Mund sind vor allem die antientzündliche und die antibakterielle Wirkung nicht zu verachten. Bei einer Zahnfleischentzündung können gleichzeitig Bakterien abgetötet und die Entzündung positiv beeinflusst werden. Dafür muss man einen starken Tee kochen und diesen dann als Spülung verwenden.
Weiterhin dient es auch als Wirkstoff in verschiedenen Medikamenten, wie beispielsweise in der Kamistad-Salbe. Diese wird mit einem Wattestäbchen direkt auf die Entzündung appliziert.

Homöopathie gegen Zahnfleischentzündungen

Homöopathische Mittel sollten nur zu Beginn einer Zahnfleischerkrankung versucht werden. Bei Zahnfleischblutungen und Entzündungen wird das Mittel Mercurius solubilis angewendet. Es kann auch bei Schwangeren und Babys eingesetzt werden. Dies ist jedoch zuvor mit einem Heilpraktiker, Apotheker oder Arzt zu besprechen.
Helfen diese Mittel nicht oder besteht die Entzündung schon über einen längeren Zeitraum, ist ein Zahnarztbesuch dringend anzuraten. Zu groß wäre das Risiko, wenn eine Grunderkrankung zu lange unbehandelt bleibt.

Wann brauche ich ein Antibiotikum?

Antibiotika werden bei Zahnfleischentzündungen nur äußerst selten angewendet. Es gibt viele andere Mittel, wie Salben und Hausmittel, die gut zur Abheilung beitragen können. Hilft jedoch gar nichts und bleibt die Entzündung trotz allen erkennbaren Ursachen vorerst bestehen, muss nach einigen Wochen auch die Antibiotikaeinnahme vom Zahnarzt erwogen werden. Es sollte jedoch wirklich nur im Notfall angewendet werden. Wie beispielsweise bei einer „ANUG“ (akute nekrotisierende ulzerierende Gingivitis).

Erfahren Sie mehr dazu unter: Antibiotika bei einer Zahnfleischentzündung

Welches Antibiotikum ist am besten geeignet für Zahnfleischentzündungen?

Generell hat sich in der Zahnmedizin der Wirkstoff Amoxicillin bewährt. Dieser geht auf die Penicilline zurück und greift die Zellwand der Bakterien an. Es wird in Tablettenform verabreicht, meist eine Tablette morgens und eine abends.

Dieser Wirkstoff kann in Verbindung mit Clavulansäure, einem Stoff der bakterienschädigend wirkt, verabreicht werden, um eine noch ausgedehntere Wirkung zu erreichen. Dann wird beispielsweise das Medikament Amoxicomp® verschrieben.
Sollte eine Allergie gegen Peniciliin bestehen, muss ein anderes Medikament angewendet werden. Man sollte dies unbedingt dem behandelnden Arzt mitteilen, da sonst schwere Nebenwirkungen auftreten. Es kann auf den Wirkstoff Clindamycin zurückgegriffen werden, welcher auch über Tabletten verabreicht wird.

Prophylaxe

Die gezielte Vorbeugung einer Zahnfleischentzündung kann im Grunde von jedem niedergelassenen Zahnarzt und ausgebildetem Fachpersonal (Prophylaxehelfer; Zahnmedizinische Fachassistenz) durchgeführt werden.

Bei Patienten, die im Zuge der Prophylaxe ein Wiederkehren der Zahnfleischentzündung verhindern möchten oder bei denen entzündliche Prozesse zu einem früheren Zeitpunkt bereits einmal in andere Strukturen des Zahnhalteapparats vorgedrungen sind, empfiehlt es sich einen speziellen Facharzt für Parodontologie (Parodontologen) aufzusuchen.

Während der Prophylaxesitzung wird dem Patienten durch Anfärben der Beläge mittels eines speziellen Farbstoffs verdeutlicht, an welchen Stellen die Mundhygiene optimiert werden muss. Anschließend folgt eine gezielte Anleitung einer geeigneten Zahnputztechnik, die auf die besonderen Gegebenheiten innerhalb der Mundhöhle des einzelnen Patienten angepasst wird.
Eine sogenannte Professionelle Zahnreinigung, die in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird, sollte in keinem Prophylaxe- Plan fehlen. Im Zuge dieser Zahnreinigung wird jeder einzelne Zahn von allen Seiten mit speziellen Instrumenten von Plaque- und Zahnstein- Ablagerungen befreit. Die Küretten bzw. Ultraschallscaler könnne wegen ihres individuellen Schliffs sowohl weiche, als auch harte Beläge von der Zahnoberfläche abzutragen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Professionelle Zahnreinigung

Alternativ kann während der Zahnfleischentzündungs- Prophylaxe auch eine Zahnreinigung durch Anwendung eines kleinen Sandstrahler- ähnlichen Gerätes erfolgen. Aus fachlicher Sicht betrachtet ist diese Methode jedoch mehr als bedenklich, da die kleinen Partikel des Strahlers die Zahnoberfläche aufrauen und dadurch neue Schmutznischen schaffen.

Die Kosten der Prophylaxe werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen komplett übernommen. In der Regel wird nur ein Zuschuss gewährt oder eine Sitzung pro Jahr getragen. Der Patient muss demnach zumindest einen Teilbetrag selbst aufbringen.

Die regelmäßige Durchführung einer Professionellen Zahnreinigung reicht jedoch nicht aus, um einer Zahnfleischentzündung auf lange Zeit vorzubeugen. Vor allem die richtig und regelmäßig durchgeführte Mundhygiene des Patienten ist für die Vermeidung einer Zahnfleischentzündung essenziell.
Auch Hausmittel können prophylaktisch angewendet werden.

Ist eine Zahnfleischentzündung ansteckend?

Bei der Frage, ob eine Zahnfleischentzündung ansteckend ist, muss zuerst auf die Ursache eingegangen werden. Handelt es sich lediglich um eine Schleimhautverletzung, welche sich ein bisschen entzündet hat, kann man diese Frage verneinen. Verletzungen können beispielsweise durch krümelige, grobkörnige Nahrung verursacht werden.

Ist die Erkrankung jedoch durch Bakterien verursacht, dann können diese durch Küssen übertragen werden. Für das „Anstecken“ wird dieser direkte Flüssigkeitsaustausch benötigt. Ob die Krankheit jedoch auch bei der anderen Person wirklich ausbricht, kann nicht genau gesagt werden. Dies ist von weiteren Faktoren abhängig, beispielsweise einem schlechten Zustand des Immunsystems, etc.
Vorsicht ist bei der ANUG geboten, da diese Variante sehr aggressiv und auch übertragbar ist.

Symptome

Entzündungen im Bereich des Zahnfleischs sind in der Regel recht schnell zu erkennen. Das Zahnfleisch büßt in den angegriffenen Bereichen schnell an rosiger, heller Farbe ein und wird zunehmend dunkler.
Blutungen entlang des Zahnfleischsaums gelten als das erste und gleichzeitig wichtigste Anzeichen für das Vorliegen einer Zahnfleischentzündung. Bereits in diesem Krankheitsstadium können vom Patienten Schmerzen beim Zähneputzen sind festgestellt werden. Außerdem zählen starke Rötungen und dunkle Verfärbungen des Zahnfleischrandes zu den typischen Symptomen einer Zahnfleischentzündung.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schmerzen am Zahnfleisch

Neben diesen, bereits sehr früh auftretenden Anzeichen, reagiert ein stark entzündetes Zahnfleisch nach einer Weile häufig mit Wasser und Sekreteinlagerungen innerhalb des Gewebes. Die Folge ist ein zunehmend geschwollenes Zahnfleisch

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Symptome einer Zahnfleischentzündung

 

Eitrige Zahnfleischentzündung

Tritt Eiter bei einer Zahnfleischentzündung auf, muss unbedingt ein Termin beim Zahnarzt vereinbart werden. Dort muss die Ursache gefunden und therapiert werden. Eiter kann am Zahnfleisch unter anderem in folgenden Formen auftreten:

1.) Als Eiterbläschen auf dem Zahnfleisch – hierbei handelt es sich oft um eine Zahnwurzelentzündung.

2.) Als Sekret, welches sich aus dem Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch hervortritt – hierbei kann es sich um eine akute Osteomyelitis handeln. Eine Osteomyelitis ist eine Entzündung des Knochens, welche durch Bakterien verursacht wird. Die Bakterien können über eine Kieferfraktur, einen durch tiefe Karies zerstörten Zahn oder durch chirurgische Eingriffe in den Knochen gelangt sein.

3.) Als Auflagerungen auf dem entzündeten Zahnfleisch – hier liegt oft eine akute nekrotisierende Zahnfleischentzündung (ANUG) vor, welche mit einer Zerstörung des Zahnfleischs einhergeht.

Alle diese Erkrankungen können schwerwiegende Folgen verursachen. Eine schnelle Abklärung liegt also im Sinne des Betroffenen. Die Therapie wird individuell in Abhängigkeit von der Grunderkrankung eingeleitet.

Lesen Sie mehr zu dem Thema. Eitrige Zahnfleischentzündung

Zahnfleischentzündung und geschwollene Lymphknoten

In sehr seltenen Fällen tritt bei einer Gingivitis auch die Schwellung einzelner Lymphknoten am Hals auf. Sie vergrößern sich meist erst dann, wenn Krankheiten schon über einen längeren Zeitraum bestehen und der Körper verstärkt versucht die Krankheit zu bekämpfen. Daher weisen sie in diesem Fall auf eine chronische Zahnfleischentzündung hin. Da es jedoch auch viele weitere Erkrankungen geben kann, mit denen vergrößerte Lymphknoten sehr viel öfter einhergehen, sollte eine Abklärung beim Zahnarzt auf jeden Fall erfolgen.

Was sind die Folgen einer Zahnfleischentzündung?

Die Gingivitis kann bei längerem Fortbestehen ohne Behandlung eine Parodontitis auslösen. Bei der Parodontitis handelt es sich um eine Erkrankung des Zahnhalteapparates. Der Zahnhalteapparat ist das „Verankerungssystem“, welches den Zahn mit dem Kieferknochen verbindet. Wird es in Mitleidenschaft gezogen, dann kann dies nach einiger Zeit dazu führen, dass sich die Zähne lockern. Wird keine Behandlung eingeleitet, schreitet dieser Prozess voran und führt mit der Zeit sogar zum Zahnverlust.

Der Unterscheid zwischen diesen beiden Erkrankungen liegt darin, dass die Zahnfleischentzündung reversibel, also vollständig ausheilend, ist, die Parodontitis jedoch nicht. Es lässt sich hier im besten Fall eine Stabilisierung des vorgefundenen Zustandes erreichen. Zerstörtes Zahnhaltegewebe kann allerdings nicht mehr aufgebaut werden.
Ein weiterer unschöner Nebeneffekt der Gingivitis ist ein unangenehmer Mundgeruch. Dieser klingt jedoch wieder ab, wenn die Entzündung durch eine gute Mundhygiene wieder abgeheilt ist.

Risiken für das Herz bei einer Zahnfleischentzündung

Eine Zahnfleischentzündung alleine stellt keine Gefahr für das Herz dar. Erst wenn sich die Entzündung ausbreitet und eine Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates, welche mit dem Zahnverlust einhergehen kann) entsteht, ist das Herz gefährdet.

Das Risiko, eine Herzerkrankung zu erleiden ist dann um ca. 50% erhöht. Grund dafür sind die Bakterien, die sich bei einer Parodontose in der Mundhöhle befinden. Es handelt sich dabei um anaerobe Bakterien, welche ohne Sauerstoff überleben. Diese können über eine Zahnfleischentzündung mit Zahnfleischbluten in den Blutkreislauf gelangen und darüber zum Herz wandern.

Ist eine Zahnfleischentzündung ein Hinweis auf HIV?

Bei HIV-positiven Patienten ist das Immunsystem geschwächt. Die Gefahr, dass Krankheiten hier schneller zum Ausbruch kommen, als bei Gesunden, ist daher erhöht. Vor allem die nekrotisierende ulzerierende Gingivitis (NUG) tritt hier gehäuft auf. Dabei handelt es sich um eine aggressive Variante der Zahnfleischentzündung, die mit dem Absterben und dem Zerfall des Zahnfleisches einhergeht. Dazu kommen ein  allgemeines Krankheitsgefühl und Schmerzen. Mit dieser Erkrankung sollte man sofort den Arzt aufsuchen.

Die normale Zahnfleischentzündung gehört jedoch nicht zu den typischen Anfangssymptomen einer HIV-Infektion. Jeder hat in seinem Leben schon einmal mit einer Zahnfleischentzündung Bekanntschaft gemacht, man sollte dies nicht überbewerten. Einen Arzt sollte man dann aufsuchen, wenn die Symptome über längere Zeit auftreten. Vor allem dann, wenn noch andere typische HIV-Symptome hinzukommen.

Lesen Sie weiter unter: Zahnfleischbluten als Zeichen für HIV-Infektion?

Prognose

Eine Zahnfleischentzündung ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Neben der Tatsache, dass der Patient bereits kurze Zeit nach deren Ausbruch sowohl über Schmerzen während des Zähneputzens, als auch unter Zahnfleischbluten leidet, besteht beim Unterlassen einer geeigneten Therapie das Risiko, der Entstehung einer Parodontitis. Tendenziell kann davon ausgegangen werden, dass nahezu jede unbehandelte Zahnfleischentzündung in eine echte Parodontitis übergeht.

Die schnelle Einleitung gezielter Behandlungsmaßnahmen nach dem Auftreten der typischen Symptome ist demnach für die Prognose der Zahnfleischentzündung essenziell. In jenen Fällen, in denen der betroffene Patient frühzeitig einen Zahnarzt aufsucht, eine adäquate Behandlung erfolgt und der Patient regelmäßig an den angesetzten Nachsorge- Sitzungen teilnimmt, kann eine Zahnfleischentzündung in aller Regel völlig ausheilen.

Problematisch wird es erst, wenn bereits Teile des Kieferknochens von entzündlichen Prozessen betroffen sind, ein Zahnfleischrückgang eingesetzt hat oder der Patient trotz Schulung keine ordnungsgemäße Mundhygiene durchführt.

Dauer einer Zahnfleischentzündung

Jede Gingivitis ist individuell und von allgemeinen Ursachen abhängig; über eine genaue Zeitdauer kann daher keine Information erteilt werden.
Eine akute Zahnfleischentzündung heilt im Normalfall binnen einer Woche aus. Natürlich gibt es Fälle, die mehr oder weniger lange für eine Heilung benötigen.
Liegt eine lokale Ursache, wie beispielsweise eine einzelne Zahnfleischtasche oder ein gerade durchbrechender Weisheitszahn vor, kann der Zahnarzt oft schon mit dem Auftragen einer Salbe gut helfen. 

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Zahnfleischtasche

Bei einer Hormonumstellung, wie sie in der Schwangerschaft der Fall ist, dauert eine Entzündung schon mal etwas länger.
Auch andere systemische Ursachen, also Grunderkrankungen oder Vitaminmangel, können die Abwehrkräfte schwächen und brauchen oft etwas mehr Zeit.

Generell gilt: mit einer Gingivitis sollte nicht gespaßt werden. Eine Abklärung aller Fälle mit unklarer Ursache, welche über eine Woche hinaus vorhanden sind, sollten dem Zahnarzt vorgestellt werden. Hier kann eine adäquate Therapie erfolgen und die Ursache gefunden werden, damit eine Parodontose erst gar nicht entstehen kann.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Dauer einer Zahnfleischentzündung

Diagnose

Vor der Behandlung einer möglichen Zahnfleischentzündung muss ein umfangreiches Screening durchgeführt werden.
Dieses Screening umfasst sowohl das Erheben des aktuellen Zahnstatus, als auch die Beurteilung des Zahnhalteapparats. Dies bedeutet, dass neben dem Dokumentieren des Zustands der Zahnsubstanz als auch das Erscheinungsbild des Zahnfleischs exakt beurteilt wird. Zu diesem Zwecke misst der Zahnarzt die Tiefe möglicher Zahnfleischtaschen.

Die Messung kann grundsätzlich auf zwei verschiedene Arten erfolgen:

  1. Parodontal screening index  (kurz: PSI) wird an jedem Zahn gemessen und es erfolgt eine Einteilung in verschiedene Schweregrade durch die Codes 0-4.  Zur Beurteilung der Tiefe der Zahnfleischtaschen wird eine stumpfe Sonde vom behandelnden Zahnarzt zwischen Zahnsubstanz und Zahnfleisch in die Tiefe eingeführt. Dies ist für den Patienten im Regelfall schmerzfrei und auch für die Funktion des Zahnfleischs vollkommen unbedenklich. Sollte an diesem Punkt der Verdacht für das Vorliegen einer Zahnfleischentzündung bestehen, so kann noch im Zuge der Voruntersuchungen ein spezieller Mikrobieller-Test zur genauen Keimbestimmung durchgeführt werden.
  2. Gingival bleeding index (GBI) ist ein Index, der zwar nicht Auskunft über die Zahnfleischtaschen, aber den allgemeinen Zustand des Zahnfleischs gibt. Der Zahnarzt führt eine stumpfe Sonde am Zahnfleischsaum entlang und beobachtet, ob es zu Blutungen kommt. 

Darüber hinaus kann die Anfertigung eines Röntgenbildes (Orthopanthomogramm; kurz: OPG) bei Patienten mit schweren Erkrankungsbildern sinnvoll sein. Das OPG bildet sowohl die im Kiefer befindlichen Zähne, als auch den Kieferknochen und die Gelenke vollständig ab. Dem Zahnarzt dient es als Hilfsmittel bei der Abschätzung des Zustandes der beteiligten Knochenstrukturen. Nur an Hand des Orthopantomograms kann abgeleitet werden wie weit sich die entzündlichen Prozesse ausgebreitet und wie viel Schaden sie bereits angerichtet haben.

Typen der Zahnfleischentzündung

1. Gingivitis simplex

Die einfache Zahnfleischentzündung wird durch die bakterielle Plaque verursacht. Sie zeigt sich in einer oberflächigen Rötung und Schwellung des Zahnfleischsaumes und kann bei Berührung, zum Beispiel beim Zähneputzen, leicht bluten. Es erfolgt kein Einfluss auf einen Knochenabbau und keine Zahnlockerung. Die Entzündung ist nicht schmerzhaft und wird deshalb oft verkannt. Die Behandlung besteht in der Entfernung der Zahnbeläge und kann eventuell durch Spülung mit antientzündlichen Medikamenten unterstützt werden.

Nach der Beseitigung der ursächlichen Faktoren heilt diese Form der Zahnfleischentzündung schnell aus. Unbehandelt kann sie sich allerdings zu einer Erkrankung des Zahnhalteapparates ausweiten.

2. Gingivitis gravidarum

Bei der Gingivitis gravidarum handelt es sich um eine Form der Zahnfleischentzündung, die während einer Schwangerschaft auftreten kann. Diese Form wird nicht durch bakteriellen Zahnbelag verursacht, sie ist hormonell bedingt. Im Gegensatz zur „normalen„ Gingivitis  bringt die Entfernung der Zahnbeläge keine Besserung.

Die Blutungsneigung des geröteten und geschwollenen Zahnfleisches ist größer als bei der einfachen Gingivitis. Aufgrund der Schwellungen kommt es zu Pseudotaschen, in die sich leicht Zahnbeläge ansammeln können. Nach der Geburt des Kindes verschwindet auch diese Gingivitis durch die Umstellung des Hormonhaushaltes wieder.

3. Gingivitis desquamativa

Diese Form der Zahnfleischentzündung kann ebenfalls hormonell bedingt sein. Sie kann bei Frauen während des Klimakteriums/ Wechseljahre auftreten. Meistens ist sie jedoch die Erscheinungsform einer anderen Erkrankung. Deshalb ist hier die Zusammenarbeit mit Medizinern anderer Fachgebiete, insbesondere Hautärzten, notwendig.

Bei dieser Form der Gingivitis ist das Bindegewebe des Zahnfleisches verändert, und die Oberfläche lässt sich leicht ablösen. Das Zahnfleisch ist stark gerötet, glatt und glänzend, es ist schmerzhaft und blutet leicht. Es ist nicht das gesamte Zahnfleisch verändert, sondern kann sich nur auf einige Areale beschränken. Die zahnärztliche Behandlung besteht in der Schmerzbehandlung und der Vermeidung einer zusätzlichen Infektion durch sorgfältige Mundhygiene. Wichtig ist die Erkennung der körperlichen Grunderkrankung und deren Behandlung.

4. Gingivitis ulzerosa

Hierbei handelt es sich um eine  Zahnfleischentzündung, die mit Geschwüren einhergeht. Sie beginnt an der Zahnfleischpapille im Zahnzwischenraum und greift dann auf den Zahnfleischsaum über. Die Folge sind Defekte des Gewebes. Die Geschwüre können auch auf die Mundschleimhaut übergreifen. Rechtzeitig mit Antibiotika behandelt kann eine Heilung erfolgen, andernfalls bleiben Defekte im Interdentalraum und ein Befall des Zahnhalteapparates.

5. Gingivitis haemorrhagica

Das vorherrschende Symptom bei dieser Form der Zahnfleischentzündung ist die Blutung aus dem Zahnfleischbindegewebe. Es beginnt im Interdentalraum und setzt sich dann auch auf den Rest des Zahnfleisches fort. Mit fortschreitendem Zerfall des Zahnfleisches kommt es zur Lockerung der Zähne und schließlich zu deren Verlust.

Dieses Krankheitsbild wird beim Skorbut, also dem Mangel an Vitamin C, beobachtet und kommt deshalb heute nur äußerst selten vor, da ein Vitamin C Mangel praktisch bei der heutigen Ernährung nicht mehr auftritt.

 

6. Gingivitis neoplastica

Hierbei handelt es sich um eine Wucherung der Papillen im Interdentalraum, die den ganzen Zahn bedecken können, vorwiegend im Frontzahnbereich auftretend. Es ist kein Entzündungsprodukt sondern anlagebedingt. Die Wucherungen sind gutartig und können chirurgisch entfernt werden. Allerdings ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein erneutes Auftreten möglich. Ähnliche Wucherungen sind auch bei chronischer Einnahme von Antiepileptika möglich. Die Therapie besteht im Absetzen des Medikaments oder, wenn das nicht möglich ist, ebenfalls in der chirurgischen Entfernung.

7. Gingivitis toxica

Die toxische Gingivitis/ Zahnfleischentzündung beruht auf einer Schwermetallvergiftung mit Blei oder Quecksilber. Dabei bildet sich ein bläulich bis schwarzer Saum entlang des Zahnfleisches. Man vermutet, dass es sich dabei um Schwefelverbindungen handelt. Die Konzentration von Quecksilber, die aus Amalgamfüllungen vielleicht freigesetzt wird, reicht bei weitem nicht aus, um zu diesem Krankheitsbild zu führen. Vielmehr liegen die Gefahren bei Arbeitern, die mit dem Abbau oder der Verarbeitung von Schwermetallen zu tun haben.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Quecksilbervergiftung

8. Gingivitis bei Erkrankungen des Blutes

Bei der Leukämie (Krebsform, die das blutbildende System betrifft), kann es zu Schwellungen und Entzündungen des Zahnfleisches kommen. Die Behandlung richtet sich natürlich nach der Grundkrankheit.

Zusammenfassung

Zahnfleischentzündungen können bezüglich der Schwere, der Ursache, der Blutungsneigung und der Therapiemöglichkeiten sehr unterschiedlich sein. Die Therapie reicht von der sorgfältigen Mundhygiene, siehe auch: professionelle Zahnreinigung. bis zur chirurgischen Behandlung. Jede Änderung der normalen rosa Färbung sollte Anlass sein, den Zahnarzt aufzusuchen, um eine Klärung der Ursache herbeizuführen.

Qualitätssicherung durch: Dr. Wolfgang Weinert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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