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Quecksilbervergiftung

Definition

Bei Quecksilber handelt es sich um ein für den Körper giftiges Schwermetall. Vor allem bei der bereits bei Raumtemperatur beginnenden Verdampfung von metallischem Quecksilber entstehen hochtoxische Dämpfe, die über die Atmung aufgenommen werden und sich im Körper verteilen.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Verwendung von Quecksilber in medizinischen Produkten zunehmend reduziert und zum Teil sogar verboten. Nichtsdestotrotz finden sich weiterhin vor allem in älteren Produkten erhebliche Quecksilber-Mengen, die sowohl bei akuter als auch bei chronischer Aussetzung zu starken Schäden im Körper des Menschen führen können.

Ursachen

Die Ursachen einer Quecksilbervergiftung sind vielfältig. Quecksilber findet unter anderem Verwendung in älteren Thermometern (bis zu den 1970/80ern regelmäßig verwendet) und in Energiesparlampen. Durch Zerbrechen des Glases und Freisetzung des Quecksilber-Inhaltes kann es zur Aufnahme giftiger Quecksilber-Gase in den Körper kommen. Darüber hinaus entstehen hohe Mengen an Quecksilber-Gasen bei der Verbrennung von Kohle, Förderung von Erdgas und bei der Herstellung verschiedener Produkte in der Industrie.

Nicht zuletzt wurde Quecksilber auch für Medizinprodukte verwendet. Als Zusatzstoff bei Flüssig-Impfstoffen (Thiomersal) diente es jahrelang als Konservierungsmittel, bis es seit den 2000ern zunehmend verboten wurde. Als Inhaltsstoff von Amalgam dient es zur Ausfüllung von Zahnplomben. Die Langzeitwirkung dieser Amalgam-Plomben auf den Menschen ist äußert umstritten.

Auch durch den regelmäßigen und starken Verzehr von Fischen kann eine Quecksilber-Vergiftung in Einzelfällen ausgelöst werden. Diese nehmen die organischen Quecksilber-Reste über das Wasser auf und bilden hochgiftige Abbauprodukte (Methyl-Quecksilber).

Quecksilbervergiftung durch Fieberthermometer

In den letzten Jahrhunderten wurde Quecksilber für die Temperaturmessung in Fieberthermometern verwendet. Dabei wird die temperaturabhängige Ausdehnung von Quecksilber genutzt. In einem Fieberthermometer befindet sich ungefähr 1 Gramm Quecksilber. Bei Zerbrechen des Glases des Fieberthermometers besteht die Gefahr der Freisetzung des Quecksilbers, das bereits bei Raumtemperatur in geringen Dosen zu hochgiftigen Dämpfen verdampft. Untersuchungen und Studien haben jedoch gezeigt, dass diese Dosen so gering sind, dass durch das Einatmen keine Gefahren für den Patienten bestehen.

Aus Sicherheitsgründen wurde 2009 der Verkauf von quecksilberhaltigen Thermometern in der europäischen Union verboten. Stattdessen werden zunehmend Thermometer verwendet, die mit Alkoholen funktionieren.

Quecksilbervergiftung durch Amalgam

Bei Amalgam handelt es sich um eine lose Verbindung aus mehreren Schwermetallen. Neben Quecksilber (50% des Inhalts) enthält es Silber, Zinn und Kupfer. Obwohl die Wirkung des Quecksilbers des Amalgams auf den menschlichen Körper umstritten ist, findet es Anwendung für Zahnfüllungen (Plomben) in der Zahnmedizin. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich das Amalgam im Laufe der Jahre langsam auflöst. So findet sich nach 10 Jahren nur noch ungefähr 50% der Quecksilber-Menge in der Plombe.

Die Wirkung des freigesetzten und bei Körpertemperatur verdampften Quecksilbers ist jedoch umstritten und Inhalt zahlreicher weiterer Untersuchungen. Bisher konnte keine Gefahr einer Vergiftung durch das Quecksilber nachgewiesen werden. Aus Sicherheitsgründen ist die Verwendung von Amalgam-Füllungen bei Kindern, Jugendlichen, Frauen im gebärfähigen Alter und bei Patienten mit Nierenerkrankungen seit 1995 verboten. Häufig alternativ verwendete Zahnfüllungen (Komposit, Ormocere) sind im Vergleich zu Amalgam deutlich kürzer haltbar und müssen häufiger gewechselt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Amalgamfüllung

Quecksilbervergiftung durch Energiesparlampen

Ein Großteil der heutzutage verwendeten Energiesparlampen beinhaltet Quecksilber. Durch ein Zerbrechen der Lampe mit Freisetzung des Quecksilbers besteht auch hier die Gefahr der Bildung hochgiftiger Quecksilber-Gase. Da die Mengen jedoch gering sind, ist durch ein einmaliges Einatmen dieser Dämpfe keine Gefahr für den Menschen zu befürchten. Aus Sicherheitsgründen sollten Kleinkinder und Tiere aus der Nähe der Quecksilber-Quelle entfernt werden, da sich dieses vor allem im Bereich des Bodens ausbreitet und diese ein erhöhtes Risiko für eine Vergiftung aufweisen.

Die Entsorgung der Quecksilber-Mengen sollte mit speziell dafür entwickelten Absaugern durchgeführt werden. Im Bedarfsfall können die Mengen auch zunächst in ein luftdicht verschlossenes Glas gekehrt werden. Außerdem ist auf ein ausgiebiges Lüften zu achten.

Quecksilbervergiftung durch Thunfisch

Bei mehreren Untersuchungen wurden erhöhte Quecksilber-Mengen in Thunfischen nachgewiesen. Bei keiner dieser Untersuchungen wurde jedoch der EU-Grenzwert überschritten, ab dem eine Gefahr für den Menschen bei dem Verzehr besteht.

Thunfische nehmen die organischen Quecksilber-Mengen über das Wasser auf. Das Quecksilber gelangt dabei in geringen Mengen über die Abwasser verschiedener Fabriken in die Flüsse und Meere. Im Körper des Thunfisches werden für den Menschen sehr giftige Zwischenprodukte des Quecksilbers gebildet.

Aus Sicherheitsgründen sollte auf den Verzehr von Thunfisch während der Schwangerschaft und der Stillzeit verzichtet werden, da sich die Quecksilber-Mengen unter anderem auch über die Plazenta in den Körper des Embryos ausbreiten können.

Quecksilbervergiftung durch eine Impfung

Jahrzehntelang wurde das quecksilberhaltige Konservierungsmittel Thiomersal auch für Flüssig-Impfstoffe verwendet. Zahlreichen Untersuchungen zufolge konnte jedoch kein Zusammenhang zwischen den Impfstoffen und dem möglichen Auftreten von (neurologischen) Symptomen festgestellt werden. Da jedoch eine mögliche Schädigung auch nicht ausgeschlossen werden kann, wurden die quecksilberhaltigen Stoffe seit den 2000ern aus den Impfstoffen entfernt.

Begleitende Symptome

Die Menge an Quecksilber, die bei Patienten zum Ausbruch der Symptome führt, variiert sehr stark. Durch ein sehr breites Symptom-Spektrum können darüber hinaus viele unterschiedliche Symptome auftreten.

Patienten mit einer akuten Quecksilber-Vergiftung klagen häufig über Übelkeit, Erbrechen und einen veränderten Geschmack im Mund. Dieser wird häufig als metallisch beschrieben. Darüber hinaus können krampfartige Bauchschmerzen auftreten. Auch Kopfschmerzen, Schwindel und eine andauernde Müdigkeit sind möglich. Bei anhaltend hohen Konzentrationen an Quecksilber kann es zu weiteren Entzündungen im Bereich des Magen-Darm-Trakts kommen (Gastroenteritis), die sich unter anderem durch anhaltende Bauchschmerzen manifestieren. Auch eine starke Schädigung der Nieren tritt bei chronisch erhöhten Quecksilber-Konzentrationen auf. Ohne Behandlung und Therapie kommt es durch diese Nierenschädigung und den daraus folgenden Protein- und Elektrolytverlusten innerhalb weniger Tage zum Tod.

Chronische Quecksilber-Vergiftungen (in Japan auch häufig als Minamata-Krankheit bezeichnet) äußeren sich überwiegend durch eine neurologische Symptomatik.

Symptome am Gehirn

Bei einer chronischen Quecksilber-Vergiftung kommt es zu vielfältigen Symptomen im Bereich des Gehirns. Die Quecksilber-Mengen können dabei über das Blut in das Gehirn vordringen und reichern sich dort an. Sie wirken als starkes Nervengift und hemmen die Signalübertragung.

Beim Patienten zeigen sich zahlreiche Symptome. Neben Krämpfen, die sich durch eine Zitterschrift äußern, sind Lähmungen und Konzentrationsschwierigkeiten häufig. Aber auch von einem schlechten Kurzzeitgedächtnis, Persönlichkeitsstörungen und einem Kribbeln im Bereich der Haut wird bei chronischer Vergiftung mit Quecksilber berichtet.

Haarausfall

Neben anderen Schwermetallen kann auch Quecksilber zu einem Haarausfall führen. Dieser wird jedoch nur sehr selten auf eine mögliche Quecksilber-Vergiftung zurückgeführt. Die Quecksilber-Mengen reichern sich nach Ausbreitung im Körper unter anderem auch im Bereich der Haare an. Dabei stören sie die weitere Entwicklung und Reifung der Haare, was sich als zunehmender Haarausfall äußert. Häufig stellt der Haarausfall ein wichtiges Frühwarnsymptom dar, das sich bereits vor dem Ausbruch anderer Symptome diagnostizieren lässt.

Behandlung

Unbehandelt kann eine Quecksilber-Vergiftung mit hohen Mengen an Quecksilber innerhalb weniger Tage zum Tod führen. Zur Therapie stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung. Dabei wird sich das Prinzip zunutze gemacht, dass Schwermetalle durch verschiedene Medikamente (sogenannte Komplexbildner) im Körper gebunden und damit besser ausgeschieden werden können.

Zur Behandlung einer akuten Quecksilber-Vergiftung, bei der das Quecksilber noch nicht vom Körper aufgenommen wurde und sich im Blutkreislauf befindet, dient die medizinische Kohle. Durch Bindung an die Quecksilber-Mengen wird das Quecksilber über den Stuhl aus dem Körper wieder ausgeschieden.

Wenn sich das Quecksilber jedoch bereits im Blutkreislauf des Menschen befindet, werden andere Substanzen verwendet: BAL (Dimercaprol), D-Penicillamin. BAL (Dimercaprol) wird in einem großen Überschuss in den Muskel gespritzt. Es bindet das im Körper befindliche Quecksilber, wodurch seine giftige Wirkung aufgehoben wird und es ausgeschieden werden kann. Gleiches gilt für D-Penicillamin, das jedoch über eine Vene oder in Form von Tabletten verabreicht wird.

Im Rahmen der Therapie mit diesen Medikamenten können zahlreiche und zum Teil auch schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten. Häufig wird gleichzeitig mit vielen weiteren Medikamenten (z.B. gegen Übelkeit) symptomatisch behandelt.

Wie kann man eine Quecksilbervergiftung nachweisen?

Für den Nachweis einer Quecksilber-Vergiftung stehen je nach Zeitpunkt und Menge der Vergiftung sowie des Aufbaus des Quecksilbers (organisch, anorganisch) mehrere Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Zum Nachweis des Quecksilbers dienen unter anderem Urin-, Blut- oder in selten Fällen auch Haarproben.

Eine häufig durchgeführte Untersuchung ist der DMPS-Test. Dabei wird zum Nachweis des Quecksilber-Gehalts der 24h-Sammelurin vor und nach der Verabreichung von DMPS verglichen. DMPS dient dabei der Mobilisierung und Ausschwemmung von Schwermetallen.

Mit Hilfe von Blutproben lassen sich Aussagen über aktuelle oder kurz zurückliegende Belastungen mit Quecksilber treffen. Durch den Einbau von organischem Quecksilber in die Haarwurzel lässt sich durch eine Haarprobe die Quecksilber-Belastung der letzten drei Monate bestimmen.

Was sind die Folgen einer Quecksilbervergiftung?

Die Folgen einer Quecksilber-Vergiftung sind von der Dauer und der Menge des im Körper befindlichen Quecksilbers abhängig. Je länger die Vergiftung ohne eine einsetzende Behandlung andauert, desto schwerer werden oben genannte Symptome. Neben einer schweren Schädigung des Magen-Darm-Trakts und der Nieren kann auch die Leber geschädigt werden. Im Extremfall kann es zu lang anhaltenden, krampfartigen Bauchschmerzen und einem Ausfall der Nierenfunktion kommen.

Durch die mögliche Ausbreitung des Quecksilbers über die Plazenta und die Nabelvene auf den Embryo kann es auch zu schweren Behinderungen und Entwicklungsstörungen kommen. Auch ein unerfüllter Kinderwunsch, eine Störung der Regelblutung sowie eine erhöhte Fehlgeburten-Rate kann die Folge einer schweren Quecksilber-Vergiftung sein.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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