Leukämie

Synonyme im weiteren Sinne

Weisser Blutkrebs, myeloische Leukämie, lymphatische Leukämie, ALL (Akute Lymphatische Leukämie), AML (Akute Myeloische Leukämie), CLL (Chronische Lymphatische Leukämie), CML (Chronische Myeloische Leukämie), Meningeosis leucaemica

siehe auch: Erkrankungen im Blut

Definition

Der weisse Blutkrebs (Leukämie) ist nicht als eine einzelne Erkrankung zu verstehen, sondern er steht als Sammelbegriff für mehrere Erkrankungen. Darunter ist ein bösartiges (malignes), vom Körper unkontrolliertes Wachstum (Proliferation) des blutzellbildenden Systems zu verstehen. Es kommt dabei zum bösartigen Wachstum der betroffenen Zellen im Knochenmark oder in den sog. lymphatischen Geweben, wie z.B. in den Lymphknoten. Diese entarteten Zellen werden in das Blut ausgeschwemmt. Durch das unkontrollierte Wachstum bzw. die Vermehrung dieser Zellen kommt es zu einer Unterdrückung der „normalen“ Blutbildung und zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems, da die gesunden, nicht entarteten Zellen durch das zu schnelle Wachstum der bösartigen Zellen förmlich erdrückt werden.

Der Begriff Leukämie heisst übersetzt „Weisses Blut“. Es war damals Rudolph Virchow, ein bekannter deutscher Mediziner, der schon im 19. Jahrhundert das Blut eines betroffenen Patienten analysierte und schon im Reagenzglas sah, dass die weißen Blutkörperchen untypisch vermehrt waren und somit den Begriff prägte.


Allgemeine Symptome

Die Symptome sind häufig sehr untypisch. Die Erkrankung kann beispielsweise mit Fieber beginnen. Im Verlauf kann Nachtschweiß hinzukommen. Die Bettdecken sind dann morgens regelrecht nass.
Auch Knochenschmerzen werden häufig beschrieben. Kinder fallen häufig durch Spielunlust auf oder allgemein durch eine Veränderung ihres Charakters; sie verlieren das Interesse an für sie früher sehr aufregenden Sachen, sind eher lethargisch und abgeschlagen. Das unkontrollierte Wachstum der entarteten Zellen verdrängt das normale Wachstum der für das Immunsystem wichtigen Zellen, somit treten Symptome auf, die auf die vermehrte Anfälligkeit für Infekte zurückzuführen sind, also häufigere Lungenentzündungen beispielsweise.
Des Weiteren wird das normale Wachstum der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) verdrängt. Die Folge ist eine Blutarmut (Anämie), aber ebenso Brustenge (Angina pectoris) oder Herzstolpern (Palpitationen) zählen zu den Symptomen. Wird die Vermehrung der Blutplättchen (Thrombozyten) verhindert bzw. eingeschränkt, dann resultieren vermehrte Blutungen, auch nach Bagatelltätigkeiten, wie Zähneputzen beispielsweise. Der Grund ist die zentrale Rolle der Blutplättchen für die Blutgerinnung. Wenn diese Zellen zu wenig sind (z.B. unter 50000/µl), dann ist eine ausreichende Blutstillung nicht gewährleistet.
Weitere Symptome können Vergrößerungen der Lymphdrüsen sein. Die Milz kann anschwellen. Besonders bei der ALL (Akute Lymphatische Leukämie) können die Hirnhäute (sog. Meningeosis leucaemica) befallen werden.
Die Niere kann versagen (Nierenversagen), weil sie durch den vermehrten Zellumsatz und den anfallenden Abfallstoffen, die sie entsorgen muss, förmlich überrollt wird und stellt somit neben den Hirnblutungen und schweren Infekten eines der Haupttodesursachen dar.

Wie erkennt man eine Leukämie?

Leukämie ist nicht immer einfach zu erkennen. „Typische“ Symptome gibt es in der Regel nicht! So können alle Beschwerden auch im Rahmen von deutlich weniger dramatischen, aber häufigeren Krankheitsbildern auftreten.
Sie sind somit nicht beweisend für das Vorliegen von Blutkrebs. Bei anhaltenden Symptomen, sollen Sie dennoch Ihren Arzt zur Abklärung aufsuchen.

Folgende Symptome können helfen, Leukämie zu erkennen:

  • Grippeähnliche Beschwerden, wie Schwäche, Fieber, Gliederschmerzen etc.

  • Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit

  • Vermehrte Infektneigung

  • Blutungszeichen, wie gehäufte blaue Flecken, Schleimhautblutungen, Nasenbluten oder punktförmige Hauteinblutungen

  • Blässe

  • Knochenschmerzen ohne eindeutige Lokalisation

  • Kopfschmerzen, Lichtblitze, Sehstörungen

  • Oberbauchschmerzen

  • Nackensteifigkeit

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Wie erkennt man Leukämie?

Ist Leukämie heilbar?

Prinzipiell lässt sich die Frage nach der Heilbarkeit von Leukämie nicht so einfach beantworten. Zum einem gibt es sehr viele verschiedene Formen der Leukämie. Sie unterscheiden sich sowohl in Therapie, als auch in ihrer Heilbarkeit. Zum anderen entscheiden viele individuelle Faktoren, wie Patientenalter oder genetische Veränderungen, über einen Therapieerfolg.

Grundsätzlich gilt jedoch:

Akute Leukämien sind prinzipiell heilbar. Gerade bei Kinder hat die akute lymphatische Leukämie, kurz ALL, heutzutage sehr gute Heilungsaussichten.

Chronische Leukämien hingegen, sind in der Regel nur durch eine Knochenmarkstransplantation heilbar. Alleinige Chemotherapie reicht hier nicht aus. Dennoch verlaufen sie in der Regel weniger aggressiv als akute Formen, so dass Betroffene auch ohne endgültige Heilung gut mit der Erkrankung leben können.

Zudem herrscht in der Leukämietherapie aufgrund moderner Studien ein stetiger Wandel!

Einteilung der Leukämien

Das menschliche Blutbildungssystem ist hierarchisch aufgebaut. Aus einer sog. Stammzelle entwickeln sich mehrere Zellreihen in mehreren Zwischenstufen, bis dann die reife weisse Blutzelle (Leukozyt) oder die reife rote Blutzelle (Erythrozyt) entsteht. Wie bei einem „normalen“ Tumor, wie z.B. Brustkrebs oder Darmkrebs, dem entartete Zellen zugrunde liegen, können ebenso diese Zellen in den verschiedenen Entwicklungsstufen bzw. Zwischenstufen entarten und unkontrolliert, d.h. nicht dem Bedarf des Körpers angepasst, wachsen und somit andere Zellreihen verdrängen. Diese vermehrt produzierten Zellen sind funktionsuntüchtig.

Die Ausreifung einer Zelle bezeichnet man als Differenzierung. Leukämien werden u.a. nach ihren Differenzierungsmerkmalen eingeteilt. Die entarteten Zellen können aus einer sog. myeloischen oder einer sog. lymphatischen Vorläuferzeller stammen. Die myeloische Zellreihe (vom Knochenmark ausgehend) beinhaltet die Vorläuferzelle der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Blutplättchen (Thrombozyten) und der Granulozyten, die eine enorm wichtige Rolle in der Abwehr von Erregern, wie Bakterien, spielen und ihren Namen der Eigenschaft verdanken, dass sie in ihren Zellleibern sog. Granula („Körnchen“) besitzen, die abwehrnotwendige Stoffe beinhalten. Der Terminus lymphatisch besagt, dass die Zellen der betroffenen Leukämien entarteten Vorläuferzellen der reifen Lymphzellen (Lymphozyten) sind.

Ein weiteres Einteilungssystem ist der Reifungsgrad der betroffenen Zellen, also ob reife (späte Entwicklungsstadien) oder unreife (frühe Entwicklungsstadien) Zellen entartet sind. Ebenso ist es für die Einteilung von Bedeutung, ob die Erkrankung einen akuten Verlauf zeigt, also z.B. innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten aufgetreten und schlimmer geworden ist, oder ob es ein eher chronischer, langsamer Verlauf war. Die letztgenannte Einteilung wird jedoch nicht mehr häufig angewandt. Dennoch ist diese Einteilung für das Verständnis sehr hilfreich, denn die akuten Leukämien gehen meistens von unreifen Zellen aus, die dann umso funktionsuntüchtiger sind, während die chronischen Leukämien von reifzelligen Vorläufern stammen. Die häufigsten und bekanntesten Leukämien sind die ALL (Akute Lymphatische Leukämie), die AML (Akute Myeloische Leukämie), die CLL (Chronische Lymphatische Leukämie) und die CML (Chronische Myeloische Leukämie).

Akute myeloische Leukämie (AML)

AML ist eine Abkürzung und steht für akute myeloische Leukämie. Es ist die häufigste Leukämieform im Erwachsenenalter. In Deutschland werden jedes Jahr 3,5 Neudiagnosen / 100.000 Einwohner gestellt. Damit zählt die AML zu den seltenen Erkrankungen.

Ihren Ursprung findet die Erkrankung in den blutbildenden Zellen des Knochenmarks. Normalerweise, werden dort in komplizierten Schritten und Abfolgen unsere Blutzellen gebildet. Bei der AML gerät der Vorgang aus dem Gleichgewicht und einzelne, „entartete“ Zellen vermehren sich unkontrolliert. In Folge dessen, wird das Blut mit unreifen, funktionslosen Leukämiezellen überschwemmt. Wenn Zellen aus der myeloischen Reihe entarten, spricht man von AML. Zu diesen Zellen gehören die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und Teile der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Ursache für die Erkrankung ist weitgehend unklar, Strahlenbelastung und einzelne chemische Substanzen spielen jedoch eine wichtige Rolle.

Neben eher unspezifischen, grippeähnlichen Symptomen, leiden Betroffene unter einer erhöhten Infektanfälligkeit, chronischer Müdigkeit, Schwäche oder Blässe. Oft lässt sich eine gehäufte Anzahl blauer Flecken, Nasenbluten und kleinen Hauteinblutungen beobachten. Prinzipiell können die Leukämiezellen jedoch alle Organe befallen und dementsprechend verschiedene Symptome verursachen. Wegweisender Befund ist das Vorhandensein von Leukämiezellen, auch Blasten genannt, im Blut und/oder Knochenmark. Häufig sind Blutplättchen und rote Blutkörperchen bei der Diagnose stark erniedrigt.

Die AML ist, wie alle akuten Formen des Blutkrebses, eine sehr aggressive Erkrankung. Somit ist ein unverzüglicher Behandlungsbeginn unverzichtbar! Um eine vollständige Zerstörung der Leukämiezellen zu erreichen, werden verschiedene Chemotherapeutika miteinander kombiniert. Man spricht dann auch von einer Polychemotherapie. In bestimmten Fällen kann eine Knochenmarkstransplantation die Aussicht auf Heilung vergrößern.
Unter der Therapie treten zahlreiche Nebenwirkungen auf. Dazu können Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Mundschleimhautentzündungen oder Infektionen zählen.

Die Heilungsaussichten der AML variieren und sind u.a. von Krankheitsstadium, Form und Alter der Patienten abhängig.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Akute myeloische Leukämie (AML)

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)

CLL steht für chronisch lymphatische Leukämie. In Deutschland leiden etwa 18.000 Menschen an der Erkrankung. Typischerweise erkranken ältere Menschen an CLL. So liegt das mittlere Diagnosealter zwischen 70 und 72 Jahren.

Ursache der CLL liegt im unkontrollierten Wachstum von B-Lymphozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Im Gegensatz zu gesunden weißen Blutkörperchen, haben die erkrankten B-Lymphozyten eine deutlich verlängerte Überlebenszeit. Dadurch „überschwemmen“ die funktionslosen Leukämiezellen das Blutsystem und infiltrieren Organe, insbesondere Lymphknoten, Milz und Leber.

In ungefähr der Hälfte der Fälle verläuft die CLL über einen langen Zeitraum unbemerkt und ohne Symptome. Oft wird die Erkrankung sogar nur zufällig entdeckt! Mögliche, eher unspezifische Beschwerden können Müdigkeit, Fieber, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß sein. Schmerzlose Lymphknotenschwellungen, chronischer Juckreiz oder Nesselsucht lassen sich bei vielen Patienten beobachten. Am gravierendsten, kann eine krankheitsbedingte Einschränkung der Immunabwehr sein. Schwere bakterielle oder virale Infektionen können die Folge sein.

Diagnostisch wegweisend ist eine anhaltende Erhöhung der Lymphozyten, sowie das typische Aussehen der Leukämiezellen unter dem Mikroskop. Weitere Untersuchungen, wie eine Ultraschallaufnahme des Bauches oder eine Biopsie der Lymphknoten, kann die Diagnose untermauern.

Nach heutigem Kenntnisstand, ist die CLL ohne eine Knochenmarkstransplantation, nicht ursächlich heilbar. So teilen sich die Tumorzellen nur sehr langsam, weswegen die Krankheit auch dementsprechend schleichend verläuft. Zu Beginn genügen daher regelmäßige Kontrolluntersuchungen. In fortgeschrittenen Stadien kommt eine medikamentöse Behandlung zum Einsatz. Sie besteht aus einer Kombination von Chemotherapie und Antikörpern.
Grundsätzlich entscheiden vor allem Patientenalter und Allgemeinzustand über Art der Therapie. So wird eine symptomatische CLL immer therapiert. Wird die Diagnose eher zufällig gestellt und Betroffene symptomlos sind, kann auf eine Behandlung verzichtet werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)

Chronisch myeloische Leukämie (CML)

Die chronisch myeloische Leukämie, kurz CML, ist eine seltene Form des Blutkrebses. So erkranken jedes Jahr nur 1-2 Personen / 100.000 Einwohner.
Prinzipiell können Menschen jeder Altersgruppe erkranken. Dennoch lässt sich eine Häufung zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr beobachten.

Interessanterweise, liegt der CML eine typische genetische Veränderung zugrunde. Denn bei fast allen CML-Patienten lässt sich das sogenannte „Philadelphia-Chromosom“ nachweisen.

Ihren Ursprung findet die CML, wie alle Leukämieformen, in den blutbildenden Zellen des Knochenmarks. Typischerweise kommt es bei der Erkrankung zu einer ungehemmten Vermehrung von Granulozyten, einer Unterform der weißen Blutkörperchen.

Im Gegensatz zu den akuten Leukämien, verläuft die CML langsam und beginnt mit schleichenden Beschwerden. Insgesamt lässt sich der Verlauf in 3 Phasen unterteilen:

  1. Chronische Phase: Oft erfolgt die Diagnosestellung in dieser Phase. Sie verläuft oft „stumm“ und kann bis zu 10 Jahre andauern. Typische Symptome können chronische Müdigkeit, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß sein. Patienten klagen oft über Oberbauchschmerzen, welche sich durch eine starke Leber-und Milzvergrößerung erklären lässt.
  2. Akzerelerationsphase: Hier kommt es zu einer Verschlechterung des Blutbildes. Betroffene können unter Blutarmut, Blutungsneigung und Infarkten leiden.
  3. Blastenkrise: Die Blastenkrise ist das Endstadium der CML und gleicht den starken Beschwerden einer akuten Leukämie.

In erster Linie, führt die massiv erhöhte Anzahl an Granulozyten zu den Beschwerden bei der CML. Im Rahmen der Therapie, wird daher eine Senkung dieser Blutzellen angestrebt. Es kommen sowohl Chemotherapeutika, als auch moderne Antikörper zum Einsatz. Oft genügen nach Diagnosestellung eher milde Zytostatika, so dass Patienten eher selten mit schwerwiegenden Nebenwirkungen rechnen müssen.
Um die Blutbildveränderungen genau zu beobachten, müssen CML-Patienten engmaschig kontrolliert werden. Bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf kann eine Knochenmarkstransplantation in Erwägung gezogen werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Chronisch myeloische Leukämie (CML)

Ursachen

Ionisierende Strahlen: Nach den Nuklearbombenangriffen in Japan sowie nach dem Atomreaktorunfall in Tschernobyl wurden ein vermehrtes Auftreten der Leukämien ALL (Akute Lymphatische Leukämie) und AML (Akute Myeloische Leukämie) beobachtet.

Rauchen: Es ist vor allem ein Risikofaktor für die AML (Akute Myeloische Leukämie)

Benzol: Es ist ebenso ein Risikofaktor für das Entstehen von Leukämien. Im Zigarettenrauch ist es auch enthalten.

Vererbung (Genetik): Beim Down-Syndrom (Trisomie 21 Syndrom) sind vermehrte Neuerkrankungen an Leukämie zu beobachten.
Weitere Informationen zur Trisomie 21 finden Sie auch unter unserem Thema Down-Syndrom.

Chemotherapeutika: Bei dem jahrelangen Einsatz von Chemotherapeutika zur Therapie anderer Krebsarten steigt das Risiko zur Entstehung des Blutkrebses, da die eingesetzten Substanzen ebenso das Blutbildungssystem stark beeinträchtigen und somit Entartungen in den Zellen auslösen können.

Viren: Die sogenannten HTLV (Human t-cell leucaemia virus , deutsch: Humanes T- Zell Leukämie Virus) I und II Viren stellen vor allem in Regionen wie der Karibik oder in Japan ein erhöhtes Risiko für das Entstehen von bestimmte Arten von Leukämien. Außerdem ist das sog. EBV (Ebstein Barr Virus) ein möglicher Auslöser bestimmter Leukämieformen.

Unregelmässigkeiten in den Genträgern in der Zelle (Chromosomale Aberrationen): Eine der bekanntesten Unregelmässigkeiten in den Genträgern (Chromosomen), die zur Leukämie, vor allem der CML (Chronische Myeloische Leukämie) führen können, ist die atypische Verbindung (Translokation) der Chromosomen 9 und 22. Es entsteht das sog. Philadelphia-Chromosom. Ein bestimmtes Eiweißmolekül (Tyrosinkinase) sorgt daraufhin, aufgrund dieser atypischen Verbindung (Translokation), zu einer unkontrollierten Vermehrung der betroffenen Zellen.

Therapie

Es muss für jeden Patienten die für ihn angepasste Therapie erstellt werden. Die genauen Therapiemöglichkeiten der einzelnen Leukämieformen werden in den entsprechenden Abschnitten behandelt. Hier werden allgemeine Therapiemöglichkeiten der Leukämie dargestellt.

Eines der wichtigsten Therapiemöglichkeiten ist die Chemotherapie, bei der wachstumshemmende Substanzen (Zytostatika) eingesetzt werden, um das unkontrollierte Wachstum der betroffenen Zellen zu stoppen. Die sog. Hochdosischemotherapie ist eine weitere, spezielle Möglichkeit der Therapie, die auf folgendem Prinzip beruht: Die „normale“ verabreichte Chemotherapie ist in ihrer Dosis beschränkt, da sie auch gesunde Zellen des Knochenmarkes zerstört, denn es werden durch die verabreichten Medikamente nicht nur die entarteten Zellen zerstört, sondern alle sich sehr schnell teilenden Zellen, also auch gesunde Zellen des blutbildenden Systems im Knochenmark.

Bei der Prozedur der sog. allogenen (Fremdspender) Knochenmarktransplantation wird dem Patienten zunächst eine Hochdosischemotherapie verabreicht, mit dem Wissen und der Gefahr natürlich, neben den bösartigen Zellen, auch die meisten der gesunden Zellen zu zerstören. Unter höchster Isolationsstufe für den Patienten, der nun extrem infektanfällig ist, werden ihm passende Fremdspenderstammzellen des blutbildenden Systems verabreicht, damit sich wieder neue, gesunde Blutzellen bilden können (siehe: Stammzellenspende). In einigen Studien wurde der Nutzen der sog. autologen Stammzelltransplantation untersucht, wobei dem Patienten selbst vor der Hochdosischemotherapie gesunde Stammzellen entnommen werden, die nach der Hochdosischemotherapie wieder eingesetzt werden. Es hat den Vorteil, dass es körpereigene Zellen sind und nicht abgestossen werden würden. Der Nachteil ist die mangelnde klinische Erfahrung und Kenntnis, da es ein sehr neues Verfahren ist.

Die Strahlentherapie stellt bei der Behandlung der Leukämie eine eher untergeordnete Rolle.

In den letzten Jahren wurden immer mehr direkt wirkende Medikamente entwickelt. Diese Substanzen gehen speziell an die Ursache des unkontrollierten Zellwachstums. Das bekannteste Medikament dieser Art ist das Imatinib (Glivec®), welches das Produkt der untypischen Verbindung (Translokation) zwischen den Genträgern (Chromosomen) 9 und 22, die Tyrosinkinase, speziell hemmt und somit direkt am defekten Ort wirkt und nicht- kranke Zellen somit nicht angreift.

Leukämie bei Kindern

Mit etwa 700 Neuerkrankungen pro Jahr ist Leukämie die häufigste Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Mehrheitlich leiden Kinder unter der akuter lymphatischen Leukämie, kurz ALL. In den allermeisten Fällen lässt sich die Ursache der kindlichen Leukämie nicht klären. Genetische Veränderungen und einzelne Umwelteinflüsse, wie eine vermehrte Strahlenbelastung, erhöhen jedoch das Erkrankungsrisiko. Kinder mit Down-Syndrom erkranken zudem deutlich häufiger an einer bestimmten Form der Leukämie (AML).

Ihren Ursprung findet die Leukämie in den blutbildenden Zellen des Knochenmarks. Normalerweise, reifen dort unsere verschiedenen Blutzellen in komplizierten Abläufen aus. Bei der Leukämie „entarten“ einzelne Vorläuferzellen. Als Folge, produzieren sie unkontrolliert große Mengen funktionsloser Leukämiezellen (Blasten). Zunehmend kommt es dann zur Verdrängung gesunder Blutzellen und einer Infiltration der Blutkrebszellen in verschiedene Organe.

Ähnlich wie bei den Erwachsenen, sind die ersten Symptome bei Kindern eher unspezifisch. Betroffene Kinder sind schlapp, müde und häufig lustlos. Kleinere Patienten wollen nicht mehr spielen und verhalten sich z.T. sehr anhänglich. Oft fällt den Eltern eine starke Blässe ihres Kindes, sowie eine Häufung blauer Flecken oder punktförmiger Hauteinblutungen auf. Gelegentlich lässt sich starkes Nasenbluten beobachten. Da die Leukämiezellen die Zellen der Immunabwehr (weiße Blutkörperchen) verdrängen, leiden die Kinder unter gehäuften Infekten.

Besteht der Verdacht auf eine Leukämie, wird in spezialisierten Abteilungen von Kinderkliniken (Pädiatrische Onkologie/Hämatologie) eine Knochenmarksprobe entnommen. Dort können die Leukämiezellen direkt unter dem Mikroskop sichtbar gemacht werden. Neben der Knochenmarkspunktion, spielen auch andere Untersuchungen, wie z.B. Blutentnahme, Ultraschall oder Lumbalpunktion (Hirnwasseruntersuchung), eine wichtige Rolle.

Da akute Leukämie auch bei Kindern sehr aggressiv verläuft, sollte die Therapie schnellstmöglich beginnen. Um möglichst alle Leukämiezellen zu zerstören, kommt eine Therapiekombination aus verschiedene Chemotherapeutika zum Einsatz.
Die starke und aggressive Therapie bringt zahlreiche Nebenwirkungen (Übelkeit, Haarausfall, Erbrechen, Infektneigung) mit sich.
In speziellen Fällen kann die Knochenmarkstransplantation die Heilungssaussichten vergrößern.
Gelegentlich erfolgt eine Bestrahlungstherapie. Erfreulicherweise, haben sich die Heilungsaussichten der Leukämie bei Kindern in den letzten Jahrzehnten stark gebessert. So liegt die 5-Jahres-Überlebensrate der häufigen ALL zwischen 80 und 90%.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Leukämie bei Kindern

Häufigkeit

Die einzelnen Häufigkeiten der verschiedenen Leukämieformen werden in den entsprechenden Abschnitten genannt. Allgemein ist zu unterstreichen, dass einige Leukämieformen in bestimmten Altersgruppen vermehrt auftreten. Beispielsweise tritt die ALL (Akute Lymphatische Leukämie) vor allem im Kindesalter auf, während sie bei Erwachsenen eine Seltenheit ist. Die CLL (Chronische Lymphatische Leukämie) hingegen ist bei Kindern extrem selten und tritt vor allem bei älteren (über 60 Jahre) Patienten auf. Die AML (Akute Myeloische Leukämie) ist bei Erwachsenen die häufigste Leukämie und tritt ebenso bei Kindern relativ häufig auf (nach der ALL die zweithäufigste Leukämie im Kindesalter).

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: Leukämie bei Kindern

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.12.2017
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