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Wie erkennt man Leukämie?

Einleitung

Der Krankheitsbegriff Leukämie wird im allgemeinen Sprachgebrauch als „Blutkrebs“ aufgefasst.
Es handelt sich um eine Systemerkrankung, die den gesamten Körper umfasst. Hinter dem Begriff Leukämie verstecken sich verschiedene Erkrankungen des blutbildenden Systems. Die Wortherkunft des Sammelbegriffs deutet auf eine häufige Gemeinsamkeit der bösartigen Zellneubildungen hin: es liegt in vielen Fällen eine deutlich erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen vor.
Im Knochenmark entwickeln sich aus sogenannten pluripotenten Stammzellen nicht nur weiße und rote Blutzellen, sondern auch die Blutplättchen. Auf dem Weg zum funktionstüchtigen weißen Blutkörperchen können infolge fehlerhafter Kontrollmechanismen unreife Zellen entstehen. Sie vermehren sich meist schneller und stören auf diese Weise die Produktion aller anderen Zellen des Blutes im Knochenmark. Unreife weiße Blutkörperchen reduzieren die Immunabwehr. Infektionen treten wesentlich häufiger auf. Der Mangel an reifen Blutkörperchen sowie Thrombozyten (Blutplättchen) führt zur Anämie (Blutarmut) und einem erhöhtem Risiko von Blutungen.

Grob unterschieden werden akute und chronische Leukämien.
Akute Leukämien sind mit einem raschen, schweren Krankheitsverlauf assoziiert, der im Tod enden kann. Chronische Leukämien dagegen zeigen einen deutlich langsameren und unscheinbareren Verlauf.

Abhängig davon, welche Vorläuferzellen der weißen Blutzellen betroffen sind, spricht man myeloischer oder lymphatischer Leukämie. Die myeloische Leukämie entsteht aus den Vorstufen der Granulozyten, während die lymphatische Form aus den Lymphozyten hervorgeht. Hieraus ergeben sich vier Krankheitsbilder der Leukämie:

Weiterhin existieren Syndrome als Vorstufen von Leukämien und seltenere Formen wie die Haarzell-Leukämie.

Die jährliche Erkrankungszahl beträgt in Deutschland etwa 11.500. Beim Großteil der Erkrankten handelt es sich um Menschen über dem 60. Lebensjahr. Ungefähr 5% der Betroffenen sind Kinder unter 15 Jahren. Bei Erwachsenen zählt die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) zu der häufigsten Form. Der akute Verlauf der lymphatischen Leukämie ist eher eine Leukämie bei Kindern.
Die Symptome der einzelnen Leukämieformen ähneln sich in ihren Anfangsstadien und sind durch verminderte Leistungsfähigkeit, Gewichtsverlust, Fieber und Zeichen einer Blutarmut gekennzeichnet. Bei Verdacht auf eine Erkrankung des blutbildenden Systems liefern die Anamnese, eine körperliche Untersuchung und ein genaues Blutbild erste Hinweise. Zur Sicherung der Diagnose dienen neben einer Knochenmarkpunktion, die Lymphknotenbiopsie und bildgebende Verfahren.

Symptome

Die Symptome der akuten und chronischen Leukämien sind meist unspezifisch und werden im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen beobachtet. Es existieren jedoch verschiedene Warnhinweise, die an eine Leukämie denken lassen und entsprechend ernst genommen werden sollten.
Je nach Verlaufsform variiert die Stärke der Beschwerden. Während akute Leukämien unvermittelt und plötzlich auftreten, bleiben chronische Leukämien lange unerkannt und werden erst im Rahmen ärztlicher Routineuntersuchungen entdeckt. Einer akuten Leukämie geht meist gänzliche Gesundheit voraus, bevor überganglos hohes Fieber und ein deutliches Krankheitsgefühl mit erhöhter Neigung zu Infektionen, die bei Menschen mit intaktem Immunsystem sonst nicht vorkommen, auftreten. Deutlich langsamer und unscheinbarer stellt sich der Krankheitsverlauf der chronischen Leukämien dar. Erkrankte erleben meist nur gering ausgeprägte Einschränkungen im täglichen Leben.
Allgemein fühlen sich Betroffene häufig müde und klagen über verminderte Leistungsfähigkeit. Körperliche Symptome können in Form der sogenannten B-Symptomatik bei Krebserkrankungen beobachtet werden. Der Begriff fasst die Trias aus ungewollten Gewichtsverlust, andauerndem Fieber und nächtlich auftretendem Schweiß zusammen.

Fehlerhafte Kontrollmechanismen führen zur unkontrollierten Vermehrung und Produktion von unreifen weißen Blutkörperchen. Infolge entsteht eine Anämie (Blutarmut), die mit folgenden Symptomen einhergeht: Blässe, hohe Herzfrequenz, Schwindelanfällen und vermehrte Luftnot.
Neben reifen weißen und roten Blutkörperchen werden aufgrund des Verdrängungsmechanismus weniger funktionsfähige Thrombozyten (Blutplättchen) gebildet. Betroffene leiden infolge häufiger an Schleimhautblutungen in Nase und Mund. Bereits leichte Traumata reichen zur Entstehung von Hämatomen unter der Haut aus. Auch kleine punktförmige Blutungen an Armen und Beinen, sogenannte Petechien, sind Folge einer verminderten Gerinnungsfähigkeit.
Weitere Symptome, die auf eine Leukämie hinweisen können, sind erhöhte Infektanfälligkeit, Hautausschläge, geschwollene Lymphknoten, schmerzende Knochen und eine tastbar vergrößerte Milz oder Leber.

Lesen Sie etwas über den leukämiebedingten Hautausschlag.

Wie erkennt man eine Leukämie bei Kleinkindern und Babys?

In Deutschland erkranken jährlich etwa 600 Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr an einer Leukämie.
Die Symptome bei einer beginnenden Leukämie sind unspezifisch ähnlich wie bei einem Erwachsenen. Die Kinder können häufiger müde und blass sein und sind allgemein anfälliger für Infektionen. Fieber, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust gehören zur sogenannten B-Symptomatik, die bei einer Leukämie oder auch anderen Tumorerkrankungen auftreten können. Die Kinder können zudem über Knochenschmerzen klagen und schneller und häufiger als gewohnt bluten, z.B. aus der Nase, oder blaue Flecken (Hämatome) bekommen. Wie auch bei Erwachsenen können Kinder und Babys geschwollene Lymphknoten und eine vergrößerte Milz oder Leber im Rahmen einer Leukämie entwickeln. Weitere Allgemeinsymptome wie Appetitlosigkeit oder Unwohlsein und Abgeschlagenheit können auch auftreten.
Rund 30% aller Krebserkrankungen in diesem Alter entfallen auf bösartige Neubildungen des blutbildenden Systems. Bei Kindern bis zum vollendeten 14.Lebensjahr macht die akute lymphatische Leukämie mit 500 Neuerkrankungen pro Jahr den weitaus größten Anteil aus. Laut statistischen Angaben liegt der Hauptteil der Erkrankungen bei Kindern zwischen ein und fünf Jahren. Erwachsene sind wesentlich seltener betroffen. Dank moderner Therapieoptionen betragen die Chancen nach 5 Jahren krankheitsfrei zu sein etwa 90%.
Die akute lymphatische Leukämie (ALL) beruht auf der Produktion entarteter Lymphozyten. Hierbei werden verschiedene Formen unterschieden. Je nachdem welche Vorläuferzellen von B- oder T-Lymphozyten betroffen sind, können sich Verlauf und Prognose erheblich unterscheiden. Die genaue Unterteilung in verschiedene Unterformen der ALL stellt ein hilfreiches Mittel bei der Wahl der richtigen Behandlung dar. Die Ursachen für die Entstehung einer ALL sind bislang noch unzureichend geklärt.
Bei der Krankheitsgenese scheinen genetische und äußere Faktoren wie Virusinfektionen und radioaktive Strahlung eine Rolle zu spielen. Kinder mit angeborenen Störungen des Immunsystems und Chromosomenanomalien erkranken zudem häufiger an einer Leukämie.

Bei der Diagnose einer Leukämie sind neben der Anamnese, der klinischen Untersuchung insbesondere eine genaue Blutbildanalyse und eine Knochenmarkpunktion angezeigt. Weiterhin kommen bildgebende Verfahren wie Röntgenuntersuchungen, eine Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) zum Einsatz.
Bei nachgewiesener ALL erfolgt die Behandlung in einer speziellen Einrichtung für kinderonkologische Fälle. Zentraler Bestandteil der Therapie einer jeden Unterform stellt die Chemotherapie dar. Mit Hilfe sogenannter Zytostatika wird das Zellwachstum gehemmt.
Jede Therapie wird an die individuelle Tumorausbreitung angepasst. Neben zytostatischen Medikamenten kann eine Strahlentherapie und unter Umständen auch eine Stammzelltransplantation zum Einsatz kommen.
An der akuten myeloischen Leukämie erkranken in Deutschland jährlich etwa 110 Kinder und Jugendliche. Mit rund 20% macht sie den zweitgrößten Anteil der Leukämien aus. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder bis zum zweiten Lebensjahr sind zahlenmäßig am meisten vertreten. Ursachen und Diagnostik sind mit der ALL vergleichbar. Wichtigster Bestandteil der Therapie einer AML ist die medikamentöse Chemotherapie, die nur selten durch weitere Maßnahmen ergänzt wird. Die Heilungschance nach 5 Jahren beträgt 70%.

Wie erkennt man Leukämie im Blut / Blutbild?

Besteht der Verdacht auf eine Leukämie leitet der Arzt verschiedene Untersuchungsschritte ein. Neben der Anamnese und körperlichen Untersuchung, spielen ein genaues Blutbild und die Knochenmarkpunktion eine wichtige Rolle. Bestätigt sich der Verdacht auf eine bestimmte Leukämieform, liefern vor allem die Ergebnisse aus den Untersuchungen von Blut und Knochenmark entscheidende Hinweise für weitere Behandlungsmaßnahmen.
Die Blutbildanalyse dient der Bestimmung von roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen. Auf diese Weise wird beurteilt, ob und welche Unterform der weißen Blutzellen einer bösartigen Veränderung unterliegt.
Im sogenannten Differentialblutbild wird neben der Morphologie (Aussehen) der einzelnen Leukozyten-Untergruppen, auch deren Anteil an der Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen bestimmt. Granulozyten sind Teil unseres angeborenen Immunsystems und lassen sich in eosinophile, basophile und neutrophile Granulozyten unterteilen. Sie machen etwa 60% der Leukozyten aus. Lymphozyten kommen am zweithäufigsten vor und zählen zur erworbenen Immunabwehr. Monozyten werden auch als Fresszellen bezeichnet und machen nur wenige Prozentpunkte aus.

Nicht immer zeigt das Blutbild eine deutliche Zunahme der Zahl weißer Blutkörperchen (Leukozytose). Normale genauso wie erniedrigte Werte (Leukopenie) sind auch keine Seltenheit.
Aus den Stammzellen im Knochenmark reifen die verschiedenen Vorläuferzellen der Blutkörperchen heran. Erst am Ende ihrer Differenzierung zur funktionstüchtigen Zelle werden sie in die Blutbahn entlassen. Bei bösartigen Neubildungen des Knochenmarks finden sich vermehrt Vorstufen im Blut. Häufig ist eine gesunkene Zahl roter Blutkörperchen (Anämie) und Blutplättchen (Thrombozytopenie) zu beobachten. Dies hängt mit der Verdrängung durch die bösartige Vermehrung der Leukozyten zusammen. Andererseits kann aber bei einer Leukämie auch eine Erythrozytose oder Thrombozytose, also eine erhöhte Zahl roter Blutkörperchen und Blutplättchen, vorliegen.
Auch wenn die Blutbildanalyse einen wichtigen Bestandteil in der Diagnostik von Leukämien darstellt, ist es nicht immer ein zuverlässiges Mittel. Ein unscheinbares Labor muss kein Ausschluss für eine Leukämie sein. Umgekehrt deutet nicht jede Auffälligkeit sicher auf eine Leukämie hin. Auch andere Erkrankungen gehen mit Veränderungen im Blutbild einher.

Weiter Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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