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Blutkrebs

Synonyme

Leukämie, Hyperleukozytose, Leukose

Definition

Blutkrebs ist eine Erkrankung des blutbildenden und lymphatischen Systems, bei der es zu einer starken Vermehrung von weißen Blutzellen, den sogenannten Leukozyten, kommt. Meist handelt es sich dabei um veränderte, nicht funktionstüchtige weiße Blutzellen (Tumorzellen). Vor allem die Vorstufen der weißen Blutzellen sind beim Blutkrebs in stark erhöhter Zahl zu finden.

Durch die starke Vermehrung der veränderten weißen Blutzellen, insbesondere im Knochenmark, kommt es zu einer Verdrängung der anderen Blutzellen, wie der roten Blutkörperchen, der Blutplättchen und der funktionstüchtigen weißen Blutzellen. Dies führt zu Mangelerscheinungen wie einer Anämie (Blutarmut, Mangel an roten Blutzellen), Gerinnungsstörungen durch den Mangel an Blutplättchen oder Immundefizite aufgrund der geringen Anzahl funktionstüchtiger weißer Blutzellen.

Außerdem können die weißen Blutzellen andere Organe im Körper infiltrieren und sie damit in ihrer Funktion beeinträchtigen, zum Beispiel die LeberMilz oder Lymphknoten.

Ursachen des Blutkrebses

Eine eindeutige Ursache für die Entstehung von Blutkrebs ist bis jetzt nicht bekannt. Allerdings gibt es einige Risikofaktoren, die die Entstehung beeinflussen können: Radioaktive Strahlung oder Röntgenstrahlung, Chemikalien wie Pflanzenschutzmittel oder Lösungsmittel (z.B. Benzol), Medikamente im Rahmen einer Tumortherapie (z.B. Zytostatika: Alkylanzien, Topoisomerase-II-Inhibitoren oder andere Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems), genetische Prädisposition z.B. in Form des Philadelphia-Chromosoms (verändertes Chromosom 22) sowie Rauchen.

Formen des Blutkrebses

Akuter Blutkrebs: Die akute Form des Blutkrebs ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten unbehandelt zum Tod führt. Häufig tritt die Krankheit aus völliger Gesundheit heraus auf und entwickelt sich sehr schnell zu einem schweren Krankheitsbild.

Chronischer Blutkrebs: Die chronische Form des Blutkrebses beginnt meist schleichend und verläuft meist über mehrere Jahre, wobei es am Anfang nur wenige bis leichte Symptome gibt. Die Zahl der krankhaft vermehrten weißen Blutzellen ist bei dieser Form noch nicht so stark erhöht, dass die anderen Zellen zu stark verdrängt werden.

Symptome

Erste Anzeichen einer möglichen Blutkrebserkrankung sind Blässe, Schwäche, Unwohlsein, Ermüdung, Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Blutungsneigungen (häufiges Zahnfleischbluten, verlängerte Menstruationsblutung, Nasenbluten, spontane blaue Flecken, kleine Einblutungen an der Haut (Petechien)). Ebenso eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte, Juckreiz und Schwellungen der Lymphknoten, Leber oder der Milz sind Anzeichen für eine Blutkrebserkrankung.

Es gibt keine charakteristischen Symptome für die chronische oder die akute Form des Blutkrebses. In den meisten Fällen jedoch fallen die Symptome bei der chronischen Form leichter aus.

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Wie kann man Blutkrebs erkennen?

Die verschiedenen Blutkrebs-Arten können sich verschieden äußern.
Gerade bei den akuten Formen kommt es oftmals zu einer raschen Verschlechterung des Allgemeinzustands, zu Blutungszeichen wie Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder blauen Flecken und zu vermehrten Infektionen, die teilweise schwer verlaufen können. Auch Lymphknotenschwellungen können Hinweis auf das Vorliegen einer Leukämie sein. Im Blutbild fällt häufig eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen auf. Man spricht hier von einer Leukozytose. Parallel kommt es häufig zu einem Abfall an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und roten Blutkörperchen (Anämie) den man im Blutbild erkennen kann. Es gibt jedoch auch Leukämieformen die man einem völlig unauffälligen Blutbild aufwarten.
Die chronischen Leukämieformen sind nicht selten Zufallsbefunde, weil sie kaum Beschwerden verursachen und dann im Rahmen einer Routineuntersuchung auffallen. Beispielsweise durch auffällige Blutwerte oder Schwellungen von Lymphknoten, Milz oder Leber.

Klassifikation und Diagnostik

Es gibt mehrere Unterformen des Blutkrebses, je nachdem von welcher Vorläuferzelle die veränderten/ entarteten Blutkrebszellen abstammen. Man unterscheidet zunächst die myeloischen von den lymphatischen Formen. Nachfolgend sind die wichtigsten Formen des Blutkrebses (Leukämie) aufgelistet:

Die wichtigste Maßnahme zur Diagnosestellung des Blutkrebses ist die Untersuchung des Knochenmarks sowie des peripheren Blutes. Hierzu wird ein Blutbild angefertigt und unter dem Mikroskop die Zellbestandteile des Blutes untersucht und die Anzahl der verschiedenen Zelltypen gezählt (Anzahl roter und weißer Blutkörperchen sowie Anzahl der Blutplättchen). Jede Form des Blutkrebses weist ein anderes aber typisches Blutbild auf.

Mithilfe von bildgebenden Verfahren wie einem Ultraschall, MRT, CT oder Röntgen kann untersucht werden, ob bereits Lymphknoten und andere Organe vom Blutkrebs befallen sind.

Vorkommen und Häufigkeit

Die verschiedenen Typen des Blutkrebses haben alle unterschiedliche Altersverteilungen und Auftrittswahrscheinlichkeiten.

Akute lymphatische Leukämie (ALL): Diese Form des Blutkrebses ist eher selten, in Deutschland gibt es jährlich 1,5 Neuerkrankungen auf 100 000 Einwohner. Die akute lymphatische Leukämie tritt vor allem im Kindesalter auf, 90% aller Blutkrebse im Kindesalter sind akute lymphatische Leukämien, bei Erwachsenen ist diese Form selten.

Akute myeloische Leukämie (AML): Die akute myeloische Form des Blutkrebses tritt ungefähr doppelt so häufig auf, wie die akut lymphatische Form (ALL). Hier gibt es jährlich ca. 2,5 Neuerkrankungen auf 100 000 Einwohner. Betroffen von dieser Form sind vor allem Erwachsene, 80% aller Leukämien im Erwachsenenalter sind akut myeloisch, wobei der Altersgipfel bei 60 Jahren liegt.

Chronisch myeloische Leukämie (CML): Die chronisch myeloische Form des Blutkrebses ist ebenfalls eher selten, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Jährlich erkranken ca. 1-2 Personen pro 100 000 Einwohner neu an CML.

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL): Diese Form des Blutkrebses ist die häufigste in der westlichen Hemisphäre. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 60 Jahren, nur ca. 15% der Erkrankten sind jünger als 55 Jahre. Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen.

Mehr Informationen dazu finden Sie hier: Leukämie bei Kindern

Blutkrebs bei Kindern

Bei Kindern sind Leukämien mit etwa 30% die häufigsten Krebserkrankungen. Im Kindesalter kommt die akute lymphatische Leukämie mit Abstand am Häufigsten vor. Hierbei handelt es sich um eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems.
Die AML verläuft akut. Das bedeutet, wenn keine Therapie eingeleitet wird, breiten sich die Tumorzellen rasch im Knochenmark aus und verdrängen so die gesunden Zellen aus dem Knochenmark. Es kommt zu schweren Infekten, Blutungen und einer deutlichen Minderung des Allgemeinzustandes, häufig auch mit Fieber und Lymphknotenschwellungen.
Unbehandelt führt die Erkrankung in der Regel innerhalb weniger Monate zum Tod. Während die AML vor einigen Jahrzehnten noch beinahe ein sicheres Todesurteil war, gibt es durch die neuen Therapieformen heute eine deutliche bessere Heilungschance. Etwa 80% der erkrankten Kinder können erfolgreich behandelt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Leukämie bei Kindern

Ist Blutkrebs vererbbar?

Leukämieerkrankungen sind nicht im eigentlichen Sinne vererbbar. Es gibt jedoch noch zahlreiche Dinge, die nicht ausreichend erforscht sind.
Es gibt Erbkrankheiten, die das Risiko für das Auftreten einer Leukämie erhöhen, beispielsweise das Down-Syndrom (Trisomie 21). Auch scheinen Leukämien häufiger in Familien aufzutreten in denen vermehrt bösartige Erkrankungen aufgetreten sind.
Abschließend kann diese Frage nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft also nicht beantwortet werden.

Therapie

Die Wahl der Therapieform hängt von der Art des Blutkrebses ab. Die häufigste Form der Therapie ist die Polychemotherapie. Hierbei werden mehrere zytostatische Medikamente dem Patienten verabreicht. Zytostatika sind Zellgifte, die die Vermehrung und das Wachstum von Krebszellen eindämmen. Krebszellen teilen sich sehr häufig und werden deshalb besonders stark von den Medikamenten eingeschränkt, aber auch manche gesunde Zellen des Körpers haben eine hohe Teilungsrate, welche dann von den Medikamenten beeinflusst wird (z.B. Schleimhautzellen). Deswegen kann es unter der Chemotherapie zu Nebenwirkungen an gesunden Organen des Körpers mit vorübergehenden Schäden kommen.

Nebenwirkungen der Chemotherapie:

Zu der Chemotherapie hinzu kann eine Knochenmark- oder Stammzelltransplantation in Kombination erfolgen, um das kranke Knochenmark durch gesundes zu ersetzen. Hierzu wird ähnlich wie bei der Bluttransfusion ein passender Knochenmarkspender benötigt.

Ebenfalls in den letzten Jahren Anwendung gefunden haben Therapiemöglichkeiten mit monoklonalen Antikörpern und Tyrosinkinase-Inhibitoren (Imatinib und Dasatinib), welche spezifisch in die Krankheitsprozesse eingreifen. Lesen Sie mehr zum Thema unter: Substanzen einer Chemotherapie

Die Therapie sollte ausschließlich in dafür spezialisierten Kliniken oder Zentren stattfinden.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Chemotherapie 

Komplikationen:

Blutkrebs schwächt sehr stark das Immunsystem, dies kann zu Komplikationen im Krankheitsverlauf führen. Durch das abgeschwächte Immunsystem sind alle Leukämie-Patienten (egal welche Form der Leukämie vorliegt) sehr anfällig für Infektionen. Auch das Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen) oder Blutungen steigt an, da der Blutkrebs auch die Zahl der Blutplättchen beeinflusst, die für die Blutgerinnung zuständig sind. Aus diesen Gründen müssen Patienten mit Blutkrebs engmaschig kontrolliert werden und möglichst keinen Infektionsquellen ausgesetzt werden.

Weitere Informationen finden Sie hier: Nebenwirkungen einer Chemotherapie

Knochenmarksspende und Stammzellspende

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Spenden die eingesetzt werden um Patienten mit einer Leukämie zu helfen. Die Knochenmarksspende und die Stammzellspende.
Während die Knochenmarksspende mit einer schmerzhaften Knochenmarkspunktion verbunden ist, braucht es für eine Stammzellspende nur eine Art lange Blutentnahme nach Gabe eines Medikaments. Heutzutage kommt fast nur noch die Stammzellspende zum Einsatz.
Eine Stammzelltransplantation kann von einem Spender zu einem Patienten erfolgen. Es kann jedoch in einigen Fällen auch der Patient selbst der Stammzellspender sein. Man spricht dann von einer autologen Stammzelltransplantation.
Im Falle einer Fremdspende ist die wichtigste Voraussetzung die sogenannte HLA-Kompatibilität. HLA-Moleküle sind bestimmte Gewebemerkmale. Die Wahrscheinlichkeit für eine Übereinstimmung der HLA-Merkmale ist bei Verwandten 1. Grades am Höchsten. Für viele Patienten gibt es jedoch kein Familienmitglied das zur Spende in Frage kommt. Daher gibt es seit einigen Jahren Spenderdatenbanken in denen sich Menschen, die bereit sind Stammzellen zu spenden, erfassen lassen. Möchte man Spender werden, kann man sich typisieren lassen. Dies geschieht mit einer kleinen Blutentnahme oder einer Abstrichentnahme von der Wangenschleimhaut.
Ist ein Match (HLA-kompatibler Spender) gefunden, wird der potentielle Spender vor der Spende noch einmal ausführlich untersucht. Unter anderem um zu verhindern, dass Krankheiten vom Spender auf den Empfänger übertragen werden.
Spender und Empfänger lernen sich nicht kennen. Der Spender kann sich jedoch einige Wochen nach der Transplantation über das Wohlergehen des Empfängers informieren. Im Verlauf ist auch ein persönliches Kennenlernen möglich so beide Parteien dies wünschen.

Prognose

Die akut lymphatische Form des Blutkrebses (ALL), die am häufigsten bei Kindern auftritt, hat gute Heilungschancen. In ca. 80% der Fälle sind die Kinder nach der Therapie geheilt.

Bei der akut myeloischen Form werden durch die angewandten Therapien 50-90% der Patienten von den Krebszellen befreit, jedoch können diese wieder auftreten. Langfristig geheilt werden ca. 30-40% aller Patienten mit AML. Einfluss auf die Prognose zur Heilung nehmen Faktoren wie: Alter, Begleiterkrankungen und zytogenetische Befunde.

Nachsorge:

Da auch nach erfolgreicher Therapie die Blutkrebszellen wieder auftreten können, ist nach abgeschlossener Behandlung eine langfristig angelegte Nachsorge bei Blutkrebspatienten ungemein wichtig. Hierzu zählt vor allem regelmäßig das Blut mittels Blutbild und Differentialblutbild zu untersuchen. Durch diese Form der Nachsorge kann ein Wiederauftreten des Blutkrebses (ein sogenanntes Rezidiv) mit eventuellen Folgeschäden frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Ist Blutkrebs heilbar?

Der Begriff des Heilens ist in der Medizin nicht leicht zu verwenden. Das hat damit zu tun, dass viele Erkrankungen heutzutage zwar relativ gut behandelt werden können, es jedoch immer zu einem Rückfall in die Erkrankung kommen kann. So ist es auch bei den Leukämien. Um eine Leukämie wirklich zu heilen, muss in der Regel eine Stammzelltransplantation mit vorheriger kombinierter Chemotherapie und Strahlentherapie erfolgen, weil nur so alle bösartigen Zellen abgetötet werden können. Doch selbst bei Patienten die eine Stammzellspende erhalten haben gibt es Rückfälle (Rezidive). Die Rezidivrate bei Leukämien nach Stammzelltransplantation wird mit etwa 20% angenommen.

Prophylaxe

Da keine eindeutige Ursache für den Blutkrebs bekannt ist, gibt es auch keine klaren Maßnahmen, die der Entstehung einer Blutkrebserkrankung vorbeugen könnten. Allerdings kann man durch Vermeidung gewisser Faktoren das Risiko einer solchen Erkrankung geringer halten. Hierzu gehört z.B.:

  • Der vorsichtige Umgang mit chemischen Schadstoffen, so wie Benzol oder anderen benzolhaltigen Substanzen.

  • Ionisierende Strahlung, wie z.B. Röntgenstrahlung, sollte wohl dosiert werden. Das bedeutet überflüssige Röntgenuntersuchungen sollten gemieden werden, am besten man lässt sich beim behandelnden Radiologen einen Röntgenpass ausstellen, in dem alle Röntgenuntersuchungen verzeichnet werden, um einen guten Überblick über erfolgte Untersuchungen zu behalten.

  • Wenn bereits eine Behandlung im Rahmen einer Tumortherapie erfolgt, sollte genau auf mögliche Veränderungen und Symptome im Rahmen der Blutkrebserkrankung geachtet werden.

  • Generell sollten Zustände des Unwohlseins mit Schwäche, Müdigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und anderen möglichen Symptomen frühzeitig beim Arzt abgeklärt werden, denn je früher eine Erkrankung des blutbildenden Systems erkannt wird, desto besser stehen die Chancen für eine dauerhafte Heilung.

Alles in Allem ist der Blutkrebs eine relativ seltene Krebserkrankung im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen wie Brust- oder Prostatakrebs. Positiv hinzu kommt noch, dass sich dank moderner Therapieverfahren der Blutkrebs in vielen Fällen heilen lässt.

Zusammenfassung Akute myeloische Leukämie (AML)

Die Akute myeloische Leukämie, kurz AML, ist eine maligne (bösartige) Erkrankung des blutbildenden Systems. Sie zählt zu den Blutkrebs-Erkrankungen. Die AML ist eine seltene Erkrankung. Pro Jahr erkranken knapp 4 von 100.000 Menschen. Sie kommt in höherem Alter häufiger vor, das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 60 und 70 Jahren.
Die Erkrankung kann sich zu Beginn durch eher unspezifische Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit und chronische Müdigkeit zeigen. Da die Erkrankung, wie der Name bereits vermuten lässt, relativ akut verläuft, mehren sich die Symptome dann innerhalb kurzer Zeit und nehmen deutlich zu. Mögliche Symptome sind eine blasse Hautfarbe aufgrund einer Blutarmut, Blutungszeichen wie Zahnfleisch- oder Nasenbluten, vermehrtes Auftreten von blauen Flecken oder Auftreten von kleinen Einblutungen im Bereich der Unterschenkel. Diese zeigen sich als kleine rote Flecken welche in Gruppen auftreten, sie nennen sich Petechien. Es kommt außerdem häufig zu einer erhöhten Infektanfälligkeit. Die Patienten erkranken vermehrt an Erkrankungen wie einer Lungenentzündung oder eine Mandelentzündung. Weiterhin kann es zu starkem nächtlichen Schwitzen kommen. Auch eine Verdickung des Zahnfleischs (Gingivahyperplasie) kann ein mögliches Symptom sein.
Bei der Diagnosefindung erfolgt zunächst die Anamnese. Hier ist vor allem wichtig, welche Symptome seit wann bestehen. In der körperlichen Untersuchung können sich Blutungszeichen wie Petechien oder Hämatome zeigen, eine blasse Haut kann auffallen. Als nächster Schritt erfolgt die Blutentnahme. Das sogenannte Differentialblutbild gibt in Zusammenschau mit der Symptomatik oftmals wichtige Hinweise auf das mögliche Vorliegen einer AML. Zur Diagnosesicherung muss die Knochenmarkpunktion erfolgen; das Punktat wird dann mikroskopisch untersucht und die Diagnose gestellt.
Nach Diagnosestellung sollte rasch die entsprechende Therapie eingeleitet werden. Hier steht vor allem die Chemotherapie mit einer Kombination aus mehreren Medikamenten im Vordergrund. Die Patienten sind in der ersten Phase der Chemotherapie aufgrund einer starken Schwächung des Immunsystems hoch anfällig für lebensgefährliche Infektionen und müssen daher in den meisten Fällen isoliert werden. Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung ist die Stammzelltransplantation. Die Prognose ist unter anderem vom Alter und der Unterart der AML abhängig. Einige Patienten können durch die Behandlung als geheilt angesehen werden. Nicht selten kommt es bei anderen jedoch zu einem Rezidiv (Rückfall).

Zusammenfassung Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Die Chronisch lymphatische Leukämie, kurz CLL, zählt zu den Non-Hodgkin Lymphomen und ist in unseren Breitengraden die häufigste Form der Leukämie. Sie tritt vor allem im fortgeschrittenen Lebensalter auf und hat die beste Prognose aller Leukämieformen. Sie verläuft, anders als die akuten Leukämieformen, chronisch, das heißt sie kann sich über viele Jahre hinziehen, ohne dass es zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustands des Patienten kommt. Pro Jahr erkranken etwa 4 von 100.000 Menschen. Das mittlere Alter bei Erstdiagnose liegt zwischen 70 und 75 Jahren.

Die bösartigen Leukämie-Zellen vermehren sich im Knochenmark und breiten sich dort aus. Dadurch verdrängen sie im Verlauf oftmals die Zellen, die dort eigentlich hingehören, nämlich die blutbildenden Zellen. Das kann dazu führen, dass diese blutbildenden Zellen auf andere Organe ausweichen müssen um die Blutbestandteile zu produzieren. Hiervon sind insbesondere die Leber und die Milz betroffen. Es kann dann zu einem Anschwellen der Leber (Hepatomegalie) und der Milz (Splenomegalie) kommen. Diese wird vom Patienten in der Regel nicht bemerkt sondern fällt erst bei einer körperlichen Untersuchung oder einer Ultraschalluntersuchung auf. Außerdem kommt es bei der CLL häufig zu Lymphknotenschwellungen an verschiedenen Körperstellen. Weiterhin können sich Symptome an der Haut zeigen, beispielsweise mit Juckreiz oder Ekzem
Die CLL ist nicht selten ein Zufallsbefund. Die Diagnose wird anhand der Anamnese und des Blutbilds mit erweiterten Untersuchungen gestellt. In seltenen Fällen ist auch eine Knochenmarkspunktion notwendig. Sie ist zur Diagnosestellung jedoch in der Regel nicht zwingend erforderlich. 
Die Erkrankung wird in verschiedene Stadien unterteilt. In den Stadien A und B wird die Erkrankung nur dann behandelt, wenn sie Beschwerden verursacht. Das liegt daran, dass sie oftmals über Jahre hinweg fortschreitet ohne sich zu verschlimmern. Im fortgeschrittenen Stadium C oder bei Auftreten von Symptomen kann eine Chemotherapie oder eine Antikörpertherapie eingeleitet werden. Bei ausgewählten Patienten kommt auch eine Stammzelltransplantation in Frage. Die CLL ist die am wenigsten aggressive Form der Leukämien.

Zusammenfassung Akute lymphatische Leukämie (ALL)

Die Akute lmyphatische Leukämie, kurz ALL, ist eine akut verlaufende Form von Blutkrebs, die sich durch einen Befall des Knochenmarks durch bösartige Zellen auszeichnet. Pro Jahre erkranken etwa 1,5 von 100.000 Personen, somit ist die ALL eine seltene Erkrankung. Die ALL ist jedoch nichtsdestotrotz die häufigste bösartige Erkrankung im Kindesalter. Bei Kindern unter 4 Jahren liegt die Erkrankungsrate pro Jahr bei etwa 6,5 auf 100.000 Kinder.
Die Symptome entstehen vor allem dadurch, dass die gesunden Zellen des Knochenmarks durch die bösartigen Zellen verdrängt werden und somit ihre Aufgabe nicht mehr hinreichend erfüllen können. Der Mangel an gesunden weißen Blutzellen führt zu einer deutlich erhöhten Infektanfälligkeit. Die Betroffenen erkranken also deutlich häufiger an Krankheiten wie einer Lungenentzündung und die Verläufe sind teilweise lebensgefährlich.
Der Mangel an roten Blutkörperchen führt zu einer Blutarmut mit blasser Haut, Leistungsminderung und allgemeiner Schwäche. Ein Mangel an Blutplättchen führt zu Blutungszeichen, wie deutlich vermehrtem Auftreten von blauen Flecken, Zahnfleisch- oder Nasenbluten und dem Auftreten von kleinen punktförmigen Einblutungen (Petechien), vor allem im Bereich der Unterschenkel. Durch die Verdrängung der blutbildenden Zellen aus dem Knochenmark müssen diese Zellen anderswo ihre Arbeit verrichten. Sie weichen in die Milz und die Leber aus, daher kommt es bei der ALL häufig zu einer deutlichen Vergrößerung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie). Auch Fieber tritt häufig auf, genauso wie eine Lymphknotenschwellung. Gerade bei Kindern können als erstes Symptom einer ALL Knochenschmerzen auftreten.

Für die Diagnosestellung ist die Anamnese wegweisend. Es wird außerdem eine Blutuntersuchung durchgeführt. Diese muss jedoch nicht immer den typischen Befund mit einer deutlich erhöhten Anzahl an weißen Blutkörperchen erbringen, sodass zur Diagnosesicherung eine Knochenmarksuntersuchung notwendig ist. Das gewonnene Material wird dann unter dem Mikroskop untersucht und die Diagnose gestellt. Es erfolgen weitere Spezialuntersuchungen wie eine Immunphänotypisierung, gegebenenfalls eine Bildgebung vom Kopf und eine Nervenwasserpunktion
Die Therapie erfolgt dann in der Regel mit Chemotherapeutika, häufig kommen auch Cortison-Präparate zum Einsatz. In den vergangenen Jahren hat sich die Prognose von Patienten mit ALL deutlich verbessert, sie ist jedoch nach wie vor eine hochmaligne Erkrankung die nicht selten tödlich verläuft.

Zusammenfassung Chronisch myeloische Leukämie (CML)

Die Chronisch myeloische Leukämie, kurz CML, ist primär eine Erkrankung des Erwachsenenalters. Wie auch die anderen Leukämieformen ist sie mit einem jährlichen Auftreten bei knapp 2 von 100.000 Menschen eine seltene Erkrankung. Sie macht etwa 20% der Leukämien aus.
Ursächlich für die Erkrankung ist in den meisten Fällen eine genetische Veränderung von zwei Chromosomen die untereinander einen Teil ihrer Gene tauschen. Man spricht von einem Philadelphia-Chromosom. Die Veränderung führt zu einer dauerhaften Aktivierung eines bestimmten Enzyms und somit zu ungehindertem Wachstum der betroffenen Zellen. Trotzdem es sich um eine genetische Mutation handelt ist die Erkrankung nicht im herkömmlichen Sinne erblich, da die Mutation erst im Laufe des Lebens entsteht.
Bei der CML werden drei Stadien unterschieden: Die chronische Phase in der der Betroffene jahrelang symptomarm verweilen kann, die Akzelerationsphase und die Blastenkrise, die wie eine akute Leukämie verläuft und unbehandelt zum Tode führt.
Die Symptome sind eher gering. Oftmals fällt die CML im chronischen Stadium bei einer Routineuntersuchung auf. Beispielsweise wegen einer deutlich erhöhten Zahl weißer Blutkörperchen im Blut oder wegen einer vergrößerten Milz. In der Akzelerationsphase nehmen die Leukämie-typischen Symptome wie Abgeschlagenheit, Blässe und Blutungsneigung zu.
Diagnostisch kommen neben der Anamnese und körperlichen Untersuchung eine Blutentnahme und eine Knochenmarkuntersuchung in Frage. Therapeutisch kommt das Zytostatikum Hydroxycarbamid und vor allem ein Medikament aus der Gruppe der Tyrosinkinaseinhibitoren in Frage. Auch eine Antikörpertherapie kann erfolgen. Um eine vollständige Heilung zu erreichen kann eine Stammzelltransplantation in Erwägung gezogen werden. Eine Stammzelltransplantation ist jedoch kein Garant für eine Heilung.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 23.11.2018
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