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Wie kann man Zahnfleisch wieder aufbauen?

Definition

Das gesunde Zahnfleisch ist blassrosa und weist keine Schwellungen auf. Es ist mit dem Knochen über einen Bindegewebsapparat verbunden und reicht im gesunden Zustand bis zur sog. Schmelz-Zement-Grenze. Diese befindet sich genau am Übergang von Zahnkrone (mit Schmelz bedeckt) zu Zahnwurzel (von Zement überzogen). Nicht selten kommt es nach z.B. einer Zahnfleischentzündung zum Rückgang des Zahnfleischs und die Wurzeloberflächen kommen zum Vorschein.
Die Zähne wirken dann besonders lang und nicht mehr so ästhetisch wie vorher. Außerdem sind die Zahnhälse oft schmerzempfindlich und es kann beim Essen von kalten oder warmen Speisen ziehender Schmerz auftreten.

Leider verfügt das Zahnfleisch nur über eine beschränkte Regenerationsfähigkeit. Zahnfleischtaschen können sich bei entsprechender Hygiene und Behandlung zurückbilden. Das Zahnfleisch kann allerdings nicht mehr von selbst bis zur Schmelz-Zement-Grenze „wachsen“. Kommt es zu einem größeren Zahnfleischverlust, helfen meist nur chirurgische Eingriffe beim Zahnarzt.

Ursachen

Es gibt mehrere Ursachen für den Verlust und den Rückgang von Zahnfleisch. Oftmals beobachtet man freiliegende Zahnhälse (Rezessionen) bei Menschen, die beim Zähneputzen zu stark aufdrücken. Sie haben sich das Zahnfleisch sozusagen durch den mechanischen Druck verdrängt.

Im Alter ist es bis zu einem bestimmten Grad ganz natürlich, dass sich das Zahnfleisch ein wenig zurückzieht. Hier liegt die Ursache vor allem im allmählichen Knochenabbau.

Auch nach kieferorthopädischen Behandlungen kann das Zahnfleisch durch die Bewegung des Zahns im Zahnhalteapparat an Halt am Zahn verlieren und zur Seite weichen. Oder aber, das Zahnfleisch ist an einer Stelle so dünn, dass es dem Zug der Muskeln und Bänder nicht standhält und deshalb Wurzeloberfläche freigibt.

Die häufigste Ursache ist mit Sicherheit die Zahnfleischentzündung. Man unterscheidet das befestigte Zahnfleisch vom frei beweglichen. Kommt es zu einer Zahnfleischentzündung, einer sog. „Gingivitits“, oder im fortgeschrittenen Stadium „Parodontitis“ genannt, färbt sich das Zahnfleisch durch die vermehrte Durchblutung rot und schwillt aufgrund der entzündlichen Reaktion an. Es entstehen zwischen Zahn und Zahnfleisch tiefe Taschen, d.h. das befestigte Zahnfleisch verliert den Halt am Zahn. In diesen Taschen können sich Keime schnell vermehren und sammeln.

Der Knochen reagiert nun ebenfalls auf die Entzündung und zieht sich „zum eigenen Schutz“ zurück. Wird die Parodontitis nun behandelt und der erkrankte Zahnhalteapparat wieder in den gesunden Zustand überführt, schwillt auch das Zahnfleisch wieder ab. Der Knochen bildet eine Einheit mit dem Zahnfleisch. Da sich dieser während der Entzündung zurückgezogen hat, befindet sich jetzt, nach Abheilen der Entzündung, das Zahnfleisch nicht mehr auf der gleichen Höhe wie zuvor, sondern unterhalb der Schmelz-Zement-Grenze.

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Welche Wege gibt es, das Zahnfleisch wieder aufzubauen?

Einmal zurückgegangenes, verlorenes Zahnfleisch wächst von selbst nicht mehr nach. Das heißt es liegt dann ein Gewebedefizit vor. Freiliegende Zahnhälse und Wurzeloberflächen wieder abzudecken, ist so nur mit plastischer Parodontalchirurgie möglich.

Es existieren verschiedene Vorgehensweisen bei der plastischen Deckung von Zahnfleischrückgang (Rezessionen). Man kann das noch vorhandene Zahnfleisch nach oben hin verschieben, oder mit einem Transplantat, das meist aus dem Gaumen entnommen wird, arbeiten.

Die einzige Ausnahme stellen kleinste Defekte da, die oft aufgrund einer falschen Putztechnik entstehen können. Hier kann es manchmal genügen, eine sanftere Zahnputztechnik anzuwenden und abzuwarten.

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Was macht der Zahnarzt?

Der Zahnarzt inspiziert bei jeder Kontrolle nicht nur die Zähne, sondern auch das Zahnfleisch. Finden sich tiefe Zahnfleischtaschen, so deutet dies auf eine Erkrankung des Zahnhalteapparats (Parodontitis) hin. Erstes Ziel ist es nun, das Zahnfleisch in einen gesunden Zustand zu überführen. Dies wird erreicht, indem nicht nur oberflächlicher Belag, sondern auch die dem Patienten unzugänglichen "Konkremente", also Zahnstein unter dem Zahnfleisch, entfernt werden. Außerdem werden die Zahnfleischtaschen gespült und desinfiziert.

Ist alles abgeheilt und der Zustand des Zahnfleischs stabil, kann man über einen Zahnfleischaufbau nachdenken. Wie bereits erwähnt, ist es in manchen Fällen sinnvoll, nicht nur das Zahnfleisch, sondern auch den Knochen wieder aufzubauen. Denn im Knochen sind die Zähne verankert und hat sich dieser im Zuge der Entzündung stark zurückgezogen, drohen die Zähne locker zu werden, oder gar auszufallen. Beim Zahnfleischafbau hat der Operateur die Möglichkeit, das bestehende Zahnfleisch zu verschieben und neu festzunähen, oder, um den Gewebeverlust an den Zahnhälsen auszugleichen, einen Gewebsstreifen, ein sog. „Transplantat“ am Gaumen zu entnehmen. Die Wunde am Gaumen wird in diesem Fall mit einer sog. „Verbandsplatte“ verdeckt und muss nach Entnahme einige Wochen abheilen, was sich oft als sehr unangenehm darstellt. An der Stelle, an der das Zahnfleisch aufgebaut werden soll, wird es vom Knochen gelöst und aufgeklappt, das Transplantat so positioniert, dass es die Zahnhälse bis zur Schmelz-Zement-Grenze abdeckt und schließlich wird beides vernäht.

Nun folgt die Einheilungsphase. Die Fäden werden in der Regel nach einer Woche gezogen. Der Patient sollte an der betreffenden Stelle bis zu 3 Wochen nicht mit der Zahnbürste arbeiten, um die Wundheilung und das Zusammenwachsen nicht zu stören. In vielen Fällen kann man nach abgeschlossener Wundheilung keine Anzeichen auf den Eingriff mehr sehen. Es kann aber auch sein, dass sich das Transplantat farblich vom restlichen Zahnfleisch unterscheidet, sich Narben bilden, oder in seltenen Fällen das Transplantat nicht einheilt, sondern abgestoßen wird und abstirbt.

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Welche Hausmittel können helfen?

Zuhause kann man natürlich auch etwas für die Gesundheit des Zahnfleischs tun. An erster Stelle steht die gute Mundhygiene. Für gesundes Zahnfleisch sind die Nutzung von Zahnseide oder Interdentalbürstchen unabdingbar, denn Plaque provoziert die Entzündungen und damit auch den Zahnfleischrückgang. Mit der Zahnbürste lässt sich das Zahnfleisch außerdem massieren. Dabei wird die Durchblutung gefördert, was zur Gesunderhaltung beiträgt.

Neben der richtigen Mundpflege versprechen einige Hausmittel antibakterielle und entzündungslindernde Eigenschaften. Hierzu gehört z.B. der Kamillentee, der bei mehrfachem Gurgeln am Tag beruhigend wirken soll. Anstatt zu Gurgeln kann man den Teebeutel auch einige Minuten auf der entzündeten Stelle ruhen lassen. Das Tannin, das vor allem im schwarzen Tee vorkommt, soll Entzündungen entgegenwirken.
Auch aufgebrühter Ingwer kann entzündungshemmend wirken. Als Hausmittel gegen Zahnfleischentzündung wird außerdem oft das Gurgeln mit verdünntem Apfelessig genannt. Hierbei ist zu bedenken, dass der antibakterielle Effekt durch die darin enthaltene Säure zustande kommt. Diese greift bei häufigem Spülen die Zahnhartsubstanz an und trägt somit zur Entstehung zu Karies bei. Davon ist somit eher abzuraten.

Eine Massage mit ätherischen Ölen, wie Teebaum- oder Nelkenöl, wird oft empfohlen. Sie können Schleimhäute jedoch zusätzlich irritieren

Bei all diesen Hausmitteln hofft man allerdings nur auf eine Entzündungshemmung. Zurückgegangenes Zahnfleisch ist damit nicht mehr aufzubauen. Hier ist eine individuelle Beratung beim Zahnarzt ratsamer.

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Zahncreme

Es gibt zahlreiche Zahncremes, die speziell auf die Bedürfnisse des Zahnfleischs abgestimmt sein sollen. Zahnpasten wie zum Beispiel parodontax® beinhalten eine Mischung aus Kräuterextrakten, die die Gesunderhaltung des Zahnfleischs begünstigen sollen. Hier kann man sich in herkömmlichen Drogeriemärkten oder Apotheken belesen und individuelle Empfehlungen des Zahnarztes annehmen.

Grundsätzlich ist es am wichtigsten, dass man mit seiner Zahncreme zurechtkommt und dreimal täglich die Zähne putzt. Hält man die Zähne von Plaque befreit, bleibt (abgesehen von speziellen krankheitsbedingten Zahnfleischerkrankungen) auch das Zahnfleisch gesund.

Weitere Informationen zu diesem Thema: Zahnpasta

Homöopathie

Hat man selbst Interesse an Homöopathie oder gute Erfahrungen in diesem Bereich gemacht, spricht nichts dagegen, homöopathische Mittel unterstützend zur zahnärztlichen Behandlung anzuwenden.
Grundsätzlich ist es jedoch dringend empfohlen, bei Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischrückgang einen Zahnarzt aufzusuchen. Dieser kann aus zahnmedizinischer Sicht eine sichere Diagnose stellen und den Handlungsbedarf einschätzen. Bei einer manifestierten Zahnfleischentzündung (Parodontitis) muss eine professionelle Behandlung beim Zahnarzt erfolgen und freiliegende Zahnhälse und Wurzeloberflächen können nur durch ein Transplantat wieder abgedeckt werden.

Schüssler-Salze

Die Einnahme von Schüßler-Salzen zielt darauf ab, den Mineralhaushalt zu regulieren. Ihr Erfinder Wilhelm Heinrich Schüßler ging davon aus, dass sich ein Ungleichgewicht der Mineralien im Körper als Krankheit äußert. So hat die Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen selbstverständlich Einfluss auf die Gesundheit des Zahnfleischs. Man sollte deshalb auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen, insbesondere Vitamin C, achten.

Es gibt allerdings keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass die Einnahme von Schüßler-Salzen einen positiven Effekt auf die Therapie von zurückgegangenem Zahnfleisch hat. Hier gilt, wie auch bei der Homöopathie, dass es nicht schaden kann, Schüßler-Salze zu verwenden, wenn man gute Erfahrungen damit gemacht hat. Man sollte allerdings immer seinen Zahnarzt zu Rate ziehen.

Kosten

Die Kosten für eine Deckung freiliegender Zahnhälse beim Zahnarzt variieren je nach Behandler. Der Preis setzt sich hier natürlich wie bei jeder Behandlung unter anderem aus den Standortkosten der Praxis und der Qualifikation des Arztes zusammen. Außerdem durch den Aufwand, der bei z.B. der Herstellung der Verbandplatte bei Transplantatentnahme aus dem Gaumen, anfällt. Der Patient muss mit bis zu 600 € rechnen.
Private Krankenkassen übernehmen häufig einen Teil, wohingegen gesetzlich versicherte Patienten den Betrag selbst übernehmen müssen. Dies ist individuell bei der eigenen Krankenkasse in Erfahrung zu bringen.

Kann man Zahnfleisch durch Putzen wieder aufbauen?

Man kann das Zahnfleisch durch Putzen nicht wieder aufbauen. Beruht der Zahnfleischrückgang auf zu hohem Druck beim Zähneputzen und handelt es sich um eine nur sehr kleine Rezession, kann das Zahnfleisch durch eine Anpassung der Putztechnik, wieder an seine ursprüngliche Stelle zurückkehren. Wichtig ist es, dass man das Zahnfleisch sanft massiert und eine Zahnbürste verwendet, deren Borsten nicht zu hart sind.

Aufpassen muss man auch bei Zahnbürsten mit zu weichen Borsten. Hier tendiert man natürlicherweise dazu, zu stark aufzudrücken. Eine Alternative zur herkömmlichen Zahnbürste sind Ultraschallzahnbürsten, die besonders sanft zum Zahnfleisch sind, da man hier auf die mechanische Putzbewegung verzichtet.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 22.05.2019
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