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Wurzelspitzenresektion

Synonyme im weiteren Sinne

Apektomie, Wurzelspitzenamputation

Definition

Eine Wurzelspitzenresektion findet Anwendung bei einer ausgeprägten Wurzelspitzenentzündung. Unter dem Begriff Wurzelspitzenentzündung (Fachwort: Apikale Parodontitis) versteht man in der zahnmedizinischen Fachsprache eine Entzündung im Bereich der Wurzelspitze eines Zahnes.

 

Bei einer Wurzelspitzenresektion wird durch Amputation die Wurzelspitze des betroffenen Zahnes entfernt. (Wurzelspitzenresektion, Apektomie). Die Bezeichnung dieser Behandlungsmaßname beschreibt in der Zahnmedizin die Abtrennung und Entfernung der von entzündlichen Prozessen angegriffenen Zahnwurzel mit anschließender Aufbereitung und Füllung der Wurzelkanäle und Verschluss des betroffenen Zahnes, also einer Wurzelbehandlung.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Ablauf einer Wurzelspitzenresektion

Einleitung

Bei weit forgeschrittener Karies kommt es zur Entzündung der Zahnpulpa (Zahnmark) mit anschließendem Absterben dieser . Der Inhalt der infizierten Pulpenhöhle wird vom Zahnarzt entfernt und die Hohlräume desinfiziert, aufbereitet und mit Wurzelfüllmaterial verschlossen. Da der Wurzelkanal an der Wurzelspitze aber zahlreiche feine Verästelungen aufweist, können diese nicht alle mit dem Füllungsmaterial erreicht werden.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Ablauf einer Wurzelbehandlung

Hier können sich Bakterien verstecken und zu einer Entzündung und Vereiterung des die Wurzelspitze umgebenden Knochens führen (apicale Ostitis). Der Eiterherd kann lange Zeit schmerzlos bleiben, sich aber immer weiter vergrößern. Ist der Körper durch andere Krankheiten geschwächt, können Bakterien aus diesem Herd das den Eiterherd umgebende Granulationsgewebe durchbrechen und den Gesamtorganismus überschwemmen. Daher müssen solche Herde entfernt werden. Dies kann durch eine Entfernung des Zahnes ( Zahnextraktion) oder aber durch eine Wurzelspitzenresektion, kurz WSR, geschehen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Zahnextraktion

Indikation für eine Wurzelspitzenresektion

  • Röntgenologisch nachgewiesener Herd an der Wurzelspitze.
  • Zähne mit einer gekrümmten Wurzelspitze, die nicht völlig gefüllt werden können.
  • Als Alternative zur Extraktion, um den Zahn zu erhalten.
  • Entfernung abgebrochener Wurzelkanalinstrumente.
  • Benachbarte Zysten.
  • Frakturen an der Wurzelspitze.
  • Wenn eine Revision, d.h. erneute Wurzelfüllung nicht zum Erfolg führt. Bzw. wenn nach der 2. Wurzelbehandlung noch Schmerzen bestehen. 
    Lesen Sie mehr dazu unter. Schmerzen nach Wurzelfüllung 

Diagnose

Da der Entzündungsprozess weitgehend schmerzlos ist, bringt erst die Röntgenaufnahme Gewissheit, dass sich eine entzündliche Reaktion im Knochen durch die Ausbreitung von Bakterien gebildet hat. In manchen Fällen bahnt sich der Eiter einen Weg nach außen und bildet eine Fistel (siehe auch: Fistel am Zahn), durch die sich der Inhalt des Herdes entleert.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Röntgen der Zähne

Operatives Vorgehen

Unter Lokalanästhesie wird mit einem Bogenschnitt die Schleimhaut zusammen mit der Knochenhaut (Periost) über der betreffenden Wurzelspitze aufgeklappt und der Knochen eröffnet bis die Wurzelspitze freigelegt ist. Dann wird die Wurzelspitze abgetragen und der gesamte Herd mit dem Granulationsgewebe ausgeräumt.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Ablauf einer Wurzelspitzenresektion

Kurz vor dem Eingriff kann die Füllung des Wurzelkanals durchgeführt werden oder aber während des operativen Engriffs erfolgen. Dabei wird die Wundhöhle austamponiert, der Kanal gereinigt, getrocknet und nach Einführung des Füllmaterials der Kanal mit einem Stift verschlossen, der über die Öffnung des Wurzelkanals herausragt.
Durch Zug wird der Stift im Kanal verkeilt, sodass aus dem Kanal keine Keime mehr austreten können. Dann wird er plan mit der Wurzel abgeschnitten.

Eine andere Methode ist der Verschluss des Wurzelkanals von der operierten Seite aus (Retrograde Wurzelfüllung). In beiden Fällen wird anschließend die Knochenhöhle mit physiologischer Kochsalzlösung oder Wasserstoffsuperoxyd ausgespült, und der Schleimhautlappen mit einigen Nähten verschlossen. Es muss schon bei der Schnittführung darauf geachtet werden, dass die Naht vom Knochen unterlagert ist und nicht auf der Wundhöhle liegt. Bei normalem Heilungsverlauf bildet sich innerhalb eines Jahres wieder neuer Knochen, der die Wundhöhle ausfüllt.

Vollnarkose oder Lokalanästhesie?

Bei einer Wurzelspitzenresektion sind zwei Anästhesieformen anwendbar. Die meisten Behandlungen erfolgen mit lokaler Betäubung (Lokalanästhesie), jedoch ist eine Vollnarkose auch möglich, die vor allem in Kliniken bei Angstpatienten, oder Patienten mit Behinderungen zu tragen kommen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Die Lokalanästhesie beim Zahnarzt

Doch welche Form kann präferiert werden? Generell birgt eine Vollnarkose wesentlich mehr Risiken als eine Lokalanästhesie, da das Medikament im gesamten Körper wirkt und nicht nur in dem zu operierenden Gebiet.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Vollnarkose beim Zahnarzt

Die Vollnarkose wird von einem separaten Anästhesisten durchgeführt, der während der OP via Monitoring den Patienten überwacht. Diese Leistung wird von den Krankenkassen nicht übernommen, da der Standard die Lokalanästhesie ist und muss komplett privat getragen werden. Des Weiteren ist nach der Vollnarkose oft eine stationäre Aufnahme nötig, der Patient verlässt erst am nächsten Tag die Klinik.

Bei der Lokalanästhesie ist lediglich der Bereich betäubt, der operiert wird und der Patient ist bei Bewusstsein. Die Anästhesieform führt zu weitaus weniger Nebenwirkungen, möglichen Risiken sowie Komplikationen, als eine Vollnarkose und wird komplett von der Krankenkasse übernommen. Der betäubte Zustand ist nach einigen Stunden nach der Wurzelspitzenresektion schon nicht mehr spürbar und der Patient ist wieder vollkommen zurechnungsfähig.

Bei der Vollnarkose dauert es einige Stunden bis der Patient erwacht und ist meist noch den ganzen Tag benommen. Generell ist zu sagen, dass die Lokalanästhesie die Regelbetäubung bei der Wurzelspitzenresektion darstellt.

Vor- und Nachteile einer Vollnarkose

  • Vorteile:
    -Die Vollnarkose ist vor allem für Angstpatienten und Menschen mit Behinderung indiziert, die durch ihre Einschränkung eine regelrechte Form der Therapie behindern würden.
    -Durch die Vollnarkose bekommt der Patient durch die Blockade des Bewusstseins nichts von der Wurzelspitzenresektion mit und kann folglich nicht durch negative Erfahrungen beeinflusst werden.
  • Nachteile:
    -Trotzdem birgt eine Vollnarkose generell wesentlich, da das Medikament im gesamten Körper wirkt und nicht nur lokal. Wie hoch das Risiko für Komplikationen durch die Vollnarkose ist hängt von dem allgemeinen Gesundheitszustand und systemischen Erkrankungen ab.
    -Weiterhin ist nach der Vollnarkose oft eine stationäre Aufnahme nötig, der Patient verlässt meist erst am nächsten Tag die Klinik.
    -Die Vollnarkosewird nicht durch die Krankenkassen getragen und ist eine Privatleistung, die mit etwa dreihundert Euro in Rechnung gestellt wird. Nach dem Erwachen ist der Patient benommen und nicht geschäftsfähig.
    -Komplikationen wie Übelkeit und Erbrechen sind im Schnitt mit 10%iger Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Schlimmere Komplikationen sind sehr selten und dass eine Vollnarkose tödlich enden kann, liegt bei einer Wahrscheinlichkeit von 0,009%. Daher sollte der Patient vorher abwägen, ob der zeitliche und geldliche Aufwand sowie das Risiko es wert ist, eine Vollnarkose vor einer Lokalanästhesie zu bevorzugen.

Nebenwirkungen der Wurzelspitzenresektion

Wie bei jeder Operation kann es zu Blutungen kommen.
Im Seitenzahnbereich ist eine Eröffnung der Kieferhöhle möglich. Auch können Beschädigungen von Nerverfasern auftreten, die allerdings reversibel sind, wenn auch erst nach längerer Zeit. Bei kurzen Wurzeln kann es bei einer Wurzelspitzenresektion zu Lockerungen des nun mit einer verkürzten Zahnwurzel versehenen Zahnes kommen. Eine Entzündung nach der Wurzelspitzenresektion, ist ebenfalls möglich. Diese geht häufig mit Eiterbildung einher.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Entzündung nach einer Wurzelspitzenresektion

Schmerzen nach einer Wurzelspitzenresektion

Nach jedem chirurgischen Eingriff sind Schmerzen wahrscheinlich, weil jeder Schnitt eine neue Wunde und Irritation darstellt. Der Körper versucht den Wundverschluss einzuleiten und sendet dabei Schmerzsignale aus. Daher empfiehlt der Arzt direkt nach dem Eingriff die Einnahme von Schmerzmedikamenten. Die Beschwerden klingen nach einigen Tagen komplett ab, sofern keine Komplikationen, wie eine Infektion der Wunde, entstehen. In diesem Fall können die Beschwerden auf unbestimmte Zeit andauern, lassen sie gar nicht ab, ist die Extraktion der einzige Ausweg.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Schmerzen nach einer Wurzelspitzenresektion

Eiterbildung nach einer Wurzelspitzenresektion

Tritt nach einer Wurzelspitzenresektion Eiterabfluss aus der genähten Wunde aus, liegt eine massive Entzündung vor, die auch zu einer Schwellung und zu einem Abszess führen kann. Ein Abszess beschreibt eine Eiteransammlung in einem abgekapselten Hohlraum.

Diese Verlaufsentwicklung kann zu starken Beschwerden führen und sollte ärztlich nachgesorgt werden. Es kann durchaus dazu kommen, dass ein Antibiotikum verschrieben wird und der Zahnarzt durch einen Entlastungsschnitt den Eiterabfluss herstellen muss Patienten klagen häufig über eine "dicke Backe".
Lesen Sie mehr zu dem Thema: Dicke Backe

Eine diffuse Schwellung am Zahnfleisch bzw. im Bereich der Wurzelspitzenresektion ist während des Ausheilens völlig normal. Eine länger als 2-3 Wochen bestehende Schwellung, die sich nicht durch Kühlen zurückbildet oder von starken Schmerzen begleitet wird, sollte dem Hausarzt oder Zahnarzt vorgestellt werden.
Mehr dazu erfahren Sie unter: Schwellung nach einer Wurzelspitzenresektion

Nachblutungen nach einer Wurzelspitzenresektion

Nachblutungen sind eine mögliche Komplikation nach einer Wurzelspitzenresektion. Das Auftreten einer Nachblutung kann verschiedene Gründe haben. Am häufigsten liegt es an dem fahrlässigen Verhalten des Betroffenen, der sich zu früh körperlich ertüchtigt und dadurch überanstrengt. Der Blutdruck und Puls schnellt in die Höhe und die verwundete Region wird stärker durchblutet, was zu Nachblutungen führt.

Daher ist das Ausruhen für die Regeneration und einen komplikationslosen Wundverschluss so ausschlaggebend. Weiterhin kann durch blutverdünnende Medikamente und eine nicht dicht genug genähte Naht ebenfalls eine Nachblutung entstehen. Patienten mit „Blutverdünnern“ gehören zu der Risikogruppe, die eher Nachblutungen ausbildet. Auch falsches permanentes Kühlen bewirkt beim Körper das Signal einer Unterkühlung und ein erhöhter Blutdruck und Blutfluss sind die Folge, die eine Nachblutung zur Folge haben können.

Bildung eines Abszess nach einer Wurzelspitzenresektion

Der Abszess ist die alternative Komplikation einer gescheiterten Wurzelspitzenresektion neben dem Fistelgang. Die verbliebenen Bakterien werden aktiv und vermehren sich. Sie produzieren Eiter und in diesem Fall keinen Gang, durch den dieser abgegeben wird, sondern eine umkapselte Eiteransammlung. Dadurch entsteht eine Schwellung, starke Schmerzen, und Funktionseinschränkungen des Kiefers. Wird der Abszess nicht frühzeitig inzidiert, sodass der Eiter ablaufen kann, besteht die Gefahr einer akut lebensbedrohlichen Sepsis (=Blutvergiftung). Sofern durch die Abszessbildung der verursachende Zahn keinen Halt mehr hat, wird er in den meisten Fällen mitentfernt

Lesen Sie mehr zum Thema: Abszess

Bildung einer Fistel nach einer Wurzelspitzenresektion

Die Bildung eines Fistelgangs ist eine mögliche Komplikation nach einer Wurzelspitzenresektion. Der Fistelgang ist ein Abflusskanal eines Entzündungsherds, der sich in Richtung des geringsten Widerstandes entweder innerhalb oder außerhalb der Mundhöhle bildet und ständig Eiter absondert. Als Komplikation nach der Wurzelspitzenresektion spricht ein Fistelgang dafür, dass nicht alle Entzündungszellen der chronischen Entzündung entfernt worden sind, oder die Entzündung weiterreicht, als das chirurgische Fenster, was gewählt wurde, um die Wurzelspitze zu säubern.

Informieren Sie sich mehr über das Thema: Fistel am Zahnfleisch

Als mögliche Therapie gilt nun eine zweite Wurzelspitzenresektion, bei der ein größerer Teil abgeschnitten wird. Zudem wird chirurgisch der Fistelgang entfernt, um alle bakteriell befallenen Zellen zu entfernen. Sollte dieser Therapieansatz ebenfalls scheitern, muss überlegt werden, ob der Zahn noch erhaltungswürdig ist und diesen bei anhaltenden Beschwerden zu entfernen. Das Entfernen gilt allerdings immer als letzte Instanz, da mit allen Mitteln versucht wird den Zahn zu retten.

Schwellung

Nach der durchgeführten Wurzelspitzenresektion wir die Heilung der Wunde einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine Schwellung nach einer OP ist eine häufige Begleiterscheinung nach einem solchen Eingriff. Die nach der Betäubung auftretenden Schmerzen lassen sich mit Schmerzmitteln gut bekämpfen, aber auch das Kühlen von außen mit einem Icepack ist förderlich, da es der Schwellung entgegen wirkt.
Diese gerät somit nicht übermäßig groß. Das Eis sollte dabei nie direkt mit der Wunde in Kontakt kommen, sondern in ein Tuch gewickelt von außen an die Backe gehalten werden.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Schwellung nach einer Wurzelspitzenresektion

Die Schwellung kann leicht bis mittelstark sein, wie groß genau, lässt sich aber nicht vorhersagen. Nimmt der Patient zusätzlich noch blutverdünnende Mittel ein, bildet sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ein Bluterguss. Die Schwellung ist auch davon abhängig, wie intensiv der Eingriff war. Am zweiten Tag nach der Operation hat sie in der Regel ihren Höhepunkt erreicht und sollte bis maximal sieben Tage nach dem Eingriff abgeklungen sein.

Prognose

Die Prognose einer Wurzelspitzenresektion ist positiv. Laut Studien hat die Wurzelspitzenresektion eine Erfolgsquote von über neunzig Prozent, wenn eine adäquate Therapieform durchgeführt wird. Durch die Wurzelspitzenresektion kann ein Zahn wieder vollwertig in den Zahnbogen eingegliedert werden und in Zahnersatzplanungen eingefasst werden. Die neuen Techniken der Wurzelspitzenresektion bieten hocheffektive Möglichkeiten, um einen Zahn minimalinvasiv zu behandeln und ist heutzutage ein Routineeingriff.

Der Zahn wird durch die Behandlung beschwerdefrei und kann somit langfristig erhalten werden. Trotzdem kann die Wurzelspitzenresektion nicht alle fehlgeschlagenen wurzelbehandelten Zähne retten. Längsfrakturierte Zähne oder perforierte Wurzelfüllungen, die fehlerhaft außerhalb des Zahnes durchtreten sind nur einige Beispiele von Zähnen, die nur gezogen werden können.

Dauer

Die Dauer einer Wurzelspitzenresektion kann nicht pauschal in Minuten oder Stunden angegeben werden. Dies ist jeweils abhängig von der Situation des Patienten, dem Schwierigkeitsgrad des Eingriffs, der Erfahrung und dem Können des behandelnden Arztes oder möglichen Komplikationen, die während der Behandlung auftreten.

In der Regel kann man einen Wert von 15-30 Minuten pro Wurzelspitzenresektion anpeilen. Nach dem Eingriff sollte man sich mindestens zwei bis drei Tage ruhen, um der Wunde die Chance auf eine Heilung zu geben. In der ersten Woche sollte auch kein Sport betrieben werden. Der Eingriff selbst findet meist unter einer Lokalanästhesie statt, sodass man erst dann wieder breiige Kost und Flüssigkeit zu sich nehmen sollte, wenn die Betäubung nachlässt (ca. 2 Stunden) um sich nicht zu verletzen.

Nach dem Eingriff einer Wurzelspitzenresektion leitet der Körper den Wundverschluss ein, was in den meisten Fällen bis zu 2 Wochen dauern kann. Nachdem die Fäden nach etwa 7 Tagen gezogen sind, heilt die Wunde komplett zu. Das Zahnfleisch kann nach dem Verschluss noch bis zu einem Monat Zeit benötigen, bevor es den alten Zustand wieder erreicht hat. Treten Komplikationen, wie eine Infektion der Wunde mit Bakterien auf, kann die Heilung und der Wundverschluss verlangsamt werden.

Üblicherweise sind Betroffene nach dem chirurgischen Eingriff der Wurzelspitzenresektion 2-3 Tage krank geschrieben. Die Arbeitsunfähigkeit geht mit der Krankschreibung in der Regel einher, die je nach Schweregrad des Eingriffs ausgemacht wird. Dabei gilt, je komplizierter und aufwendiger die Operation, desto länger die Krankschreibung und Arbeitsunfähigkeit. Die Regenerationszeit steigt nämlich durch die Ausmaße des Eingriffes an.

Kosten

Die Kosten einer Wurzelspitzenresektion (Apektomie, Wurzelspitzenamputation) werden in der Regel sowohl von den gesetzlichen, als auch von den privaten Krankenversicherungen vollständig übernommen. Der Patient muss aus diesem Grund im Regelfall keinerlei Selbstbeteiligung aufbringen. Doch auch von dieser Regel gibt es, wie es in der Zahnmedizin leider häufig der Fall ist, gewisse Ausnahmen. Bei ganzen Behandlungsmethoden oder einzelnen Therapieschritten kann es zum Anfallen von selbst zu leistenden Kosten für den betreffenden Patienten kommen.

Im Allgemeinen wird von den Krankenversicherungen bei jedweder zahnmedizinischer Behandlung lediglich die kostengünstigste Variante, die den Therapieerfolg sichert, getragen. Höherwertige Verfahren und/ oder die Wahl besserer Materialien können eine Zuzahlung von Seiten des Patienten notwendig werden lassen. 
Im Falle der Wurzelspitzenresektion bietet die Durchführung einer sogenannten retrograden Wurzelspitzenresektion (Wurzelspitzenamputation) mit mikrochirurgischer Aufbereitung der Wurzelkanäle sind laut zahlreicher Studien die Erfolgsaussichten um einiges höher als bei den altbewehrten Verfahren.

Seit Mitte 2012 wird diese Therapiemethode, beziehungsweise das mikrochirurgische Aufbereiten und das Verschließen der Wurzelkanäle, jedoch nicht mehr vollständig von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt. Die genauen Kosten und der gegebenenfalls anfallende Eigenanteil einer Wurzelspitzenresektion können nicht pauschal benannt werden. Dies ist darin zu begründen, dass der Preis der Wurzelspitzenresektion vor allem vom Behandlungsaufwand, den verwendeten Materialien und dem anschließenden Zahn-Füllungsmaterial (denn auch dieses wird nicht in jedem Fall von der Krankenversicherung bezahlt) abhängig ist.

Grundsätzlich hat der Patient bei einer Wurzelspitzenresektion, wie bei fast allen zahnmedizinischen Behandlungen, die Wahl zwischen verschiedenen Verfahren, die mehr oder weniger kostspielig sind oder bei denen, wie bereits erwähnt, gar keine Kosten auf den Patienten selbst zukommen. 
Die Anteile, die nicht zu den Kassenleistungen gezählt werden, können im Idealfall vollständig von einer Zahnzusatzversicherung getragen werden. Eine ungefähre Preisaufstellung der selbst zu leistenden Kosten lässt sich anhand der bestehenden zahnärztlichen Abrechnungsordnung (Gebührenordnung der Zahnärzte) zusammenstellen.

Da in der privatzahnärztlichen Abrechnung jedoch mit Zusatzfaktoren gerechnet wird, lässt sich keine genaue Angabe über den tatsächlichen Preis tätigen. Dem Arbeitsaufwand wird in dieser Form der Abrechnung eine hohe Relevanz eingeräumt, bei Patienten der beispielsweise einen starken Speichelfluss aufweist, schief verlaufenden Zahnwurzeln hat oder zu größeren Blutungen neigt, kann demnach ein höherer Satz berechnet werden. Für die zeitaufwändige retrograde Wurzelspitzenresektion (Apektomie, Wurzelspitzenamputation) mit Anwendung von optisch vergrößernden Hilfsmitteln, entweder Mikroskop oder Lupenbrille, entstehen Eigenkosten in Höhe von ungefähr 50 bis 100 Euro.

Die Wurzelspitzenresektion kann im Allgemeinen schmerzfrei unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden. 
Vor allem jene Patienten, die unter starker Angst vor zahnärztlichen Behandlungen leiden, wünschen jedoch häufig eine Behandlung in umfangreicherer Sedierung (beispielsweise durch Lachgas) oder Narkose. In diesen Fällen entstehen für den betreffenden Patienten weitere (vergleichsweise hohe) Kosten, die nicht oder nur im Ausnahmefall von den Krankenkassen beglichen werden.

Risiken

Da es sich bei der Wurzelspitzenresektion um einen operativen Eingriff handelt muss der Patient noch vor Beginn der eigentlichen Behandlung durch den Zahnarzt auf mögliche Risiken hingewiesen werden.
Die häufigsten Nebenwirkungen, die im Zuge einer Wurzelspitzenresektion auftreten sind abhängig von der Lage des zu behandelnden Zahnes und dem Ausgangszustand der zu behandelnden Zahnwurzelspitze.

Ein spezielles Risiko im Oberkieferseitenzahnbereich ist die Gefahr, dass der operative Eingriff eine sogenannte Kieferhöhleneröffnung nach sich ziehen kann.
Es kommt also zur ungewollten Erzeugung einer Verbindung zwischen Mund- und Kieferhöhle (eine der Nasennebenhöhlen).

Diese Tatsache ist darin zu begründen, dass der knöcherne Unterkiefer enge, nachbarschaftliche Beziehungen zu Nerven und Blutgefäßen eingeht.
Besonders gefährdet sind die „großen“ Unterkiefernerven (Nervus alveolaris und Nervus lingualis). Bei Irritation oder Verletzung einer oder beider dieser Nervenäste sind in der Regel vorübergehende Sensibilitätseinbußen zu erwarten. Auch das Vermögen verschiedene Geschmäcker wahrzunehmen kann zeitweise eingeschränkt sein. Die Gefühls- und/ oder Geschmacksreduktionen bilden sich im Großteil der Fälle nach einiger Zeit von selbst zurück, es gibt jedoch auch Patienten bei denen seit der Durchführung einer Wurzelspitzenresektion im Unterkiefer ein dauerhafter Sensibilitätsverlust besteht.

Neben den spezifischen Risiken, die streng abhängig von der Lokalisation des zu behandelnden Zahnes sind, existieren im Falle der chirurgischen Wurzelspitzenresektion weitere, allgemeine Gefahren.
Wie bei jeder Operation kann es auch im Zuge der Wurzelspitzenresektion zu Wundheilungsstörungen und/ oder Infektionen im Bereich des OP- Gebietes kommen. Außerdem gelten bei Anwendung einer Vollnarkose die üblichen Risiken, zu denen vor Allem das Herz-Kreislaufversagen gezählt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wundheilungsstörung am Zahn

Wurzelspitzenresektion am Backenzahn

Eine Wurzelspitzenresektion im Bereich der Backenzähne kann den behandelnden Zahnarzt oder Kieferchirurgen vor eine große Herausforderung stellen. Zum Einen gestaltet sich diese operative Maßnahme besonders bei einem Backenzahn mit schiefen Wurzeln als schwierig, zum Anderen muss im Bereich der Oberkieferbackenzähne mit der Möglichkeit der Eröffnung der Kieferhöhle gerechnet werden.

Wurzelspitzenresektion in der Schwangerschaft

Prinzipiell sollten zahnärztliche Eingriffe, wenn möglich nicht in der Schwangerschaft vollzogen werden, da immer ein Risiko für die werdende Mutter und das Ungeborene besteht. Der erste Trimenon, der Abschnitt vom Anfang der Schwangerschaft bis zum dritten Monat, ist der gefährlichste und instabilste, indem Eingriffe auch den Kindstod als Folge haben können.

Der zweite Trimenon, Monat drei bis sechs, ist der stabilste Abschnitt der Schwangerschaft und ist der einzige Zeitraum, indem zahnärztliche Behandlungen überhaupt durchgeführt werden. Dazu zählen kleinere Eingriffe, allerdings keine Wurzelspitzenresektion. Zwar ist die Lokalanästhesie in der Schwangerschaft möglich, da einige Anästhetika eine hohe Proteinbindungsrate besitzen, wodurch das Mittel das Ungeborene nicht erreichen kann, trotzdem ist ein chirurgischer Eingriff mit einem Risiko verbunden.

Für die werdende Mutter wird trotz der Lokalanästhesie Stress verursacht, was sich auf das Kind überträgt und frühzeitige Wehen verursachen kann oder das Kind schädigt. Daher sollte abgewartet werden, bis die Geburt vorüber ist, um weder Mutter noch Kind einem Risiko auszusetzen.

Welches Antibiotikum hilft am besten?

Bei einer Wurzelspitzenresektion wird in der Regel Amoxicillin verschrieben, welches nachweislich am besten bei der Bakterienbekämpfung in der Mundhöhle wirkt.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Amoxicillin

Sollte eine Penicillinallergie vorliegen, wird auf Clindamycin zurückgegriffen, welches durchaus auch eine positive Wirksamkeit erzielt. Schwierig wird die Behandlung bei Resistenzen gegen beide Antibiotika, da auf alternative Antibiotikagruppen zurückgegriffen werden muss, die in der Mundhöhle nicht optimal fungieren.

Homöopathie bei einer Wurzelspitzenresektion

Bei einer Wurzelspitzenresektion kann die Homöopathie dazu beisteuern, das Immunsystem schnell wieder zu regenerieren und Schmerzsymptome zu lindern. Als alleinige Therapieform schafft sie es nicht die Entzündung unter der Wurzelspitze zu heilen, unterstützend kann sie jedoch den Heilungsprozess nach einer Wurzelspitzenresektion fördern und das allgemeine Wohlbefinden stärken. Empfehlenswert sind Arnica Präparate. Die Medikation der Globuli sollte aber in Absprache mit dem behandelnden Zahnarzt stattfinden.

Rauchen nach einer Wurzelspitzenresektion

Für Raucher gilt, dass der Konsum von Nikotin im Anschluss an eine Wurzelspitzenresektion für mindestens zwei Wochen eingestellt werden sollte. Das Rauchen kann einen enorm negativen Einfluss auf die Wundheilung und die Annäherung der Wundränder ausüben. Die Wundheilungsstörung entsteht durch die schädlichen und schmutzigen Substanzen, die durch das Rauchen in die Mundhöhle und somit an die Wunde gelangen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wurzelspitzenresektion und Rauchen

Der „Dreck“ legt sich auf die frische Wunde und kann so eine Entzündung hervorrufen. Außerdem wird durch die Nikotinaufnahme die Durchblutung verschlechtert. Mögliche Folgen eines Tabakkonsums im Anschluss an eine Wurzelspitzenresektion sind Verzögerungen der Wundheilung, Durchblutungsstörungen und die Entstehung entzündlicher Prozesse im Bereich des Operationsgebietes. Darüber hinaus kann das Rauchen nach einer Wurzelspitzenresektion zu akuten Kreislaufproblemen, Schwindel, Übelkeit bis hin zu Erbrechen führen.

 

Aber das Rauchen ist nicht nur nach einer Operation schädlich, sondern kann auch schon im Vorfeld daran beteiligt sein, dass es zu einer Wurzelspitzenresektion kommt. Durch die schlechtere Durchblutung, sind Raucher anfälliger für bakterielle Entzündungen
Dadurch, dass die Blutgefäße verengt sind, wird meist eine solche Entzündung auch viel später erkannt, da mögliches Zahnfleischbluten ausbleiben kann.

Die Entzündung befindet sich so schon in einem weiteren Stadium, was bereits bleibende Schäden nach sich ziehen kann. Die Anfälligkeit für Karies ist auch erhöht. Zusammengefasst sind dies alles die ersten Schritte, die den Zahn angreifen und zu einer Wurzelentzündung führen können, die eine Wurzelkanalfüllung, einer Wurzelspitzenresektion oder sogar eine Extraktion des Zahnes nach sich ziehen können.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wurzelspitzenresektion und Rauchen

Wann darf man wieder Alkohol konsumieren?

Nach einer Wurzelspitzenresektion sollte am gleichen Tag sowie einen Tag danach auf Alkohol verzichtet werden, da es die Wundheilung verlangsamen und beeinträchtigen kann. Durch Alkohol werden die Gefäße erweitert und die Blutgerinnung herabgesetzt, die für den Wundheilungsprozess wichtig ist. Sollte ein Antibiotikum eingenommen werden, ist für die komplette Einnahmezeit von dem Konsum von Alkohol abzuraten.

Wann darf man wieder essen?

Die Nahrungsaufnahme nach dem operativen Eingriff der Wurzelspitzenresektion ist am Behandlungstag selbst noch möglich. Sobald die lokale Anästhesie komplett abgeklungen ist und der Patient in allen Weichteilen wieder etwas spürt, darf er Essen und Trinken. Wenn die Betäubung noch besteht, könnte sich der Betroffene in Weichteile beißen oder sich an heißen Getränken verbrennen ohne es zu merken.

Sofern die Lokalanästhesie nicht mehr wirkt sollte der Patient versuchen auf der nicht operierten Seite vorsichtig zu kauen, am besten geeignet sind weiche, lauwarme Speisen. Weiterhin muss auf Milchprodukte die ersten Tage nach der Operation aufgrund der Infektionsgefahr mit Milchsäurebakterien verzichtet werden. Kaffee, Nikotin und Alkohol ist in den Tagen direkt nach dem Eingriff ebenfalls kontraproduktiv, da der Genuss Komplikationen in der Wundheilung verursachen.

Alternative

Eine Wurzelkanalbehandlung stellt irrtümlicherweise keine Alternative zur Wurzelspitzenresektion dar. Sie geht der Wurzelspitzenresktion meist voraus.

Bei einer Wurzelspitzenresektion wird, wie der Name schon vermuten lässt, nur im Bereich der Wurzelspitze gearbeitet. Das Wurzelkanalsystem ist bei dieser Behandlung nicht mit inbegriffen.
Diese müssen gründlich gereinigt und komplett dicht gefüllt werden.
Eine Wurzelspitzenresektion kann eine solche Behandlung nicht ersetzten, sodass eine gut ausgeführte Wurzelkanalfüllung die Voraussetzung für eine gute Wurzelspitzenresektion ist.

Eine wirkliche Alternative zur Wurzelspitzenresektion gibt es nicht. Bringt eine Wurzelkanalbehandlung nicht den gewünschten Erfolg, ist eine Resektion der letzte zahnerhaltende Schritt. Eine andere Methode, um den Zahn, trotz umfangreicher kariöser Zerstörung zu retten, gibt es nicht. Sollte die Wurzelkanalfüllung nicht dicht sein oder auch die Resektion nicht den gewünschten Erfolg haben, kann man diese Eingriffe wiederholen.

Bei Misserfolg ist der nächste Schritt die Extraktion des Zahnes. Später wird entweder ein Implantat oder eine Brücke angefertigt, jedoch ist der natürliche Zahn verloren gegangen, was man mit einer Wurzelspitzenresektion noch versucht zu verhindern. Das ästhetische Ergebnis eines künstlichen Zahnes wird nie ganz an das eines natürlichen Zahnes heranreichen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Alternativen zu einer Wurzelspitzenresektion

Zusammenfassung

Eine Wurzelspitzenresektion ist immer dann angezeigt, wenn die normale Wurzelbehandlung nicht zum erwünschten Ziel führte und sich an der Wurzelspitze ein Eiterherd gebildet hat. Sie stellt eine gute Alternative zur Zahnextraktion dar, da sie den Erhalt des Zahnes gewährleistet.

Qualitätssicherung durch: Dr. Wolfgang Weinert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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