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Lachgas

Einleitung

Die chemische Bezeichnung von Lachgas ist Distickstoffmonoxid, die chemische Strukturformel lautet N2O. Lachgas ist ein farbloses Gas und stammt aus der chemischen Gruppe der Stickoxide. Es wurde bereits im 17. Jahrhundert synthetisiert und gilt somit als eines der ältesten Narkosemittel der Welt.

Die Herstellung von Lachgas geschieht durch die Erhitzung einer Mischung aus Ammoniumsulfat und Natriumnitrat. Dies geschieht im Labor.

In natürlicher Umgebung kann es aber auch zu einer Bildung von Lachgas kommen, nämlich in der Landwirtschaft. Auf gedüngten Ackerböden oder in Silos kann es durch entsprechende Zersetzungsvorgänge zu einer Lachgasbildung kommen, die teilweise sogar ausreicht, um eine entsprechende betäubende Wirkung auszulösen (Silonarkose).

Lachgas ist nicht entzündlich, kann aber durch entsprechende chemische Oxidationsprozesse als Brandbeschleuniger wirken. In einigen Ländern wird illegalerweise Lachgas auch zur Verbrennungsbeschleunigung und Leistungssteigerung von Verbrennungsmotoren eingesetzt.

Indikation für Lachgas

Während Lachgas früher weitaus häufiger eingesetzt wurde, findet es heute nur noch selten und vor allem während kurzen operativen Eingriffen Verwendung. Es hat den entscheidenden Vorteil, dass es neben der sedierenden Wirkung (Bewusstlosigkeit) auch eine schmerzstillende Wirkung (Anästhesie) hat. Eine Kombination, die nicht viele Narkosemittel haben (meistens nur sedierend).

Wenn überhaupt wird Lachgas heute nur noch bei kurzen Eingriffen verwendet, da es schnell anflutet und abflutet und somit auch schnell wirkt.

In der Kinderheilkunde wird es wegen seiner guten und verträglichen Wirkung gerne ebenfalls bei kleinen Eingriffen eingesetzt. Außerdem bei zahnärztlichen Eingriffen ebenfalls oft in der Kinderzahnheilkunde.

Im OP wurde Lachgas aber weitestgehend abgelöst. Heute gibt es alternative Inhalationsnarkotika wie z.B. Halothan. Ihnen wird eine längere Wirksamkeit und eine bessere Steuerbarkeit während des operativen Eingriffs nachgesagt sowie ein wirtschaftlicherer Einsatz.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Narkose bei Kindern

Wirkung von Lachgas

Die Wirkung von Lachgas ist heute im Gegensatz zu vielen anderen Narkosemittel relativ gut erforscht. Durch das Einatmen des Gases wird das im Körper vorhandene Vitamin B12 oxidiert. Vitamin B12 (Vertreter der Cobalamin-Gruppe) ist ein Coenzym der Methionin (Aminosäure) Herstellung.
Durch die Hemmung von Vitamin B12 kann auch Methionin über einen gewissen Zeitraum im Körper nicht mehr gebildet werden was zur Folge hat, dass wichtige Eiweißbausteine im Körper nicht mehr hergestellt werden können. Diese Eiweißbausteine haben auch eine tragende Aufgabe bei der Schmerzweiterleitung und dem Bewusstsein.

Mit der Hemmung des Vitamin B12, dem Methionin und den Eiweißbausteinen wird neben anderen Effekten das Bewusstsein und die Schmerzempfindung herabgesetzt. Diese Wirkung hält solange an, wie das Gas inhaliert wird. Nach absetzen des Gasgemisches erholen sich die Stoffwechselprozesse im Körper innerhalb weniger Minuten und das Bewusstsein und die Schmerzempfindung kehrt zurück.

Nebenwirkung von Lachgas

Lachgas ist ein relativ nebenwirkungsarmes Narkosemittel. Aus diesem Grund wurde es in der Vergangenheit gerne eingesetzt.

Wie jedes Narkosemittel birgt es aber auch einige Risiken und Nebenwirkungen, die zwar selten sind aber die es zu beachten gilt. Nach einer Lachgasanwendung können die Patienten noch einige Stunden eine Benommenheit spüren. Autofahren oder verantwortungsvolle Tätigkeiten sollten am Tag des Eingriffs also nicht durchgeführt werden.

Als Nebenwirkungen können auch Tage danach noch Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Wichtig ist auch im Vorfeld einer Lachgasbehandlung zu klären, ob entsprechende Allergien gegen diese Art von Narkosemittel bestehen. Direkt nach einem Lachgaseinsatz kann es noch zu Schwindel, Benommenheit, aber auch zu einer kurz anhaltenden Euphorie kommen.

Bei Überdosierung des Gasgemisches kann es zu neurologischen langanhaltenden Symptomen, wie neurologische Ausfälle, Lähmungen, Sprachstörungen, Gangstörungen kommen. Überdosierungen finden in der Medizin praktisch nicht statt. Die Gefahr einer Überdosierung ist vor allem im Drogenbereich zu finden, wo Lachgas wegen seiner sedierenden und zeitgleich manchmal auch berauschenden Wirkung in hohen Dosen inhaliert wird. Bei einer systematischen und regelmäßigen Überdosierung wurden auch schon irreparable Schäden, wie Gehirnunterversorgungen mit dauerhaften neurologischen Schäden beobachtet.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Narkose Nebenwirkungen

Anwendung von Lachgas

Die Anwendung erfolgt wie folgt: der Patient bekommen eine Maske mit ausströmendem Lachgas vor das Gesicht gehalten und wird gebeten normal einzuatmen. Dann wird die Maske direkt auf die Nase gesetzt. Die Wirkung setzt in wenigen Sekunden ein und versetzt den Patienten in einen Tiefschlaf.

Ein weiterer Vorteil von Lachgas ist die gasförmige Verfügbarkeit. So ist es im Notfall nicht unbedingt notwendig einen venösen Zugang zu legen (aus Sicherheitsgründen aber empfohlen).

Lachgas während der Geburt

Während der Geburt ist die Anwendung Lachgas nicht so sehr verbreitet, wird aber auch manchmal eingesetzt. Hier wird Lachgas aber weniger zur Sedierung eingesetzt sondern zur Schmerzbekämpfung der Wehenschmerzen. Seit 2008 ist ein Lachgas-Sauerstoffgemisch in Deutschland für die Geburt als Schmerzmittel zugelassen. In Ländern wie Skandinavien oder England ist dieses Präparat schon seit längerer Zeit auf dem Markt.

Für die alleinige Schmerzbekämpfung während der Geburt ist ein Gasgemisch von 50% Lachgas mit 50% Sauerstoff notwendig. Wichtig ist, dass vor jeder Wehe bereits das Gasgemisch eingeatmet wird, um eine entsprechenden Schmerzattacke abzudämpfen.

Lachgasgemische kommen in der Geburtshilfe vor allem dann zum Einsatz, wenn es für andere Schmerzverfahren Einwände und Kontraindikationen gibt. Heute hat sich aber zur Schmerzbekämpfung in der Geburtshilfe die Periduralanästhesie (PDA) durchgesetzt.

Möchte man eine weniger invasive Schmerzbehandlung, so kann man der Gebärenden auch Schmerzmittel in Form einer Infusion geben. Hier kommen Medikament wie z.B: Pethitin (Dolantin®) zu Einsatz.

Lachgas beim Zahnarzt

Seinen wohl häufigsten Einsatz heute findet Lachgas in der Zahnheilkunde. Besonders in der Kinderzahnheilkunde ist Lachgas sehr beliebt und wird oft eingesetzt. Während bei Erwachsenen oftmals ein lokales Narkosemittel in den Zahnfleischbereich gespritzt wird, muss bei Kindern eine andere Methode der Betäubung gefunden werden. Lachgas hat den entscheidenden Vorteil, dass es direkt über einen Vernebler durch eine Maske dem Patienten gegeben werden kann.

Bei zahnärztlichen Eingriffen, z.B. bei der Zahnfüllung oder dem Zähne ziehen reicht es oftmals aus, dem Kind ein Lachgas-Sauerstoffgemisch vor die Nase zu halten. Das Kind atmet das Gas ein und wird zum einen ruhiger, zum anderen wird die Schmerzempfindung herabgesetzt.

In der Zahnheilkunde ist eine tiefe Schlafnarkose oftmals gar nicht notwendig. Nach dem Eingriff wird das Gas abgedreht und der kleine Patient kann sofort ohne weitere Beobachtung entlassen werden. Kurz nach dem Abfluten des Gas kann es aber noch zu Übelkeit, leichtem Schwindel und Kopfschmerzen kommen. Diese Nebenwirkungen sind relativ selten und halten in der Regel auch nur wenige Stunden an.

Aus Sicherheitsgründen ist es in Deutschland aber so geregelt, dass Zahnpraxen, die Eingriffe unter Lachgas durchführen, einen Narkosearzt mit in der Praxis haben müssen. Diese Anästhesisten sind oftmals freiberuflich und nicht in einem Krankenhaus angestellt und fahren von Zahnarztpraxis zu Zahnarztpraxis.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Narkose beim Zahnarzt

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.04.2018
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