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Propofol

Einleitung

Propofol gehört der Gruppe der Allgemeinanästhetika an und zeichnet sich durch eine gute Steuerbarkeit aus. Das Narkosemittel sammelt sich in äußerst geringen Mengen im Körper an und besitzt eine kurze Plasmahalbwertszeit. Dies bedeutet, dass bereits nach einer kleinen Zeitspanne nur noch die Hälfte der ursprünglichen Wirkstoffkonzentration vorhanden ist.

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Propofol wird über eine Vene appliziert und besitzt eine beruhigende sowie betäubende Wirkung. Anwendung findet das Narkotikum vor allem in der Allgemeinanästhesie zur Narkoseeinleitung und deren Aufrechterhaltung bei Erwachsenen sowie bei Kindern ab einem Alter von sechs Monaten. In der Intensivmedizin spielt es als Mittel zur Sedierung eine wichtige Rolle. Weitere Anwendungsgebiete sind Magen-Darm-Spiegelungen und andere endoskopische Untersuchungsmethoden.

Im Vergleich zu inhalativen, also einzuatmenden Narkosegasen, sind die Nebenwirkungen von Propofol deutlich geringer ausgeprägt. Vor allem Übelkeit und Erbrechen sind seltener zu beobachten. Mögliche unerwünschte Folgen nach Propofolgabe sind dagegen Blutdruckabfall sowie eine Hemmung der Atmung.

Indikationen für Propofol

In erster Linie spielt Propofol in der Allgemeinanästhesie eine bedeutsame Rolle. Es dient als Mittel zur Einleitung sowie Aufrechterhaltung einer Narkose. Seine Applikation erfolgt intravenös. Propofol wird hierbei niemals alleine verabreicht, sondern immer in Kombination mit einem muskelentspannenden und einem schmerzhemmenden Wirkstoff.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Intensivmedizin. Hier erfüllt Propofol den Zweck eines sedierenden Wirkstoffes. Im Gegensatz zur Narkose, befindet sich der Patient in einer Art Dämmerzustand.

Auch bei endoskopischen Untersuchungen, wie der Magen-Darm-Spiegelung, kommt dieser Effekt zum Einsatz.

Wirkung

Propofol besitzt eine beruhigende und betäubende Wirkung. Diese Eigenschaft, als auch sein schneller Wirkeintritt und seine gute Steuerbarkeit infolge einer kurzen Wirkdauer machen es zu einem idealen Anästhetikum. Seine Applikation ist allein über eine Vene möglich.

Nach intravenöser Applikation gelangt Propofol mit dem Blutstrom ins Gehirn. Dort bindet es an hemmende Rezeptoren (sogenannte GABA-Rezeptoren) und aktiviert diese, wodurch eine hemmende Wirkung auf Nervenzellen verursacht wird. Im Rahmen der Narkoseeinleitung erfolgt der Bewusstseinsverlust innerhalb von 10 - 20 Sekunden und dauert bei einmaliger Gabe 8 - 9 Minuten an. Propofol wirkt außerdem hemmend auf verschiedene Reflexe, wie den Husten- oder Würgereflex.

Das Anästhetikum besitzt weiterhin einen entspannenden Effekt und wirkt euphorisierend. Auch eine sexuell enthemmende sowie aphrodisierende Reaktion wird beschrieben. Diese Eigenschaften erklären ein mögliches Missbrauchspotential.

Wirkdauer

Propofol besitzt nur eine relativ kurze Wirkdauer. Diese beruht vor allem auf der kurzen Plasmahalbwertszeit, welche mit einer raschen Konzentrationsminderung im Blut einhergeht. Nach Applikation setzt die Wirkung innerhalb von 10 bis 20 Sekunden ein und lässt bei Ausbleiben einer weiteren Anwendung nach etwa acht bis neun Minuten nach. Zur Aufrechterhaltung einer Narkose oder eines Dämmerzustands müssen mehrmalige Applikationen oder eine durchgehende Infusion (kontinuierliche Dauerinfusion) erfolgen.

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Dosierung

Zur Narkoseeinleitung wird üblicherweise eine Dosis von 20 bis 40 mg alle zehn Sekunden angewendet. Dies erfolgt solange, bis der Patient klinisch einen Zustand der Bewusstlosigkeit erkennen lässt. Bis zu einem Alter von 55 Jahren beträgt die übliche Dosierung für Erwachsene 1,5 - 2,5 mg Propofol/kg Körpergewicht. Ältere Menschen haben einen geringeren Bedarf an Propofol zur Narkoseeinleitung. Gleiches gilt für Patienten mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen während einer Operation.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel Narkoseeinleitung.

Die Aufrechterhaltung der Narkose erfolgt mit einer Dosierung von 4 - 12 mg Propofol/kg Körpergewicht pro Stunde. 

Zur reinen Sedierung, also zu Erreichen eines Dämmerzustands, reicht eine Dosierung von 0,3 bis 4 mg Propofol/kg Körpergewicht/Stunde aus.

Die Dosierung bei Kindern ist als gesondert zu betrachten und besitzt im Allgemeinen einen höheren Wert (3-5mg/kg Körpergewicht).

Lesen Sie hierzu auch den Artikel Narkose bei Kindern

Nebenwirkungen von Propofol

Trotz der guten Verträglichkeit und Steuerbarkeit existieren einige bedeutsame Nebenwirkungen. Propofol weist nämlich nur eine geringe therapeutische Breite auf, das heißt, dass es nicht viel Spielraum gibt zwischen der erwünschten Wirkung und der unerwünschten Nebenwirkung. Von der optimalen Dosierung ist es also nicht weit in den Bereich der Über- oder Unterdosierung.

Propofol besitzt als Nebenwirkung einen dämpfenden Effekt auf die Atmung und den Herzschlag. Weiterhin wird ein Blutdruckabfall durch einen verminderten Gefäßwiderstand verursacht. Vor allem ältere Patienten und solche mit Vorerkrankungen am Herzen sind hiervon betroffen.

Selten beobachtete unerwünschte Wirkungen sind lebhafte, zum Teil als unangenehm erlebte Träume, Schmerzen und Schwellungen am Ort der Einstichstellte, Zuckungen einzelner Muskeln, Husten, Krampfanfälle und starke allergische Reaktionen u.a. auf das enthaltene Sojaöl, das als Lösungsmittel dem Propofol die weiße milchige Farbe gibt. Noch seltener wird das Auftreten eines Lungenödems bei Propofolgabe beschrieben. Wird das Anästhetikum fälschlicherweise in das Gewebe statt in die Vene injiziert, können schwerwiegende Gewebereaktionen auftreten.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel zum Thema Vollnarkose Nebenwirkungen.

Das sogenannte Propofol-Infusionssyndrom (PRIS) ist eine sehr seltene Komplikation und beschreibt einen lebensbedrohlichen Symptomenkomplex nach Gabe von Propofol. Es steht gehäuft im Zusammenhang mit sehr hohen Dosierungen und Infusionen über einen langen Zeitraum. Die genaue Ursache ist bislang ungeklärt. Störungen der normalen Herzfunktion und des Herzrhythmus sowie eine metabolische Azidose, (Übersäuerung infolge fehlerhafter Stoffwechselprozesse) treten in den meisten Fällen auf. Eine Rhabdomyolyse (Auflösung der Skelettmuskulatur) und ein akutes Nierenversagen zählen ebenfalls zu den häufigen Symptomen des Infusionssyndroms. Neben kreislaufunterstützenden Maßnahmen stellt das sofortige Absetzen der Propofol-Gabe den wichtigsten therapeutischen Schritt dar.

Risiken einer Propofolgabe

Zu den Risiken zählen in erster Linie die möglichen Nebenwirkungen (siehe oben: Nebenwirkungen von Propofol), also kurz gefasst:

  • geringe therapeutische Breite, Gefahr der Über-/Unterdosierung
  • Blutdruckabfall
  • Hemmung des Atemantriebs und des Herzschlags
  • das seltene Propofol-Infusionssyndrom (Herz-, Nierenfunktionsstörung, Auflösung von Muskulatur)

Ein weiteres Risiko birgt zudem das Missbrauchspotential infolge der euphorisierenden und entspannenden Wirkung. Es kann eine psychische Abhängigkeit entstehen. Personen mit beruflicher Tätigkeit im medizinischen Bereich sind hiervon in erster Linie betroffen.

Kontraindikationen

Absolute Gegenanzeigen für die Anwendung von Propofol sind eine Kreislaufinsuffizienz und eine Hypovolämie, also ein Flüssigkeitsmangel im Körper. Im Rahmen der Anwendung kann es zum Blutdruckabfall kommen, der unter derart komplizierenden Voraussetzungen gefährliche Folgen haben kann.

Bislang liegen keine ausreichenden Daten zur Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit vor. Es wird jedoch davon abgeraten.

Kinder in intensivmedizinischer Betreuung, die jünger als 16 Jahre alt sind, sollten ebenfalls nicht mit Propofol sediert werden. Auch hier sind die Auswirkungen bisher nicht hinreichend bekannt.

Hersteller raten bei einer Sojaallergie von der Anwendung ab. Nach neusten Erkenntnissen ist diese Gegenanzeige allerdings weniger kritisch zu betrachten.

Propofol während einer Narkose

Propofol ist eines der üblichsten Narkotika in der Allgemeinanästhesie. In Kombination mit einem kurzwirksamen Schmerzmittel, z.B. Remifentanil oder Sufentanil, und je nach OP einem Mittel zur Muskelentspannung, z.B. Rocuronium, dient es der Einleitung und Aufrechterhaltung einer Narkose während eines operativen Eingriffs. 

Nach dem Spritzen der Anfangsdosis, die sich nach dem Körpergewicht und dem Alter richtet, erfolgt eine kontinuierliche Dauerinfusion. Auf diese Weise wird ein konstanter Wirkspiegel im Blut erreicht. Sogenannte Spritzenpumpen werden durch Computer gesteuert und sorgen für ein gleichmäßiges Einlaufen der Infusion mit Propofol. Gleichzeitig haben sie den Vorteil, dass die Narkosetiefe vom zuständigen Anästhesisten nach Bedarf rasch geändert werden kann.

Beatmung und Intubation werden nach Bewusstseinsverlust und Aufhebung der Reflexe durchgeführt. Herz- und Kreislaufparameter werden während des Eingriffs kontinuierlich überwacht. Die Beendigung der Narkose gelingt durch langsame Verminderung der Narkosemedikamente. Der Patient wacht innerhalb weniger Minuten wieder auf.

Propofol bei einer Darmspiegelung

Eine Darmspiegelung wird üblicherweise bei leichtem Dämmerschlaf durchgeführt. Prinzipiell ist diese Form der Untersuchung auch ohne Sedierung möglich. Eine „Schlafspritze“ ist jedoch deswegen sinnvoll, weil sie nicht nur die Untersuchungsbedingungen verbessert, sondern auch für den Patienten eine deutlich angenehmere und entspanntere Situation schafft. Bei Magen-Darmspiegelungen beugt man zusätzlich dem Würgereflex vor.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel zum Thema Narkose bei einer Darmspiegelung - Gefährlich?.

Propofol wird direkt in eine Vene gespritzt. Als schnellwirksames Narkotikum tritt seine Wirkung innerhalb von Sekunden ein. Seine Dosierung richtet sich nach der ständigen Überwachung der Kreislauffunktion und Atmung. Sauerstoffsättigung, Atem- und Herzfrequenz sowie Blutdruck werden während der Untersuchung mittels Monitors beobachtet. Auch wenn das Bewusstsein ausgeschaltet wird, atmet der Patient selbstständig. Bereits wenige Minuten nach Beendigung der Untersuchung wird der Patient wieder wach.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Propofol finden Sie unter:

Alle Themen, die zum Bereich Anästhesie veröffentlicht wurden, finden Sie unter Anästhesie A-Z

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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