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Entzündung der Zahnwurzel

Einleitung

Die Zahnwurzel  ist der Teil des Zahnes, der den Zahn im Zahnfach befestigt. Sie ist nach außen hin nicht sichtbar, da sie unterhalb der Zahnkrone liegt. 

An der Spitze der Wurzel findet man eine kleine Öffnung, das Foramen apicale dentis. Dies ist die Entrittspforte für Nerven und Blutgefäße in die Pulpahöhle (Zahnmark). In der Pulpahöhle befinden sich Blutgefäße, Nervenfasern und Bindegewebe. Ist das Zahnmark entzündet so spricht man umgangsprachlich von der Zahnwurzelentzündung oder auch Pulpitis genannt. Sie spielt sich meist an der Wurzelspitze ab und kann starke Schmerzen verursachen,

Symptome

Besteht eine Zahnwurzelentzündung, leidet der Patient unter Schmerzen in dem betroffenen Bereich. Besonders tritt dieser auf, wenn der Zahn durch Druck belastet wird, z.B. beim Kauen. Es ist eine sogenannte Klopfempfindlichkeit vorhanden. Auch Wärme und Kälte können zu Schmerzsymptomen führen. Der Schmerz kann sich bis in den Augen- und Nackenbereich ausdehnen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Schmerzen an der Zahnwurzel

Nach einer gewissen Zeit kann sich der Zahn auch lockern. Weitere Anzeichen sind Zahnfleischtaschen, ein stark gerötetes Zahnfleisch und möglicherweise auch Eiter. Eine dicke Backe ist auch ein Symptom einer solchen Entzündung.

Abbildung Zahnwurzelentzündung

  1. Zahnschmelz -
    Enamelum
  2. Zahnbein (=Dentin) -
    Dentinum
  3. Zahnmark in der Zahnhöhle -
    Pulpa dentis in Cavitas dentis
  4. Zahnfleisch -
    Gingiva
  5. Zement -
    Cementum
  6. Wurzelhaut -
    Periodontium
  7. Alveolarknochen (zahntragender
    Teil der Kieferknochen) -
    Pars alveolaris
  8. Öffnung der Zahnwurzelspitze -
    Foramen apicale dentis
  9. Blutgefäße
  10. Nervenfasern
    Zahnwurzelentzündung -
    Pulpitis
    a - Zahnkaries -
    Caries dentium
    b - Zahnfleischentzündung -
    Gingivitis
    c - Entz. des Zahnhalteapparates -
    Parodontitis
    d - Entz. an der Wurzelspitze -
    Apicale ostitis

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Ursachen

Es gibt viele verschiedene Ursachen, die zu einer entzündeten Wurzel führen können.

Die häufigste Ursache ist eine nicht behandelte Karies. Zuerst ist die Karies nur im Schmelzbereich anzutreffen, doch mit der Zeit arbeitet sie sich immer weiter vor und gelangt in die Nähe der Zahnpulpa. Dort angekommen, greift sie die umliegenden Nervenfasern und Blutgefäße an. Der Zahn entzündet sich, verursacht starke Schmerzen und beginnt abzusterben. Ein abruptes Stoppen der Zahnschmerzen ist meist kein positives Zeichen, da sich die Entzündung nicht in Luft aufgelöst hat, sondern eher dafür, dass der Zahn abgestorben ist.

Bakterien gelangen aber nicht nur in Form von Karies in die Nähe der Wurzel, sondern auch durch bestehende Zahnfleischtaschen, in denen sie sich ansammeln. Diese entstehen im Normalfall durch eine nicht behandelte Zahnfleischentzündung. Je tiefer die Zahnfleischtaschen sind, desto gefährlicher wird es für den Zahn.

Eine etwas seltener auftretende Ursache ist eine vorangegangene traumatische Zahnschädigung. Darunter fallen Schläge auf den Zahn, unglückliches Stürzen oder sehr starkes Knirschen. Besonders beim Knirschen fällt dem Patienten die vorhandene Schädigung nicht auf, bis die Schmerzsymptome einsetzen. Schief gewachsene Weisheitszähne können auch eine Wurzelentzündung begünstigen.

Die Entzündung

Unterscheiden muss man bei der Entzündung zwischen einer Zahnwurzelentzündung, der Pulpitis, und einer Zahnwurzelspitzenentzündung (Paradontitis apikale). Bei der Zahnwurzelentzündung ist nicht die Wurzel selbst betroffen, sondern das die Wurzel umgebene Gewebe. Dieses nennt man Parodontium. Zum Parodontium gehören das Zahnfleisch (Gingiva), das Zahnzement (Cementum), das Zahnfach (Alveole) und die Wurzelhaut (Desmodont/Periodontium). Bei der Zahnwurzelspitzenentzündung ist die Zahnwurzelspitze und das umliegende Gewebe betroffen. Ausgehend von einer Karies beispielsweise breiten sich die Bakterien immer weiter in den Zahn aus. Zuerst ist nur punktuell der Schmelz betroffen, dann mehrere Teile vom Zahn, bis sie das Dentin angreifen und schließlich in die Zahnhöhle eindringen. Dort greifen sie die versorgenden Gefäße an und kämpfen sich immer weiter in Richtung Zahnwurzel, Nerv und Zahnwurzelkanal vor. Sie können sich auch auf das umgebende Knochengewebe ausbreiten und somit eine Kieferknochenentzündung hervorrufen. Sollte sich die Entzündung noch weiter ausbreiten, können ein Abszess und/oder eine Fistel entstehen. Hier ist große Vorsicht geboten, denn platzt ein Abszess, können sich die Bakterien im ganzen Körper ausbreiten. Sind die Gefäße geschädigt, beginnt der Zahn abzusterben, da seine Versorgung nicht mehr gewährleistet wird. Wie weiter oben erwähnt, kann es in dieser Phase zu einem plötzlichen Nachlassen des Schmerzes kommen. Einen toten Zahn erkannt man an der dunklen Verfärbung und daran, dass leicht Teile von ihm abbrechen können. Auch ein toter Zahn muss schnell behandelt werden, da er sonst verloren gehen kann. Die Entzündung der Zahnwurzelspitze ist in der Regel eine Folge der vorher entzündeten Zahnpulpa, von der sich die Bakterien immer weiter in Richtung Zahnwurzel ausgebreitet haben.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Toter Zahn

Behandlung

Bei den genannten Symptomen ist sofort ein Zahnarzt aufzusuchen, denn je eher man eingreift, desto mehr Zahngewebe kann man retten. Der Zahnarzt wird den schmerzenden Zahn genau unter die Lupe nehmen und sich über die Dauer, Intensität und Art der Schmerzen informieren. Ein Kältetest kann zeigen, ob die Pulpa noch lebt oder ob sie schon abgestorben ist. Ein Röntgenbild gibt nähere Informationen über den Herkunftstort der Entzündung oder wie weit fortgeschritten diese ist.

Der erste Schritt ist meist die Wurzelkanalbehandlung. Bei dieser wird der Zahn aufgebohrt und das entzündete Gewebe säuberlich entfernt. Die Wurzelkanäle werden gereinigt und mit einer antibakteriellen Lösung gespült. Diese Schritte sollten sehr sorgfältig durchgeführt werden, damit man auch alle Bakterien erwischt und keine zurückbleiben, die sonst später eine erneute Entzündung verursachen können. Sind die Kanäle mit Bakterien befallen, werden sie mit verschiedenen Einlagen behandelt, die die Entzündung hemmen und die Bakterien abtöten. Nach diesem Schritt, bzw. wenn die Kanäle nicht infiziert sind, werden sie mit einer Paste gefüllt.

Diese Füllung lässt sich nur röntgenologisch überprüfen, ob sie auch komplett dicht ist. Nach diesem Vorgehen, folgt erst eine provisorische Füllung, die bei Beschwerdefreiheit durch eine definitive ersetzt wird. In den meisten Fällen ist die Entzündung damit beseitigt und der Zahn kann erhalten bleiben. Wurzelkanäle können aber auch sehr verzweigt sein, sodass eine komplette Entfernung der Bakterien häufig sehr schwer ist. Sie kann auch im Bereich der Wurzelspitze weiter andauern. Tritt dieser Fall ein, kann man entweder die Wurzelfüllung erneuern, ist dies aber nicht hilfreich, eine sogenannte Wurzelspitzensektion durchführen. Bei diesem Eingriff, wird das Zahnfleisch und auch der Knochen um die Wurzelspitzen chirurgisch eröffnet. Ein Teil der Wurzelspitze und entzündetes Gewebe wird entfernt, um somit die Entzündung zu beseitigen. Dies ist die letzte zahnerhaltene Maßnahme. Ist diese nicht erfolgreich, muss der der Zahn gezogen werden.

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Prophylaxe

Die tägliche Reinigung des Mundraums ist die wichtigste Prophylaxemaßnahme. Durch länger anhaftenden Plaque (Biofilm) entstehen die Bakterien, die anschließend den Zahn angreifen und beginnen ihn zu zerstören. Damit es nicht so weit kommt, sollte man mindestens 2x täglich die Zähne putzen, um diesen Plaque, der durch Essensreste entsteht, zu entfernen. Mundspülungen, Zungenschaber und Zahnseide sind ergänzend einzusetzen. Auch die regelmäßige Kontrolle vom Facharzt sollte eingehalten werden. Durch eine gesunde Ernährung lässt sich ergänzend das Kariesrisiko senken.

Zusammenfassung

Die Entzündung der Zahnwurzel ist eine sehr schmerzhafte Angelegenheit, die sich in den meisten Fällen auf eine unzureichende Mundhygiene zurückführen lässt. Nach anfänglichen leichten Schmerzen steigern sie sich immer mehr, bis es zu einem plötzlichen Nachlassen kommen kann. Bei den auftretenden Symptomen ist so schnell wie möglich ein Zahnarzt aufzusuchen. Ist die Entzündung noch nicht so weit fortgeschritten, schlägt die Therapie meist gut an und der Zahn kann erhalten werden. Das Extrahieren des Zahnes ist die letzte Option.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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