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Entzündung nach einer Weisheitszahn OP

Einleitung

Die Weisheitszähne, auch 8er oder dritte Molaren, sind häufige Problemkandidaten eines jeden Menschen und bereiten fast jedem im Leben einmal unangenehme Schmerzen. Die Entfernung dieser Zähne gehört, mit über 1 Millionen durchgeführten Operationen in Deutschland im Jahr, mit zu den Routineeingriffen in der Zahnmedizin, die meist, von einem erfahrenen Operateur ausgeführt, ohne weitere Komplikationen verlaufen. Doch auch nach der Operation kann sich eine Entzündung ausbilden und unangenehme Folgen haben.

Der Eingriff

Die Gründe für einen solchen Eingriff können verschieden sein. Verursacht der 8er eine Entzündungen, besteht die Gefahr einer Zyste, beschädigt er den angrenzenden zweiten Molaren (7er), verursacht er eine Zahnreihenengstellung oder verhindert eine prothetische Versorgung, ist die Indikation für eine Extraktion gegeben. Natürlich auch dann, wenn er kariös stark zerstört ist, er aufgrund seiner Lage nicht versorgt werden kann oder er eine Schwachstelle im Kiefer darstellt.

Die Entfernung beginnt in der Regel mit der Lokalanästhesie des Bereiches. Eine Vollnarkose ist eigentlich nicht notwendig und wird auch meist nicht von der Krankenkasse übernommen, kann aber auf Wunsch des Patienten angewandt werden. Anschließend wir das Zahnfleisch um den zu entfernenden Zahn aufgeschnitten, damit der Kieferknochen und Teile des Zahnes sichtbar werden. Teilweise muss auch noch etwas Knochensubstanz abgetragen werden und es kann sein, dass der Zahn geteilt wird, da er eine ungewöhnliche Form hat. Nach der Extraktion des Zahnes wird die Wunde mit einem Faden vernäht, der meist nach 10 Tagen gezogen wird.

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Risiken

Da es sich um einen operativen Eingriff handelt, ist er auch mit möglichen Risiken verbunden. Zu den allgemeinen Risiken zählen in dem Fall, dass es zu Blutungen während der Operation oder auch noch bis zu drei Tagen danach kommen kann. Die Wunde kann nicht ordnungsgemäß verheilen oder sich infizieren. Schmerzen, Schwellungen nach der OP und Blutergüsse können auch auftreten. Während der Operation kann es passieren, dass der angrenzende Nachbarzahn geschädigt oder die Kieferhöhle im Oberkiefer eröffnet wird.

Im Unterkiefer besteht das Risiko, dass die Unterlippe taub wird, da man den versorgenden Nerv dafür verletzen kann. Das Taubheitsgefühl legt sich aber nach einer gewissen Zeit meist wieder.

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Verhalten nach der Operation

Um die Chancen für eine Entzündung nach dem Eingriff so gering wie möglich zu halten, ist es wichtig, dass man ein paar Dinge beachtet. Sportliche Aktivitäten sollten bis zu 14 Tage nach dem Eingriff vermieden werden, da der Körper noch geschwächt ist bzw. die Wunde bis dahin noch nicht komplett verheilt ist und durch körperliche Aktivitäten der Blutdruck erhöht ist.
Tabakkonsum oder den Verzehr von Kaffee (auch Energiedrinks) oder auch Alkohol sollte man in den ersten Tagen meiden. Koffeinhaltige Getränke erhöhen das Risiko einer Nachblutung. Nikotin kann zur Entzündung der Wunde führen, die dann nicht ordnungsgemäß verheilen kann. Mit dem Rauchen sollte erst wieder begonnen werden, wenn die Heilung komplett abgeschlossen ist.

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Einer direkte Wärmezufuhr, wie direkte Sonnenlichteinstrahlung, ist aus dem Weg zu gehen. Die Wunde ist zu kühlen, da es die Schmerzen lindert und die Schwellung in Grenzen hält.
Eine angeschwollene und dicke Backe ist normal, häufig ist sie auch leicht bläulich verfärbt. Das Gewebe ist stark beansprucht und gereizt, aber mit den Tagen nach der OP klingt dies immer mehr ab.

Die Zahnpflege kann wie gewohnt, vorrangig mit einer weichen Zahnbürste, fortgesetzt werden.
Die Wunde ist in den ersten Tagen jedoch auszusparen. Nach ca. 2-3 Tagen kann man auch mit einer 0,1 % chlorhexidinhaltigen Mundspülung den Mundraum spülen, da diese die Keimzahl reduziert. Direkt nach dem Eingriff ist davon aber abzusehen.
Der Mundspülvorgang sollte am besten sanft gestaltet werden und nicht zu heftig, da die Wunde sonst aufgehen könnte. Am besten nimmt man etwas von der Flüssigkeit in den Mundraum und neigt den Kopf leicht und besinnlich in alle Richtungen.
Milchprodukte sollte man nicht zu sich nehmen, da diese Milchsäurebakterien enthalten, die den Blutpropf angreifen und somit die Wundheilung gefährden, was zu erneuten Entzündungen führen kann.

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Wasser und leichte Kost, wie Suppen oder Brei, sind als Nahrung für die ersten Tage am geeignetsten, im Gegensatz zu sehr fester und krümeliger Nahrung. Da die Mundöffnung durch die Schwellung noch eingeschränkt ist, lassen sich breiige Lebensmitte auch leichter verzehren.

Symptome einer postoperativen Entzündung

Eine Entzündung nach der Operation macht sich dadurch bemerkbar, dass die Stelle Schmerzen verursacht. Auch Fieber kann auftreten. Man sollte sich auf keinen Fall scheuen, bei den genannten Symptomen oder allgemeiner Unsicherheit, den behandelnden Arzt aufzusuchen, denn nur so kann dieser sofort handeln und die Ausbreitung einer Entzündung verhindern. Dieser wird die Entzündung betrachten und die nötigen Schritte einleiten. Meist ist dies eine Antibiotikatherapie, um die Bakterien abzutöten und den Entzündungsherd zu eliminieren.

Entzündung mit Eiterbildung

Eine Eiterbildung deutet auf einen beginnenden Abszess hin. Bei einem Abszess handelt es sich um einen mit Eitergefüllten, abgekapselten Hohlraum. Er entsteht dann, wenn sich die Wunde entzündet und man keine weiteren Maßnahmen für eine ordnungsgemäße Abheilung ergreift. Dies passiert beispielsweise dann, wenn die Wunde mit Bakterien in Kontakt gekommen ist oder ein Zahnstück im Zahnfach zurückgeblieben ist.

Wärme oder Hitze können diesen Prozess stark beschleunigen, da sich Bakterien dann leichter vermehren können. Da ein Abszess sehr gefährlich werden kann und innere Organe bedrohen kann, sollte bei einer Eiterbildung sofort der behandelnde Zahnarzt aufgesucht werden. Man sollte keine wertvolle Zeit verschwenden! Der Arzt kann den Abszess eröffnen und so für eine regelgerechte Wundheilung sorgen.

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Wie lange hält die Entzündung nach der Operation an?

Über die Dauer der Entzündung eines Weisheitszahnes kann man keine genaue Angabe machen. Manchmal beginnt eine Entzündung kurz, innerhalb von 2-3 Tagen, nach der Zahnentfernung, manchmal auch erst später. Abhängig ist dies von der Entzündungsursache, dem körperlichen Zustand und den Abwehrkräften des Betroffenen, sowie der Mundhygiene, die der Patient nach der Operation an den Tag legt. Wird die Entzündung jedoch schnell erkannt und die Ursache entfernt, kann die Wunde recht schnell wieder verheilen. Auch dieser Prozess ist abhängig von der individuellen Situation des Patienten und dauert manchmal etwas länger oder kürzer als gewöhnlich an.

Wie kann man eine Entzündung nach einer Operation selbst erkennen?

Erste Anzeichen für eine entzündete Operationswunde nach einer Weisheitszahnentfernung sind starke Schmerzen. Zwar sind Schmerzen in den ersten 2-5 Tagen nach einer Zahnentfernung durchaus normal, sollten sie jedoch trotz der Einnahme von Schmerzmitteln übermäßig stark sein, kann ein Gang zum Arzt durchaus nicht schaden. Dazu kommt meist noch ein Brennen, vor allem dann, wenn Nahrungsmittel oder eine Flüssigkeit die Wunde berühren, sowie eine leichte Rötung des Gebietes.

Wartet man ab, kann es passieren, dass sich eine Schwellung der Wange ausbildet, welche von außen auch durch ihre Rötung- ersichtlich ist. Patienten klagen häufig über eine "dicke Backe".

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Spätestens wenn es zu einem Funktionsverlust durch die Schwellung oder die Schmerzen kommt und man nicht mehr richtig beißen oder atmen kann, sollte umgehend  ein Arzt aufgesucht werden. 

Medikamente

Unterstützend zur Genesung und zur Linderung der Schmerzen (Wundschmerzen) können vom behandelnden Arzt Schmerzmittel verschrieben werden.
Diese sind in der Regel Paracetamol oder Ibuprofen. Mittel mir Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin) sind weniger geeignet, da sie die Blutgerinnung hemmen.

Ist der Eingriff besonders kompliziert gewesen oder bestand vorher eine Infektion, wird vom Arzt ein Antibiotikum verschrieben. Dadurch werden Infektionsentzündungen vermieden.
Wichtig ist dabei auf jeden Fall, dass dies solange eingenommen wird, wie es der Arzt verschrieben hat, da sonst die Gefahr besteht, dass sich die Wunde doch noch entzündet.

Diese Schmerzmittel helfen am besten

Bei entzündeten Weisheitszähnen gilt Ibuprofen® als Schmerzmedikament der Wahl, da es neben der schmerzlindernden Komponente ebenfalls entzündungshemmend wirkt. Die Tageshöchstdosis sind dabei 2400mg pro Tag. Da Ibuprofen® allerdings die Magenschleimhaut angreift, sind sie ungeeignet für Patienten mit Magenbeschwerden oder müssen mit Magenschoner wie Pantozol® eingenommen werden. Sofern die Schmerzen trotz Ibuprofen® weiter spürbar bleiben, kann Ibuprofen® mit Novalgin®-Tropfen kombiniert werden. Für eine passende Dosierung muss Rücksprache mit dem behandelnden Zahnarzt gehalten werden, welcher sich die Wunde dann wahrscheinlich nochmal anschauen möchte, um die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen.

Wann sollte man Antibiotika einnehmen?

Antibiotika sollten bei einer Weisheitszahnentfernung nur dann verschrieben werden, wenn es wirklich notwendig ist. Notwendig bedeutet in diesem Fall, wenn der Zahn schon vor der OP entzündet war oder eine Herzkrankheit besteht. Hier stellt die Antibiotikaeinnahme vor zahnärztlichen Eingriffen eine Pflichtmaßnahme dar, um eine Endokaditis (Herzinnenhautentzündung) zu vermeiden. Dies ist beispielsweise bei künstlichen Herzklappen, angeborenen Herzfehlern oder bei vorangegangenen Herztransplantationen der Fall.

Ansonsten ist eine Antibiotikaeinnahme nicht unbedingt notwendig, sofern man sich nach der Operation an alle Vorsichtsmaßnahmen hält. Trotzdem kann es passieren, dass sich die Operationswunde entzündet. Rötet sich die Stelle und tritt ggf. ein Brennen beim Essen oder eine Schwellung der Wange auf, sollte man auf jeden Fall einen Zahnarzt aufsuchen. Dieser kann dann entscheiden, ob eine Einnahme sinnvoll ist. Selbst sollte man sich jedoch keine Tabletten verordnen, zu groß sind die Risiken, die durch eine nicht vorschriftgemäße Antibiotikaeinnahme auftreten könnten.

Diese Hausmittel können Ihnen helfen

Wenn sich die Wunde nach einer Weisheitszahn-Operation entzündet, kann man sich zunächst an Hausmitteln bedienen, bevor man die Möglichkeit hat, seinen Zahnarzt aufzusuchen.

Das gezielte Kühlen ist beispielsweise dabei hilfreich: Mit Kühlakkus oder Kühlpads, die in ein Handtuch eingewickelt werden, um die Haut nicht zu unterkühlen, kann man zeitweise an die entsprechende Stelle von außen halten. Es soll den Entzündungsschmerz lindern, die Schwellung minimieren und die Ausbreitungstendenz unterbinden. Das liegt daran, dass Bakterien sich nur in warmem Milieu vermehren, weshalb Wärme nach einer operativen Entfernung der Weisheitszähne die Entzündungszeichen begünstigen würde. Dabei ist es wichtig, nur etwa 5 bis 10 Minuten am Stück zu kühlen und nicht permanent den Kühlakku an die betroffene Region zu halten, da ansonsten dem Körper eine Unterkühlung signalisiert wird. Der Körper reagiert darauf mit einem erhöhten Blutdruck und Wärme, was die Entzündung wiederum begünstigt.

Weiterhin kann nach der Operation der Extrakt der Nelke das Zahnfleisch beruhigen. Dabei ist es wichtig, nicht direkt an der Stelle die Nelke zu kauen, da sonst die Gefahr bestünde, dass die Nelke in die Wunde gerät. Daher kann 2 bis 3 Zähne entfernt auf dem Gewürz gekaut werden, was der Entzündung entgegenwirken soll.

Spülungen mit Tees oder Gewürzen sind hier nicht empfehlenswert, da diese den "Blutpfropf", der sich gebildet hat und nun das Zahnfach verschließt, aus diesem Zahnfach spülen würden. Damit wäre das Zahnfach leer, was Infektionen begünstigt und dem Wundverschluss schadet, da sich die geronnen Blutzellen normalerweise in Bindegewebszellen umfunktionieren. Daher muss der Blutpfropf nach der Zahnentfernung unbedingt bestehen bleiben. Wird das Blut herausgespült, entsteht das Krankheitsbild der Alveolitis sicca (="das leere Zahnfach"), bei welchem der Patient oft schnell unter starken Schmerzen leidet und umgehend den Zahnarzt aufsuchen sollte.

Weiterhin sollte der Betroffene anfangs auf weiche Lebensmittel zurückzugreifen und den Bereich beim Zähneputzen erst mal aussparen.

Rauchen

Da Rauchen generell schädlich ist, sollte man versuchen diesen Genuss auf ein Minimum zu reduzieren. Gerade jedoch nach einer Operation im Mundraum, kann das Rauchen die Heilung stark verlangsamen. Grund dafür ist, dass sich die Rauchgase in der gesamten Mundhöhle ausbreiten und die komplette Schleimhaut damit in Kontakt steht. Durch die ständige Reizung wird die Durchblutung der Schleimhaut verringert und die Operationswunde kann dadurch nicht gut verheilen. Darüber hinaus sind auch Wundheilungsstörungen durch Rauchen infolge einer Operation am Weisheitszahn bekannt. Man sollte daher mit dem Rauchen solange warten, bis die Wunde ganz verheilt ist. Lebensmittel, wie Kaffee oder schwarzer Tee können ebenfalls zu Wundheilungsstörungen führen und sollten nach  einer Weisheitszahn-Operation für mehrere Tage vermieden werden.

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Nach dem Fäden-Ziehen

Falls es notwendig war, die Wunde zu vernähen, um die Wundränder so nah wie möglich aneinander zu führen, damit der Wundverschluss optimal stattfindet oder die Blutungsgefahr bei Patienten zu verringern, die Blutverdünner einnehmen. Dadurch heilt die Wunde zwar in manchen Fällen besser, allerdings gelten die Fäden auch als „Dreckfänger“: Speisereste und Bakterien können sich in den Fasern festsetzen, weshalb eine Entzündung der Wundränder als mögliche Komplikation stattfinden kann. Sofern die Fäden nach 7 bis 10 Tagen gezogen werden, kann die betroffene Region aufgrund von Bakterien entzündet sein, was zu Schmerzsymptomen führt. Die Wundheilung ist dadurch zeitlich verlängert. Durch Spülen mit einer Mundspülung, die Chlorhexidindigluconat enthält, klingen die Entzündungszeichen allerdings innerhalb von einer Woche wieder ab und das traumatisierte Gewebe heilt. Hält die Entzündung länger als eine Woche an, muss der behandelnde Zahnarzt aufgesucht werden.

Zusammenfassung

Die Entfernung der Weisheitszähne stellt in den meisten Fällen keinen komplizierten Eingriff dar, den man bei dem Zahnarzt seines Vertrauens durchführen lassen sollte. Schmerzen und Schwellungen sind während der Heilungsphase ganz normal, aber sollten sie nicht besser werden, kann sich eine Entzündung gebildet haben.
Diese lässt sich aber in den meisten Fällen dadurch vermeiden, wenn man die Tipps zum Verhalten nach der Operation befolgt und die Wunde somit keinem erhöhten Infektionsrisiko aussetzt. Das häufig verschriebene Antibiotikum verhindert auch die Entzündung. Nach ca. einer Woche ist das schlimmste überstanden und die unliebsamen 8er werden einem nie wieder so schnell Probleme bereiten können.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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