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Nierenabszess

Definition

Bei einem Nierenabszess handelt es sich um eine abgekapselte Ansammlung von Eiter zwischen der Nierenoberfläche und der sogenannten Gerota-Faszie. Dabei handelt es sich um eine Art Haut, welche die Niere umgibt. Diese Art des Nierenabszesses nennt man auch perinephritischer Abszess, da er sich um die Niere herum befindet. Von diesem perinephritischen Abszess unterscheidet man den paranephritischen Abszess. Dieser entsteht meist auf dem Boden eines perinephritisches Abszesses. Der Eiter bricht durch die Nierenkapsel durch und befindet sich im sogenannten Retroperitoneum, dem Raum hinter der Niere.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für die Entstehung eines Nierenabszesses.

  • Eine wichtige mögliche Ursache für einen Nierenabszess stellen renale, also die Niere betreffende, Infektionen dar. Eine solche Infektion bezeichnet man auch als Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Dabei handelt es sich um eine bakterielle, eitrige Infektion, die häufig durch nicht ausreichend behandelte Blasenentzündungen zustande kommen. Die Erreger können so den Harnleiter hinaufsteigen und das Nierenbecken mitinfizieren. Lesen hierzu auch unser Thema: Nierenbeckenentzündung
  • Auch ein Harnstau, also ein verminderter Abfluss des Harns, im Nierenbecken kann zu Infektionen und letztendlich auch zu Abszessen führen. Ein Harnstau kann viele Gründe, wie beispielsweise Abflussbehinderungen in den Harnleitern aufgrund von Tumoren, oder auch Lähmungen, haben.
  • Abgesehen von Infektionen sind auch Tumore in einigen Fällen für die Entstehung eines Nierenabszesses verantwortlich. In zerfallenem Tumorgewebe eines Nierentumors können sich Bakterien ansiedeln und somit auch einen Nierenabszess verursachen. Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Nierenkrebs

Besonders gefährdet für die Entstehung eines Nierenabszesses sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Drogenabhängige, Patienten auf der Intensivstation oder mit Dialysepflicht und Menschen mit Herzklappenfehlern und bakteriellen Infektionen der Herzklappen. All diese Dinge erhöhen das Risiko einer Ausbreitung von Bakterien in verschiedenen Organen, unter anderem eben auch in der Niere.    

Symptome

Typisch für einen Nierenabszess ist der sogenannte Flankenschmerz. Dabei handelt es sich um einen seitlichen, etwa bogenförmigen Schmerz, der etwas unterhalb des unteren Randes der Schulterblätter lokalisiert ist. Dieser Flankenschmerz kann äußerst stark sein und ist einseitig. Der Flankenschmerz kann weiterhin in den Bauch oder Rücken ausstrahlen. In dieser Lokalisation kann außerdem als Zeichen der Entzündung eine Hautrötung zu sehen sein. Ein großer Abszess lässt sich oft auch als Schwellung unter der Haut tasten. Typische Symptome sind darüber hinaus Fieber, eine allgemeine Abgeschlagenheit und Schüttelfrost. Die Ausscheidung von Urin kann stark vermindert oder sogar komplett eingeschränkt sein, beispielsweise aufgrund eines Harnstaus. Bei Komplikationen, wie einer Urosepsis oder eines Durchbruchs des Abszesses, kann es zu einem sehr akuten Krankheitsbild mit Organversagen und komatösen Zuständen kommen. Daher sollte ein Nierenabszess stets behandelt werden.  

Lesen Sie für weitere interessante Informationen unsere Themen: Schmerzen in der Nierengegend und Flankenschmerzen

Symptome an der Wirbelsäule

Nierenabszesse befinden sich in unmittelbarer Nähe zur Wirbelsäule und dem Rücken. Je nach Größe können sich sogar Schwellungen am Rücken gleich neben der Wirbelsäule verursachen. Durch den Druck auf umliegende Strukturen führen Nierenabszesse nicht selten zu ausstrahlenden Schmerzen an der Wirbelsäule. Anders als beispielsweise bei Bandscheibenvorfällen oder Ähnlichem zeichnen sich Nierenabszesse jedoch durch weitere Symptome aus, die typisch für eine Infektion sind. Dazu gehören unter anderem Fieber, allgemeine Abgeschlagenheit oder Übelkeit.  

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Diagnose

Die Diagnose eines Nierenabszesses kann mithilfe verschiedener Untersuchungen gestellt werden. Die Anamnese des Patienten und die Symptome geben bereits Hinweise auf die Erkrankung, die dann mit weiteren Untersuchungen bestätigt wird. Mithilfe des Ultraschalls kann man einen Nierenabszess häufig schon darstellen. Weitere bildgebende Verfahren, insbesondere das CT, sind wichtig, um den Verdacht zu bestätigen und andere Ursachen, wie Tumore auszuschließen. In der Blutuntersuchung fallen erhöhte Entzündungswerte, wie CRP, Procalcitonin und Leukozyten auf. Außerdem verschlechtern sich die sogenannten Retentionsparameter der Niere. Dabei handelt es sich um Harnstoff und Kreatinin. Die Werte steigen an, da die Niere diese Stoffe aufgrund des Abszesses nicht mehr gut ausscheiden kann und in ihrer Funktion eingeschränkt ist. In einer Urinprobe werden weiterhin Keime untersucht und Resistenzen der Bakterien bestimmt, damit eine passende Antibiotikatherapie gefunden werden kann.  

Sonographie

Die Sonographie, auch Ultraschall genannt, stellt ein einfaches und wichtiges diagnostisches Mittel dar, um einen Abszess zu identifizieren. In der Sonographie kann man eine sogenannte echoarme Raumforderung innerhalb der Nierenkapsel sehen. Als echoarm wird sie bezeichnet, da sie dunkler ist als das umliegende Gewebe. Echogene Strukturen sind hingegen weißer. Im Abszess können weißere Strukture, also echogenere Strukturen, zu sehen sein. Dabei handelt es sich um Lufteinschlüsse. Mit einer speziellen Untersuchung, der Doppler-Sonographie, lässt sich die Durchblutung darstellen. Dies ist zur Abgrenzung gegenüber einem Tumor sehr sinnvoll. Eine verstärkte Durchblutung ist nur am Rand des Abszesses zu sehen, wohingegen das Innere des Abszesses nicht durchblutet ist.

Therapie

Ein Nierenabszess wird stets konservativ mit einer Antibiotikatherapie behandelt. Die Antibiotika werden bei einem Nierenabszess über die Vene gegeben. Eine antibiotische Therapie kann beispielsweise mit Amoxicillin und Clavulansäure und Gentamicin oder mit sogenannten Cephalosporinen erfolgen. Die Antibiose wird dann je nach Erregerdiagnostik und Bestimmung von Resistenzen angepasst. Dabei wird bestimmt, auf welche Antibiotika die Erreger reagieren, sodass das richtige Antibiotikum ausgewählt werden kann. Je nach Verlauf der Therapie und Entfieberung des Betroffenen erfolgt eine antibiotische Therapie etwa 7 bis 14 Tage. Bei kleinen Abszessen mit einem Durchmesser unter 3cm reicht eine konservative Therapie in der Regel zur Behandlung aus. Begleitend werden fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente eingesetzt. Bei Übelkeit und Erbrechen können auch Antiemetika, also Medikamente gegen das Erbrechen, verabreicht werden. Größere Abszesse hingegen müssen auch interventionell oder chirurgisch behandelt werden, da eine konservative Therapie alleine nicht ausreichend ist.        

Weitere interessante Informationen finden Sie unter: Heilung eines Abszesses - Darauf sollten Sie achten!

Operation

Nierenabszesse die in ihrem Durchmesser größer als 3 cm sind, müssen interventionell behandelt oder operiert werden. Bei Abszessen zwischen 3 und 5 cm reicht meist eine sogenannte perkutane, retroperitoneale Drainage des Abszesses kombiniert mit einer Antibiotikatherapie aus. Bei dieser Behandlung wird der Abszess punktiert und mit einem Schlauch nach außen entleert. Die Punktion erfolgt dabei von außen durch die Haut in das Gewebe und kann in lokaler Betäubung durchgeführt werden. Eine Probe des entleerten Eiters wird stets in die die Mikrobiologie eingesendet zur Erregerdiagnostik. Abszesse mit einer Größe über 5 cm können mehrere Punktionen oder gar ein offen chirurgisches Vorgehen erfordern. Dabei wird der Abszess operativ in Narkose entfernt. Bei einem sehr großen Abszess und einem ausgedehnten Nierenschaden kann sogar die Entfernung der Niere erforderlich sein, um das Entzündungsgeschehen zu beenden.

Lesen Sie auch unser Thema: OP eines Abszesses

Dauer eines Nierenabszesses

Die Dauer eines Nierenabszesses unterscheidet sich von Patient zu Patient. Meist entwickeln sich Abszesse der Niere eher subakut, also über mehrere Tage bis Wochen hinweg, und nicht von einem Moment auf den Nächsten. Häufig entstehen sie bei vorbestehenden Erkrankungen der Niere und Infektionen. Die Behandlungsdauer eines Nierenabszesses umfasst in der Regel 2 bis 3 Wochen, die auch eine stationäre Therapie häufig erforderlich machen. Bei Komplikationen, wie einer Urosepsis, kann die Behandlung mehrere Wochen andauern.

Abszess im Bauch

Eine gefürchtete Komplikation des Nierenabszesses ist ein Durchbruch durch die sogenannte Gerota-Faszie. Diese Art Kapsel umgrenzt die Niere und trennt sie vom Retroperitonealraum, einem Raum im Körper, der verschiedene Organe, wie die Niere, die Bauchspeicheldrüse und Teile des Darms enthält. Bei einer Entleerung des Eiters in diesen Raum kann es zu Entzündungsreaktionen und einer Blutvergiftung (Sepsis)  kommen. Eine antibiotische Therapie und häufig auch eine operative Entfernung des Abszesses sind in diesem Falle unbedingt notwendig.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Abszess in und am Bauch - Wie gefährlich ist das?

Weitere Informationen

Weitere interessante Informationen zum Thema finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.07.2020
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