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Abszess im und am Bauch - Wie gefährlich ist das?

Einleitung

Von allen Abszessen sind die intraabdominellen Abszesse, also Abszesse, die sich im Bauchraum bilden, mit am häufigsten. Je nach Lage der Abszesshöhle unterscheidet man subphrenische Abszesse, die kurz unterhalb des Zwerchfells liegen, von subhepatischen Abszessen, die kurz unterhalb der Leber zu finden sind. Des Weiteren unterscheidet man noch sogenannte Schlingenabszesse, die sich im Dünndarm bilden.

Abszesse, die direkt neben dem Dickdarm liegen würde man als parakolisch oder retrokolisch (wenn sie hinter dem Darm liegen) bezeichnen. Im Grunde kann außerdem jedes Organ des Bauchraumes einen Abszess bilden. So kann man des öfteren Leber, Milz und Pankreasabszesse finden.

Weitere Informationen zum Thema Abszess am Bauch finden Sie im Hauptartikel Abszess.

Ist ein Abszess am Bauch gefährlich?

Ein Abszess ist per definitionem eine abgekapselte Eiteransammlung. Solange der Eiter in dieser Kapsel im wahrsten Sinne des Wortes von seiner Umgebung "abgekapselt" ist, ist er nicht weiter gefährlich. Es seie denn, die Eiterbeule drückt lebenswichtige Strukturen, wie die großen Bauchgefäße, ab. 
Allerdings besteht bei einem Abszess im Bauch die Gefahr, dass es platzt und der Eiter frei in den Bauchraum gelangt und mit dem Eiter die Erreger. Dies kann zu einer Entzündungsreaktion im Bauch mit einer sich anschließenden Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Im schlimmsten Fall treten die Erreger ins Blut über und es kommt zu einer "Blutvergiftung" (Sepsis). 

Ursache für ein Abszess am Bauch

Die Ursache intraabdomineller Abszesse sind in vielen Fällen Spätkomplikationen nach Operationen. Überall, wo hineingeschnitten, genäht oder injiziert wird, können neben Luft auch Bakterien (trotz steriler Umgebung) in das Operationsfeld gelangen.

Siedeln sich die Bakterien in Weichteilgewebe ab, kann es zur Flüssigkeitsbildung kommen. Des Weiteren kann es durch vermehrte Granulozyteneinwanderung aufgrund der vermehrten Bakterien an dieser Stelle zu einer Eiterbildung kommen, die dann eine Abszesshöhle ausfüllt. Abszesse können aber auch nach seiner Entstehung zu Verwachsungen und dann zu Beschwerden (z.B. eine Darmverschlingung) führen.

Symptome bei einem Bauchabszess

In vielen Fällen, besonders bei großen Abszessen kommt es aber durch die vermehrte Immunreaktion zu einer Allgemeinzustandsverschlechterung mit Schüttelfrost und Fieber.

Die Schwierigkeit liegt darin die Ursache der Allgemeinzustandsverschlechterung in einer bislang unbekannten Abszessbildung zu suchen. Besonders nach Operationen mit folgender Fieberentwicklung muss neben einer Wundinfektion auch immer an eine Abszessbildung gedacht werden.

Auch können Abszesse wiederholt auftreten, daher wird empfohlen auch im Alltag Abszessen vorzubeugen. Wie Sie Abszessen vorbeugen können, erfahren Sie hier: Wie kann man einem Abszess am besten vorbeugen?

Diagnose eines Abszess am Bauch

Zunächst wird meistens durch eine Blutuntersuchung die Art der Entzündung detektiert. So spricht ein erhöhter CRP und Leukozytenwert aber auch ein erhöhter Procalcitoninwert für ein bakterielles Geschehen. Manchmal geben die Patienten auch an der Lokalisation des Abszess` Schmerzen an. Ein Ultraschall kann einen Abszess sichtbar machen. Liegt die Stelle so verdeckt oder ist der Abszessherd so klein, dass dieser mit einem Ultraschall nicht gesehen werden kann, kann eine Computertomographie eine Diagnose bringen.

Behandlung des Abszess am Bauch

Bei größeren Abszessen oder bei schlechtem Allgemeinzustand des Patienten erfolgt die Behandlung meistens chirurgisch. Je nach dem, wo der Abszess lokalisiert ist, wird meistens mit einem Messer, die Abszessmembran gespalten und die Flüssigkeit in der Abszesshöhle abgelassen oder abgesaugt. Danach erfolgt die sterile Wundspülung und schließlich der Verschluss.

Jeder Abszess kann sich erneut auch an gleicher Stelle bilden und muss gegebenenfalls erneut chirurgisch saniert werden. Nach der Operation wird dann meistens ein Antibiotikum dem Patienten über mehrere Tage gegeben. Kleinere Abszesse, die meistens durch Zufallsuntersuchungen gesichtet werden können, müssen oft nicht operativ sondern rein antibiotisch behandelt werden.

Mehr zum Thema: OP eines Abszesses.

Leberabszess

Bei einem Leberabszess kommt es zu einer Eiteransammlung in der Leber. Der Eiter entsteht meist in Folge einer Gallenwegentzündung (Cholangitis) oder durch die Anschwemmung von Bakterien über das Blut in die Leber.

In selteneren Fällen kann der Leberabszess auch durch Pilze oder Amöben hervorgerufen werden. Die Symptome des Leberabszesses sind relativ unspezifisch. Es kann zu rechtseitigen Oberbauchschmerzen und Fieber kommen. Zudem können sich Betroffene sehr schwach fühlen. Zur Diagnosefindung sollte unbedingt eine Blutentnahme erfolgen, bei der die Entzündungsparameter und Leberwerte untersucht werden. Zusätzlich sollte das Blut auf Bakterien untersucht werden (Blutkultur). Die Ultraschalluntersuchung der Leber kann einen Leberabszess darstellen.

Liefert die Ultraschalluntersuchung keinen eindeutigen Befund, sollte eine CT-Untersuchung erfolgen. Therapeutisch sollte eine antibiotische Therapie angeordnet und eine Entfernung des Abszesses angestrebt werden. Um den Abszess zu entfernen, wird zuerst eine Drainage über die Haut in den Abszess eingelegt. Das Einlegen der Drainage erfolgt CT-gesteuert. Ist die Therapie mittels Drainage nicht erfolgreich oder nicht möglich, muss der Abszess operativ entfernt werden.

Lesen Sie hier alles rund um das Thema: Leberabszess

Milzabszess

Ein Milzabszess wird auch als intralienaler Abszess bezeichnet. Milzabszesse treten generell sehr selten auf. Es handelt sich hierbei um eine Eiteransammlung in der Milz, die in den meisten Fällen durch eine systemische Infektion (Sepsis) hervorgerufen wird.

Zumeist verursacht eine Entzündung der Herzklappen (Endokarditis) diese systemische Infektion, die dann den Milzabszess auslöst. Die Entzündung kann durch Bakterien oder Pilze entstehen. Teilweise kommt es auch nach einem Milzinfarkt (Milzgewebe wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt und stirbt ab) oder nach einer Verletzung der Milz zu einer Eiteransammlung.

Wichtig ist, dass ein Milzabszess erkannt wird, da es durch den Abszess zu einer Gewebeschwellung und somit zu einem Einriss der Kapsel, die die Milz umgibt, kommen kann. Da die Milz stark durchblutet ist, kann der Kapselriss zu einer lebensgefährlichen Blutung führen.

Neben Fieber und Abgeschlagenheit kommt es typischerweise zu linksseitigen Oberbauchschmerzen. Diagnostisch erfolgt eine Blut- und Ultraschalluntersuchung. Gibt der Ultraschall keinen Aufschluss, kann eine CT- oder MRT-Bildgebung weiterhelfen. Die Therapie schließt eine antibiotische Therapie sowie eine Abszessentfernung mittels Drainageneinlage über die Haut oder Operation ein.

Informieren Sie sich hier zum Thema: Milzabszess

Nierenabszess

Ein Nierenabszess, auch perinephritischer Abszess genannt, bezeichnet eine Eiteransammlung zwischen Nierengewebe und der die Niere umgebene bindegewebige Hülle (Gerota-Faszie). Ein Nierenabszess kann durch eine Nierenentzündung entstehen oder auch durch ein tumoröses Geschehen ausgelöst werden.

Hierbei zerfällt das von Krebszellen befallene Nierengewebe und infiziert sich. Patienten, die auf der Intensivstation liegen, wegen Niereninsuffizienz eine Dialysetherapie erhalten, ein geschwächtes Immunsystem oder Herzklappenerkrankungen haben, haben ein erhöhtes Risiko für einen durch Staphylokokken ausgelösten Nierenabszess.

Auch Menschen, die intravenösen Drogenmissbrauch betreiben, haben ein erhöhtes Risiko für einen Nierenabszess. Ein Nierenabszess fällt neben Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit durch Flankenschmerzen, die in den Bauch oder Rücken ausstrahlen können, auf.

Zusätzlich kann es zu einem tastbaren Knoten unter der Haut kommen. Die Haut kann an dieser Stelle zudem gerötet sein. Diagnostisch erfolgt neben einer Anamnese und körperlichen Untersuchung eine Blutuntersuchung. Hierbei werden Entzündungswerte wie CRP oder Procalcitonin untersucht. Zusätzlich sollten die Nierenwerte beobachtet werden, um eine Einschränkung der Nierenfunktion frühzeitig zu erkennen.
Der Urin sollte ebenfalls auf Bakterien untersucht werden. Eine Ultraschall- oder CT-Untersuchung können den Abszess bildlich darstellen. Neben einer Antibiotikatherapie ist es wichtig den Abszess zu entfernen. Hierbei wird zuerst eine Drainage über die Haut eingelegt. Ist dies erfolglos, wird eine operative Entfernung nötig.

Lesen Sie hier zum Thema: Nierenabszess

Wenn der Abszess geplatzt ist

Bei einem Abszess im Bauch handelt es sich um eine abgekapselte Eiteransammlung.
Das im Abszess enthaltene Material enthält neben Zellen des menschlichen Immunsystems, abgestorbenen Zellen und Überresten abgestorbenen Gewebes auch eine hohe Konzentration an Bakterien.

Platzt der Abszess, kommt es zu einer Verteilung der Erreger im Bauchraum und zu einer mitunter lebensbedrohlichen Entzündung des Bauchfells.
Das Bauchfell ist eine glatte Schicht, die innerhalb der Bauchhöhle die Organe umschließt.
Bei einer Bauchfellentzündung kommt es zu heftigen Bauchschmerzen, einer Abschwächung der Darmtätigkeit und einer starken Anspannung der Bauchdeckenmuskulatur bei Berührung.

Der Allgemeinzustand des Patienten kann sich rapide verschlechtern, Atmung und Kreislauf können zunehmend beeinträchtigt werden.
Wird eine Bauchfellentzündung nicht rechtzeitig behandelt, droht eine Einschwemmung von Bakterien in die Blutbahn. Die Folge ist eine Blutvergiftung.

Platzt ein Abszess im Bauchraum muss eine Operation in Vollnarkose durchgeführt werden.
Über einen Schnitt in der Bauchdecke werden Eiter und Sekrete abgesaugt, Überreste der Abszesshöhle werden aufgespürt und saniert.
Die Bauchhöhle wird mehrfach gespült, wobei die Spülflüssigkeit in der Regel mit Antibiotika oder keimabtötenden Substanzen versetzt ist.
Um nach der Operation anfallendes Wundsekret abzuleiten, werden Drainageschläuche gelegt und für einige Tage belassen.

Die Prognose hängt von der Ausdehnung der Erkrankung ab. Sie fällt besser aus, je früher die Behandlung eingeleitet wird, sodass bei den ersten Anzeichen für einen geplatzten Abszess im Bauchraum ein intensivmedizinisches Vorgehen im Vordergrund steht.

Ein Bauchabszess in der Schwangerschaft

Bei Schwangeren gibt es viele Besonderheiten, die im Rahmen von Diagnostik und Therapie bei Abszessen in der Bauchhöhle beachtet werden müssen.

Prinzipiell gilt, dass sowohl die Gesundheit der Schwangeren als auch die des ungeborenen Kindes ernstzunehmenden Gefahren ausgesetzt sind.

Schon bei der Erkennung eines Abszesses im Bauch treten die ersten Schwierigkeiten auf.
Vielfach maskieren schwangerschaftstypische Beschwerden die Symptome der eigentlichen Erkrankung und erschweren Anamneseerhebung und körperliche Untersuchung.

Auch die Labordiagnostik ist problematisch.
Ein Abszess im Bauch beruht in der Regel auf einer bakteriellen Infektion, die sich durch den Anstieg der Zahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut bemerkbar macht.
Im Laufe der Schwangerschaft ist jedoch gerade dieser Wert auch bei der gesunden Frau erhöht, weshalb die Aussagekraft einer entsprechenden Laboruntersuchung sinkt.

Bei der Schwangeren ist zudem die Konzentration der Stresshormone (Glukokortikoide) im Blut erhöht. Diese Stoffe können im Falle von Infektionen die schützende Reaktion des umliegenden Gewebes unterdrücken und zu einer Linderung der Schmerzsymptomatik beitragen. In der Schwangerschaft kann es deshalb sein, dass ein Abszess im Bauch erst sehr spät von der Betroffenen bemerkt wird.
Bei Infektionen im Bauchraum reagiert die kräftige Bauchdeckenmuskulatur im Normalfall mit heftiger Anspannung. Der Arzt kann so über Prüfung der Muskelspannung Hinweise auf eine ernsthafte Erkrankung erhalten. Bei Schwangeren ist jedoch der Grad der Anspannung der Bauchdeckenmuskulatur von vornherein reduziert und eine Infektion, die sich in der Bauchhöhle ausbreitet, muss nicht von einer gespannten Bauchdecke begleitet sein.

Bei der Therapie ist zu bedenken, dass jeder operative Eingriff eine Wehentätigkeit einleiten kann. Der Arzt muss abhängig von er Reife des ungeborenen Kindes entscheiden, ob eine Tokolyse (Hemmung der Wehentätigkeit) oder eine Entbindung mittels Kaiserschnitt angebracht ist.
Bei einem Abszess im Bauch kann eine Behandlung mit Antibiotika notwendig werden. Hier gilt es eine sorgfältige Auswahl der Antibiotika zu treffen, um die Gesundheit des Kindes nicht zu beeinträchtigen.
Die sogenannten Tetrazykline dürfen während der gesamten Schwangerschaft nicht eingesetzt werden. Das ansonsten bei bakteriellen Infektionen im Bauchraum gerne verwendete Metronidazol sollte im ersten Trimenon nicht verwendet werden.
Die Prognose für das Kind hängt von dessen Reife und vom auftreten etwaiger Komplikationen ab. Kommt es bei einem Abszess im Bauch zu einem Übertritt der Erreger ins Blut oder zu einer Minderversorgung des Mutterkuchens, ist das Leben des ungeborenen Kindes ernsthaft gefährdet.
Unter den Abszesserkrankungen in der Schwangerschaft ist der sogenannte perityphlitische Abszess erwähnenswert. Hierbei handelt es sich um eine abgekapselte Eiteransammlung, die sich bei einer Blinddarmentzündung auf Grundlage eines perforierten Wurmfortsatzes bilden kann. Bei der Frau kann sich dieser Abszess bis in den Douglas-Raum, einer taschenförmigen Höhle zwischen Rektum und Gebärmutter, absenken, die im weiblichen Organismus den tiefsten Punkt der Bauchhöhle darstellt.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Abszess am Bauch finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 21.03.2019
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