Gallenblasenentzündung

Synonyme im weiteren Sinne

Cholezystitis, Galle, Gallenblase, Gallensteine, Cholelithiasis, Cholangitis, Pankreatitis

Definition und Einleitung

Bei der Gallenblasenentzündung/ Cholelzystitis handelt es sich um eine Entzündung der Gallenblase.
Dabei gilt das Gallensteinleiden als häufigste Krankheitsursache. Setzen sich Gallensteine in Bewegung, bleiben sie oft an Engstellen hängen und führen zu Symptomen wie Schmerzen, Sekretstau und Entzündungen.

Therapie der Wahl ist bei einer Gallenblasenentzündung die operative minimal invasive Entfernung der Gallenblase. In den Industrieländern gelten Gallensteine als Folge des Wohlstandes mit Fehlernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel und auch Stress. Für eine genetische Beteiligung spricht aber die unterschiedliche Häufigkeit in verschiedenen Ethnien und ein gehäuftes familiäres Auftreten.

Einteilung des Gallenblasenentzündung

  • akut
  • chronisch
  • akalkulös (steinlos)

Abbildung Gallenblase

Abbildung Gallenblase und große Gallengänge, z. T. aufgeschnitten , Ansicht von vorn oben
  1. Gallenblasenkörper -
    Corpus vesicae biliaris
  2. Rechter Lebergallengang -
    Ductus hepaticus dexter
  3. Linker Lebergallengang -
    Ductus hepaticus sinister
  4. Gallenblasengang -
    Ductus cysticus
  5. Gallenblasenhals -
    Collum vesicae biliaris
  6. Schleimhaut -Tunica musoca
  7. Gemeinsamer
    Lebergallengang -
    Ductus hepaticus communis
  8. Hauptgallengang -
    Ductus choledochus
  9. Bauchspeichelgang -
    Ductus pancreaticus
  10. Erweiterung des vereinigten Ausführungsgangs - Ampula hepatopancreatica
  11. Große Zwölffingerdarmpapille - Papilla duodeni major
  12. Zwölffingerdarm Absteigender Teil - Duodenum, Pars descendens
  13. Leber, Zwerchfellseite - Hepar, Facies diaphragmatica
  14. Bauchspeicheldrüse - Pancreas

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Ursachen

Die Ursachen einer akuten Gallenblasenentzündung können verschieden sein. Jedoch handelt es sich in 95% der Fälle um ein Gallensteinleiden (Cholezystolithiasis). Durch eine Verlegung (Obstruktion) des Gallenblasengangs (Ductus cysticus) durch Gallensteine, kommt es neben einem Aufstau des Gallensaftes zur Verletzung der Schleimhaut des Ganges und so zu einer Entzündungsreaktion. In der Hälfte der Fälle bedingen Erreger wie E. coli, Enterokokken, Salmonellen, Klebsillien, Clostridien u.a. eine bakterielle Sekundärinfektion.

Eine andere Form der Gallenblasenentzündung bezeichnet die steinlose (akalkulöse) Cholezystitis. Ursachen dafür können Verbrennungen, Polytrauma/Schock oder eine gestörte Blutzufuhr durch Gefäßerkrankungen (z.B. Polyarteriitis nodosa, eine Autoimmonerkrankung) sein. Dabei kommt es zu einem funktionellen Verschluss des Gallengangs und so zu Gallenstau und Eindickung.

Eine chronische Entzündung resultiert in den meisten Fällen aus sich wiederholenden, immer wieder auftretenden akuten Gallenblasenentzündungen.

Sehr selten wird eine Gallenblasenentzündung durch giftige Substanzen bzw. Medikamente oder zu große Mahlzeiten verursacht.

Epidemiologie/ Häufigkeitsverteilung

Die häufigste Ursache einer Gallenblasenentzündung ist ein Steinleiden (siehe auch: Gallensteine). Beide Geschlechter sind betroffen, doch Frauen erkranken etwa doppelt so häufig an Gallensteine wie Männer. Deshalb liegt auch die Rate der Entzündungen bei den Frauen höher. Gallenblasenentzündungen können in allen Altersgruppen auftreten. Etwa 10 – 15 % der erwachsenen Bevölkerung leidet, meist viele Jahre symptomlos, an Gallensteinen. Industrieländer zeigen eine hohe Erkrankungsquote. Einige Indianergruppen leiden sogar noch häufiger daran, Afroamerikaner, Ostasiaten und Südafrikaner dagegen eher seltener. Dies spricht für eine genetische Komponente bei der Entwicklung von Gallensteinen und damit der Gallenblasenentzündungen.

Symptome der Gallenblasenentzündung

Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen:

Eine akute Gallenblasenentzündung äußert sich zunächst in starken Dauerschmerzen im rechten Oberbauch, die oft in die Schulter ausstrahlen. Begleitet werden die Schmerzen häufig von Übelkeit und Brechreiz.

Fieber:

Persistierendes Fieber über 24 Stunden und eine Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel sind weitere Symptome einer Gallenblasenentzündung. Gemieden werden dabei häufig Nahrungsmittel, die eher fettig sind und/oder die Gallenproduktion fördern würden (z.B. Kaffee).

Gelbfärbung:

Nicht selten zeigen die Betroffenen mit einer Gallenblasenentzündung eine Gelbfärbung der Haut (posthepatischer Ikterus). Da ein Abfluss des Gallensaftes nicht möglich ist, können bestimmte Stoffe, die normalerweise mit der Galle über den Darm ausgeschieden werden, nicht mehr abfließen. Bilirubin, ein Abbauprodukt des in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) befindlichen Blutfarbstoffes und Sauerstoffstransporters Hämoglobin, kann nicht mehr ordnungsgemäß vom Blut über die Leber und Galle in den Darm entsorgt werden. Zunächst zeigen sich nur erhöhte Blutwerte (Hyperbilirubinämie). Wird eine kritische Schwelle der Konzentration überschritten, tritt das Bilirubin aus den Blutgefäßen aus und lagert sich in das Gewebe ein, was an der Körperoberfläche oder in der Lederhaut (Sklera) der Augen als Gelbfärbung erscheint. Auch der Urin ist bräunlich verfärbt. Der Stuhl ist dagegen entfärbt, weil die Ausscheidung über den Darm fehlt. Zudem kommt es zu Fettstühlen (Steatorrhoe). Fettstühle entstehen, wenn aufgrund fehlender Emulgierung der Nahrungsfette durch das Gallensekret diese im Dünndarm nicht resorbiert werden können und so die Fette über den Darm wieder ausgeschieden werden müssen.

Chronische Gallenblasenentzündung:

Dagegen zeigt eine chronische Entzündung der Gallenblase eher unspezifische Beschwerden wie Unwohlsein oder Verdauungsstörungen wie Blähungen und Übelkeit. Wiederholte Gallenkoliken, wenn Gallensteine wandern, sind nicht selten.

Prophylaxe

Gallensteinleiden werden, da sie häufig viele Jahre ohne Symptome bleiben, oft nur zufällig entdeckt. Auch bei einem symptomlosen Gallensteinleiden kann eine minimal invasive Entfernung der Gallenblase zur Prophylaxe von Koliken und Entzündungen erfolgen. Diese Variante ist zu überlegen, denn oftmals verursachen diese Steine früher oder später Probleme. Da die Gallenblase kein lebenswichtiges Organ ist, kann der Körper auch ohne sie auskommen. Die Risiken einer minimal invasiven Cholezystektomie werden als niedrig eingeschätzt.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.01.2017
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