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Leberfibrose

Definition

Unter einer Fibrose versteht man im Allgemeinen einen zunehmenden Gehalt an Bindegewebe in einem bestimmten Organ. Im Fall der Leber wird das gesunde, funktionelle Lebergewebe in Folge verschiedenster Vorerkrankungen durch kollagenes Bindegewebe ersetzt. Dieser Vorgang ist in der Regel irreversibel, das heißt, verloren gegangenes Lebergewebe kann nach einer Fibrosierung nicht wieder regeneriert werden.

Bei einer hochgradigen Leberfibrose spricht man auch von einer Leberzirrhose.

Klassifikation

Um den Grad einer Leberfibrose bestimmen zu können, muss zunächst eine Biopsie gemacht werden. Hierzu wird unter Lokalbetäubung eine dünne Nadel in die Leber eingeführt und eine Gewebsstanze entnommen.
Diese wird anschließend pathologisch behandelt und untersucht.

Abhängig vom Ausmaß der Fibrosierung wird die Krankheit in verschiedene Stadien eingeteilt. Ein gängiges Verfahren ist die Einteilung nach Desmet. Hierbei werden 5 Stufen von F0 bis F4 unterschieden. F0 bedeutet, dass keine bindegewebige Faservermehrung stattgefunden hat. Bei F4 spricht man bereits von einer weit fortgeschrittenen Leberfibrose oder gar von einer Zirrhose. Je höher der Score, desto schlechter ist die Prognose des Patienten.

Ursache

Die Leberfibrose ist kein eigenständiges Krankheitsbild. Es handelt sich dabei viel mehr um ein Symptom, welches durch verschiedene Vorerkrankungen hervorgerufen wird. Im Folgenden sollen die häufigsten Ursachen der Leberfibrose näher betrachtet werden.

Am häufigsten kommt es in Industrieländern durch übermäßigen Alkoholkonsum zu einer Leberfibrose. In der Leber wird der Alkohol abgebaut und schließlich in anderer Form über den Urin ausgeschieden. Bei dauerhafter Belastung der Leber durch aufgenommenen Trinkalkohol tritt aufgrund biochemischer Vorgänge das Phänomen der Fettleber auf.

Im Allgemeinen spricht man von einer Fettleber, wenn bei mehr als 50% der Leberzellen eine Fetteinlagerung im histologischen Schnitt gefunden werden kann. In frühen Stadien kann die Fettleber noch reversibel sein, zum Beispiel durch eine angepasste Ernährung bei Fettleber. Im späten Stadium bilden sich vermehrt Bindegewebe produzierende Zellen (Fibroblasten), welche letztlich eine Leberfibrose verursachen. Dieser Vorgang ist dann irreversibel.

Neben Alkohol können auch Medikamente in hohen Dosen zu einer Fettleber führen. Ein Beispiel wäre der übermäßige Konsum von Steroidhormonen. Eine Fettleber kann darüber hinaus noch durch Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus) oder einem starken Übergewicht (Adipositas) bedingt sein.

Nach der Fettleber ist die Virushepatitis die zweithäufigste Ursache der Leberfibrose in Industrieländern, in Entwicklungsländern sogar die häufigste. Diese geht meisten von den Viren aus, die eine chronische Hepatitis auslösen. Dazu gehören die Formen B und C. Hepatitis bedeutet, dass das Lebergewebe entzündet ist, sich also eine Immunreaktion im Organ abspielt. Diese ist schädlich für gesundes Gewebe, aber eine Maßnahme unseres Körpers, sich vor unerwünschten Eindringlingen zu schützen.
Bei einer chronischen Hepatitis, also einer Leberentzündung die länger als 6 Monate dauert, ist das Gewebe über einen großen Zeitraum enormen Stress ausgesetzt. Als Reaktion werden die normalen Leberzellen durch Fibroblasten ersetzt, welche Bindegewebe bilden und so zu einer Leberfibrose führen. Bei langjähriger Entzündung und Fibrosierung kann durch eine Virushepatitis auch eine Leberzirrhose entstehen.

Eine weitere Ursache der Leberfibrose ist die sogenannte Stauungshepatitis. Bei ihr kommt es durch eine Blutstauung in Gefäßen der Leber zu einer Entzündungsreaktion. Ursachen einer solchen Blutstauung kann eine Rechtsherzinsuffizienz sein. Das bedeutet, dass das rechte Herz nicht mehr in der Lage ist, normale Blutmengen ordentlich zu pumpen. Somit staut sich das Blut in vorgeschaltete Organe, wie der Leber, zurück und führt zu Schädigungen. Die Stauung bedeutet Stress für die Leberzellen und es kommt zu einer Inflammation, das heißt einer Entzündung. Wie bei der Virushepatitis beschrieben, bedeutet das eine gesteigerte Bildung von Fibroblasten die letztlich zu einer Leberfibrose führen.

Erfahren Sie mehr unter: Stauungsleber

Nicht nur eine Blutstauung, sondern auch eine Abflussbehinderung der Galle kann Auslöser einer Leberfibrose sein. Man spricht bei diesem Krankheitsbild im Allgemeinen von einer sogenannten Cholestase. Ursache einer Cholestase können Gallensteine oder Entzündungen sein. Ein prominentes Beispiel hierfür wäre die primär sklerosierende Cholangitis. Auch dieses Krankheitsbild bedeutet Stress für Leberzellen, welche mit einer Fibrosierung antworten.

Oft angeboren ist die sogenannte Autoimmunhepatitis. Dabei bildet der Körper selbst Antikörper gegen Leberzellen. Daraufhin kommt es in Folge einer Immunreaktion zu einer Entzündung der Leber, die häufig einen chronischen Verlauf nimmt. Die Autoimmunhepatitis ist in vielen Fällen mit anderen Autoimmunerkrankungen assoziiert, kann aber auch alleine auftreten.

Dies war nur eine Auswahl an Krankheiten, die eine Leberfibrose verursachen. Allgemein ist zu sagen, dass die Fibrosierung immer eine Antwort auf Stress für die Leberzellen ist, sei es durch ein Toxin wie beispielsweise Alkohol, oder durch eine Hepatitis, wie sie bei einer Hepatitisvirusinfektion der Fall ist.

Symptome

Grundsätzlich ist zu sagen, dass es keine Symptome gibt die charakteristisch für eine Leberfibrose sind. Häufig verläuft sie sogar symptomlos, da das Krankheitsstadium der Leberfibrose nicht weit fortgeschritten ist. Erst ab einer Zirrhose treten sicher Symptome auf, die auf ein Leberleiden schließen lassen.

Zu den anfänglichen, untypischen Symptomen einer Lebererkrankung zählen Abgeschlagenheit und Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, Verdauungsbeschwerden und eine Alkoholunverträglichkeit, Gerinnungsstörungen beispielsweise in Form von häufigem Zahnfleischbluten etc.

Bei den bis jetzt genannten Symptomen denkt der Arzt nicht direkt an eine Leberfibrose. Dies liegt daran, dass sie sehr unspezifisch sind und auch für eine Menge anderer Erkrankungen sprechen können. Erst bei fortgeschrittenen Stadien der Fettleber bzw. der Leberfibrose treten eindeutigere Symptome auf.

Das wohl auffallendste Merkmal einer Lebererkrankung ist die Gelbsucht (Ikterus). Die Haut und die Augen der Patienten mit einem Ikterus nehmen eine gelbe Farbe an. Diese entsteht dadurch, dass ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, das Bilirubin, nicht mehr ordnungsgemäß ausgeschieden werden kann. Somit reichert sich das Bilirubin im Blut an und färbt die Haut gelb. Gleichzeitig wird der Stuhl der Patienten heller bis sogar weißlich, da der braune Farbstoff Bilirubin nicht mit dem Kot den Körper verlässt. Beim gesunden Patienten ist das Bilirubin für die braune Farbe des Stuhl verantwortlich.

Bei wenigen Patienten äußert sich eine fortgeschrittene Leberfibrose durch einen Juckreiz am ganzen Körper. Dieses Symptom nennt man auch Pruritus. Die genaue Ursache des Pruritus ist nicht klar. Genauso unklar ist es, warum er bei manchen Leberzirrhosen nicht vorkommt, aber schon bei geringgradigen Leberfibrosen.

Im fortgeschrittenen Stadium der Leberfibrose oder der Leberzirrhose können bei Patienten charakteristische Hautzeichnungen beobachtet werden. Zu den Gefäßzeichnungen gehören sogenannte Spider naevi, der Caput medusae und manchmal auch Petechien. Außerdem kann sich bei männlichen Patienten eine Gynäkomastie und eine Bauchglatze ausbilden.

Diagnose

Mittel der Wahl zur Diagnose ist der Ultraschall. Er bietet eine nicht-invasive und schmerzfreie Methode zur Untersuchung des Leberstatus. Häufig wird die Fibrosierung der Leber leider spät erkannt, da sich in der Regel erst spät Symptome zeigen, die den Patienten dazu bewegen einen Arzt aufzusuchen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Ultraschall des Bauches

Eine weitere diagnostische Methode ist die Blutanalyse. Erhöhte Leberenzyme und Kollagen IV können ein Hinweis auf eine Leberfibrose sein. Die Blutuntersuchung macht allerdings erst im weiter fortgeschrittenen Stadium Sinn. Die definitive Diagnosestellung einer Leberfibrose geschieht heute in der Regel noch durch eine Punktion. Dabei wird Lebergewebe entnommen und unter einem Mikroskop untersucht. Mit einer speziellen Färbung für bindegewebige Fasern lässt sich so der Grad der Fibrose bestimmen.
Weitere Informationen hierzu finden Sie auch auf unserer Seite Leberwerte, Bilirubin

Eine etwas neuere Methode ist der sogenannte Fibroscan. Dabei werden mit einem Schallkopf bestimmte Wellen abgestrahlt, die mit dem Bindegewebe der Leber interagieren. Das kann nun gemessen werden um somit eine Fibrosierung der Leber festzustellen.

In Zweifelsfällen kann versucht werden durch ein MRT der Leber, weitere Informationen zu gewinnen.
Mehr erfahren Sie unter unserem Thema: MRT der Leber

Therapie

Der Vorgang der Fibrosierung der Leber ist irreversibel und somit direkt nicht behandelbar. Ist das Lebergewebe erst von Bindegewebe durchsetzt, so kann seine volle Funktion ein Leben lang nicht mehr erreicht werden. Deshalb ist es besonders wichtig die Erkrankungen früh zu erkennen, um zeitig eingreifen zu können. Im Vordergrund der Therapie steht dabei die Behandlung der ursächlichen Krankheit. Bekanntermaßen können der Leberfibrose zahlreiche Erkrankungen voraus gehen, die unterschiedlich behandelt werden müssen. Somit liegt es beim Arzt, das Problem schnell zu diagnostizieren und zu therapieren, um eine Fibrosierung der Leber zu verhindern.

Bei fortgeschrittenen Fibrosen und Zirrhosen werden die Patienten in der Regel nur noch symptomatisch behandelt. Zum Beispiel kann bei einer Verlegung der Gallengänge eine Papillotomie eine Besserung bewirken. Eine Ernährungsumstellung und ausreichend Bewegung sind Pflicht, um den Körper fit zu halten. In ausgewählten Fällen kann eine Transplantation zur Therapie durchgeführt werden.

Weiterführende Informationen

Weitere interessante Informationen finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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