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Stauungsleber

Definition

Bei einer Stauungsleber staut sich das Blut in die Leber zurück, weil es nicht mehr über die Lebervenen abfließen kann. Ursache für eine Stauungsleber ist ein schwaches rechtes Herz (Herzinsuffizienz). Das Herz schafft es nicht mehr das Blut von der Leber weiter in die Lunge zu pumpen. Das Blut staut sich in die Leber zurück. Dies verändert das Lebergewebe deutlich. Die Leberzellen sterben ab und es entwickelt sich eine Leberzirrhose, die zum Leberversagen führen kann. 

Ursachen der Stauungsleber

Eine Stauungsleber ist eine ernstzunehmende bedrohliche Erkrankung. Die Ursache für die Entstehung einer Stauungsleber liegt meistens jedoch nicht in der Leber, sondern im Herz, genauer gesagt der rechten Herzhälfte.

Dort sollte eigentlich das Blut aus dem Körper (unter anderem der Leber, aber auch aus den Hohlvenen) in den Lungenkreislauf gepumpt werden. Bei der Rechts-Herz-Schwäche schaut sich das Blut in die Organe zurück. Dies passiert auch bei einem Verschluss der Lebervenen durch Thrombosen (Budd-Chiari-Syndrom).

Durch den andauernden Druck der Blutsäule verändert sich das Gewebe. Im Verlauf entwickelt sich aus der Stauungsleber dann eine Leberzirrhose.

Stauungsleber durch Herzinsuffizienz

Die Ursache für eine Stauungsleber ist eine Schwäche des rechten Herzen. Dies wird in der Fachsprache auch Rechtsherzinsuffizienz genannt. Eine Rechtsherzinsuffizienz kann viele Ursachen haben. Sie kann sich beispielsweise bei einer Lungenerkrankung entwickeln.

Das rechte Herz muss immer gegen den erhöhten Druck im Lungenkreislauf (pulmonale Hypertonie) anpumpen und ermüdet. Dies ist auch bei einer Herzklappenerkrankung wie einer Verengung der Pulmonalklappe der Fall.

Eine Rechtsherzinsuffizienz kann aber auch zusammen mit einer Linksherzinsuffizienz vorliegen, in diesem Fall entsteht die Herzmuskelschwäche meist auf dem Boden diverser Herzinfarkte oder einer Herzmuskelentzündung. Die Folgen sind immer die gleichen; durch die mangelnde Pumpleistung des Herzen staut sich das Blut in die Organe zurück, auch in die Leber. 

Lesen Sie auch: Herzschwäche - Das sollten Sie wissen

An welchen Symptomen erkennt man eine Stauungsleber?

Im Anfangsstadium einer Stauungsleber sind die Symptome relativ unspezifisch. Die Betroffenen klagen über Müdigkeit, Abgeschlagenheit und allgemeines Krankheitsgefühl.

Schreitet die Erkrankung weiter fort entwickeln sich die typischen Symptome einer Leberfunktionsstörung mit Gelbsucht (Ikterus), Eiweißmangel, Blutgerinnungsstörungen und im Endstadium ein Leberkoma (hepatische Enzephalopathie).

Auch die Rechtsherzschwäche macht den Patienten Probleme, das Wasser staut sich nicht nur in die Leber, sondern auch in die obere und untere Hohlvene zurück. Die Folge sind geschwollene Halsvenen  und sehr ausgeprägte Beinödeme. Dies geht natürlich mit einer allgemeinen Leistungsminderung einher.

Schmerzen bei einer Stauungsleber

Schmerzen gehören nicht unbedingt zu den typischen Symptomen einer Stauungsleber.

Es kann jedoch sein, dass es zu einer Kapseldehnung kommt. Die Leberkapsel ist sehr schmerzempfindlich. Durch den Druck des venösen Blutstaus, der nicht weitergepumpt werden kann, ist es möglich, dass die Leber zunächst anschwillt. Dadurch vergrößert sich das Volumen der Leber und das Gewebe drückt auf die sie umschließende Leberkapsel. Dies kann durchaus schmerzhaft sein.

Manchmal fällt dies auch bei der körperlichen Untersuchung auf. Ein Abtasten der Leber führt zu einem schmerzhaften Zusammenzucken beim Patienten.

Wasser im Bauch bei einer Stauungsleber

Wasser im Bauch oder Aszites, wie es in der Fachsprache genannt wird, ist bei Lebererkrankungen eine bekannte Komplikation. Sie äußert sich durch einen ballonartig aufgetrieben Bauch. 

Sie entwickelt sich bei der Stauungsleber dann, wenn die Erkrankung schon so weit fortgeschritten ist, dass eine Leberzirrhose vorliegt. Bei einer Leberzirrhose kommt es zu einem bindegewebigen Umbau der Leber. Das Blut aus der Pfortader kann nicht mehr so gut durch die Leber fließen, weil das Bindegewebe den Blutfluss verhindert. Daher staut sich das Blut vor der Leber in den Bauchraum zurück (= portale Hypertension).

Bauchwasser ist daher immer ein Zeichen, dass bereits eine Leberzirrhose vorliegen muss.

Erfahren Sie mehr unter: Wasser im Bauch

Diagnose einer Stauungsleber

Die Diagnose einer Stauungsleber kann relativ einfach gestellt werden. Zum einen finden sich in der Anamnese die typischen Symptome für Rechtsherzinsuffizienz und Leberfunktionsstörungen (siehe unten). Auch in der körperlichen Untersuchung ist meist eine Stauung der Halsvenen sichtbar; bei fortgeschrittener Erkrankung kann man auch bereits Hinweise auf eine Zirrhose feststellen, wie z.B. Wasser im Bauch (Aszites).

In der Laborchemischen Untersuchung zeigt sich eine Erhöhung der Leberwerte sowie ein erhöhtes pro-BNP als Marker für eine Herzinsuffizienz. Eine Ultraschalluntersuchung der Leber bestätigt den Verdacht; hier kann man die Stauung der Lebervenen deutlich erkennen. Des Weiteren sollte auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt werden um die Pumpfunktion des rechten Herzens beurteilen zu können.

Sonografie der Leber

Die Sonografie (Ultraschall) der Leber ist eine gute Methode um eine Stauungsleber zu diagnostizieren.
Die gestauten Lebervenen sind deutlich verbreitert, dies erkennt man sowohl im Lebervenenstern als auch in der Umgebung.  Auch die untere Hohlvene ist deutlich verbreitert. Die Atemmodulation ist aufgehoben, d.h. der Durchmesser der Blutgefäße verändert sich nicht mehr mit Ein- und Ausatmung. Die Blutgefäße sind immer maximal weit durch den hohen Füllungsdruck.

Auch das Gewebe der Leber selbst kann man gut in der Sonografie beurteilen. Je nach Schweregrad der Schädigung zeigt sich ein typisches Bild in der Sonografie.

MRT der Leber

Ein MRT der Leber bei Stauungsleber ist eigentlich selten nötig. Meistens kann man die Diagnose eindeutig mittels Sonografie stellen.

Pumpt das rechte Herz hingegen normal und vermutet man als Ursache für die Stauungsleber einen Verschluss der Lebervenen durch Thrombosen (Budd-Chiari-Syndrom), dann kann eine MRT Untersuchung der Leber durchaus sinnvoll sein. Denn so kann man die Lebervenen in ihrem weiteren Verlauf darstellen und thrombotische Verschlüsse der Gefäße erkennen.

Bei einer regulären Stauungsleber im Rahmen einer Rechtsherzinsuffizienz muss keine MRT Untersuchung der Leber durchgeführt werden.

Erfahren Sie mehr unter: MRT der Leber

Laborwerte bei einer Stauungsleber

Typisch für eine Stauungsleber ist immer ein Anstieg der Leberwerte, vor allem der Transaminasen. Ist die Transaminasenerhöhung durch eine Stauung bedingt, dann ist die GOT meist höher als die GPT. Oft sind die Werte nur diskret erhöht, sie können jedoch auch bis in die Tausende ansteigen.

Bei zunehmender Leberfunktionsstörung zeigt sich auch ein Anstieg von Bilirubin. Der Quick Wert fällt ab. Der Ammoniak-Wert im Blut kann erhöht sein. Ein Marker für die Herzschwäche ist das pro-BNP, dies kann man ebenfalls im Blut messen. Bei Rechtsherzinsuffizienz wäre es erhöht.

Lesen Sie weiter unter: Erhöhte Leberwerte

 

Therapie der Stauungsleber

Eine Stauungsleber kann man nur behandeln, indem man die auslösende Ursache eliminiert. In den meisten Fällen liegt keine Krankheit der Leber vor. Die Stauungsleber wird durch eine Rechtsherzinsuffizienz verursacht. Man muss also diese Rechtsherzschwäche behandeln.
Eine Rechtsherzinsuffizienz hat ebenfalls diverse Ursachen, die man alle unterschiedlich behandeln kann/muss. Dies ist die Domäne der Kardiologen. Als Spezialist für Magen-Darm-und-Lebererkrankungen kann der Gastroenterologe bei einer Stauungsleber durch Rechtsherzbelastung wenig tun.

Informieren Sie sich unter: Therapie der Herzinsuffizienz

In seltenen Fällen ist eine Stauungsleber auch durch Thrombosen in den Lebervenen ausgelöst. In diesem Fall spricht man vom Budd-Chiari-Syndrom. Die Patienten brauchen eine Blutverdünnung (Antikoagulation). Bessert sich die Leberstauung so nicht, kann ein portosystemischer Shunt (TIPS) erwogen werden, der Blut an der Leber vorbeileitet.

Kann man die Ursache einer Stauungsleber nicht rechtzeitig beheben, entwickelt sich als Komplikation einer Leberzirrhose. Die Komplikationen dieser Erkrankung muss man dann ebenfalls behandeln.

Prognose bei der Stauungsleber

Die Prognose der Stauungsleber ist von der Ursache abhängig. Es ist wichtig, dass man die Ursache behandeln kann und so ein Fortschreiten in eine Leberzirrhose verhindert werden kann. Dies ist jedoch oft sehr schwierig. Daher schreitet die Erkrankung meist weiter fort und eine Leberzirrhose entwickelt sich.

Die Prognose einer Leberzirrhose ist abhängig von dem Stadium der Zirrhose und von den Komplikationen. Häufige Komplikationen sind Blutungen aus Krampfadern um Speiseröhre und Magen. Hier ist die Sterblichkeit pro Blutungsereignis fast 40%.

Krankheitsverlauf bei der Stauungsleber

Der Krankheitsverlauf ist von der Ursache abhängig. Kann die Ursache für die Rechtsherzbelastung gut behandelt werden und das rechte Herz pumpt wieder besser, dann nimmt auch die Blutstauung der Leber ab und die Erkrankung bessert sich.

In den meisten Fällen handelt es sich aber um eine chronische Schwäche des rechten Herzens, die nur schwer behandelt werden kann. In diesem Fall entwickelt sich dann mit der Zeit die gefürchtete Komplikation der Leberzirrhose, die wegen zahlreicher Komplikationen nicht selten mit dem Tod endet.

Leberzirrhose durch Stauungsleber

Patienten mit Stauungsleber haben ein hohes Risiko einer Leberzirrhose zu entwickeln. Hierunter versteht man den bindegewebigen Umbau mit narbiger Schrumpfung des Organs. Dies führt fast zu einem vollständigen Funktionsverlust (Leberinsuffizienz). Der Prozess ist nicht umkehrbar (irreversibel).

Ähnlich wie bei jahrelangem chronischen Alkoholkonsum haben die Patienten mit Leberzirrhose aufgrund einer Stauungsleber ein hohes Risiko für Komplikationen, wie zum Beispiel eine Blutung aus Krampfadern im Bereich der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) oder des Magens (Fundusvarizen). Daher sollte man bei Patienten mit Stauungsleber alles daran setzen die Herzleistung zu optimieren um die Entwicklung einer Leberzirrhose zu verhindern.

Erfahren Sie mehr unter: Leberzirrhose

Was ist der Unterschied zwischen einer chronischen und einer akuten Stauungsleber?

Bei der akuten Stauungsleber kommt es relativ plötzlich zu einem venösen Rückstau des Blutes in die Leber. Beispielsweise ist die Rechtsherzfunktion auf einmal durch eine Lungenarterienembolie so stark eingeschränkt, dass sich das Blut vor der Leber staut. Dies führt dazu, dass die Leber anschwillt und sich vergrößert.
Unter dem Mikroskop erkennt man die deutlich erweiterten venösen Blutgefäße im Lebergewebe. Wird die Ursache für die Rechtsherzbelastung behoben (= Behandlung der Lungenarterienembolie) bessert sich normalerweise auch die Leberfunktion wieder.

Bei einer chronischen Stauungsleber entwickelt sich die Stauung schleichend und besteht über Monate. Hier setzt dann der beginnende bindegewebige Umbau der Leber ein. Dies kann man auch unter dem Mikroskop erkennen. Es ist ein Zeichen für Leberzirrhose. Sie ist nicht mehr reversibel und schreitet im weiteren Verlauf weiter fort.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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