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Eiweißmangel

Was versteht man unter einem Eiweißmangel?

Eiweiße oder Proteine haben lebenswichtige Aufgaben im Körper. Sie werden zum Aufbau von Geweben, vor allem der Muskulatur, benötigt. Sie kommen jedoch auch in einer bestimmten Konzentration im Blut vor. Hier transportieren sie wichtige Substanzen an ihren Zielort und binden die Flüssigkeit im Gefäßsystem. Sie sind an der Blutgerinnung beteiligt und erfüllen wichtige Aufgaben im Stoffwechsel. Auch das Immunsystem benötigt Eiweiß zur Abwehr von Krankheitserregern.

Ein Eiweißmangel hat daher gravierende Konsequenzen für den Körper. Einen Eiweißmangel kann man messen, indem man die Gesamteiweißkonzentration im Blut bestimmt. Diese sollte je nach Labor zwischen 64 und 83 g/l liegen. Liegt sie unter diesen Werten, so liegt ein Eiweißmangel vor.

Ursachen eines Eiweißmangels

Die Ursachen für einen Eiweißmangel können zahlreich sein. Bei Erkrankungen der Niere (z.B. nephrotisches Syndrom) kommt es zu einem erhöhten Eiweißverlust durch die Niere. Diesen kann der Körper nicht immer kompensieren und es kommt zum Eiweißmangel.

Auch eine reduzierte Eiweißzufuhr durch die Ernährung kann zu einem Eiweißmangel führen. Dies ist sowohl bei längeren unfreiwilligen Hungerphasen der Fall, als auch bei Erkrankungen wie der Magersucht (Anorexia).

Darüber hinaus gibt es weitere Erkrankungen, die zum Eiweißmangel führen. Durch eine Schwäche der Bauchspeicheldrüse produziert diese nicht mehr genügend Enzyme, welche dafür verantwortlich sind, die großen Eiweißmoleküle im Darm in ihre Bestandteile (Aminosäuren) zu spalten. Nur so können die Aminosäuren über die Darmschleimhaut aufgenommen werden.

Auch bei fehlender Syntheseleistung der Leber (durch Leberzirrhose) kann es zum Eiweißmangel kommen, da dort aus den Aminosäuren, die mit der Nahrung aufgenommen werden, normalerweise neue Eiweißmoleküle gebildet werden.

Im Rahmen einer Tumorerkrankung besteht immer ein erhöhter Eiweißverbrauch. Kann dieser nicht ausreichend gedeckt werden, tritt ein Eiweißmangel auf.

Wie hoch ist der tägliche Eiweißbedarf?

Der Eiweißbedarf pro Tag ist sehr unterschiedlich. Er hängt von der körperlichen Aktivität, dem Körperbau und dem Eiweißverbrauch ab. Stillende und schwangere Frauen haben einen höheren Eiweißbedarf. Auch Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen wie Tumorleiden, Leber- und Niereninsuffizienz haben einen veränderten Eiweißbedarf. Dies trifft auch auf Sportler zu, die gezielt Muskelaufbau betreiben wollen.

Grundsätzlich kann man sich jedoch an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) orientieren. Diese empfiehlt, 0,8g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu essen. Dies ist gleich für Männer und Frauen. Eine 65kg schwere Frau sollte demnach mindestens 50 Gramm Eiweiß pro Tag essen. Für einen 85kg schweren Mann liegt der Eiweißbedarf bei ca. 70 Gramm pro Tag. In Phasen erhöhten Eiweißbedarfs kann man die Eiweißzufuhr entsprechend anpassen.

Allerdings sollte eine Obergrenze von 2g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschritten werden. Nur Säuglinge und Kleinkinder, die sich im Wachstum befinden, haben einen höheren Eiweißbedarf von bis zu 3g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht.

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Wie hoch ist der Eiweißbedarf, wenn man Muskelaufbau betreiben will?

Wenn man Muskelaufbau betreiben will, ist der Eiweißbedarf pro Tag logischerweise höher. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung mit 0,8g pro Tag pro Kilogramm Körpergewicht gilt explizit nicht für Kraftsportler. Ihr Eiweißbedarf ist höher. Es liegt wohl zwischen 1,3 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Wichtig ist, dass eine Eiweißzufuhr von 2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschritten wird. Dies ist die absolute Obergrenze der täglichen Eiweißzufuhr.

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Worauf müssen Veganer / Vegetarier achten?

Die meisten Menschen decken ihren Eiweißbedarf mit tierischem Eiweiß durch den Konsum von Fleisch und Eiern. Veganer verzichten aber bewusst auf tierisches Protein. Und man muss ganz klar sagen, dass auch eine vegane Ernährung sehr eiweißreich sein kann. Eiweißreiche vegane Lebensmittel sind beispielsweise Bohnen, Kichererbsen und Linsen. Auch Tofu enthält Eiweiß. Dies gilt auch für Nüsse. Eine exzellente pflanzliche Eiweißquelle ist Quinoa. Dieses Getreide liefert dem Körper alle neun essentiellen Aminosäuren. Zudem enthält es zahlreiche Mineralstoffe und ist glutenfrei. Man muss daher keinen Eiweißmangel fürchten, wenn man sich vegan ernährt. Vegetarier können auch zusätzlich auf Eier zurückgreifen, um ihren täglichen Eiweißbedarf zu decken.

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An diesen Symptomen erkenne ich einen Eiweißmangel

Eiweiße erfüllen im Körper viele lebenswichtige Funktionen. Daher macht sich ein Eiweißmangel auch anhand von diversen Symptomen bemerkbar. Zunächst versucht der Körper, die Eiweißkonzentration im Blut weiterhin konstant zu halten, deshalb baut er Muskulatur ab, die viel Eiweiß enthält. Es kommt zum Gewichtsverlust.

Man fühlt sich schwach und kraftlos. Auch Müdigkeit ist ein Problem. Das Immunsystem braucht ebenfalls Eiweiß, um zu funktionieren. Die Folge sind häufige Infekte und Wundheilungsstörungen. Es kommt zudem zu Haarausfall und viele Betroffene klagen über trockene Haut und brüchige Nägel.

Ist der Eiweißmangel wirklich gravierend, treten auch Eiweißmangelödeme auf, unter welchen man Wassereinlagerungen im Gewebe versteht. Es treten auch vermehrt Heißhungerattacken auf. Denn das Eiweiß im Blut ist notwendig, um den Blutzuckerspiel konstant zu halten. Fällt der Blutzuckerspiegel ab, weil nicht genügend Eiweiß vorhanden ist, dann äußert sich dies in einer Heißhungerattacke.

Eiweißmangelsymptom: Müdigkeit

Müdigkeit ist ein sehr häufiges Symptom. Es kann diverse Ursachen haben. Neben den häufigen Ursachen wie eine Blutarmut (Anämie), eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder eine Depression, kann immer auch ein Eiweißmangel dahinter stecken.

Im Anfangsstadium des Eiweißmangels ist noch genügend Muskeleiweiß vorhanden. Der Körper beginnt nun mit dessen Abbau. Dies führt oft dazu, dass man Gewicht verliert. Die Muskelkraft lässt nach. Man fühlt sich müde und schlapp. Man sollte daher bei Müdigkeit durchaus daran denken, den Eiweißgehalt im Blut zu untersuchen.

Eiweißmangelsymptom: Haarausfall

Haarausfall kann ebenfalls zahlreiche Ursachen haben. Dies sind in erster Linie sicher ein Eisenmangel oder eine Fehlfunktion der Schilddrüse. Aber auch Eiweiß ist wichtig für den Aufbau von Geweben und somit das Haarwachstum. Das Haar besteht tatsächlich zu einem großen Teil an Proteinen. Man sollte daher auf eine entsprechende Eiweißzufuhr in der Nahrung achten. Zusätzlich können proteinhaltige Haarpflegeprodukte verwendet werden, um etwaige Schäden an der Haarstruktur zu reparieren.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Haarausfall

Eiweißmangelsymptom: Muskelschmerzen

Muskelschmerzen werden in der Fachsprache als Myalgien bezeichnet. Sie können zahlreiche Ursachen haben. In den meisten Fällen sind die Ursachen relativ harmlos. Muskelschmerzen durch Eiweißmangel sind allerdings nicht zu unterschätzen. Für unseren Körper stellt Eiweiß einen lebenswichtigen Rohstoff dar. Vor allem die Muskulatur ist ein eiweißreiches Gewebe. Daher ist der Eiweißbedarf bei Kraftsportlern deutlich erhöht. Liegt aber im Gegenzug ein Eiweißmangel vor, beginnt der Körper mit dem Abbau des Muskeleiweiß. Dies kann zu Muskelschmerzen führen. Sie können also ein Warnsignal für einen drohenden Eiweißmangel sein.

Weitere Informationen finden Sie hier: Muskelschmerzen

Eiweißmangelsymptome auf der Haut

Trockene und schuppige Haut ist häufig ein Hinweis auf einen Eiweißmangel. Auch Haare und Nägel leiden unter dem Eiweißmangel. Die Patienten klagen häufig über Haarausfall und brüchige Nägel. Auch kleine Wunden im Bereich der Haut heilen viel schlechter, weil Eiweiß zum Aufbau neuer Gewebe benötigt wird. Auch das Immunsystem ist deutlich schwächer. Bakterien haben daher oft ein leichtes Spiel, wenn es um Hautinfektionen geht. Für die Gesundheit der Haut ist es daher wichtig, auf eine ausreichende Eiweißzufuhr zu achten.

Diagnose eines Eiweißmangels

Es gibt verschiedene Symptome, die an einen Eiweißmangel denken lassen. Dazu zählen unter anderem:

  • Müdigkeit
  • Muskelschmerzen
  • Haarausfall
  • brüchige Nägel
  • Wundheilungsstörungen
  • Gewichtsverlust durch Muskelabbau

 In der körperlichen Untersuchung können bei gravierendem Eisenmangel auch Eisenmangelödeme (siehe unten) auffallen. Zur Diagnosesicherung sollte der Eiweißspiegel im Blut bestimmt werden. Die Gesamteiweißkonzentration im Blut sollte je nach Labor zwischen 64 und 83 g/l liegen. Ist der Wert niedriger, liegt ein Eiweißmangel vor.

Man kann zusätzlich Urin untersuchen, um festzustellen ob man Eiweiß über die Niere verliert.

Gibt es einen Test für Eiweißmangel?

In der Krankengeschichte gibt es oft schon Hinweise auf einen Eiweißmangel. Der Patient klagt über entsprechende Symptome. Testen, ob ein Eiweißmangel vorliegt, kann man durch eine Blutuntersuchung. Die Gesamteiweißkonzentration im Blut sollte je nach Labor zwischen 64 und 83 g/l liegen. Ein Eisenmangel liegt also vor, wenn das Gesamteiweiß im Blut den unteren Normwert unterschreitet. Dann ist es sinnvoll, weitere Tests durchzuführen, um die Ursache für den Eiweißmangel zu finden.

Blutwerte bei Eiweißmangel

Die Normwerte für Eiweiß im Blut sind sehr unterschiedlich und schwanken von Labor zu Labor. Grundsätzlich kann man sich jedoch merken, dass die Eiweiße im Blut eine sehr heterogene Gruppe sind. Der größte Teil des Bluteiweißes wird durch das Protein Albumin gebildet. Man kann daher neben dem Gesamteiweißgehalt des Blutes auch den Albumingehalt messen. Der Albumingehalt liegt bei den meisten Laboren zwischen 35 und 53 g/l. Zusätzlich lohnt es sich, neben einer Blut- auch eine Urinuntersuchung durchzuführen, um zu überprüfen ob Eiweiß über den Urin, also die Niere, verloren geht.

Behandlung eines Eiweißmangels

Eiweiße sind für den Körper überlebenswichtig. Ein Eiweißmangel kann gravierende Folgen haben. Daher sollte ein bestehender Eiweißmangel unbedingt behoben werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, pro Kilogramm Körpergewicht 0,8g Eiweiß über die Nahrung aufzunehmen. So kann man einen Eiweißmangel verhindern. In Phasen erhöhten Eiweißbedarfs (Wachstum, Schwangerschaft & Stillzeit, Kraftsport) sollte die Zufuhr auf 1,5g pro Kilogramm Körpergewicht erhöht werden. In Afrika ist Eiweißmangel aufgrund Mangelernährung weitaus häufiger.

In der Behandlung des Eiweißmangels ist es bei Betroffenen wichtig, die Eiweißzufuhr erst mal langsam zu steigern, um kein Refeeding-Syndrom auszulösen. Dieses Krankheitsbild kann entstehen, wenn man Patienten nach langer Zeit der Mangelernährung plötzlich schlagartig normale Nahrungsmengen zuführt. Patienten mit schwerer Lebererkrankung im Endstadium bekommen meist Infusionen mit Eiweiß (Albumin). da eine ausreichende körpereigene Eiweißbildung in der Leber nicht mehr möglich ist. Eine Extraportion Eiweiß in Form einer Infusion hilft auch, um bei Tumorpatienten einen Eiweißmangel zu beseitigen. Vor allem wenn diese durch den Eiweißmangel unter Bauchwasser (Aszites) leiden. Ist eine Nierenerkrankung mit Eiweißverlust über die Niere die Ursache für den Eiweißmangel, so sollte diese Nierenerkrankung bestmöglich behandelt werden.

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Prognose eines Eiweißmangels

Wie die Prognose eines Eiweißmangels ist, hängt von dessen Ursache ab. Eiweißmangel aufgrund einer Mangelernährung kann theoretisch relativ leicht ausgeglichen werden. Sind schwerwiegende Erkrankungen die Ursache für den Eiweißmangel, ist die Prognose meist schlechter. Schwere Nieren- und Lebererkrankungen im Endstadium, die zu Eisenmangel führen, lassen sich oft nicht mehr kurativ behandeln. Eiweiß kann den Patienten dann in Form von Infusionen zugeführt werden.

Was ist ein Eiweißmangelödem?

Die Folgen von Eiweißmangel sind gravierend. Der Körper versucht daher alles, um einem drohenden Eiweißmangel entgegenzuwirken. Eiweißmangelödeme treten erst bei sehr ausgeprägtem Eiweißmangel auf, wenn alle Kompensationsmechanismen des Körpers ausgeschöpft sind. Bei Eiweißmangelödemen handelt es sich um krankhafte Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe. Flüssigkeit tritt aus dem Gefäßsystem aus und sammelt sich im Gewebe.

Das Eiweiß im Blut sorgt nämlich normalerweise unter anderem dafür, dass der sogenannte kolloidosmotische Druck in den Kapillaren aufrechterhalten wird. Darunter versteht man, dass die Proteine im Blut Wasser anziehen und es somit in den Gefäßen halten. Ist der Eiweißgehalt im Blut zu gering, entweicht Flüssigkeit ins Gewebe. Die Ursachen für Eiweißmangelödeme können über Hunger bzw. verminderte Eiweißzufuhr in der Nahrung bis zu Eiweißmangel bei schweren körperlichen Erkrankungen reichen. Sie treten beispielsweise bei Tumorerkrankungen durch den hohen Eiweißverbrauch auf. Auch bei Eiweißverlust durch schwere Nierenerkrankungen kann es zu diesen Ödemen kommen. Dies gilt auch für Lebererkrankungen im Endstadium, wie bei der Leberzirrhose.

Behandeln kann man diese Eiweißmangelödeme nur, indem man die Ursache beseitigt bzw. den Eiweißmangel behebt. Eine Eiweißzufuhr in Form von Infusionen kann notwendig sein.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 24.04.2019
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